Kirlian-Fotografie


7.6.2002

Der "Meister" will ein Foto von Ihnen machen und stellt Sie dazu in einen völlig dunklen Raum.

Die Aufnahme soll ohne Optik, dh im "Direktkontakt" erfolgen. Um die Hand zu fotografieren, wird sie einfach auf den Film gelegt. Damit der Film nicht verschmutzt - und um andere Nebenwirkungen zu vermeiden - wird aber zwischen Film und Hand eine plane Glasscheibe gelegt.

Der Raum ist dunkel, Sie sind kein Glühwürmchen, also nehmen wir künstliche Beleuchtung: "Elmsfeuer".

Elmsfeuer ist den Matrosen seit Jahrhunderten bekannt und ein sehr einfacher physikalischer Effekt, der auf elektrostatischer Aufladung beruht.

Sie kennen das : Besonders im Sommer, wenn es sehr trocken ist, erhalten Sie des öfteren beim Berühren von zB Türgriffen einen elektrischen Schlag. Warum? Weil durch Reibung statische Elektrizität entstanden ist, Sie aufgeladen wurden, und beim Berühren des Türgriffs ein Ladungsausgleich stattgefunden hat.

Vielleicht haben Sie es dabei auch schon blitzen gesehen. Elektronen, durch die Spannung beschleunigt, schlagen in Materie ein und erzeugen dabei Photonen -- Licht.

Dieses Licht, dieses Blitzen, wird für die Aufnahme benötigt. Dafür wird hohe elektrische Spannung mit einem Generator erzeugt. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Versuche im Physikunterricht ?: die Kugeln, von denen die Blitze wegschossen...

Vielleicht erinnern Sie sich auch noch daran, daß spitze Gegenstände - zB Nadeln - besonders heftige Blitze erzeugten. Je spitzer, je stärker die Kontur, je rauher die Oberfläche, desto mehr Blitze, weil die elektrische Feldstärke an den Spitzen besonders groß ist.

Ihre Hand ist alles andere als eben, sondern hat viele Kanten, Furchen, Rauhigkeiten. Um diese herum wird durch einschlagende Elektronen ein Schauer von Photonen herausgeschlagen, der die Handoberfläche aus nächster Nähe beleuchtet. Bei ausreichend langer Belichtungszeit sind genügend viele Blitze entstanden, um den Film zu belichten.

Das ist alles: Mensch in dunklem Raum an Hochspannung anschließen, Hand auf Glasplatte über Film legen, warten. Dann Bild entwickeln. Bei Farbfilm gibt es das Ergebnis auch in bunt. Fertig ist die Kirlian-Fotografie.

Ihren Namen hat die Kirlian-Fotografie nach ihre Erfindern, einem russischen Ehepaar Kirlian.

Daß es Russen sind, verleiht der Kirlian-Fotografie einen besonderen Touch, denn Rußland ist Heimstatt für Mysthik, des Geheimnisvollen. Das ist immer gut für den Verkauf...

Nun kann man also fotografieren, vorzugsweise Hände und Füße. Hände und Füße haben nicht nur sehr rauhe Oberflächen (geben viele Strukturen auf den Aufnahmen), sondern sind Teil mysthischer Strukturen (siehe Ohrakupunktur und Fußreflexzonenmassage, bei denen die gesamte Körperoberfläche auf die Ohr- bzw Fußfläche abgebildet wird) - auch das ist gut für den Verkauf...

Je nach Farbmuster und -intensität ist in einem Kirlian-Foto die Aura zu sehen - und damit die Gesundheit eines Menschen. Heißt es.

Das wird nach allen Regeln der Kunst ausgeschlachtet, bis hin zur angeblichen Diagnose von Schwermetallvergiftungen.

Daß dies Schwindel sind, ahnt der Patient natürlich nicht, der - geplagt durch seine Krankheit (und damit leicht beeinflußbar) - am liebsen alles glauben möchte, was auch nur im entferntesten Heilung verspricht.

So ist Kirlian-Fotografie zu einem festen Bestandteil der Quacksalberszene geworden.

Kirlian-Fotografie hätte niemals so schnell den Weg in die Szene gefunden, hätte es nicht den einen, den bahnbrechenden Versuch gegeben:

Ich habe damals, Mitte der 70er Jahre, den Fehler des Verfahrens erkannt und bewiesen.

Beginnen wir mit der 1. Aufnahme. Ein ganzes Blatt wird auf die Glasplatte gelegt und fotografiert. Das ist vom Blatt ein "Schnappschuß" zum Zeitpunkt X. Auf dem Foto erscheint das ganze Blatt. Auf der 2. Aufnahme ist das abgeschnitte Stück noch zu sehen. Die Aura erinnert sich daran. Die Aura, das ist die immaterielle, reine Information. (So heißt es.)

Wenn nun das abgeschnittene Blattstück zu sehen ist, warum nicht der ganze Baum!? Schon auf dem 1. Bild hätte der zu sehen sein müssen!

"Das Blatt war am Baum." Dies ist eine Information, die ewig ist. Sie ist nicht änderbar. Sie ist unsterblich. Sie wird für immer sein.

Das abgeschnittene Stück ist auf dem Foto zu sehen, der Baum jedoch nicht. Also gibt es eine Zeitabhängigkeit, die die Information verblassen läßt. Das aber kann nicht sein, denn Information ist zeitunabhängig.

Damit bricht die ganze Theorie der Aura, der Information in sich zusammen.

(Diesen Ansatz der Unsterblichkeit der Information können wir auch bei anderen Schwindelverfahren (wie zB Homöopathie) verwenden.)

Mehrere Jahre nach der rasanten Verbreitung der Kirlian-Fotografie sickerte die Ursache für die "Sensation" durch: Nach dem 1. Foto war die Glasplatte nicht gereinigt worden. Die Spuren des (ganzen) Blattes auf dem Glas reichten aus, in der 2. Aufnahme die weggeschnittenen Stellen - wie "magisch" - wieder erscheinen zu lassen.

Das "Gedächtnis der Aura" erwies sich als Dreck (auf dem Glas), als Dreckeffekt, als schlampige Versuchsdurchführung.

DIESE Meldung fand im Gegensatz zur "Sensation" NICHT die gleiche Verbreitung. Wen wundert's, senkt sie doch den Umsatz - und der ist das einzige, was bei Quacksalbers zählt...

Aribert Deckers

 


hier geht's weiter !
[ Das Amalgam-Zentrum ]

Copyright © 2002
Aribert Deckers
and
Copyright © 2002
Antares Real-Estate

Jegliche Weiterverwendung der Texte der Amalgam-Page ist verboten.
Verlage dürfen sich wegen der Nachdruckrechte per Email an mich wenden.
Aribert Deckers