Kindergesundheit in Baden-Württemberg


24.6.2002

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg hat eine Web-Site: http://www.landesgesundheitsamt.de/

Dort befinden sich unter anderem :

Vor allem aber befindet sich dort diese vom Sozialministerium BaWü im Jahr 2000 herausgegebene Broschüre:

Darin werden auch die Vergiftungen mit Quecksilber und Blei erwähnt. Quecksilber auch aus Amalgamfüllungen...

Ein Text, den man lesen sollte! Ich zitiere im folgenden die betreffenden Passagen. (Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Angaben im PDF-File bzw im gedruckten Text. Hervorhebungen von mir.)

Aribert Deckers




Kindergesundheit in Baden-Württemberg 3 Rahmenbedingungen

p45

3.2 Natürliche und technische Umwelt

Beobachtungsgesundheitsämter: Kontinuierliche Erhebung von gesundheitsrelevanten Daten

In Baden-Württemberg werden Daten zum Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit seit 1992 an sogenannten Beobachtungsgesundheitsämtern erhoben. Die Funktion eines Beobachtungsgesundheitsamtes haben die Gesundheitsämter Mannheim, Stuttgart (seit 1995), Ortenaukreis und Ravensburg.

Bei der Auswahl dieser Gesundheitsamtsbezirke wurden sowohl Aspekte der regionalen Differenzierung als auch das Vorliegen flächendeckender Immissionsdaten (zumindest in einem Teilgebiet) berücksichtigt. Innerhalb der Gesundheitsamtsbezirke wurden folgende Untersuchungsareale festgelegt:

Im Rahmen des Projektes werden bei Kindern der 4. Schulklassen in den Untersuchungsarealen wiederholte Querschnittsuntersuchungen durchgeführt. Die Untersuchungen umfassen ein Monitoring der internen Belastung mit Schwermetallen wie Quecksilber und Blei sowie organischen Schadstoffen wie Polychlorierten Biphenylen (PCB). Einen weiteren Schwerpunkt der Untersuchungen stellen Wirkungsparameter dar, die mit Umwelteinflüssen in Verbindung gebracht werden wie Atemwegserkrankungen und Allergien (s. Abschnitt 4.6).

Von der ersten Untersuchung im Winterhalbjahr 1992/93 bis zur Untersuchung 1996/97 haben insgesamt 6.360 Kinder an den Untersuchungen teilgenommen. Dies entspricht einer Teilnahmerate von 78,1 %. In die Auswertung gingen die Daten von 5.732 Kindern ein, für die bestimmte Mindestangaben vorlagen und die seit mindestens zwei Jahren am jeweiligen Untersuchungsort lebten. In der Untersuchung 1996/97, deren Ergebnisse im folgenden etwas detaillierter dargestellt werden, lag die Teilnahmerate bei 77,1 %. Für die Auswertung konnten die Daten von 1.470 Kindern berücksichtigt werden.


Quecksilberkonzentrationen im Urin 1996/97

Untersuchungsort    Gesamtkollektiv              Kinder ohne Amalgamfüllungen
                    Anzahl  Median   95.         Anzahl  Median   95.
                            [ug/l]   Perzentil           [ug/l]   Perzentil
                            [ug/l]                       [ug/l]
Mannheim            365     0,30      3,8        193     < 0,2    0,75
Stuttgart           362     0,25      2,8        238       0,2    1,20
Kehl                334     0,28      3,3        178       0,2    0,75
Aulendorf/                                                           
Bad Waldsee         263     0,25      2,9        148     < 0,2    0,55

Quelle: Projekt Beobachtungsgesundheitsämter

p46

3 Rahmenbedingungen Kindergesundheit in Baden-Württemberg

Quecksilberbelastung

Für die Belastung mit Quecksilber im Urin ergaben sich in der Untersuchung 1996/97 die in den Abbildungen 3.13 und 3.14 dargestellten Mediane (50. Perzentile) und 95. Perzentile 1 an den Untersuchungsorten. Für Kinder ohne Amalgamfüllungen, die die Hintergrundbelastung besser widerspiegeln, werden deutlich niedrigere Konzentrationen ermittelt. In Mannheim und Aulen-dorf/ Bad Waldsee lagen mehr als 50 % der Ergebnisse unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,2 µg Quecksilber pro Liter Urin. Zwischen den Untersuchungsorten bestehen keine signifikanten Unterschiede.

Die Konzentration von Quecksilber im Urin ist hauptsächlich ein Indikator für die Belastung des Körpers mit anorganischen Quecksilberverbindungen. Eine wichtige Quelle für die Aufnahme anorganischer Quecksilberverbindungen stellen Amalgamfüllungen dar.

Zur Beurteilung der individuellen Quecksilberkonzentration im Urin wurden von der Kommission Human Biomonitoring (HBM) des Umweltbundesamtes folgende Werte herausgegeben:

9 Kinder wiesen Werte oberhalb des HBM-I-Wertes auf. Bei 3 weiteren Kindern lag die Quecksilberkonzentration im Urin oberhalb des HBM-II-Wertes.

Für das Gesamtkollektiv liegen die Konzentrationen der Untersuchung 1996/97 deutlich niedriger als bei den bisherigen Untersuchungen an den Beobachtungsgesundheitsämtern. Dies ist sicher im wesentlichen auf den vergleichsweise höheren Anteil an Kindern ohne Amalgamfüllungen in der Untersuchung 1996/97 zurückzuführen. Während 1996/97 57,9% der Kinder keine Amalgamfüllungen aufwiesen, lag dieser Anteil in den früheren Untersuchungen bei 37,9%.

Für Kinder ohne Amalgamfüllungen ist kein zeitlicher Trend der Quecksilberkonzentrationen im Urin festzustellen (siehe Abb. 3.14).

Haupteinflußfaktor ist die Anzahl der Zähne mit Amalgamfüllungen. Insofern führt die Kariesprophylaxe neben der primären Ausrichtung auf die Zahngesundheit auch zur Reduzierung einer vermeidbaren Quecksilberbelastung.

Die interne Belastung mit anorganischem Quecksilber, die über die Urinkonzentration ermittelt wird, stellt nur in Einzelfällen ein gesundheitliches Problem dar. In der Regel kann in diesen Fällen eine Belastungsquelle aus dem direkten Umfeld ausgemacht werden.

[1] jeweils 50% bzw. 95% aller Meßergebnisse liegen unterhalb des jeweiligen Wertes


P47

[Grafiken, bitte im Original ansehen!]

Amalgamfüllungen sind eine wichtige Quelle für Quecksilberbelastungen Anteil der Kinder mit Amalgamfüllungen rückläufig


3.13: Quecksilberkonzentrationen im Urin bei allen Kindern
       1992/93 bis 1996/97*
       * 1995/96 Erhebung nur in Stuttgart

3.14: Quecksilberkonzentrationen im Urin bei Kindern ohne
      Amalgamfüllungen 1992/93 bis 1996/97*
      * 1995/96 Erhebung nur in Stuttgart

Quelle: Projekt Beobachtungsgesundheitsämter


p48

3 Rahmenbedingungen Kindergesundheit in Baden-Württemberg

Bleibelastung

Die Mediane (50. Perzentile) und 95. Perzentile der Bleikonzentrationen im Blut in der Untersuchung 1996/97 sind in der folgenden Tabelle dargestellt. Zwischen den Untersuchungsorten bestehen keine signifikanten Unterschiede.

[GrafiK: bitte im Original ansehen!]


3.15: Bleikonzentrationen im Blut 1992/93 bis 1996/97*
      * 1995/96 Erhebung nur in Stuttgart

      Quelle: Projekt Beobachtungsgesundheitsämter


Bleikonzentrationen im Blut 1996/97

Untersuchungsort       Anzahl   Median        95. Perzentil
                               [µg/l]   [µg/l]
Mannheim               113     24,3           38,4
Stuttgart              137     24,9           37,1
Kehl                   110     22,5           36,3
Aulendorf/Bad Waldsee  127     23,2           36,6

Quelle: Projekt Beobachtungsgesundheitsämter


p49

Kindergesundheit in Baden-Württemberg 3 Rahmenbedingungen

Zur Beurteilung der individuellen Bleikonzentration im Blut wurden von der Kommission Human Biomonitoring des Umweltbundesamtes folgende Werte herausgegeben:

Die Ergebnisse aller Kinder liegen unterhalb des HBM-I-Wertes. Im Vergleich zu anderen Untersuchungen bei Kindern derselben Altersstufe werden sehr ähnliche Ergebnisse erzielt.

In der zeitlichen Betrachtung zeigt sich ein signifikant abnehmender Trend (siehe Abb. 3.15), der vor dem Hintergrund der weiteren Reduzierung des Einsatzes bleihaltigen Benzins plausibel ist.

Die interne Belastung mit Blei stellt für die Allgemeinbevölkerung kein gesundheitliches Problem dar. Die seit Inkraftsetzung des Benzin-Blei-Gesetzes beobachtbare Abnahme der internen Bleibelastung setzt sich seit der Einführung des bleifreien Benzins fort.

PCB-Belastung

Bei den PCB handelt es sich um eine Gruppe von 209 einzelnen Verbindungen (Kongeneren), die sich durch die Anzahl und Stellung der Chloratome im Molekül unterscheiden. In der Umweltanalytik werden üblicherweise 6 Indikatorkongenere berücksichtigt, von denen im menschlichen Blut in der Regel die Kongenere 138, 153 und 180 nachgewiesen werden können. Die Summe dieser drei Kongenere wird im folgenden als Indikator für die PCB-Belastung herangezogen.

Für die PCB-Belastung im Blut der Kinder ergaben sich in der Untersuchung 1996/97 die in der folgenden Tabelle dargestellten Mediane (50. Perzentile) und 95. Perzentile an den Untersuchungsorten. Zwischen den Untersuchungsorten bestehen keine signifikanten Unterschiede.


Summe der PCB-Kongenere 138, 153, und 180 im Blut 1996/97

Untersuchungsort        Anzahl  Median         95. Perzentil
                                [µg/l]   [µg/l]
Mannheim                105     0,42           1,06
Stuttgart               128     0,43           1,17
Kehl                    102     0,53           1,01
Aulendorf/Bad Waldsee   120     0,49           1,04

Quelle: Projekt Beobachtungsgesundheitsämter

Benzin-Blei-Gesetz führt zum Rückgang der internen Blei-belastung


p50

3 Rahmenbedingungen Kindergesundheit in Baden-Württemberg

Für PCB liegen bislang keine Beurteilungskriterien der Kommission Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes vor. Die im Rahmen der Untersuchung an den Beobachtungsgesundheitsämtern gemessenen PCB-Konzentrationen liegen insgesamt in einem Bereich, in dem nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand keine negativen gesundheitlichen Effekte zu erwarten sind.

Zur PCB-Belastung bei Kindern wurden nur wenige vergleichbare Untersuchungen durchgeführt. Bei 10jährigen Kindern aus Hessen wurden für die einzelnen PCB-Kongenere sehr ähnliche Konzentrationen ermittelt wie in den Untersuchungen an den Beobachtungsgesundheitsämtern.

Muttermilch-Monitoring

Muttermilch ist ein geeignetes Untersuchungsmaterial für fettlösliche chlororganische Verbindungen, da sie leicht zugänglich ist, einen hohen Fettgehalt aufweist und am Ende der Nahrungskette steht.

Seit 1980 können Mütter in Baden-Württemberg ab dem 4. Stillmonat ihre Muttermilch kostenlos auf Rückstände von persistenten Pflanzenschutzmitteln und Verunreinigungen mit polychlorierten Biphenylen (PCB) untersuchen lassen. Die Analysen werden von den Chemischen Landesuntersuchungsanstalten (CLUA) Karlsruhe, Freiburg, Sigmaringen, dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart sowie den Chemischen Untersuchungsämtern der Städte Pforzheim und Stuttgart durchgeführt.

Im Zeitraum von 1980 bis 1998 wurden insgesamt ca. 17.000 Muttermilchproben untersucht. Dabei ist die Zahl der jährlich untersuchten Proben stark rückläufig. Während 1990 knapp 2.000 Mütter ihre Milch zur Untersuchung einschickten, waren es 1998 nur insgesamt 117 Mütter.


p51

Kindergesundheit in Baden-Württemberg 3 Rahmenbedingungen

[Grafik: im Original ansehen!]


3.16: HCB in Humanmilch 1980 bis 1998
      Quelle: Chemische Landesuntersuchungsanstalten und 
              Chemische Untersuchungsämter Baden-Württemberg
Für alle routinemäßig untersuchten chlororganischen Verbindungen ist seit Beginn der Muttermilchuntersuchungen ein deutlicher Rückgang der Belastung zu beobachten. Abb. 3.16 zeigt exemplarisch die zeitliche Entwicklung der Belastung mit Hexachlorbenzol (HCB). Auch bei den PCB ist ein Rückgang festzustellen, der jedoch weniger deutlich ist (siehe Abb. 3.17). Hier können aufgrund geänderter Berechnungsverfahren die Konzentrationen erst ab 1986 direkt miteinander verglichen werden. Bei einigen Einzelstoffen liegen die Gehalte inzwischen bei der Mehrzahl der Proben unterhalb der analytischen Nachweisgrenze.

Neben den genannten chlororganischen Verbindungen wird in der Muttermilch auch die Belastung mit polychlorierten Dibenzodioxinen (PCDD) und Dibenzofuranen (PDCF) untersucht. Da für diese Analysen jedoch relativ große Milchmengen benötigt werden und sie zudem sehr aufwendig und teuer sind, werden hier häufig Sammelproben verwendet, die sich aus der Milch mehrerer Mütter zusammensetzen. Einzelmilchuntersuchungen werden in Baden-Württemberg in der Regel nur dann durchgeführt, wenn ein Verdacht auf eine spezifische Dioxin- bzw. Furanbelastung bei der Mutter vorliegt.

Im Zeitraum von 1988 bis 1998 wurden insgesamt 113 Muttermilchproben auf ihren Gehalt an PCDD/PCDF analysiert. Die Proben setzen sich aus 73 Einzelmilchproben und 40 Sammelmilchproben zusammen.

Bei den PCDD/PCDF handelt es sich um 210 Einzelverbindungen, deren unterschiedliche toxische Wirksamkeit bei der Konzentrationsangabe, die in sogenannten internationalen toxischen Äquivalenten (I-TEQ, ab 1997 WHO TEQ) erfolgt, berücksichtigt wird. Abb. 3.18 zeigt die Mittelwerte aller Proben eines Jahres ab 1991, da ab diesem Zeitpunkt die Angaben in I-TEQ vorliegen. Auch bei den Dioxinen und Furanen zeichnet sich ein Rückgang der Belastung ab.

Die Muttermilchuntersuchungen zeigen damit eindrucksvoll die Wirksamkeit der zur Reduzierung der Schadstoffbelastung getroffenen Maßnahmen wie Anwendungsverbote bei den Pflanzenschutzmitteln und Emissionsminderungsmaßnahmen bei den PCDD/PCDF.


p52

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3.17: PCB in Humanmilch 1986 bis 1998
      * 90 % der Meßwerte liegen unterhalb dieses Wertes.

      Quelle: Chemische Landesuntersuchungsanstalten und 
              Chemische Untersuchungsämter Baden-Württemberg
Die Nationale Stillkommission am Robert Koch-Institut in Berlin stellte 1995 einen Rückgang der Belastung an Organochlorpestiziden um 50-80% und bei PCB und PCDD/PCDF um 50% fest (Tietze et al., 1995). Aus Gründen der Vorsorge wird von der Nationalen Stillkommission gefordert, auch weiterhin geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Rückstände aller Fremdstoffe in der Muttermilch zu ergreifen. In den Rückständen wird kein gesundheitliches Risiko für den Säugling gesehen und damit kein Anlaß für Einschränkungen des Stillens. Die Nationale Stillkommission empfiehlt den Müttern, ihre Kinder bis zum Übergang auf die Löffelnahrung (d.h. etwa 4 bis 6 Monate lang) voll zu stillen und sieht auch kein gesundheitliches Risiko für den Säugling, wenn danach - zusätzlich zur Beikost und Kleinkindernahrung - noch weiter gestillt wird.

Ein Problem des bislang praktizierten Vorgehens bei der Muttermilchuntersuchung besteht darin, daß diese Untersuchungen keine repräsentativen Ergebnisse liefern. Die so erhobenen Daten unterliegen einem Selektionsprozeß, da nur interessierte und informierte Mütter die Initiative zur Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitsamt oder dem Untersuchungsamt ergreifen. In Baden-Württemberg wurde im Rahmen einer Pilotphase im Beobachtungsgesundheitsamt Ortenaukreis 1995 ein gezieltes Biomonitoring der Muttermilchbelastung durchgeführt. Wesentliches Merkmal dieses Biomonitorings war der aktive Zugang auf die Mütter und die Schichtung nach bestimmten Kriterien wie Alter oder Anzahl bereits gestillter Kinder. Die Ergebnisse und Erfahrungen der Pilotphase sind in einem Bericht des Landesgesundheitsamtes dargestellt (Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, 1998). Die Entscheidung über die langfristige Etablierung eines gezielten Biomonitorings steht in Baden-Württemberg noch aus. Die Umstellung der Muttermilchuntersuchungen wird auch von der Nationalen Stillkommission empfohlen (Tietze et al., 1995).

[Grafik: im original ansehen!]


3.18: PCDD/PCDF in Humanmilch 1991 bis 1998
      Quelle: Chemische Landesuntersuchungsanstalten und 
              Chemische Untersuchungsämter Baden-Württemberg

Beurteilung der Belastung der Muttermilch 
Muttermilchuntersuchungen als Monitoring-Programm

p53 Kindergesundheit in Baden-Württemberg 3 Rahmenbedingungen

Quellenhinweise

 


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