Netzwerke und Seilschaften

MLM

"So erkennen Sie Gewinnertypen"

(Michael Strachowitz)

Eine Analyse


8.1.2004

Erfolgreich muß man sein, verkaufen muß man können. Betonung auf "können". Deswegen wird es unterrichtet. Zum Beispiel von einem Herrn Michael Strachowitz, der denn auch oft von MLM-ern zitiert wird.

Warum wird Herr Strachowitz von MLM-ern zitiert? Weil er MLM-er trainiert. Das kostet Geld, und davon kann man leben.

Was erzählt dieser Herr Strachowitz den MLM-ern und was zitieren sie folglich so gerne? Das sehen wir uns genauer an, und zwar anhand eines Artikels von Michael Strachowitz, welcher in der "Network Press" Nr. 34, April-Mai 2002, auf den Seiten 16ff erschien.

Der Tag hat 24 Stunden. Das ist wahr. Es ist eine Binsenweisheit.

Mein Mathematiklehrer, Herr Klatt, dem ich viel zu verdanken habe, ohne den ich niemals hätte studieren können, rechnete clevererweise noch die Nacht dazu und kam auf 36 Stunden. Aber das ist Höhere Mathematik...

Dieser Herr Klatt sagte auch, daß es einmal heißen würde "dumm wie ein Deutscher". Das sagte er vor fast 40 Jahren. Und er hatte recht. Aber das ist kein anderes Thema...

Sehen Sie im folgenden, wie Michael Strachowitz aus dem Mangel an Zeit Folgerungen zieht. Und welche. Was für welche...!

Bitte vermerken Sie in Ihrem Notizbuch die Wörter "Zeitverschwender" und "Energiefresser". Jeder gute MLM-er tut das. Und wir tun das auch, weil wir ihrem Beispiel folgen...

"Zeitverschwender" und "Energiefresser" sind nämlich magische Wörter, die Ihnen immer wieder begegnen werden. Es sind magische Wörter, weil hinter ihnen Bedeutungen stecken, die in tiefster Mystik vergraben und mit dem Hauch des GROSSEN GEHEIMEN WISSENS umflort sind.

Woher weiß man, daß es magische Wörter sind? Weil irgendein Guru solche Wörter erfindet und man Monate später eben diese Wörter in allen möglichen Foren und Flugblättern und Werbepostillen wiederfindet.

Auf diese Weise erkennt man auch, welcher der Trainer, Coaches, Experten, Könner, Erfolgreichen (und so weiter und so weiter, die ganze Liste durch...) denn nun ein Guru ist, weil "man" ihn nachbetet.

Es macht ein überaus großes Vergnügen, hin und wieder einen Artikel von "einem der Großen" zu lesen, und dann zu wissen, was für das nächste Jahr der Denkstoff der MLM-er ist, den sie wiederkäuen werden...

Wir merken uns also die Wörter "Zeitverschwender" und "Energiefresser", und notieren, daß die etwas Schlechtes beschreiben, denn "Verschwendung" ist schlecht und "fressen" ist auch schlecht.

Es geht also um etwas Schlechtes. Um schlechte Menschen, das heißt, um Menschen die schlecht sind. Für wen schlecht? Für MLMer...

Wir merken uns auch dieses:

Was wiederum bedeutet, daß der Vortrag bzw der Artikel des Michael Strachowitz natürlich nur bei solchen Menschen hilfreich ist, die nicht "mäßig interessiert und eher träge" sind.

Wieder 2 neue Wörter für unser Notizbuch: "Rekrutierungsfrustration" und "Betreuungsfrust".

Interessant auch "auf dem Weg nach oben". Was ist denn "oben"?

"oben", das ist da, wo die Erfolgreichen sind. Also da, wo man hin muß, wo man dazugehören muß. Wo jeder hin will. Wo das Geld vom Himmel regnet und die Sonne den ganzen Tag scheint.

Doch dahin ist ein Weg mit Übeln, und es gibt keinen Ausweg, das eine oder das andere wird Einen packen...

Auch in dem "zuwenig sponsert" offenbart sich so allerlei.

Zunächst der Eintrag ins Notizbuch: "sponsern". Denn das ist beileibe NICHT das Mäzenatentum, mit dem wohlsituierte Industrielle oder Honoratioren dem darbenden Künstlerbohemien mit Aufträgen oder Geldspenden das Künstlerdasein zum Wohle der Menschheit subventionieren. Nein, es ist ein gestohlenes Wort. Dem bis zum Mißbrauch eindeutig zugeordneten Wort "Sponsor" und der Tätigkeit "sponsorn" wird eine neue Bedeutung aufgeklebt. Wobei der "gute Klang" des ECHTEN Wortes, nämlich "selbstlose Hilfe", gestohlen wird.

Das "Sponsern" ist beim MLM nichts weiter als das Anheuern weiterer, untergeordneter Händler. Der Großhändler sucht Händler, über die seine Ware verkauft wird. Von Großmut, von Mäzenatentum keine Spur.

Die Pein des Großhändlers: neue Händler anheuern und diese neuen Händler betreuen. Natürlich kann der Großhändler beides bleiben lassen. Doch dann kommt er nicht nach oben. Siehe oben. (sic!).

Nachdem klar ist, daß, wer "nach oben" will, neue untergeordnete Händler anheuern muß, nun zu den Rezepten, WIE das zu tun sei.

Das Rezept lautet:

Das ist aber nur der 1. Teil! Der 2. Teil lautet:

Eintrag ins Notizbuch: "Führungskräfte".

"Führungskräfte", ein wichtiges Wort, sogar eines der wichtigsten überhaupt beim MLM. Und, natürlich, auch dieses ist ein gestohlenes Wort.

"Führungskraft" im ursprünglichen Sinn ist jemand, der Andere anleiten, sie führen kann. Doch hier, beim MLM, steckt noch mehr darin. Beim MLM bedeutet Führungskraft AUTOMATISCH, daß diese Person andere ANHEUERT.

Gehen wir noch einmal die Sequenz durch:

Erster Schritt war doch, neue Händler anzuheuern. Nun, beim zweiten Schritt, geht es plötzlich um "Führungskräfte". Dabei sind die frisch Angeheuerten doch nur Händler. Wen sollte ein Händler führen, außer sich selbst? Würden Sie jemanden, der sich selbst führt, eine "Führungskraft" nennen? Nein, natürlich nicht.

Also, das ist eine wichtige Erkenntnis für dieses Wort, ist eine "Führungskraft" beim MLM jemand, der AUTOMATISCH weitere - unter IHM liegende - Händler anheuert. Das ist eine neue Bedeutung, die dem Wort "Führungskraft" einfach untergeschoben wird. Eine Bedeutung, die es im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch NICHT gibt.

 
Sie sehen also, daß beim MLM Wörter gestohlen werden, Wörtern eine neue oder eine zusätzliche Bedeutung untergeschoben wird. Das macht es einem Laien so schwer, mit einem MLM-er zu reden, denn woher soll ein Laie all diese Hinterhältigkeiten kennen, woher soll er wissen, wie beim MLM die Sprache zur Waffe umfunktioniert wird?

Sprache bei MLM ist wie bei Sekten ein Werkzeug zur Schaffung einer Parallelwelt, in der die Opfer gefangen werden. Wie bei Sekten ist zur Befreiung der Opfer eine Deprogrammierung notwendig, bei der unter anderem dem Opfer klargemacht werden muß, wie ihm seine Sprache gestohlen wurde, so daß es die reale Welt gar nicht mehr erkennen konnte.

Womit wir beim Thema des Artikels sind, denn Michael Strachowitz ist einer Jener, die MLM-er "trainieren", also einer Jener, die Sprache als Werkzeug einsetzen...

Mittels dieses Werkzeugs unterrichten sie den Gebrauch dieses Werkzeugs. Wobei man ihnen beim Gebrauch des Werkzeugs auf die Finger schauen muß - um zu erkennen, wie schon beim Unterricht das Werkzeug als Waffe eingesetzt wird...

Es entbehrt nicht einer nicht unerheblichen Komik, daß die meisten MLM-er in der Tat substanzlose Dampfplauderer sind. Als Fachfremde sind sie nämlich gar nicht in der Lage, fundierte Fakten vorzutragen, geschweige denn, zu erklären. Nein, sie ergehen sich in endloses Repetieren von Phrasen, die man ihnen eingetrichtert hat bzw, die sie sich angelesen haben. Angelesen zum Beispiel in der Crème de la Crème der Fachzeitschriften für Nahrungsergänzungsmittel, also den billigsten Groschenblättern der Yellowpress, in der gleich neben dem Paparazzofoto aus dem Liebesleben von Prinzen und Prinzessinnen der Artikel über den Jungbrunnen durch eingelegte Heringe steht. Daß diese Artikel "fremdfinanziert" sind, weiß er nicht, der MLM-er, und wenn er es wüßte, würde er sich sogar darüber freuen, wie gut es seiner Fraktion mal wieder gelungen ist, "die Presse" auf ihre Seite zu ziehen.

Aber das hat Michael Strachowitz nicht gemeint, das kann er nicht gemeint haben und das darf er nicht gemeint haben, denn so viel Selbsterkenntnis darf man der MLM-Branche nun auch wieder nicht zutrauen...

Übersetzt: "Die Zahl derer, die sehr aktiv weitere untergeordnete Händler ködern, ist sehr gering."

Um diese Wenigen zu finden, muß man eben sehr viele Neue anheuern. Je mehr man anheuert, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß darunter eine "echte Network-Kanone" ist.

Übersetzt: "Der Versuch, aus den vorhandenen Leuten erfolgreiche Anheuerer zu machen, ist vergeblich."

Dafür gibt es natürlich Gründe. Echte Gründe und vorgeschobene Gründe. Die echten Gründe beim Namen zu nennen würde für einen MLM-er einen Offenbarungseid bedeuten, und wer will den schon leisten? So etwas tut ein MLM-er nur unbeabsichtigt, oder wenn er sowie alle Hoffnung hat fahren lassen...

Ein echter Grund ist zum Beispiel: Der MLM-er hat seinen Familien- und Bekanntenkreis heimgesucht, hat mit den Leuten gesprochen - und niemanden überzeugen können. Ob die den Köder gerochen haben, die Wahrheit über MLM oder über dieses Produkt oder jene Firma schon kannten, ist noch eine weitere Sache.

Warum auch immer, dieser eine MLM-er konnte niemanden überzeugen. Also gibt er auf, denn weiterzumachen würde Geld kosten, das er nicht hat oder nicht mehr aufzubringen bereit ist. Ist er deswegen eine Niete? Ja. Ist er deswegen ein Versager? Ja.

Das ist die Quintessenz des Artikels, sowohl bis jetzt als auch im folgenden.

Das Perfide daran: Es ist wahr. Jeder MLM-er kann das nachprüfen. Und er sieht: "Es stimmt." Das hat 2 Folgen. Einerseits glaubt er Michael Strachowitz (was ein Fehler ist), andererseits (und darum geht es mir) wird der MLM-er immer mehr zum Täter, der haargenau weiß, daß er Menschen verbrennen muß, um vorwärts zu kommen:

Auf Neudeutsch: Das "rat race". Das Rattenrennen.

Wichtig beim Lesen des Artikels von Michael Strachowitz ist daher die Art und Weise, WIE er den MLM-ern diese Tatsache beibringt und wie er sie cachiert, sie verbrämt.

So schreibt Michael Strachowitz:

Und weiter: Damit ist der Schuldige gefunden. Der Schuldige ist natürlich nicht das Prinzip des MLM, sondern der Schuldige ist der, der nichts tun will. Der ist faul, und Faulheit gehört bestraft. Aber so kraß sagt Michael Strachowitz das nicht direkt. Immerhin billigt er Jedem zu, nichts zu tun. Das muß er auch, denn ein großer Teil des MLM lebt vom Versprechen auf ein "passives Einkommen" (= Einkommen durch Nichtstun). Was eine der Schizophrenien des MLM ist.

Hier breitet Strachowitz die nächste Schizophrenie aus:

Erst einmal hackt Michael Strachowitz auf diejenigen ein, die keinen Erfolg haben. Warum haben sie ihn nicht? Weil sie nicht wollen. Das sagt Strachowitz indirekt und implizit. In seiner Logik ist jemand, der nicht will, erfolglos.

Warum? Weil der Erfolg mit den Tüchtigen ist. So einfach ist das. Wer keinen Erfolg hat, ist untüchtig, ist unwillig. So einfach ist das.

In der Welt der MLM-er jedenfalls. In der realen Welt sieht es, wie bereits gezeigt, ganz anders aus.

Doch hier dreht Strachowitz die Schraube noch stärker an: der Großhändler soll den anheuerten Händler unter Druck setzen.

Daß Michael Strachowitz das gestohlene Wort "Sponsor" benutzt, ist - wie immer bei dessen Gebrauch - der blanke Hohn.

Hier spricht Michael Strachowitz das Wort Faulheit sogar direkt aus. Womit er nochmal, und wesentlich härter, in die ewig gleiche Kerbe schlägt.

Denn dies ist das Credo der Möchtegerne, der Hökerer, der Koofmichs, der über-den-Tisch-Zieher, der Raffkes und Gierschlunds dieser Welt - und seien sie noch so geschniegelt und gestriegelt im Nadelstreifenanzug mit Krawatte, und hochglanzpolierten 1000-Euro-Schuhen:

Michael Strachowitz weiter:

Die Namensliste, aus der Trickkiste des MLM: Der Neue soll 100 Namen aufschreiben und zum nächsten Treffen mitbringen. Manche Großhändler fordern sogar 200 Namen.

Strachowitz wörtlich (Seite 17, Kasten unten):

Wer ist hier der Gewinner?: Der neu Angeheuerte oder der Großhändler? Ganz eindeutig der Großhändler, denn zu ihm fließen die Provisionen.

Der neu angeheuerte Händler ist nur der Vermittler. Und er ist es nur für die begrenzte Zahl von Personen in seinem persönlichen Umfeld. Ist dieses Umfeld ausgeschöpft, ist sein Feld abgeerntet und er kann nicht mehr weiter. Er hat seine Grenzen erreicht, auch er ist jetzt verbrannt.

Der Großhändler hat diese Menge abgeschöpft und wendet sich nun neuen Opfern zu. Wie bereits beschrieben: immer weiter, weiter, weiter. Immer vorwärts, immer vorwärts. Immer neue Leute auftreiben, immer neue Leute auftreiben.

Der neu angeheuerte Händler bleibt auf der Strecke. Er ist kein "Gewinner", sondern ein Gewinn für den Großhändler. Das mag bislang aus den Worten Strachowitz' nicht so eindeutig hervorgehen, aber der nächste Satz ist ein Offenbarungseid:

Genau das ist es: Worauf läßt sich denn der neue Händler ein? Alleine die Worte zeigen, daß der Neue schon unterlegen ist. Er gibt sein Umfeld als Beute preis.

Würde ein Petri-Jünger einen Fisch am Haken als Gewinner bezeichnen? Sicher nicht. Ein Menschenfischer schon. Er zeigt damit sein wahres Ich.

Strachowitz weiter:

Auch das ist schizophren: Auf der einen Seite heißt es, daß die neuen Händler gefördert werden müssen, jetzt aber sind diejenigen erfolgreich, die völlig ohne solche Hilfe auskommen mußten. Was würde man denn aus dieser Tatsache schließen?: Richtig, am besten nach unten treten! Diejenigen, die damit klar kommen, unter Druck gesetzt zu werden, das sind unsere Gewinne. Die andern taugen sowieso nicht. Wer nichts taugt, um den kümmern wir uns nicht (weil das Energiefresser sind, die nur unsere Zeit kosten). Wer was taugt, um den kümmern wir uns auch nicht, denn die machen alles alleine. Müssen die ja auch. Wir suchen einfach immer neue Leute zum Einschreiben. Dann geht das alles ganz einfach von selbst.

Und dann leistet Michael Strachowitz einen Offenbarungseid allererster Güte:

Diesen Satz Strachowitz' darf man sich einrahmen, denn er ist das grundlegende Geständnis:

Strachowitz weiter:

Gewinne sind aufgabenorientiert. Gewinne klagen nicht. Gewinne handeln. Übersetzt: Gewinne sind pflegeleicht und machen keinen Streß.

Umgedreht, bedeutet dies: Wer Streß macht, wer klagt, der ist kein Gewinn. Folgerung: Wer kein Gewinn ist, den können wir nicht brauchen. Weg mit ihm! Neue suchen!

Ist MLM eine Menschen-wegwerf-Maschine?

Vielleicht sollte ich erwähnen, daß die Einnahmen der meisten MLM-er aus MLM unter dem Sozialhilfesatz liegen. Von einem Lohn als GEGENWERT für erbrachte Leistung kann also nicht die Rede sein, schon gar nicht, wenn man in den Web-Foren der MLM-er von deren Pleiten liest.

Mit der Wahrheit nimmt es Strachowitz also nicht so genau. Aber er bedient ein... ja noch nicht einmal ein Vorurteil, sondern eine Weltsichtbrille. Und diese hier ist die Strachowitz'sche für die Lemminge. Wer also immer zuerst danach fragt, was Strachowitz sagt, hat diesen Zusammenhang noch nicht erkannt.

Daß die meisten MLM-er unter dem Sozialhilfesatz liegen, ist übrigens ein Zitat aus einem MLM-er-Forum, in dem diese Aussage unwidersprochen blieb. MLM-er haben ihre eigenen Methoden, damit fertig zu werden. Wie? Indem sie ihr Credo aufsagen, daß nur der Fleißige Erfolg hat. Wer unter dem Sozialhilfesatz liegt, der ist eben faul. Recht geschieht ihm!

Bei Strachowitz kommt es noch schlimmer: Die Opfer (das sind die neuen Händler) müssen auch noch bringen.
Im Fall "gmt" haben die Opfer mehr als 100 Millionen US-Dollar gebracht, siehe den Bericht "Der Fall gmt" (http://www.ariplex.com/ama/ama_gmt1.htm)

Trainer haben ein Faible für klare, gerade Aussagen. Wie diese:

Klar, gerade heraus, und falsch.

Wo man sitzt, hängt von einer Reihe Faktoren ab, wozu auch Strategie gehört. Wer hinten sitzt, sieht die Anderen und kann den Saal beobachten. Das ist bei vielen Veranstaltungen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Aber es wäre ein großer Fehler, Michael Strachowitz hier (wie auch überall sonst) auf den Leim zu gehen. Denn wovon redet Michael Strachowitz?: Von "Gewinnern". "Gewinner" sind aber Verlierer, "Gewinner" sind diejenigen, die den MLM-ern (und hier Michael Strachowitz) auf den Leim gehen.

Diese Verlierer sitzen tatsächlich oft vorne. Weil sie gar nicht genug bekommen. Und weil, so Strachowitz:

Begeisterungsfähig sind sie. Die Verlierer.

Begeisterungsfähigkeit ist ein entscheidendes Merkmal.

Begeisterungsfähigkeit ist nämlich eine Folge von Gutgläubigkeit, von Naivität, von mangelndem Nachdenken. Von fehlendem Wissen, um nicht zu sagen von Unbildung. Ein Grund dafür, warum fast alle MLM-er fachfremd sind. FachKUNDIGE würden sich nicht so leicht blenden und über den Tisch ziehen lassen.

Bei vielen MLMs erhalten die Angeheuerten die Verträge in Papierform erst nach Unterschrift. Vorher zuhause in Ruhe durchlesen geht nicht, weil die Papiere einfach nicht ausgehändigt werden. Nein, im Gegenteil, die Anzuwerbenden werden unter hohen Druck gesetzt, DAMIT sie unterschreiben, und zwar OHNE viel gelesen und verstanden zu haben.

Weil die Verträge keine Kaufverträge, sondern Geschäftsverträge mit Selbständigen sind, greifen die normalen Schutzklauseln für Privatpersonen nicht. Unterschrieben ist unterschrieben. Pacta sunt servanda!

Wieder stelle ich fest, daß ich einer von den Guten bin. Ich höre mir gerne eine Geschichte an. Um sie anschließend mit dem Mikrotom zu analysieren...

Aber mich meint Michael Strachowitz ganz bestimmt nicht. Auch Silvia Hoffmann wird mich ganz bestimmt nicht meinen, der ich zuhörte und über die ich in "Der Fall Silvia Hoffmann" (http://www.ariplex.com/ama/ama_hoff.htm) berichtete.

Haben Sie gemerkt, wie Michael Strachowitz von "Gewinner" plötzlich auf "Siegertypen" kommt? Er redet doch noch immer von genau den gleichen Menschen: von den Verlierern, die den Großhändlern an den Lippen hängen und ihnen per Namensliste ihre Umgebung als Beute servieren.

"Sie wissen." Ja, was wissen sie denn? Gar nichts wissen sie. Sie meinen nur, zu wissen. Aber das können sie nicht verstehen, weil sie durch ihr "Wissen" so fixiert sind, daß sie die richtigen Fragen nicht stellen - oder, sollten auf solche Fragen Antworten kommen - sie diese nicht verstehen würden, sei es aus Unwissenheit und Naivität, oder weil sie dem Lug und Trug durch Rhetorik, manipulierte Sprache mit gestohlenen Wörtern, und schlichtweg falsche Darstellung bis hin zur faustdicken Lüge nicht gewachsen sind.

Interessant ist auch hier wieder die Schizophrenie, mit der Michael Strachowitz auf der einen Seite gegen die Verbohrtheit und Fixiertheit an Vorurteilen wettert, auf der anderen Seite aber genau dieses nicht-erkennen-Können das ist, was seiner Meinung nach die "Gewinner" ausmacht. Wie sagt Strachowitz?:

Michael Strachowitz betont das "Sie wissen.", denn das ist wichtig. Es kennzeichnet das verklärte Lächeln, das glücksstrahlende Etwas, das Entrückte, das fern der realen Welt in Phantasien weilt, während die körperliche Existenz auf der Erde von den Großhändlern um Zeit, um Geld, und sei es auch das letzte, gebracht wird.

Hell erleuchtet, frisch durchgeglüht, so kommen sie aus den Trainings heraus, inbrünstig entschlossen, die Welt zu erobern. Das gleiche Bild wie bei Sekten. Ist es da ein Wunder, daß Sektoide und MLM-oide die gleichen psychischen Symptome zeigen und die gleichen Grundvoraussetzungen haben...?

Könnte es nicht sogar so sein, daß MLM nichts weiter ist als eine bestimmte Form von Sekte?

Ja, dann bin auch ich ein Gewinner. Ich bin offen und lernbereit. Ich bin ein echter Gewinner, ich lerne mehr über die MLM-er, als denen lieb ist...

Vor allem bringe ich mehr ans Tageslicht über die MLM-er, als denen lieb ist. Zum Beispiel über

Strachowitz weiter:

Übersetzt: Gewinne sind stur wie Panzer. Gewinne fragen nicht, Gewinne tun.

Jetzt machen Sie bitte ein Pause und fragen sich, worüber Michael Strachowitz eigentlich die ganze Zeit redet. Er redet über Geschäfte. Er redet über Handel. Letztendlich läuft es auf Verträge hinaus. Doch was tut Michael Strachowitz TATSÄCHLICH? Er redet über die Psyche von Menschen, die geködert werden sollen, als untergeordnete Händler möglichst viele Beziehungen zu nutzen, um Geld heranzuschaffen für die Oberen in der Pyramide.

Und wieder ist das eine schizophrene Situation: Weil die Oberen die Unteren ausbeuten, die Unteren brav ackern müssen - DABEI ABER die Unteren wieder Obere für Jene noch tiefer darunter sind...

So fügt es sich, daß Michael Strachowitz zum Schluß noch einmal in die Kerbe schlägt, daß die Unteren noch mehr leisten müssen:

Es fügt sich, daß Michael Strachowitz (wie auch jeder andere MLM-Trainer) BEIDE Situationen erfassen muß, die der Opfer und die der Täter, und beide MIT DER GLEICHEN SPRACHE beschreiben muß.

Woraus zwangsläufig folgt, daß diese Sprache eine Sprache sein MUSS, bei denen Wörter NEUE Bedeutungen haben müssen, und zwar dergestalt, daß sie DOPPELT wahrgenommen werden, von den Opfern mit der einen, von den Tätern mit der anderen Bedeutung.

 
Typisch für MLM und MLM-er sind Listen zum Abarbeiten. Ein solche Liste gibt es zu dem Artikel von Michael Strachowitz in der "Network Press", Nr. 34, April-Mai 2002 auf Seite 17, im Kasten unten: Das ist eine gefährliche Frage, besonders in einer wirtschaftlich schlechten Zeit. Sollten die potentiellen Opfer nicht freiwillig genug kommen, hilft "man" nach, zum Beispiel in Form einer flankierenden Maßnahme durch einen Verlag. Der Verlag profitiert dabei durch den Verkauf von Flugblättern und Broschüren. So wird unter andrem gezielt vor Arbeitslosigkeit gewarnt, verbunden mit der Frage "Wer ist der Nächste!?".

Ein Beispiel: http://www.die-neue-rezession.com bzw http://www.dieneuerezession.de :

Über diese Site heißt es in einer Reklame:

Als Klartext:

Gedruckt ist diese Reklame in der Zeitschrift "Network Press", sogar in einer ganz-seitigen Reklame. Das ist genau DIE Zeitschrift, die den vorliegenden Artikel Michael Strachowitz' veröffentlicht...

Strachowitz weiter in der Liste:

All das erzeugt einen Leidensdruck. Ist das Opfer bereit, diesen zu ertragen, dann wird es sich auch ausplündern und als Werkzeug bei der Ausplünderung Anderer mißbrauchen lassen. Ist das Opfer sofort als willig zu erkennen, erspart das die viele unnütze Arbeit an "Zeitverschwendern" und "Energiefressern". DAS ist des Artikels Kern, um den sich alles dreht: "leicht und locker, alles easy, alles ohne Streß"... die brauchbaren Opfer zu erkennen und sie handzuhaben.

Diesen Punkt habe ich vorgezogen und bereits abgehandelt.

Das ist ein wichtiger Punkt: Wie wirkt das Umfeld auf das Opfer? Sekten suchen bevorzugt Menschen, die mit ihrer Familie uneins sind, die einsam sind, die hilflos sind. Die Sekte bietet ihnen auf ihre Weise eine Geborgenheit. Natürlich ist das schwer bei einem Opfer, das in der Geborgenheit seiner Familie (und/oder seines Freundeskreises) lebt. Hier stellt sich die Frage, wie man das Opfer aus der Familie (und/oder Freundeskreis) herauslösen kann.

Bei MLM-ern ist die Situation eine andere, und meist wirtschaftlich begründet. Dennoch ist die Gegenwehr der Familie oft mächtig, muß also möglichst früh erkannt und notfalls kaltgestellt werden, oder man verzichtet einfach auf dieses Opfer, weil der Aufwand zu hoch wäre.

Leidensdruck ist eine Sache, diesen Druck längere Zeit auszuhalten, eine andere.

Wichtig wird dies, wenn der dem Opfer suggerierte Erfolg (zB "In 3 Monaten haben Sie sich refinanziert.") nicht eintritt, das Opfer aber weiterhin bei der Stange gehalten werden muß, damit ihm noch länger Geld abgenommen werden kann (so im Fall eines regelmäßigen Zwangseinkaufs) bzw es noch weiter Reklame für die Waren macht, weiter neue Händler zu ködern versucht, etc.

 
Listen wie diese werden fast immer benutzt, auf die eine oder andere Art, die Items werden gebetsmühlenartig wiederholt. Das Absingen solcher Mantras verleiht Flügel...

Im gleichen Heft, auf Seite 16, ist eine Liste, die zum Teil dem Artikel Punkte entnimmt:

Nach den bisherigen Betrachtungen sollten sie Ihnen auffallen, die Doppeldeutigkeiten:

 
So einfach ist es, ein Trainer für MLM-er zu sein...

Aribert Deckers

 


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