Impfgegner


3.3.2003

Den folgenden Artikel darf ich hier mit der freundlichen Erlaubnis des Autors, Herrn DDr.Wolfgang Maurer, Wien, wiedergeben.

Aribert Deckers


DDr. Wolfgang Maurer:"Impfgegner"
Erstveröffentlichung:
Jatros Vaccines 2003; 1:16-18
Universimed Verlag, Wien

Impfgegner

Impfgegner gibt es, seit es Impfungen gibt

Seit der Entwicklung der ersten Impfstoffe traten Impfgegner, teilweise massiv, gegen diese Präventionsmöglichkeit auf. Bereits damals waren die Argumente dieser Impfgegner irrational und von Wissenschaftsfeindlichkeit geprägt:

oder

Im Jahr 1901 fand in Boston eine Pockenepidemie statt. Parallel dazu wurde über die Wirksamkeit der Pockenimpfung eine heftige öffentliche Diskussion geführt. Dr. Immanuel Pfeiffer, ein Arzt der Fastenkuren und Hypnosetechniken propagierte, war der Meinung, dass ein guter Gesundheitszustand die Ansteckung mit Pocken verhindert. So besuchte er ungeimpft eine Pockenquarantänestation. 16 Tage später erkrankte er schwer an Pocken, überlebte aber.
Die Sterblichkeitsrate bei Ungeimpften betrug bei diesem Ausbruch 22 Prozent (Albert MR et al "NEJM" (2001);344:375-9).

Vergleichbare "Hypothesen" werden auch heutzutage von Befürwortern recht einseitiger Ernährungsratgeber verbreitet. So behauptet der Internist Dr. Max O. Bruker in seinem harmlos klingenden Buch "Biologischer Ratgeber für Mutter und Kind" (Emu-Verlag), dass bei ausschließlich vitalstoffreicher Vollwerternährung es zu keiner Infektionen kommen kann:

Polioepidemien müssten demnach massenhafte Diätfehler sein. Dies zu verifizieren wäre leicht durch eine Überprüfung der (vollstofflichen) Ernährungsgewohnheiten der Europäer, nachdem die WHO am 21. Juni 2002 Europa für Poliomyelitis-frei erklärt hat.

Bruker dehnt seine Behauptungen jedoch auch auf andere Infektionserkrankungen aus:

 
Homöopathie und Impfungen

Partiell gehören Impfgegner der Homöopathieszene an. Jedoch lobte bereits Hahnemann die Pockenimpfung und dementsprechend unterstützen homöopathische Vereinigungen (Faculty of Homeopathy, London) vorbehaltlos die Impfprogramme und stellen fest, dass Homöopathie keine entsprechende Alternative zur Impfung darstellt.

Auf der anderen Seite existiert jedoch die Technik der "homöopathischen Impfung" in Form der Impfnosode. Bei letzterer fehlen Wirksamkeitsnachweise. Ohne klinische Studie ist die Verwendung des Begriffs "Impfstoff" aber unzulässig.

Erschütternd ist beispielsweise das geringe Niveau, mit dem Ravi Roy ("Kinder mit Homöopathie behandeln" (Knaur Verlag 2000)) den FSME-Impfstoff beschreibt:

Bei hohen Buchauflagen scheint es egal, wenn FSME-Immunglobulin mit Aktivimpfstoff zu dem zitierten Eintopf zusammengemischt wird. Da wundert es auch nicht, dass eifersüchtiges Verhalten sowie Abbröckeln der Zähne als Impfschaden beschrieben wird.

Widersprüche wie

und wenige Seiten weiter fallen offensichtlich nicht auf.

Masern sind keine Bedrohung

Im deutschsprachigen Raum ist der bekannteste Impfgegner Dr. med. Gerhard Buchwald. Dieser versucht beispielsweise, durch Statistiken zu belegen, dass Masern eine harmlose Kinderkrankheit sind. Er behauptet, dass in der BRD pro Jahr nur eine Handvoll Kinder an Masern sterben und daher die Impfung nicht erforderlich ist. Dabei wird übersehen, dass in der viel kleineren DDR mit guter epidemiologischer Dokumentation vor Einführung der Masernimpfung in den 70er Jahren bis zu 180 Kinder jährlich an Masern verstorben sind.

An Hand von rezenten Masernausbrüchen in Industrieländern müssen wir davon ausgehen, dass 1 von 1000 Kindern an Masern stirbt.

Während es in Finnland mit einem exzellenten Impfprogramm seit 1996 insgesamt 4 Masernfälle gab, waren im unzureichend geimpften Österreich seit 1997 allein 10 SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis)-Tote als Spätfolge einer Wildtypmaserninfektion zu beklagen.

Auch bei dem "Impfspezialisten" Buchwald ist das niedrige fachliche Niveau auffallend (1989):

Dass der Keuchhustenimpfstoff immer schon ein Totimpfstoff war und es daher denkunmöglich ist, dass sich die Impferreger sofort im Körper ausbreiten, ist offenbar egal. Wäre es so, müsste man außerdem regelmäßig klassischen Keuchhusten nach Impfung erleben können.

Insgesamt sind Impfgegner unsolidarisch, da ja durch Herdenimmunität bei durch Impfung eliminierbaren Krankheiten auch Personen geschützt sind, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Durch hohe Durchimpfungsraten können sehr wohl Transplantierte und anders Immunsupprimierte vor Masern geschützt werden. Von einer solchen Position ausgehend, wundert es dann nicht, dass Buchwald folgendes schreibt:


Existenznachweise humanpathogener Viren fehlen

In den letzten Jahren sind noch einige "hardcore" Impfgegner dazugekommen, die sich um den "Virologen" Dr. Stefan Lanka gruppieren. Lanka ist zunächst als "AIDS-Dissident" aufgetreten und hat nun seine Behauptungen ausgeweitet: von "AIDS-Lüge entlarvt" über BSE-Lüge, Grippe-Virus-Lüge etc. Dementsprechend auch der Titel seines Buches "Impfen - Völkermord im dritten Jahrtausend" (Pirol-Verlag 2001).

Lanka behauptet schlicht, dass die Existenznachweise von humanpathogenen Viren fehlen und noch nicht einmal eine biochemische Charakterisierung vorliegt. Wie dann allerdings die chemische Summenformel von Poliovirus C332.652H492.388N98.245O131.196P7.501S2.340 zustande kommt, verrät uns Lanka nicht.

Ebenso behauptet Lanka, dass es zwar Bakterien gibt, dass aber hier der Verursachungsnachweis für die Krankheit fehle. Die gesamte Infektionstheorie sei initiiert durch den "Wissenschaftsbetrüger" Pasteur. In Wirklichkeit seien Bakterien nicht Verursacher eines Krankheitsprozesses, sondern Teile eines Reparaturprozesses - zur Wiederherstellung eines Gleichgewichts. Hier trifft sich Lanka mit der Neuen Medizin des Dr. Geerd Hamer, der es ja auch in Österreich zu einschlägiger Bekanntschaft gebracht hat. Damit schließt sich aber auch die Argumentationskette und ich darf nochmals das Zitat aus 1887 wiederholen:

Zumindest die Argumente von Lanka sind seit 115 Jahren dieselben.


Prominenter Förderer des Impfwesens

Für wissenschaftlich orientierte Mitarbeiter des Gesundheitswesens sei ein prominenter Förderer des Impfwesens zitiert. Am Beispiel der passiven Immunprophylaxe gegen Diphtherie schreibt dieser 1900:

Aus Angst um das Leben seiner Kinder ließ Stellbogen dann doch noch seine Kinder therapieren. Und der Förderer des Impfwesens schreibt weiter:

Der zitierte Förderer war unser großer Karl Kraus in "Die Fackel" 2(37): 13-4 (1900).


Addendum

Zwei widersprüchliche Zitate von Ravi Roy

und wenige Seiten weiter fallen offensichtlich nicht auf.

Ravi Roy hat das sehr wohl in Zusammenhang mit armen Völkern gebracht:

Aber die Wahrheit ist:

So schaut die Fachkenntnis von Impfgegnern aus...

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