Netzwerke und Seilschaften
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MLM

"Ich mache Sie zum Millionär!"

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Wo bleibt das Geld beim MLM?


14.11.2004

Überall sitzen MLM-er in den Startlöchern und wollen Millionäre werden. Sehen wir uns deren Schema an:

Unter einem Kopf sitzen 5 MLM-er, unter jedem davon wieder 5, und so weiter.

Belassen wir es bei diesem kurzen Schema und nehmen an, daß die MLM-er der Schichten 1, 2, 3, 4 nicht selbst verkaufen, sondern (wie meist) die Masse des Geldes durch die unterste Ebene in das System hereingespült wird.

Das Geld wird nach einem "Marketingplan" verteilt. Je nach Firma sind es zwischen 40 bis 80 Prozent des Endkundenpreises, die als Beute verteilt werden.

In Tabelle 1 sind nur 5 Ebenen. Viele Systeme sind aber wesentlich tiefer und haben mehr als 10 Ebenen. Wie schaut es da mit dem zu verteilenden Geld aus? JEDER in der Händlerkette von Ebene "ganz unten" bis "Kopf" muß ja eine Provision erhalten.

Weil der Hersteller für sich einen Mindestbetrag will, MUSS die Zahl der Prozente INSGESAMT begrenzt sein.

Nehmen wir an, die Prozente sind begrenzt ("mehr geht nicht") und die maximale Provision wird verteilt. Dann wird vom Endkundenpreis ZURÜCKgerechnet und jeder Händler in der Kette erhält eine Provision.

Ist die Kette kürzer, wo bleibt dann der Rest? Sehr einfach: Durch das Rückrechnen landet das nicht in die Kette fließende Geld beim Hersteller.

Die MLM-er MÜSSEN folglich versuchen, so viele wie möglich Kettenglieder einzufügen, um gegen den Hersteller bestehen zu können. Hierzu werden andere Teile der eigenen Familie und Freunde eingespannt.
(Siehe Family Business (http://www.ariplex.com/ama/ama_num5.htm))

Nehmen wir einen realistischen Durchschnittswert für den Umsatz. Bei einem der Hersteller liegt er zur Zeit bei 222 Mio Jahresumsatz, erreicht über 100.000 MLM-er. Ein durchschnittlicher MLM-er dieses Systems setzt also PRO JAHR 2220 Euro um, das sind 185 Euro pro Monat.

Wie wird man damit zum Millionär?

Ganz klar: mit 185 Euro Umsatz im Monat ganz bestimmt nicht!

Sehen wir uns also an, wo das Geld im System bleibt.

Spannen wir die Provisionen in der Kette auf und nehmen ein willkürliches Beispiel:

Eine bemerkenswerte Tabelle. Bemerkenswert falsch.

Zu einem sind ist die Provision (40 Prozent) für den Verkäufer ("Letzter") nicht immer so üppig.

Zum andern - auch wenn es nur 20 Prozent für den Verkäufer sind -, liegt der Teufel ganz woanders...

Geködert werden die Händler mit der Ihnen zufließenden "gigantischen" Provision. Das ist auch Sinn der Sache, man muß die Leute ja bei der Stange halten.

Machen wir uns auf die Suche: Wie verteilt sich das einfließende Geld auf Verkäufer, Händler über ihm, Hersteller?:

Von 100 Prozent fließen, wie man in Spalte B sieht, 40 Prozent in die Kasse des Verkäufers, 18 Prozent zur Kette darüber, und 42 Prozent zum Hersteller.

Bei einem System, wo der Verkäufer 20 Prozent erhält, die gesamte Kette 80 Prozent, wandern demnach 60 Prozent (die 80 minus 20) in die Kette über dem Verkäufer. Die restlichen 20 Prozent gehen an den Hersteller.

60 Prozent des Umsatzes gehen an Zwischenhändler, die für den Verkauf nichts getan haben. Das hochgelobte "passive Einkommen".

Beide Fälle sind natürlich Extreme, dargestellt in Tabelle 4 als "Firma X" und "Firma Y".

Es gibt aber noch ein Extrem: "Firma Z". Das sind KEINE erfundenen Zahlen, sondern das stammt von einem existierenden MLM-System.

Der Verkäufer erhält sage und schreibe nur 2 Prozent. Ich habe das auch nicht glauben können, doch es scheint tatsächlich so zu sein.

Natürlich wird niemand so verrückt sein und in ein System einsteigen, wo er nur 2 Prozent Provision erhält. Deswegen hat die Sache auch einen Trick: In den ersten 60 Tagen ab Einstieg erhält der Verkäufer bei jedem Verkauf einen sogenannten Bonus, ca 20 Prozent.

Der Trick ist noch übler, als man auf den ersten Blick vermutet, denn: Was geschieht in den ersten 1 oder 2 Monaten bei einem Frischling im MLM?: Er grast seine persönliche Umgebung ab: Familie, Freundeskreis, Arbeitskollegen...

In der ersten Zeit, wo der MLM-er noch richtig Beute machen kann, bekommt er eine annehmbare Provision. Das macht ihn euphorisch.

Dieses System bringt die Verkäufer dazu, in den ersten 2 Monaten ihre Umgebung "niederzumähen". Danach, das ist sicher, ist es damit vorbei. Dann muß dieser MLM-er ZWANGSLÄUFIG weitere Händler unter sich haben, denn dann bekommt er für einen Verkauf durch den Händler direkt unter ihm 8 Prozent Provision. Lächerlich wenig, aber immer noch besser als nur 2 Prozent...

Dieses System erzwingt also mit brutaler Gewalt progressive Händlerwerbung. Es ist das mieseste und niederträchtigste System, das mir bisher begegnet ist.

Ausgerechnet in DIESEM System ereignen sich (laut öffentlichen Aussagen von MLM-ern dieses Systems) noch besondere Machenschaften. So wird von manchen Händlern die Euphorie der Frischlinge unter ihnen während der ersten 2 Monate ausgenutzt, um denen den Irrsinn einzureden, kistenweise den Saft, den sie verkaufen sollen, selbst zu kaufen und Flasche für Flasche als Werbung zu verschenken.

Eine Flasche Saft kostet zum Endkundenpreis 50 Euro, den MLM-er selbst also immer noch 40 Euro. Kaufen tut er - wie ihm geraten - 10 Kisten zu je 4 Flaschen. 10 Kisten zu 160 Euro - so wandern 1600 Euro in den Orkus. Die Händlerkette über dem Frischling nimmt dies wohlwollend zur Kennntnis, verbleibt ihr doch die stattliche Summe von 23 Prozent aus 1600 Euro...

Hat in diesem System ein Frischling keine Händler unter sich gefunden, wird er weggeworfen, denn es ist klar, daß er mit 2 Prozent Provision nicht existieren kann, also aufgeben muß.

Dieses System ist also, schlimmer als jedes andere, ausschließlich darauf ausgerichtet, das persönliche Umfeld der Frischlinge auszubeuten. Verbrannte Erde, alles eiskalt geplant...

Dieses System schreckt auch, brutaler als jedes andere, nicht davor zurück, mit miesesten Lügen gesundheitsbezogene Reklame zu machen - und macht auch vor Totkranken nicht halt...

 
Der Fächer

Nehmen wir die Extreme "Firma X" und "Firma Y" und betrachten das System aus einer ganz anderen Sicht. Nehmen wir als Umsatz den oben genannten Wert von 185 Euro pro Monat.

Wie man sieht, bleibt von dem eingespülten Geld eine erhebliche Menge im System ÜBER dem Verkäufer. Ziehen wir jetzt wieder den Fächer auf:

In Tabelle 6 ist für 2 Faktoren, nämlich 5 und 2, die Anzahl der MLM-er in den einzelnen Stufen angegeben. Selbst Systeme mit dem Faktor 2 erreichen sehr große Werte. Man darf die Tiefe des Systems nicht vergessen!

Bei einem Durchschnittsumsatz der "Firma X" werden pro Monat eingenommen:

Irgendwo dazwischen werden sich die Werte für ein reales MLM-System bewegen. Das ist ein riesiger Spielraum. Aber um den geht es nicht, sondern um die Frage, WO das Geld bleibt.

Im ersten Fall sind die 1 Prozent, die der Kopf erhält, 3,6 Mio Euro, im zweiten Fall sind es 9.472 Euro.

Während also ein kleiner MLM-er, der Letzte in der Kette, gerade mal 185 Euro Umsatz hat, die ihm 74 Euro Roheinnahme lassen, erhält der Kopf Monat für Monat 3,6 Mio Euro Roheinnahme.

Die 74 Euro Roheinnahme für den Letzten gelten natürlich nur bei 40 Prozent Provision. Bei 20 Prozent sind es nur noch 37 Euro.

Es ist eine Geldpyramide: Das Geld wandert nach oben.

Mit den Kosten ist es anders. Während "die da oben" nur jeweils 5 unter sich haben (reale Werte liegen bei 40 bis 50), die sich hin und wieder treffen, muß der Verkäufer, eben der Letzte in der Kette, ständig auf Achse sein, um mit den Käufern zu reden und neue Käufer zu finden. Neukundengewinnung, Kundenpflege und eventuell der Warentransport fressen einen großen Teil der Roheinnahmen. Die Kosten liegen also fast ausschließlich bei den Letzten, in der untersten Ebene.

Die "Oberen" müssen ihre untergeordneten Händler unterstützen und fahren zu Veranstaltungen, um dann als "Experten" des jeweiligen Systems aufzutreten. Die dabei entstehenden Kosten werden aber getragen durch die Provisionen des Fächers der darunter liegenden Händler. Der Letzte in der Kette hat niemanden unter sich. Er wird beim MLM verbraucht. Menschen als Verbrauchsmaterial...

 
Wie Sie sehen, kann man mit MLM durchaus Millionär werden: durch Mißbrauch des Vertrauens, des Geldes und der Lebenszeit von Zigtausenden oder Hunderttausenden von Menschen unter sich. MLM ist eben ein Verbrechen.

Aribert Deckers

 


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