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Gifte in der Umwelt

Schwermetalle aus Keramikglasuren können die Gesundheit gefährden


11.03.2005

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BfR - Pressedienst

Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88 - 92 
D - 14195 Berlin, 
Telefon: 01888/412-4300
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(BfR-Presseinformation Nr. 08/2005)


08/2005, 11. März 2005

Schwermetalle aus Keramikglasuren können die Gesundheit gefährden 

BfR empfiehlt niedrigere Höchstmengen für den Übergang von Blei und
Cadmium aus Keramikgegenständen in Lebensmittel

Farbige Glasuren von Keramikgeschirr können Schwermetalle wie Blei
oder Cadmium enthalten. Beim Kontakt mit Nahrungsmitteln können diese
giftigen Stoffe in unterschiedlichem Maße aus der Keramik herausgelöst
werden. Welche Mengen an Blei und Cadmium aus der Keramik in die
Lebensmittel übergehen, hängt neben der Qualität der Glasur im
wesentlichen von der Temperatur ab, mit der die Keramik gebrannt
wurde, sowie von der Art des Lebensmittels und der Dauer des Kontakts.
Die europäische Richtlinie, welche die Abgabe von Blei und Cadmium aus
Keramik regelt, wird derzeit überarbeitet. Aus diesem Anlass hat das
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die geltenden Höchstmengen
überprüft. "Gesundheitsgefährdungen durch extreme Bleiaufnahmen über
Lebensmittel, die längere Zeit in bleilässigen Keramikgefäßen
aufbewahrt wurden, können auch heute nicht völlig ausgeschlossen
werden", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Selbst
bei Einhaltung der geltenden Regelungen können unter bestimmten
Umständen Schwermetallmengen aus der Keramik an Lebensmittel abgegeben
werden, die insbesondere für Blei als nicht mehr sicher zu bewerten
sind. Das BfR empfiehlt deshalb eine Absenkung der gesetzlichen
Höchstmengen für die Abgabe von Blei und Cadmium aus
Keramikgegenständen. Verbraucher sollten Lebensmittel nicht über
längere Zeit in Keramikgefäßen aufbewahren.

Aus Keramikgefäßen, die die erlaubte Abgabemenge für Blei ausschöpfen,
können an die Lebensmittel bis zu 4 Milligramm Blei pro Liter (mg/L)
abgegeben werden. Damit kann die Bleiaufnahme - je nach
Berechnungsmodell - den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
abgeleiteten Wert für die vorläufige tolerierbare wöchentliche
Aufnahmemenge (PTWI) von 0,025 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht
(mg/kg KG) und Woche zum Teil erheblich überschreiten. "Auch wenn
davon auszugehen ist, dass derart hohe Überschreitungen weder täglich
noch lebenslang vorkommen, handelt es sich um zusätzliche und vor
allem vermeidbare Belastungen", so Hensel.

Ähnliches gilt laut BfR für das Schwermetall Cadmium, wobei dort die
Überschreitungen des PTWI von 0,007 mg/kg KG und Woche deutlich
niedriger ausfallen. Dennoch gibt es Personengruppen, die schon
aufgrund ihrer Verzehrs- und Lebensgewohnheiten den Grenzwert für
Cadmium nahezu ausschöpfen. Jede zusätzliche Aufnahme, wie etwa über
Keramikgeschirr, sollte deshalb vermieden werden. Das Institut kommt
zu dem Schluss, dass bei einer Beibehaltung der bisherigen
Höchstmengen für den Übergang von Blei und Cadmium aus
Keramikgegenständen auf Lebensmittel in Einzelfällen Aufnahmemengen
resultieren können, die insbesondere für Blei nicht mehr als sicher
anzusehen sind. Offen bleibt zwar, wie viele Verbraucher wie häufig
von solch hohen Schwermetallaufnahmen betroffen sind. Insbesondere im
Hinblick auf die Empfindlichkeit von Kindern empfiehlt das BfR aber,
die Höchstwerte für die Abgabe von Blei und Cadmium aus Keramik zu
senken.

Blei ist ein natürlich vorkommendes Schwermetall, das in der Umwelt,
nicht zuletzt durch industrielle Prozesse, weit verbreitet ist. Es
gehört zu den starken Umweltgiften und reichert sich im Organismus an.
Blei ist als Zusatz in zahlreichen Produkten wie Batterien, manchen
Farben, Glasuren bis hin zu Kosmetikartikeln zu finden. Beim üblichen
Gebrauch von Keramikgegenständen ist nicht davon auszugehen, dass
täglich oder sogar lebenslang die maximal möglichen Bleimengen
aufgenommen werden. Werden insbesondere saure Lebensmittel aber
längere Zeit in schwermetalllässigen Keramikgefäßen aufbewahrt, kann
die herausgelöste Bleimenge kritische Werte erreichen.
Bleivergiftungen durch Fruchtsäfte, die in bleilässigen Keramik-Krügen
aufbewahrt wurden, kommen auch heute noch vor.

Akute Bleivergiftungen äußern sich unter anderem durch Erbrechen,
Darmkoliken, Verstopfung bis hin zum Nierenversagen. Kinder sind
besonders gefährdet, da der Körper im Entwicklungsstadium noch
empfindlicher auf Blei reagiert. Bei ihnen kann eine erhöhte
Bleibelastung irreversible Nervenschäden bis hin zu Störungen der
Hirnfunktionen verursachen. Chronische Vergiftungen gehen mit
Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Nervosität oder Abmagerung einher.

Cadmium ist wie Blei ein Schwermetall, das in geringen Mengen weit
verbreitet vorkommt. Cadmium und seine Verbindungen in Form von
Stäuben und Aerosolen sind als krebserregende Stoffe eingestuft. Außer
in Batterien wird das Metall hauptsächlich in Farbpigmenten und zur
Herstellung von Kunststoffen verwendet. Auch Cadmium reichert sich
über die Nahrungskette im Körper an, wo es sich in Leber und Niere
konzentriert. Einmal vom Körper aufgenommenes Cadmium wird nur sehr
langsam wieder ausgeschieden.

Cadmiumvergiftungen äußern sich zunächst in Form von Durchfall und
Erbrechen. Sie können zu Leber- und Herzschädigungen, Nieren- und
Kreislaufversagen führen. Bei geringen Dosen, die über einen längeren
Zeitraum auf den Mensch einwirken, zeigen sich eher unspezifische
Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und neurologische Störungen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter http://www.bfr.bund.de
unter dem Menupunkt "Bedarfsgegenstände/Materialien in Kontakt mit
Lebensmitteln".

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.bfr.bund.de/cm/216/blei_und_cadmium_aus_keramik.pdf


Presserechtlich verantwortlich: Dr. Irene Lukassowitz

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