Zeitungsjournalismus als Gefahr

Der Kölner Stadtanzeiger wird mißbraucht


11.11.2004

Laut mir vorliegenden Unterlagen erschien im Bereich "Stellenmarkt" des "Kölner Stadtanzeiger" am 31.01.2004 ein Artikel mit dem Titel "Mit einem Netzwerk in die Selbständigkeit".

Wer diesem Artikel glaubt, kann zu wirtschaftlichem Schaden kommen. Deshalb ist es notwendig, diesen Artikel zu kommentieren und dabei insbesondere vor den hanebüchenen Lügen darin zu warnen.

Diese Überschrift enthält keinerlei Warnung. Sie wirkt als positiver Anreiz. Bei vielen Lesern wird sie - weil in "Ihrer Zeitung" gedruckt - für wahr und vertrauenswürdig gehalten. Ein fataler Irrtum...

Mit diesem Subtitel wird die Stimmung erst recht angeheizt. Wer - wie viele Leser - nur die Überschrift und die ersten Zeilen prägend im Gedächtnis behält, ist der Lüge erlegen...

"Network Marketing" ist nur ein anderes Wort für MLM ("Multilevel Marketing").

Durch die vielen verschiedenen Begriffe sollen die wahren Verhältnisse verschleiert werden. Die Sprache als Waffe. Darüber habe ich berichtet unter anderem in
"So erkennen Sie Gewinnertypen" (http://www.ariplex.com/ama/ama_ml15.htm)

Natürlich, diese Anzeigen sind nicht zu übersehen. Es sind die Zeichen des Verfalls. Zeichen dafür, daß diejenigen, die diese Anzeigen aufgeben, ihr persönliches Umfeld ausgebeutet haben und nun auf der Suche nach neuen Opfern sind. Hierzu siehe auch Journalistin macht Reklame für MLM (http://www.ariplex.com/ama/ama_zt03.htm).

Statt diese Frage wahrheitsgemäß zu beantworten, agiert der "Kölner Stadtanzeiger" als Reklamepostille für die Drahtzieher.

Ob der "Kölner Stadtanzeiger" das im Rahmen bezahlter Reklame getan hat oder ob die Redaktion freiwillig unsauber recherchiert hat, möge der Verlag hausintern prüfen.

Nein, nicht immer handelt es sich um Schwarze Schafe. Es sind viele Menschen darunter, die den Lügen der MLM-er erlegen sind und nun genau das tun, was man ihnen eingeredet hat: durchhalten, weitermachen, durchhalten, weitermachen.

Das Prinzip des MLM besteht darin, immer neue Händler in das System hineinzuziehen. Das wird mit dem Begriff "duplizieren" getarnt.

Ist das persönliche Umfeld erschöpft, was dann? Dann macht man Reklame - auf die ganz konventionelle Weise, zum Beispiel mit Zeitungsanzeigen...

Zeitungsanzeigen sind teuer. Je nach verfügbarem Polster wird der Inserateaufgeber früher oder später das Handtuch werfen müssen.

Auch Harry Wijnvoord, der aus dem Fernsehen bekannte Verkäufer, gestand in einem Interview, daß er bei seinem Versuch mit MLM es mit Inseraten versucht hat. So erfolglos, daß er anscheinend keine mehr aufgeben will...

Wenn es jemand, der aus dem Fernsehen bekannt ist, mit Zeitungsanzeigen nicht schafft, wie soll es dann erst jemandem gehen, der nicht über so viel Geld verfügt und den wirklich niemand kennt...?

Noch viel schlechter...

Ob man hier übrigens fragen darf, ob dieser Artikel des "Kölner Stadtanzeiger" interessensgeleitet war, indem er zum Aufgeben von Inseraten verführen soll...?

Mit dieser vorgeblich erklärenden Beschreibung von Begriffen wird das Vokabular der MLM-er transportiert.

Das ist eine Lüge. MLM kommt eben NICHT immer mehr in Mode. MLM geht immer weiter bergab.

Daß die Methode simpel ist, ist keinerlei Beweis dafür, das sie gut oder praktikabel ist. Straßenraub ist auch sehr simpel. Dennoch spricht vieles dagegen...

Das ist eine Lüge durch Verdrehung. Im Gegensatz zum seriösen Handel sind die die angeblichen "Partner" nur Verbrauchsmaterial. Im Gegensatz zum seriösen Handel gibt es weder einen Schutz der Händler noch ausreichende Information oder Planung über Produkte, Marketing oder ähnliche grundlegende Fakten.

Sinn des seriösen Handels ist es, Waren zu verkaufen.

Sinn des MLM ist es, neue Händler unter sich zu rekrutieren (damit diese wiederum...). Eben dies ist aber progressive Kundenwerbung bzw progressive Händlerwerbung. Also verboten. Also strafbar...

Hier wird das sogar noch deutlicher beschrieben.

Was da beschrieben wird, ist strafbar!

Das ist irrelevant. Wir leben nicht in den USA und wir leben heute.

Außerdem ist es ein riesengroßer Unterschied, ob die Mitarbeiter (also Angestellte) einer Firma, Kunden anwerben dürfen, oder ob die angeworbenen Kunden wiederum neue anwerben und dadurch zum Händler mutieren!

Da hat der deutsche Gesetzgeber schlicht und einfach versagt.

Das ist eine dreiste Lüge.

Erstens gibt es nur einen einzigen Lehrstuhl, an dem jemand es wagt, pro MLM aufzutreten. Das ist an der Fachhochschule Worms. Das ist KEINE Hochschule, sondern nur eine Fachhochschule.

Zweitens wird MLM an den Hochschulen nicht unterrichtet, sondern höchstens kurz davor gewarnt. MLM ist für jeden seriösen Betriebswirt so lächerlich, daß er davor warnt und es ganz bestimmt nicht unterrichtet.

Das ist eine Lüge.

Durch die Möglichkeit des Internets kann man die Grenzen des eigenen Landes überschreiten und auch im Ausland Reklame für sich machen. Aber aus dem Ausland kann auch HIER Reklame gemacht werden, so daß für die hiesigen Händler der Markt deutlich schlechter wird.

Das Internet wird als Verkaufsmaschine mißbraucht. (Siehe TINA (http://www.ariplex.com/tina/tina_top.htm).

Die gesamten Buchungsvorgänge werden über spottbillige Server im Internet abgewickelt. Menschen sind nur noch Verbrauchsmaterial, das kontinuierlich nachgeliefert werden muß. Inserate für Frischfleisch finden Sie in Ihrer Zeitung...

Von einem Boom des MLM kann auch nicht die Rede sein. Auch diese Aussage des Artikels ist eine Lüge.

Tatsache ist, und das läßt sich anhand der Zahlen aus der MlM-er Szene belegen, daß der Gewinn pro der Händler dramatisch fällt.

MLM ist ein Verlustgeschäft, siehe "Hervorragendes Wachstum im MLM?!?" (http://www.mlm-beobachter.de/mlm/mlmwachstum.htm)

Das ist eine Lüge. Sogar eine ganz üble.

Tatsache ist, daß weltweit die Wirtschaft auf Talfahrt ist.

Tatsache ist, daß Menschen um ihr Überleben kämpfen und nach Arbeit und Einkommensquellen suchen.

Tatsache ist aber auch, und das ist der Punkt, daß die MLM-er ganz gezielt die Angst der Menschen schüren. Dazu gibt es unter anderem die Domain http://www.die-neue-rezession.com bzw http://www.dieneuerezession.de :

Über diese Site heißt es in einer Reklame:

Als Klartext:

Gedruckt ist diese Reklame in der Zeitschrift "Network Press", sogar in einer ganz-seitigen Reklame.

Die "Network Press" war speziell für MLM-er gemacht. Laut Aussagen in der Szene haben die eigenen Mitarbeiter einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Das war das Aus für das Hochglanzmagazin der MLM-er. Für eine angeblich boomende Branche ein deutliches Zeichen...

Mehr über die gezielte Angstmache und http://www.die-neue-rezession.com bzw http://www.dieneuerezession.de finden Sie in dem Bericht über die gnadenlose Fehlleistung der IHK Leipzig:
Der Fall "IHK Leipzig" (http://www.ariplex.com/ama/ama_ihk1.htm)

Tatsache ist, daß ihnen das eingeredet wird.

Tatsache ist, daß sie ausgenutzt und weggeworfen werden.

Hohe Einkommen gibt es nur, wenn man TAUSENDE von Händlern unter sich hat. Doch das gilt nur für die, die sich an die Spitze einer Pyramide setzen können. Alle anderen in der Pyramide werden mit wenig abgespeist oder zahlen bitterlich drauf.

Tatsache ist nämlich, daß durch die ungebremste Ausbreitung sowohl Käufer als auch Händler nur in begrenzter Zahl vorhanden sind, der Vorrat also erschöpft wird. Den Letzen beißen die Hunde...

Die Händler stehen in totaler Konkurrenz gegeneinander, natürlich auch die in der gleichen Pyramide. Für jeden Händler wird die mögliche Roheinnahme immer geringer - bei unverändert hohen Betriebskosten...

Ja, natürlich, die zu großen Hoffnungen müssen gedämpft werden. Die Kritik durch die Verbraucherzentralen und seriöse Journalisten hat dazu geführt, daß zumindest dies sich herumgesprochen hat - sogar bis in die Redaktion des "Kölner Stadtanzeiger".

Das ist eine perfide Lüge. Erstens KANN man mit MLM nicht reussieren. Zweitens muß das neu angeworbene Frischfleisch möglichst lange bei der Stange gehalten werden. Deshalb Durchhalteparolen.

Je länger ein neu angeheuerter Händler durchhält, desto mehr Geld wird durch ihn in das System gepumpt und die über ihm befindlichen Händler ziehen ihren Profit durch ihre Provisionen. Und er selbst bezahlt auch noch dafür...

Sogar dann, wenn die Händler hochverschuldet sind, glauben sie an die Durchhalteparolen und schaufeln ihr Grab der Insolvenz noch tiefer.

Eric Scheibeler hat sich in seinem Buch "Merchants of Deception" diesem Thema gewidmet - am Beispiel der Firma Amway. Eric Scheibeler war in den USA Händler beim MLM-Untermehmen Amway und dort einer der höchsten in der Pyramide: ein "Emerald".

Das Buch: http://www.merchantsofdeception.com

Ein Zitat:

Aribert Deckers

 


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