Netzwerke und Seilschaften
8.1.2004
Erfolgreich muß man sein, verkaufen muß man können. Betonung auf "können". Deswegen wird es unterrichtet. Zum Beispiel von einem Herrn Michael Strachowitz, der denn auch oft von MLM-ern zitiert wird.
Warum wird Herr Strachowitz von MLM-ern zitiert? Weil er MLM-er trainiert. Das kostet Geld, und davon kann man leben.
Was erzählt dieser Herr Strachowitz den MLM-ern und was zitieren sie folglich so gerne? Das sehen wir uns genauer an, und zwar anhand eines Artikels von Michael Strachowitz, welcher in der "Network Press" Nr. 34, April-Mai 2002, auf den Seiten 16ff erschien.
------------------------------------------------------------------------------- "Network Press", Nr. 34, April-Mai 2002 Seite 16, oben So erkennen Sie Gewinnertypen Analyse und Praxis-Tip von Michael Strachowitz Zeit ist der wertvollste - weil nicht vermehrbare - Rohstoff beim Aufbau eines Network-Marketing-Geschäftes. Jeder Tag hat nur 24 Stunden. -------------------------------------------------------------------------------
Der Tag hat 24 Stunden. Das ist wahr. Es ist eine Binsenweisheit.
Mein Mathematiklehrer, Herr Klatt, dem ich viel zu verdanken habe, ohne den ich niemals hätte studieren können, rechnete clevererweise noch die Nacht dazu und kam auf 36 Stunden. Aber das ist Höhere Mathematik...
Dieser Herr Klatt sagte auch, daß es einmal heißen würde "dumm wie ein Deutscher". Das sagte er vor fast 40 Jahren. Und er hatte recht. Aber das ist kein anderes Thema...
Sehen Sie im folgenden, wie Michael Strachowitz aus dem Mangel an Zeit Folgerungen zieht. Und welche. Was für welche...!
------------------------------------------------------------------------------- Zeit kann man nicht produzieren man kann sie nur weise nutzen. Einer der größ- ten Zeitverschwender und Energiefresser im Network Marketing ist der Ver- such, aus mäßig interessierten und eher trägen Vertriebspartnern in der ei- genen Downline Turbo-Networker zu machen und sie in brillante Führungs- kräfte zu verwandlen. Das funktioniert nicht. Wir können Leute nicht ver- biegen. Wir können nur die richtigen finden. Aber wer sind die richtigen? -------------------------------------------------------------------------------
Bitte vermerken Sie in Ihrem Notizbuch die Wörter "Zeitverschwender" und "Energiefresser". Jeder gute MLM-er tut das. Und wir tun das auch, weil wir ihrem Beispiel folgen...
"Zeitverschwender" und "Energiefresser" sind nämlich magische Wörter, die Ihnen immer wieder begegnen werden. Es sind magische Wörter, weil hinter ihnen Bedeutungen stecken, die in tiefster Mystik vergraben und mit dem Hauch des GROSSEN GEHEIMEN WISSENS umflort sind.
Woher weiß man, daß es magische Wörter sind? Weil irgendein Guru solche Wörter erfindet und man Monate später eben diese Wörter in allen möglichen Foren und Flugblättern und Werbepostillen wiederfindet.
Auf diese Weise erkennt man auch, welcher der Trainer, Coaches, Experten, Könner, Erfolgreichen (und so weiter und so weiter, die ganze Liste durch...) denn nun ein Guru ist, weil "man" ihn nachbetet.
Es macht ein überaus großes Vergnügen, hin und wieder einen Artikel von "einem der Großen" zu lesen, und dann zu wissen, was für das nächste Jahr der Denkstoff der MLM-er ist, den sie wiederkäuen werden...
Wir merken uns also die Wörter "Zeitverschwender" und "Energiefresser", und notieren, daß die etwas Schlechtes beschreiben, denn "Verschwendung" ist schlecht und "fressen" ist auch schlecht.
Es geht also um etwas Schlechtes. Um schlechte Menschen, das heißt, um Menschen die schlecht sind. Für wen schlecht? Für MLMer...
Wir merken uns auch dieses:
------------------------------------------------------------------------------- aus mäßig interessierten und eher trägen Vertriebspartnern in der ei- genen Downline Turbo-Networker zu machen und sie in brillante Führungs- kräfte zu verwandlen. Das funktioniert nicht. -------------------------------------------------------------------------------
Was wiederum bedeutet, daß der Vortrag bzw der Artikel des Michael Strachowitz natürlich nur bei solchen Menschen hilfreich ist, die nicht "mäßig interessiert und eher träge" sind.
------------------------------------------------------------------------------- Seite 16, mittlere Spalte Engagierte Networker haben auf dem Weg nach oben immer wieder die Wahl zwischen zwei Übeln. Die Rekrutierungsfrustration (kommt häufig vor, schmerzt aber jeweils nur kurz.) oder den Betreuungsfrust (kommt immer dann häufig vor, wenn der Networker sich dem Rekrutierungsfrust entziehen will und zuwenig sponsert. Schmerz geht tiefer und hält länger an). Wie ist das zu verste- hen? -------------------------------------------------------------------------------
Wieder 2 neue Wörter für unser Notizbuch: "Rekrutierungsfrustration" und "Betreuungsfrust".
Interessant auch "auf dem Weg nach oben". Was ist denn "oben"?
"oben", das ist da, wo die Erfolgreichen sind. Also da, wo man hin muß, wo man dazugehören muß. Wo jeder hin will. Wo das Geld vom Himmel regnet und die Sonne den ganzen Tag scheint.
Doch dahin ist ein Weg mit Übeln, und es gibt keinen Ausweg, das eine oder das andere wird Einen packen...
Auch in dem "zuwenig sponsert" offenbart sich so allerlei.
Zunächst der Eintrag ins Notizbuch: "sponsern". Denn das ist beileibe NICHT das Mäzenatentum, mit dem wohlsituierte Industrielle oder Honoratioren dem darbenden Künstlerbohemien mit Aufträgen oder Geldspenden das Künstlerdasein zum Wohle der Menschheit subventionieren. Nein, es ist ein gestohlenes Wort. Dem bis zum Mißbrauch eindeutig zugeordneten Wort "Sponsor" und der Tätigkeit "sponsorn" wird eine neue Bedeutung aufgeklebt. Wobei der "gute Klang" des ECHTEN Wortes, nämlich "selbstlose Hilfe", gestohlen wird.
Das "Sponsern" ist beim MLM nichts weiter als das Anheuern weiterer, untergeordneter Händler. Der Großhändler sucht Händler, über die seine Ware verkauft wird. Von Großmut, von Mäzenatentum keine Spur.
Die Pein des Großhändlers: neue Händler anheuern und diese neuen Händler betreuen. Natürlich kann der Großhändler beides bleiben lassen. Doch dann kommt er nicht nach oben. Siehe oben. (sic!).
------------------------------------------------------------------------------- Wer dazu bereit ist, jede Woche einen oder besser zwei neue Partner in die eigene Frontline einzuschreiben, hat immer wieder neue Hoffnungsträger und die Chance, unter diesen neue zukünftige Führungskräfte zu finden. Er kann also immer auswählen, mit wem er intensiver zusammenarbeiten will. -------------------------------------------------------------------------------
Nachdem klar ist, daß, wer "nach oben" will, neue untergeordnete Händler anheuern muß, nun zu den Rezepten, WIE das zu tun sei.
Das Rezept lautet:
------------------------------------------------------------------------------- jede Woche einen oder besser zwei neue Partner in die eigene Frontline einzuschreiben -------------------------------------------------------------------------------
Das ist aber nur der 1. Teil! Der 2. Teil lautet:
------------------------------------------------------------------------------- unter diesen neue zukünftige Führungskräfte zu finden -------------------------------------------------------------------------------
Eintrag ins Notizbuch: "Führungskräfte".
"Führungskräfte", ein wichtiges Wort, sogar eines der wichtigsten überhaupt beim MLM. Und, natürlich, auch dieses ist ein gestohlenes Wort.
"Führungskraft" im ursprünglichen Sinn ist jemand, der Andere anleiten, sie führen kann. Doch hier, beim MLM, steckt noch mehr darin. Beim MLM bedeutet Führungskraft AUTOMATISCH, daß diese Person andere ANHEUERT.
Gehen wir noch einmal die Sequenz durch:
------------------------------------------------------------------------------- Wer dazu bereit ist, jede Woche einen oder besser zwei neue Partner in die eigene Frontline einzuschreiben, hat immer wieder neue Hoffnungsträger und die Chance, unter diesen neue zukünftige Führungskräfte zu finden. -------------------------------------------------------------------------------
Erster Schritt war doch, neue Händler anzuheuern. Nun, beim zweiten Schritt, geht es plötzlich um "Führungskräfte". Dabei sind die frisch Angeheuerten doch nur Händler. Wen sollte ein Händler führen, außer sich selbst? Würden Sie jemanden, der sich selbst führt, eine "Führungskraft" nennen? Nein, natürlich nicht.
Also, das ist eine wichtige Erkenntnis für dieses Wort, ist eine "Führungskraft" beim MLM jemand, der AUTOMATISCH weitere - unter IHM liegende - Händler anheuert. Das ist eine neue Bedeutung, die dem Wort "Führungskraft" einfach untergeschoben wird. Eine Bedeutung, die es im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch NICHT gibt.
Sie sehen also, daß beim MLM Wörter gestohlen werden, Wörtern eine neue oder eine zusätzliche Bedeutung untergeschoben wird. Das macht es einem Laien so schwer, mit einem MLM-er zu reden, denn woher soll ein Laie all diese Hinterhältigkeiten kennen, woher soll er wissen, wie beim MLM die Sprache zur Waffe umfunktioniert wird?
Sprache bei MLM ist wie bei Sekten ein Werkzeug zur Schaffung einer Parallelwelt, in der die Opfer gefangen werden. Wie bei Sekten ist zur Befreiung der Opfer eine Deprogrammierung notwendig, bei der unter anderem dem Opfer klargemacht werden muß, wie ihm seine Sprache gestohlen wurde, so daß es die reale Welt gar nicht mehr erkennen konnte.
Womit wir beim Thema des Artikels sind, denn Michael Strachowitz ist einer Jener, die MLM-er "trainieren", also einer Jener, die Sprache als Werkzeug einsetzen...
Mittels dieses Werkzeugs unterrichten sie den Gebrauch dieses Werkzeugs. Wobei man ihnen beim Gebrauch des Werkzeugs auf die Finger schauen muß - um zu erkennen, wie schon beim Unterricht das Werkzeug als Waffe eingesetzt wird...
------------------------------------------------------------------------------- Bevor er erkennt, daß derjenige, den er vor vier Wochen gesponsert hat, ein substanzlo- ser Dampfplauderer ist und derjenige, den er vor drei Wochen rekrutiert hat, ein energeti- scher Pflegefall, hat er zwischenzeitlich schon wieder zwei, drei oder gar vier neue Geschaftsfreunde gewonnen. Damit hat er sich erneut Chancen ver- schafft und bleibt auf diese Weise immer zu- versichtlich und hoffnungsfroh. -------------------------------------------------------------------------------
Es entbehrt nicht einer nicht unerheblichen Komik, daß die meisten MLM-er in der Tat substanzlose Dampfplauderer sind. Als Fachfremde sind sie nämlich gar nicht in der Lage, fundierte Fakten vorzutragen, geschweige denn, zu erklären. Nein, sie ergehen sich in endloses Repetieren von Phrasen, die man ihnen eingetrichtert hat bzw, die sie sich angelesen haben. Angelesen zum Beispiel in der Crème de la Crème der Fachzeitschriften für Nahrungsergänzungsmittel, also den billigsten Groschenblättern der Yellowpress, in der gleich neben dem Paparazzofoto aus dem Liebesleben von Prinzen und Prinzessinnen der Artikel über den Jungbrunnen durch eingelegte Heringe steht. Daß diese Artikel "fremdfinanziert" sind, weiß er nicht, der MLM-er, und wenn er es wüßte, würde er sich sogar darüber freuen, wie gut es seiner Fraktion mal wieder gelungen ist, "die Presse" auf ihre Seite zu ziehen.
Aber das hat Michael Strachowitz nicht gemeint, das kann er nicht gemeint haben und das darf er nicht gemeint haben, denn so viel Selbsterkenntnis darf man der MLM-Branche nun auch wieder nicht zutrauen...
------------------------------------------------------------------------------- Und tatsäch- lich werden sich zwischen einigen Totalaus- fällen und vielen Mitläufern dann immer wieder echte Network-Kanonen herauskri- stallisieren, die dem Sponsor richtig Freude bereiten. Der Preis dafür ist, sich mehr Absa- gen einzuhandeln und sich öfters einen Korb abzuholen, als dies der Fall wäre, würden nur gelegentlich Termine vereinbart und nur im Abstand von einigen Wochen Anwerbege- spräche geführt. Das ist nicht unbedingt lu- stig. Die Anzahl der Frustrationserlebnisse zwischen den einzelnen Erfolgen ist eben ziemlich hoch. -------------------------------------------------------------------------------
Übersetzt: "Die Zahl derer, die sehr aktiv weitere untergeordnete Händler ködern, ist sehr gering."
Um diese Wenigen zu finden, muß man eben sehr viele Neue anheuern. Je mehr man anheuert, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß darunter eine "echte Network-Kanone" ist.
------------------------------------------------------------------------------- Noch wesentlich größer ist jedoch die Ent- täuschung für diejenigen, die nach einer an- fänglichen und hochbegeisterten Rekrutie- rungsattacke die Basisarbeit alsbald wieder sein lassen. In Ermangelung frischer Talente versuchen sie meist, aus jedem, den sie ein- geschrieben haben, einen Network-Superstar zu machen. Nach Monaten ergebnisloser Mo- Seite 16, rechte Spalte tivationsbemühungen, abgesagter Meetings und geplatzter Arbeitstermine dämmert es dann auch dem größten Optimisten, daß im Network Marketing zwar jeder die gleiche Chance hat, aber nicht jeder sie nutzen will. -------------------------------------------------------------------------------
Übersetzt: "Der Versuch, aus den vorhandenen Leuten erfolgreiche Anheuerer zu machen, ist vergeblich."
Dafür gibt es natürlich Gründe. Echte Gründe und vorgeschobene Gründe. Die echten Gründe beim Namen zu nennen würde für einen MLM-er einen Offenbarungseid bedeuten, und wer will den schon leisten? So etwas tut ein MLM-er nur unbeabsichtigt, oder wenn er sowie alle Hoffnung hat fahren lassen...
Ein echter Grund ist zum Beispiel: Der MLM-er hat seinen Familien- und Bekanntenkreis heimgesucht, hat mit den Leuten gesprochen - und niemanden überzeugen können. Ob die den Köder gerochen haben, die Wahrheit über MLM oder über dieses Produkt oder jene Firma schon kannten, ist noch eine weitere Sache.
Warum auch immer, dieser eine MLM-er konnte niemanden überzeugen. Also gibt er auf, denn weiterzumachen würde Geld kosten, das er nicht hat oder nicht mehr aufzubringen bereit ist. Ist er deswegen eine Niete? Ja. Ist er deswegen ein Versager? Ja.
Das Perfide daran: Es ist wahr. Jeder MLM-er kann das nachprüfen. Und er sieht: "Es stimmt." Das hat 2 Folgen. Einerseits glaubt er Michael Strachowitz (was ein Fehler ist), andererseits (und darum geht es mir) wird der MLM-er immer mehr zum Täter, der haargenau weiß, daß er Menschen verbrennen muß, um vorwärts zu kommen:
Wichtig beim Lesen des Artikels von Michael Strachowitz ist daher die Art und Weise, WIE er den MLM-ern diese Tatsache beibringt und wie er sie cachiert, sie verbrämt.
So schreibt Michael Strachowitz:
------------------------------------------------------------------------------- , daß im Network Marketing zwar jeder die gleiche Chance hat, aber nicht jeder sie nutzen will. -------------------------------------------------------------------------------Und weiter:
------------------------------------------------------------------------------- Es ist nun ziemlich müßig, darüber zu la- mentieren. Nehmen wir einfach zur Kennt- nis, daß es so ist. Jeder hat in diesem Ge- schaft das Recht, nichts zu tun. -------------------------------------------------------------------------------Damit ist der Schuldige gefunden. Der Schuldige ist natürlich nicht das Prinzip des MLM, sondern der Schuldige ist der, der nichts tun will. Der ist faul, und Faulheit gehört bestraft. Aber so kraß sagt Michael Strachowitz das nicht direkt. Immerhin billigt er Jedem zu, nichts zu tun. Das muß er auch, denn ein großer Teil des MLM lebt vom Versprechen auf ein "passives Einkommen" (= Einkommen durch Nichtstun). Was eine der Schizophrenien des MLM ist.
Hier breitet Strachowitz die nächste Schizophrenie aus:
------------------------------------------------------------------------------- Der Sponsor hat allerdings auch das Recht, sich um dieje- nigen zu kümmern, die wirklich wollen. Woran aber erkennt man diese? Herauszufin- den, mit wem man es zu tun hat, erfordert den Mut, vom neuen Vertriebspartner etwas zu fordern, für die Betreuung und Hilfestel- lung, die dieser erfährt. Gerade frischgebak- kene Networker haben hier Hemmungen und stellen sich damit selbst ein Bein. -------------------------------------------------------------------------------
Erst einmal hackt Michael Strachowitz auf diejenigen ein, die keinen Erfolg haben. Warum haben sie ihn nicht? Weil sie nicht wollen. Das sagt Strachowitz indirekt und implizit. In seiner Logik ist jemand, der nicht will, erfolglos.
Warum? Weil der Erfolg mit den Tüchtigen ist. So einfach ist das. Wer keinen Erfolg hat, ist untüchtig, ist unwillig. So einfach ist das.
In der Welt der MLM-er jedenfalls. In der realen Welt sieht es, wie bereits gezeigt, ganz anders aus.
Doch hier dreht Strachowitz die Schraube noch stärker an: der Großhändler soll den anheuerten Händler unter Druck setzen.
Daß Michael Strachowitz das gestohlene Wort "Sponsor" benutzt, ist - wie immer bei dessen Gebrauch - der blanke Hohn.
------------------------------------------------------------------------------- Sie sind so froh, überhaupt jemanden anzuwer- ben, daß sie sich auf allerlei - im Wortsinne - faule Kompromisse einlassen. "Sie brauchen nur Kontakte herzustellen, den Rest mache ich dann!" oder "Ich telefoniere für dich und führe die Gespräche für dich. Du mußt dich nur einschreiben." Auf diese Weise werden Faulheit und mangelndes Engagement sogar noch gezielt gefördert. -------------------------------------------------------------------------------Hier spricht Michael Strachowitz das Wort Faulheit sogar direkt aus. Womit er nochmal, und wesentlich härter, in die ewig gleiche Kerbe schlägt.
Denn dies ist das Credo der Möchtegerne, der Hökerer, der Koofmichs, der über-den-Tisch-Zieher, der Raffkes und Gierschlunds dieser Welt - und seien sie noch so geschniegelt und gestriegelt im Nadelstreifenanzug mit Krawatte, und hochglanzpolierten 1000-Euro-Schuhen:
Wer keinen Erfolg hat, ist faul.
Michael Strachowitz weiter:
------------------------------------------------------------------------------- Erst wenn an den neuen Vertriebspartner konkrete Forderungen gestellt werden,weiß dieser die Unterstützung seines Sponsors oder Uplines zu schätzen. Der Neue muß et- was dafür tun, daß ihm geholfen wird. Na- mensliste erstellen, Schulungen besuchen, Telefonkontakt halten, Termine vereinbaren. -------------------------------------------------------------------------------
Die Namensliste, aus der Trickkiste des MLM: Der Neue soll 100 Namen aufschreiben und zum nächsten Treffen mitbringen. Manche Großhändler fordern sogar 200 Namen.
Strachowitz wörtlich (Seite 17, Kasten unten):
------------------------------------------------------------------------------- Mit diesen Fragen entdecken Sie Gewinner beim Sponsorgespräch * "Können Sie bis zu unserer nächsten Besprechung übermorgen eine Liste mit 100 Namen anlegen." -------------------------------------------------------------------------------Wer ist hier der Gewinner?: Der neu Angeheuerte oder der Großhändler? Ganz eindeutig der Großhändler, denn zu ihm fließen die Provisionen.
Der neu angeheuerte Händler ist nur der Vermittler. Und er ist es nur für die begrenzte Zahl von Personen in seinem persönlichen Umfeld. Ist dieses Umfeld ausgeschöpft, ist sein Feld abgeerntet und er kann nicht mehr weiter. Er hat seine Grenzen erreicht, auch er ist jetzt verbrannt.
Der Großhändler hat diese Menge abgeschöpft und wendet sich nun neuen Opfern zu. Wie bereits beschrieben: immer weiter, weiter, weiter. Immer vorwärts, immer vorwärts. Immer neue Leute auftreiben, immer neue Leute auftreiben.
Der neu angeheuerte Händler bleibt auf der Strecke. Er ist kein "Gewinner", sondern ein Gewinn für den Großhändler. Das mag bislang aus den Worten Strachowitz' nicht so eindeutig hervorgehen, aber der nächste Satz ist ein Offenbarungseid:
------------------------------------------------------------------------------- Läßt er sich darauf ein, ist die Chance groß, daß es sich um einen Gewinner handelt. -------------------------------------------------------------------------------Genau das ist es:
------------------------------------------------------------------------------- Läßt er sich darauf ein, -------------------------------------------------------------------------------Worauf läßt sich denn der neue Händler ein? Alleine die Worte zeigen, daß der Neue schon unterlegen ist. Er gibt sein Umfeld als Beute preis.
Würde ein Petri-Jünger einen Fisch am Haken als Gewinner bezeichnen? Sicher nicht. Ein Menschenfischer schon. Er zeigt damit sein wahres Ich.
Strachowitz weiter:
------------------------------------------------------------------------------- Information und Motivation sind Hol- schulden, keine Bringschulden. Ruft der neue Vertriebspartner mehrmals täglich an und hat jedesmal eine andere Frage, dann mag das im ersten Moment lästig sein. Tat- sachlich aber ist das ein sehr gutes Zeichen. Der Neue fordert seinen Sponsor, er sucht Kontakt, er will alles wissen - wunderbar! Gewinnertypen sind unbequem. Als verdächtig einzustufen sind jene, die Seite 17, linke Spalte sich regelmäßig mit leicht gekränktem Unterton über ihren Sponsor oder die Upline beschweren. Motto: Keiner hilft mir, nie- mand liebt mich. Die Erfahrung lehrt, daß oft genau diejenigen am erfolgreichsten wur- den, die ganz allein durchkommen mußten, weil ihr Sponsor zum Beispiel im Ausland lebt oder sie zu den Versprengten gehörten, deren Upline ganz verschwunden ist. -------------------------------------------------------------------------------Auch das ist schizophren: Auf der einen Seite heißt es, daß die neuen Händler gefördert werden müssen, jetzt aber sind diejenigen erfolgreich, die völlig ohne solche Hilfe auskommen mußten. Was würde man denn aus dieser Tatsache schließen?: Richtig, am besten nach unten treten! Diejenigen, die damit klar kommen, unter Druck gesetzt zu werden, das sind unsere Gewinne. Die andern taugen sowieso nicht. Wer nichts taugt, um den kümmern wir uns nicht (weil das Energiefresser sind, die nur unsere Zeit kosten). Wer was taugt, um den kümmern wir uns auch nicht, denn die machen alles alleine. Müssen die ja auch. Wir suchen einfach immer neue Leute zum Einschreiben. Dann geht das alles ganz einfach von selbst.
Und dann leistet Michael Strachowitz einen Offenbarungseid allererster Güte:
------------------------------------------------------------------------------- So unbequem es auch klingen mag: Er- folgreiche Networker brauchen keine Upline, sondern eine Downline, denn nur diese bringt Umsatz und Einkommen. -------------------------------------------------------------------------------Diesen Satz Strachowitz' darf man sich einrahmen, denn er ist das grundlegende Geständnis:
Da die MLM-er erfolgreich sein wollen, ist MLM ("Multilevel Network Marketing") nichts anderes als ein Synonym für "progressive Kundenwerbung".
Strachowitz weiter:
------------------------------------------------------------------------------- Wer wirk- lich nach oben will, findet die Informatio- nen, die er braucht. Handeln muß er sowie- so alleine. Gewinner wissen das und be- schäftigen sich mehr mit dem Aufbau ihrer Downline als mit Beschwerden über ihre Upline. Gewinner sind aufgabenorientiert. -------------------------------------------------------------------------------Gewinne sind aufgabenorientiert. Gewinne klagen nicht. Gewinne handeln. Übersetzt: Gewinne sind pflegeleicht und machen keinen Streß.
Umgedreht, bedeutet dies: Wer Streß macht, wer klagt, der ist kein Gewinn. Folgerung: Wer kein Gewinn ist, den können wir nicht brauchen. Weg mit ihm! Neue suchen!
Ist MLM eine Menschen-wegwerf-Maschine?
------------------------------------------------------------------------------- Das Einkommen, also der Lohn, den jemand erhält, ist immer der Gegenwert für die Lei- stung und den Nutzen, die und den er für das Unternehmen, seine Geschäftspartner oder die Allgemeinheit erbringt. Wer also immer zuerst danach fragt, was er bekommt, hat diesen Zusammenhang noch nicht erkannt. Gewinner wissen, daß ihr Entgelt immer dem entspricht, was sie geben. Sie fragen al- so nicht zuerst, was sie bekommen. Sie fra- gen, was sie tun können! -------------------------------------------------------------------------------Vielleicht sollte ich erwähnen, daß die Einnahmen der meisten MLM-er aus MLM unter dem Sozialhilfesatz liegen. Von einem Lohn als GEGENWERT für erbrachte Leistung kann also nicht die Rede sein, schon gar nicht, wenn man in den Web-Foren der MLM-er von deren Pleiten liest.
Mit der Wahrheit nimmt es Strachowitz also nicht so genau. Aber er bedient ein... ja noch nicht einmal ein Vorurteil, sondern eine Weltsichtbrille. Und diese hier ist die Strachowitz'sche für die Lemminge. Wer also immer zuerst danach fragt, was Strachowitz sagt, hat diesen Zusammenhang noch nicht erkannt.
Daß die meisten MLM-er unter dem Sozialhilfesatz liegen, ist übrigens ein Zitat aus einem MLM-er-Forum, in dem diese Aussage unwidersprochen blieb. MLM-er haben ihre eigenen Methoden, damit fertig zu werden. Wie? Indem sie ihr Credo aufsagen, daß nur der Fleißige Erfolg hat. Wer unter dem Sozialhilfesatz liegt, der ist eben faul. Recht geschieht ihm!
Bei Strachowitz kommt es noch schlimmer: Die Opfer (das sind die neuen
Händler) müssen auch noch bringen.
Im Fall "gmt" haben die Opfer mehr als 100 Millionen US-Dollar
gebracht, siehe den Bericht
"Der Fall gmt"
(http://www.ariplex.com/ama/ama_gmt1.htm)
Trainer haben ein Faible für klare, gerade Aussagen. Wie diese:
------------------------------------------------------------------------------- Sie sitzen immer in der ersten Reihe. So- bald sich Gewinner entschlossen haben, eine Sache durchzuziehen, drängen sie sich vor. Sie verstecken sich auf den Schulungen und Veranstaltungen nicht in der hintersten Ecke. -------------------------------------------------------------------------------Klar, gerade heraus, und falsch.
Wo man sitzt, hängt von einer Reihe Faktoren ab, wozu auch Strategie gehört. Wer hinten sitzt, sieht die Anderen und kann den Saal beobachten. Das ist bei vielen Veranstaltungen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Aber es wäre ein großer Fehler, Michael Strachowitz hier (wie auch überall sonst) auf den Leim zu gehen. Denn wovon redet Michael Strachowitz?: Von "Gewinnern". "Gewinner" sind aber Verlierer, "Gewinner" sind diejenigen, die den MLM-ern (und hier Michael Strachowitz) auf den Leim gehen.
Diese Verlierer sitzen tatsächlich oft vorne. Weil sie gar nicht genug bekommen. Und weil, so Strachowitz:
------------------------------------------------------------------------------- Sie wollen alles wissen, und zwar möglichst direkt. Also findet man sie auf den Meetings mit begeisterten Gesichtern auf den vorderen Plätzen. Das ist auch gut für den Referenten. Bereits bei der telefonischen Terminab- sprache für ein persönliches Sponsorge- Seite 17, rechte Spalte spräch oder die Einladung auf eine Geschäft- spräsentation läßt sich erkennen, wie es um den Interessenten bestellt ist. -------------------------------------------------------------------------------Begeisterungsfähig sind sie. Die Verlierer.
Begeisterungsfähigkeit ist ein entscheidendes Merkmal.
Begeisterungsfähigkeit ist nämlich eine Folge von Gutgläubigkeit, von Naivität, von mangelndem Nachdenken. Von fehlendem Wissen, um nicht zu sagen von Unbildung. Ein Grund dafür, warum fast alle MLM-er fachfremd sind. FachKUNDIGE würden sich nicht so leicht blenden und über den Tisch ziehen lassen.
Bei vielen MLMs erhalten die Angeheuerten die Verträge in Papierform erst nach Unterschrift. Vorher zuhause in Ruhe durchlesen geht nicht, weil die Papiere einfach nicht ausgehändigt werden. Nein, im Gegenteil, die Anzuwerbenden werden unter hohen Druck gesetzt, DAMIT sie unterschreiben, und zwar OHNE viel gelesen und verstanden zu haben.
Weil die Verträge keine Kaufverträge, sondern Geschäftsverträge mit Selbständigen sind, greifen die normalen Schutzklauseln für Privatpersonen nicht. Unterschrieben ist unterschrieben. Pacta sunt servanda!
------------------------------------------------------------------------------- Siegertypen sind schneller bereit, sich eine Geschichte anzuhören. Sie fragen nicht ewig herum, um was es da wohl geht und was denn da wohl alles auf sie zukommt. Sie haben keine Angst, ein oder zwei Stunden in ein Infor- mationsgespräch zu investieren. Sie wissen. -------------------------------------------------------------------------------Wieder stelle ich fest, daß ich einer von den Guten bin. Ich höre mir gerne eine Geschichte an. Um sie anschließend mit dem Mikrotom zu analysieren...
Aber mich meint Michael Strachowitz ganz bestimmt nicht. Auch Silvia Hoffmann wird mich ganz bestimmt nicht meinen, der ich zuhörte und über die ich in "Der Fall Silvia Hoffmann" (http://www.ariplex.com/ama/ama_hoff.htm) berichtete.
Haben Sie gemerkt, wie Michael Strachowitz von "Gewinner" plötzlich auf "Siegertypen" kommt? Er redet doch noch immer von genau den gleichen Menschen: von den Verlierern, die den Großhändlern an den Lippen hängen und ihnen per Namensliste ihre Umgebung als Beute servieren.
------------------------------------------------------------------------------- Das schlimmste, was ihnen passieren kann, ist, einen Film zu sehen, der ihnen nicht ge- fällt. Sie wissen. Auch wenn sie sich der Sa- che nicht anschließen möchten, man kann aus jedem Gesprach etwas lernen. -------------------------------------------------------------------------------"Sie wissen." Ja, was wissen sie denn? Gar nichts wissen sie. Sie meinen nur, zu wissen. Aber das können sie nicht verstehen, weil sie durch ihr "Wissen" so fixiert sind, daß sie die richtigen Fragen nicht stellen - oder, sollten auf solche Fragen Antworten kommen - sie diese nicht verstehen würden, sei es aus Unwissenheit und Naivität, oder weil sie dem Lug und Trug durch Rhetorik, manipulierte Sprache mit gestohlenen Wörtern, und schlichtweg falsche Darstellung bis hin zur faustdicken Lüge nicht gewachsen sind.
Interessant ist auch hier wieder die Schizophrenie, mit der Michael Strachowitz auf der einen Seite gegen die Verbohrtheit und Fixiertheit an Vorurteilen wettert, auf der anderen Seite aber genau dieses nicht-erkennen-Können das ist, was seiner Meinung nach die "Gewinner" ausmacht. Wie sagt Strachowitz?:
Michael Strachowitz betont das "Sie wissen.", denn das ist wichtig. Es kennzeichnet das verklärte Lächeln, das glücksstrahlende Etwas, das Entrückte, das fern der realen Welt in Phantasien weilt, während die körperliche Existenz auf der Erde von den Großhändlern um Zeit, um Geld, und sei es auch das letzte, gebracht wird.
Hell erleuchtet, frisch durchgeglüht, so kommen sie aus den Trainings heraus, inbrünstig entschlossen, die Welt zu erobern. Das gleiche Bild wie bei Sekten. Ist es da ein Wunder, daß Sektoide und MLM-oide die gleichen psychischen Symptome zeigen und die gleichen Grundvoraussetzungen haben...?
Könnte es nicht sogar so sein, daß MLM nichts weiter ist als eine bestimmte Form von Sekte?
------------------------------------------------------------------------------- Das ist eine weitere faszinierende Eigen- schaft von Gewinnern - sie sind offen und lernbereit. Sie sind neugierig. -------------------------------------------------------------------------------
Ja, dann bin auch ich ein Gewinner. Ich bin offen und lernbereit. Ich bin ein echter Gewinner, ich lerne mehr über die MLM-er, als denen lieb ist...
Vor allem bringe ich mehr ans Tageslicht über die MLM-er, als denen lieb ist. Zum Beispiel über
Strachowitz weiter:
------------------------------------------------------------------------------- Auch wenn sie schon auf eine beneidenswert erfolgreiche Karriere zurückblicken können, maßen sie sich nicht an. schon alles zu wissen. Sie su- chen nicht, wie die meisten Verlierer im gro- ßen Spiel des Lebens, nur nach der Bestäti- gung ihrer festgefügten Meinungen und Vor- urteile. Gewinner wissen, was sie wissen. -------------------------------------------------------------------------------Übersetzt: Gewinne sind stur wie Panzer. Gewinne fragen nicht, Gewinne tun.
Jetzt machen Sie bitte ein Pause und fragen sich, worüber Michael Strachowitz eigentlich die ganze Zeit redet. Er redet über Geschäfte. Er redet über Handel. Letztendlich läuft es auf Verträge hinaus. Doch was tut Michael Strachowitz TATSÄCHLICH? Er redet über die Psyche von Menschen, die geködert werden sollen, als untergeordnete Händler möglichst viele Beziehungen zu nutzen, um Geld heranzuschaffen für die Oberen in der Pyramide.
Und wieder ist das eine schizophrene Situation: Weil die Oberen die Unteren ausbeuten, die Unteren brav ackern müssen - DABEI ABER die Unteren wieder Obere für Jene noch tiefer darunter sind...
So fügt es sich, daß Michael Strachowitz zum Schluß noch einmal in die Kerbe schlägt, daß die Unteren noch mehr leisten müssen:
------------------------------------------------------------------------------- Vor allem aber wissen sie auch, was sie noch nicht wissen - und deshalb überschätzen sie sich auch nicht. Gewinner erkennt man aber auch am Kilometerstand ihres Fahrzeugs. Sie sind bereit zu fahren, auch wenn es viele hundert Kilometer sind. Sie wissen, daß man nicht zu Hause sitzen und darauf warten darf, bis die großen Chancen und Geschäfts- möglichkeiten durch das geöffnete Wohn- zimmerfenster geflogen kommen. Man muß ihnen entgegenfahren! Nahezu jede Füh- rungskraft hat das schon am eigenen Leibe erfahren müssen. Wenn man sich von be- stimmten Beschwerdeführern in der Downli- ne breitschlagen läßt, den Schulungsort in ihre Nähe zu verlegen, dann sind es genau diese, die dann wieder nicht erscheinen. -------------------------------------------------------------------------------Es fügt sich, daß Michael Strachowitz (wie auch jeder andere MLM-Trainer) BEIDE Situationen erfassen muß, die der Opfer und die der Täter, und beide MIT DER GLEICHEN SPRACHE beschreiben muß.
Woraus zwangsläufig folgt, daß diese Sprache eine Sprache sein MUSS, bei denen Wörter NEUE Bedeutungen haben müssen, und zwar dergestalt, daß sie DOPPELT wahrgenommen werden, von den Opfern mit der einen, von den Tätern mit der anderen Bedeutung.
Typisch für MLM und MLM-er sind Listen zum Abarbeiten. Ein solche Liste gibt es zu dem Artikel von Michael Strachowitz in der "Network Press", Nr. 34, April-Mai 2002 auf Seite 17, im Kasten unten:
------------------------------------------------------------------------------- Seite 17, Kasten unten Mit diesen Fragen entdecken Sie Gewinner beim Sponsorgespräch * "Suchen Sie ein Zusatzeinkommen, mittelfristig einen neuen Hauptberuf, oder träumen Sie von Finanzieller Unabhängigkeit?" -------------------------------------------------------------------------------Das ist eine gefährliche Frage, besonders in einer wirtschaftlich schlechten Zeit. Sollten die potentiellen Opfer nicht freiwillig genug kommen, hilft "man" nach, zum Beispiel in Form einer flankierenden Maßnahme durch einen Verlag. Der Verlag profitiert dabei durch den Verkauf von Flugblättern und Broschüren. So wird unter andrem gezielt vor Arbeitslosigkeit gewarnt, verbunden mit der Frage "Wer ist der Nächste!?".
Ein Beispiel: http://www.die-neue-rezession.com bzw http://www.dieneuerezession.de :
Über diese Site heißt es in einer Reklame:
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Als Klartext:
------------------------------------------------------------------------------- Warum Millionen Arbeitsplätze verloren gehen. Wer ist bereits im Visier der Job-Killer? Welche Konsequenzen der Jobverlust hat. Welche Alternativen gibt es? Die Entlassungspläne der großen Konzerne. Fast alle Branchen sind betroffen. Fakten: Warum Arbeitsplätze nicht mehr sicher sind. Megaboom Selbstvermarktung www.die-neue-rezession.com -------------------------------------------------------------------------------
Gedruckt ist diese Reklame in der Zeitschrift "Network Press", sogar in einer ganz-seitigen Reklame. Das ist genau DIE Zeitschrift, die den vorliegenden Artikel Michael Strachowitz' veröffentlicht...
Strachowitz weiter in der Liste:
------------------------------------------------------------------------------- * "Sind Sie bereit, nebenberuflich pro Woche zehn bis zwanzig Stunden für Ihr Geschäft aufzuwenden?" * "Auf welche Freizeitaktivitäten sind Sie bereit zu verzichten, um die so gewonnene Zeit für den Aufbau Ihres Geschäftes aufzuwenden? Fernsehen? Tennis? Kegeln?" * "Wenn Sie sich für eine Zusammenarbeit entscheiden, sollten wir in den nächsten Wochen täglich miteinander telefonieren. Ist das in Ordnung für Sie?" * "In den nächsten Monaten sollten Sie auf keiner unserer Wochenschulungen und keinem Monatsseminar fehlen. Können Sie das einplanen?" -------------------------------------------------------------------------------All das erzeugt einen Leidensdruck. Ist das Opfer bereit, diesen zu ertragen, dann wird es sich auch ausplündern und als Werkzeug bei der Ausplünderung Anderer mißbrauchen lassen. Ist das Opfer sofort als willig zu erkennen, erspart das die viele unnütze Arbeit an "Zeitverschwendern" und "Energiefressern". DAS ist des Artikels Kern, um den sich alles dreht: "leicht und locker, alles easy, alles ohne Streß"... die brauchbaren Opfer zu erkennen und sie handzuhaben.
------------------------------------------------------------------------------- * "Können Sie bis zu unserer nächsten Besprechung übermorgen eine Liste mit 100 Namen anlegen." -------------------------------------------------------------------------------Diesen Punkt habe ich vorgezogen und bereits abgehandelt.
------------------------------------------------------------------------------- * "Nicht jeder in Ihrer Umgebung wird sich darüber freuen, daß_ Sie jetzt Network Marketing betreiben. Einige werden Ihnen abraten. Wie gehen Sie damit um?" -------------------------------------------------------------------------------Das ist ein wichtiger Punkt: Wie wirkt das Umfeld auf das Opfer? Sekten suchen bevorzugt Menschen, die mit ihrer Familie uneins sind, die einsam sind, die hilflos sind. Die Sekte bietet ihnen auf ihre Weise eine Geborgenheit. Natürlich ist das schwer bei einem Opfer, das in der Geborgenheit seiner Familie (und/oder seines Freundeskreises) lebt. Hier stellt sich die Frage, wie man das Opfer aus der Familie (und/oder Freundeskreis) herauslösen kann.
Bei MLM-ern ist die Situation eine andere, und meist wirtschaftlich begründet. Dennoch ist die Gegenwehr der Familie oft mächtig, muß also möglichst früh erkannt und notfalls kaltgestellt werden, oder man verzichtet einfach auf dieses Opfer, weil der Aufwand zu hoch wäre.
------------------------------------------------------------------------------- * "Auch bei engagiertem Geschäftsaufbau kann es drei his sechs Monate dauern, bis Sie nennenswert Geld verdienen. Halten Sie das durch?" -------------------------------------------------------------------------------Leidensdruck ist eine Sache, diesen Druck längere Zeit auszuhalten, eine andere.
Wichtig wird dies, wenn der dem Opfer suggerierte Erfolg (zB "In 3 Monaten haben Sie sich refinanziert.") nicht eintritt, das Opfer aber weiterhin bei der Stange gehalten werden muß, damit ihm noch länger Geld abgenommen werden kann (so im Fall eines regelmäßigen Zwangseinkaufs) bzw es noch weiter Reklame für die Waren macht, weiter neue Händler zu ködern versucht, etc.
Listen wie diese werden fast immer benutzt, auf die eine oder andere Art, die Items werden gebetsmühlenartig wiederholt. Das Absingen solcher Mantras verleiht Flügel...
Im gleichen Heft, auf Seite 16, ist eine Liste, die zum Teil dem Artikel Punkte entnimmt:
------------------------------------------------------------------------------- Seite 16, Spalte links Verhaltensweisen von Gewinnern 1. sitzen meist in der ersten Reihe, 2. nehmen sich dennoch zurück, 3. fragen und hören zu, 4. sind neugierig und lernbereit, 5. investieren in ihre Weiterbildung, 6. sind Teil der Lösung, 7. sind nicht Teil des Problems, 8. jammern nicht, sie handeln, 9. drücken sich nicht vor Konflikten, 10. suchen aber Ausgleich, nicht Streit, 11. lieben die Menschen, 12. sind reisefreudig, 13. haben hohe Telefonrechnungen, 14. sind keine Erbsenzähler, 15. wissen genau, was sie wollen, 16. treffen Entscheidungen, 17. erledigen das Unangenehme zuerst, 18. suchen nicht nach Schuldigen, 19. übernehmen selbst Verantwortung, 20. sind ehrlich, verzichten auf Tricks, 21. haben Visionen - und teilen sie, 22. haben Ziele - und halten daran fest, 23. hahen einen Plan, arbeiten danach, 24. müssen nicht arbeiten - sie wollen, 25. leisten die Basisarbeit, 26. verstehen deshalb ihre Neuen, 27. sind einfühlsam, 28. können sich hineindenken, 29. führen durch Vorbild, 30. lassen Fehler zu, 31. geben niemals auf, 32. haben Geduld mit sich, 33. haben Geduld mit anderen, 34. behalten bei Erfolg Bodenhaftung, 35. vergessen nie, wo sie herkommen. -------------------------------------------------------------------------------
Nach den bisherigen Betrachtungen sollten sie Ihnen auffallen, die Doppeldeutigkeiten:
------------------------------------------------------------------------------- 1. sitzen meist in der ersten Reihe, 2. nehmen sich dennoch zurück, 3. fragen und hören zu, 4. sind neugierig und lernbereit, 5. investieren in ihre Weiterbildung, 6. sind Teil der Lösung, 7. sind nicht Teil des Problems, 8. jammern nicht, sie handeln, 9. drücken sich nicht vor Konflikten, 10. suchen aber Ausgleich, nicht Streit, 11. lieben die Menschen, 12. sind reisefreudig, 13. haben hohe Telefonrechnungen, 14. sind keine Erbsenzähler, 15. wissen genau, was sie wollen, 16. treffen Entscheidungen, 17. erledigen das Unangenehme zuerst, 18. suchen nicht nach Schuldigen, 19. übernehmen selbst Verantwortung, 20. sind ehrlich, verzichten auf Tricks, 21. haben Visionen - und teilen sie, 22. haben Ziele - und halten daran fest, 23. hahen einen Plan, arbeiten danach, 24. müssen nicht arbeiten - sie wollen, 25. leisten die Basisarbeit, 27. sind einfühlsam, 28. können sich hineindenken, 30. lassen Fehler zu, 31. geben niemals auf, 32. haben Geduld mit sich, 33. haben Geduld mit anderen, 34. behalten bei Erfolg Bodenhaftung, 35. vergessen nie, wo sie herkommen. -------------------------------------------------------------------------------sind Punkte, denen die Unteren zu genügen haben.
------------------------------------------------------------------------------- 26. verstehen deshalb ihre Neuen, 29. führen durch Vorbild, -------------------------------------------------------------------------------sind bekannte Indizien für progressive Kundenwerbung.
Besonders die Punkte
------------------------------------------------------------------------------- 6. sind Teil der Lösung, 7. sind nicht Teil des Problems, -------------------------------------------------------------------------------machen klar, daß die Unteren bitte für keinen Streß sorgen, sondern sich unterordnen sollen.
So einfach ist es, ein Trainer für MLM-er zu sein...
Aribert Deckers
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Aribert Deckers