Zeitungsjournalismus als Gefahr

Die "Apotheken-Umschau"

- das Ende der Glaubwürdigkeit... -



26.20.2006

Die "Apotheken-Umschau" macht neuerdings Reklame im Fernsehen. Dabei, in der Fernsehreklame, verweist sie auf ihr neustes Titelthema: "Alternative Medizin - Wie sie wirkt - Wem sie hilft".

Die "Apotheken-Umschau" gibt es in der Apotheke. Kostenlos. Kostenlos ist immer gut. Und weil es sie in der Apotheke gibt, muß sie gut sein, sonst würde der Apotheker sie nicht verteilen.

Aber die Wahrheit ist eine andere...

Die "Apotheken-Umschau" ist mitnichten kostenlos, sondern ein "Werbemittel", etwas, das der Apotheker einsetzt, um seine Waren zu verkaufen. Werbemittel kosten Geld. Auch der Apotheker zahlt: Für jedes Heft, das ein Kunde aus der Apotheke mitnimmt, hat der Apotheker rund 40 - 60 Cent plus Mehrtwertsteuer bezahlt (der Preis hängt von der Menge ab).

Zeitschriften wie die "Apotheken-Umschau" haben mehrere Funktionen. Sie dienen nicht nur der Erhöhung des Kaufanreizes, sondern auch der "Kundenbindung". Manche Zeitschriften haben dazu einen Innenteil und einen äußeren, den die jeweilige Apotheke einzeln für sich gestaltet, wo der Apotheker sogar mit Konterfei erscheinen und eigene Artikel darbieten kann. Möglich ist alles - solange der Apotheker zahlt...

Und wofür zahlt er? Zum Beispiel für Inhalte die im Rahmen des Titelthemas "Alternative Medizin - Wie sie wirkt - Wem sie hilft" gedruckt werden. Die kann er sich bei der "Apotheken-Umschau" aber nicht aussuchen. Die sind einfach drin...

So heißt es dann im Heft vom 15.10.2006 in der "Apotheken-Umschau"

Seite 12, unten:

Seite 13, unten:

Seite 14 unten:

Seite 15 unten:

Seite 16 unten:

Seite 18 unten:

Seite 19 unten:

Seite 20 unten:

Ayurveda ist Humbug. Alleine die Idee von den "Doshas" (Vata, Pitta, Kapha) ist Schwachsinn.

Bachblüten sind Hirngespinste des Psychopathen Edward Bach.

Homöopathie ist Betrug. Wobei die Autorin, die Redakteurin Maria Haas, anscheinend noch nicht einmal begriffen hat, daß Potenzieren NICHT identisch mit reiner Verdünnung ist. Sie schreibt:

Diese Behauptung ist falsch! Hahnemann war der Ansicht, daß das Schlagen wie beim Magnetisieren eines Eisennagels durch Schlagen in Richtung Erdboden Kräfte überträgt.

"Kinesiologie", "Kernstück der Methode ist ein Muskeltest als eine Art Sprache des Körpers." schreibt Maria Haas. Dabei weiß sie bis zu meinem Anruf (heute, 26.10.2006) noch nicht einmal, was Kinesiologie ist.

Kinesiologie ist ein Teil der Sportmedizin und wird an amerikanischen Universitäten unterrichtet. Kinesiologie hat mit dem "Muskeltest" nicht das mindeste zu tun.

Was Maria Haas beschreibt, ist ein Betrug, bei dem der Begriff Kinesiologie schlicht und einfach gestohlen wird. Unter Bezeichnungen wie "Applied Kinesiology" oder ähnlichen Begriffen wird dümmliches Armdrücken als angeblicher Test verkauft, siehe http://www.ariplex.com/ama/ama_kine.htm

Daß die "Apotheken-Umschau" den Zusatz "Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit der Methode gibt es nicht." macht, reicht nicht. Es gibt keine klare Aussage, die unmißverständlich darauf hinweist, daß "Applied Kinesiology" und ähnliche Methoden Betrug sind.

Daß es zu einer Methode keine oder noch keine Studien zur Wirksamkeit gibt, heißt nämlich NICHT, daß die Methode nicht funktioniert. Also denkt sich der Leser der "Apotheken-Umschau", daß die Methode wirkt. Denn wenn sie nicht wirken würde, würde die "Apotheken-Umschau" das doch ganz bestimmt schreiben. Denkt der Leser. Und wenn die Zeitschrift nicht gut wäre, würde der Apotheker sie auch nicht auslegen. Denkt der Leser. Auf diese Weise wird der Apotheker mißbraucht. Er zahlt doppelt: er bezahlt bares Geld für das Heft und er bezahlt durch Schädigung seiner Glaubwürdigkeit.

Nutznießer sind der Verlag und diejenigen, die über den Verlag ihre Reklame absetzen, teils offen, teils versteckt. Die Texte zum Titelthema "Alternative Medizin - Wie sie wirkt - Wem sie hilft" tragen keinen Namensvermerk. Sie tragen auch nicht den Vermerk "Reklame" oder "Anzeige". Was bei Themen wie "anthroposophische Medizin" (die gar keine Medizin, sondern esoterischer Müll ist), nicht nur irgendeine Reklame ist, sondern den Leser in durchaus lebensgefährliche Situationen bringen kann, wenn er der Imagepflege zum Opfer fällt und den Anthroposophen glaubt. Zu den Anthroposophen gehören nämlich auch jene Impfgegner, die unter zig Mäntelchen vorsätzlich das Impfen sabotieren, weil sie WOLLEN, daß Kinder krank werden.

Das weiß der Leser nicht, die "Apotheken-Umschau" schreibt es nicht. Sie macht ihren Teil: Image-Pflege... So kommt eines zum anderen...

Kundenbindung, Image-Pflege, Public Relations (PR) sind komplexe Dinge. Bei denen DARF die Zielgruppe gar nicht bemerken, wie sie fliegengeleimt wird. Daß sie das nicht bemerkt, ist Teil des Konzepts. Unterschwellige Werbung ist psychologische Kriegsführung: x Akteure, mit verteilten Rollen, liefern ein Gesamtergebnis.

Je weniger die einzelnen Akteure dabei in ihrer Rolle erkennbar sind, je weniger der Einzelne (!) dabei offen gegen Gesetze verstößt, desto besser. Die große Kunst der PR besteht im Verstecken... Das "Cui bono?" ("wem nützt es?"), mag man sich oft fragen, aber solange weder Name noch Adresse da stehen, sieht man nichts...

"Körperorientierte Verfahren", "Kneippsche Therapie","Reizkörpertherapie", "Traditionelle chinesische Medizin",... Wer mag wohl derjenige sein, dem die Image-Pflege nützt? Nun, was nicht in diesem Heft steht, kann ja durchaus in anderen... Und ein Anreiz für bezahlte Werbung darf den Anbietern ja auch gegeben werden...

Dabei ist doch auch dem unbegabten Journalisten heute dank Internet so viel Material zur Recherche gegeben, daß er erkennen kann, daß Ideen wie

Blödsinn sind. Leider stehen aber genau solche Sätze in der "Apotheken-Umschau". Und das sogar als Teil eines Titelthemas, für das die "Apotheken-Umschau" im FERNSEHEN für sich Reklame macht...!

Veröffentlichungen wie diese schaden den Lesern und sie beschädigen die Glaubwürdigkeit der Apotheken erheblich.

Autoren, Redaktion und Verlag haben eine Pflicht für den Wahrheitsgehalt ihrer Veröffentlichungen. Dieser Pflicht kommen sie nicht nach.

Aribert Deckers

 


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