erstellt am: 19. Mai 2001 20:32
Univ.-Prof. (em.) Dr. Otmar Wassermann
Institut für Toxikologie, Universität Kiel 18.05.2001
Müllverbrennung im Luftkurort Bredstedt?
Besonders gefördert durch den “Leitenden Arzt der Umweltklinik Bredstedt” Dr. Eberhard S c h w a r z!
Liebe Weiterdenkende,
ich danke Ihnen herzlich für die spontane e-Verbreitung der Nachricht, daß im “Nordsee-Luftkurort Bredstedt” (nördlich von Husum) eine MVA gebaut werden soll.
Aktuelle Nachricht:
Am Sonntag, 20.05.2001, findet dort eine Bürgerbefragung statt. Um das “Vorfeld gut zu bestellen”, verbreitete am 14.05.2001 (also ausreichend knapp vor der Bürgerentscheidung, damit öffentlich wirksame Gegenreaktionen möglichst behindert werden) die Firma TNK, welche die MVA bauen und betreiben möchte, in einer ihrer desinformativen “Hochglanzwerbepostwurfsendungen” u. a. ein Interview mit dem Bredstedter “Leitenden Arzt des Umweltkrankenhauses” Dr. med. Eberhard Schwarz.
Ich füge dieses legendäre Interview in der Anlage bei, zusammen mit meinem Brief an Herrn Dr. Schwarz.
Bitte, verbreiten Sie diese Informationen, vor allem im Interesse der hierfür dankbaren Bürgerinitiative in Bredstedt und derjenigen Menschen, die künftig glauben, in Bredstedt saubere Luft zur Förderung ihrer Gesundheit zu erwarten, weitestmöglich!
Der zu erwartende Protest wird am besten gesammelt bei
Frau Ritva Arhammar, Gerichtstr. 60, 25821 Bredstedt, T/F 04671-5067;
e-mail: Arhammar@t-online.de
Herzlichen Dank für Ihre gewohnt professionelle Unterstützung und alle guten Wünsche!
Ihr Otmar Wassermann
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Müllverbrennung im Nordsee-Luftkurort Bredstedt (nördlich Husum)??
Lesen Sie bitte hierzu im Hochglanzwerbeblatt der für Bau und Betrieb der MVA vorgesehenen Firma Ties Neelsen & Klöckner (TNK) “Der Abfall-KURIER für Nordfriesland” vom 14.05.2001, auf Seite 3:
Interview:
“Gesundheitsbelastungen werden kaum größer sein”
- sagt Dr. med. Eberhard Schwarz, Leitender Arzt und Umweltmedizin-Experte des Fachkrankenhauses Nordfriesland
Seit 1993 werden in der Abteilung Umweltmedizin des Fachkrankenhauses Nordfriesland in Bredstedt jährlich rund 200 Patienten stationär und etwa 700 ambulant behandelt. Ihre Krankheitsbilder reichen von Chemikalien- und Nahrungsmittelintoleranzen über elektromagnetische Sensibilität bis hin zu chronischen neurologischen Erkrankungen. Dr. med. Eberhard Schwarz, Leitender Arzt und Umweltmedizin-Experte des Fachkrankenhauses, stand dem “Abfall-KURIER” Ende April Rede und Antwort.
Abfall-KURIER (A-K): Herr Dr. Schwarz, kennen Sie Menschen, die nachweislich an den Emissionen einer MVA erkrankt sind?
Dr. Schwarz: Nein, obwohl unsere Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, habe ich aller Wahrscheinlichkeit nach noch keinen Patienten behandelt, der an den Emissionen einer MVA erkrankt ist.
A-K: Rechnen Sie mit zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen für Ihre Patienten, wenn es zur Inbetriebnahme der MVA kommt?
Dr. Schwarz: Viele unserer Patienten sind in Sorge um ihre Gesundheit und fragen sich, ob Bredstedt auch nach dem Bau einer MVA das Siegel Luftkurort tragen darf. Wenn ich aber den Aussagen der Toxikologen, mit denen ich zusammenarbeite, Glauben schenken darf, sind durch eine MVA keine zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen für unsere Patienten zu erwarten. Denn die Technologie der Müllverbrennungsanlagen hat sich in den letzten Jahren so deutlich weiterentwickelt, dass sie eine ökologisch verträgliche Form der Müllentsorgung darstellen.
A-K: Haben Sie denn keine Befürchtungen, dass sich die Luftqualität in Bredstedt durch eine MVA deutlich verschlechtert?
Dr. Schwarz: Nein, die Gesundheitsbelastungen für die Menschen hier werden nach dem Bau einer MVA kaum größer sein, als sie es bereits jetzt durch Autoabgase, Gülle, Pestizide, Zigarettenrauch und Lösemittel sind.
A-K: Sie könnten also durchaus mit einer Müllverbrennungsanlage in der Nachbarschaft leben?
Dr. Schwarz: Ja, das könnte ich. Denn ich produziere selber Müll und will diesen nicht nach dem St. Florians-Prinzip woanders hinschicken. Außerdem halte ich, wie gesagt, die Restmüllverbrennung für eine ökologisch verträgliche Form der Müllentsorgung.
A-K: Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Schwarz.
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Univ.-Prof. (em.) Dr. O. Wassermann 18.05.2001
Institut für Toxikologie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Brunswiker Str. 10
24105 Kiel
Herrn Dr. med. Eberhard S c h w a r z
Leitender Arzt des Fachkrankenhauses Nordfriesland
Husumer Str.
25281 Bredstedt
Betrifft: Derzeitige öffentliche Diskussion über eine geplante Müllverbrennungsanlage in Bredstedt;
Hier: Ihr Interview im “Abfall-KURIER” des Müllentsorgers und vorgesehenen Betreibers der MVA Ties Neelsen & Klöckner, Meldorf, vom 14.05.2001, S. 3
Sehr geehrter Herr Dr. Schwarz,
schade, daß ich Sie am 10.05.2001 nicht bei meinem Vortrag in Bredstedt über Risiken der Müllverbrennung begrüßen konnte, da Sie anderen Verpflichtungen nachgingen.
Wie ich heute im o. g. Werbeblatt erkennen mußte, haben Sie sich bedauerlicherweise für ein Interview zugunsten der Interessen der Müllwirtschaft hergegeben.
Da ich Sie nunmehr viele Jahre kenne und bisher schätzte, erwartete ich von Ihnen, daß Sie sich intensiv mit der Materie beschäftigt hätten, bevor Sie als erfahrener Umweltmediziner (der während der Weiterbildung bei der Ärztekammer in Bad Segeberg über die Risiken der Müllverbrennung sich hätte informieren können) und von den Interessen der Müllwirtschaft nicht beeinflußbarer integerer Arzt (für den ich Sie bisher hielt) sich werbewirksam vor den Karren der Müllwirtschaft spannen lassen.
Zunächst greife ich aus Ihrem Interview nur folgenden Satz auf:
”Wenn ich aber den Aussagen der Toxikologen, mit denen ich zusammenarbeite, Glauben schenken darf, sind durch eine MVA keine zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen für unsere Patienten zu erwarten.”
Ich vermisse bei dieser Aussage die nötige Offenheit: Warum nennen Sie nicht diese Toxikologen, mit denen Sie zusammenarbeiten, mit Namen?
Ich fordere Sie hiermit auf, mir diese Toxikologen zu benennen.
Meine Internet-Recherche ergab allerdings, daß Sie durch gemeinsame Veröffentlichungen erkennbar bisher nur mit den Toxikologen des Instituts für Toxikologie der Kieler Universität zusammengearbeitet haben.
Ich stelle hiermit fest, daß Sie zu keiner Zeit sich bei uns über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Emissionen von Müllverbrennungsanlagen (MVA) sachkundig gemacht haben.
Herr Privat-Dozent Dr. med. Alsen-Hinrichs, Herr Dr. H. Kruse und ich sind über den Inhalt Ihres Interviews daher zutiefst entsetzt und von Ihnen enttäuscht. Ersterer wird Ihnen seine dezidierte Meinung über die umweltmedizinische Relevanz Ihrer Äußerungen selbst mitteilen.
Der Wortlaut Ihrer Aussagen beweist aber, daß Sie das internationale toxikologisch-epidemio-logische Schrifttum zu diesem Thema nicht kennen, sondern nur die platten Sprüche und Lügen der Müllwirtschaft und ihrer gekauften Hofgutachter nachsprechen. Ich greife hier nur auf, daß Sie “selber Müll produzieren”. Warum vermeiden Sie ihn denn nicht? Warum drängten Sie nicht energisch auf Untersuchung der bekanntlich besseren Alternativen??
Es tut mir leid, aber ich muß Ihnen die fachliche Kompetenz für diese Thematik aberkennen.
Ihre Patienten, “die aus dem gesamten Bundesgebiet” zu Ihnen kommen und von denen ein nicht geringer Teil zu Ihnen nur gekommen ist, weil wir ihnen Ihre Klinik empfahlen, haben ein Anrecht auf ehrliche Information. Ich werde daher den Wortlaut Ihres Interviews und dieses Schreiben u. a. über das Internet international ebenso verbreiten, wie die Müllwirtschaft Sie überall als Kronzeugen der Ungefährlichkeit von MVA vorführen wird.
Mit diesem an Ignoranz nicht zu überbietenden Interview reihen Sie sich leider unter die Gefälligkeitsgutachter der Energie- und Müllwirtschaft ein, die seinerzeit mit besonderer Förderung des (als Bannerträger der Energiewirtschaft hinreichend bekannten) Präsidenten der Bundesärztekammer, Herrn Vilmar, ihr wissenschaftlich äußerst beschämendes und für die betroffene Bevölkerung gefährliches Papier “Potentielle Gesundheitsgefahren durch Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen” gegen den massiven Widerstand eines Großteils der Ärzteschaft in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in das Deutsche Ärzteblatt lancierten (Dt. Ärztebl. 90, 11.01.1993).
Unter den Umweltmedizinern sind Sie für mich die bisher größte Enttäuschung.
Wer sich ohne Fachkompetenz zum Thema MVA von der Müllwirtschaft vereinnahmen läßt und als “Leitender Arzt einer Umweltklinik” die Unbedenklichkeit der Müllverbrennung ohne Sachkenntnis unterschreibt, scheint da ich dem “Leitenden Arzt” einen gemeingefährlichen totalen Blackout nicht unterstellen möchte anderen Einflüssen erlegen zu sein: Ich fordere Sie daher auf, mir und der Öffentlichkeit gerichtsfest umgehend die Frage zu beantworten,
ob und in welcher Höhe Sie direkt oder indirekt Zuwendungen irgendwelcher Art für Ihre Klinik oder für sich selbst im Zusammenhang mit der geplanten MVA in Bredstedt erwarten?
Mit der Ihnen gebührenden Hochachtung
Univ.-Prof. (em.) Dr. Otmar Wassermann
PS:
Kopie an die Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bad Segeberg
u. a.