Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V.
DGAUM
(http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/index.html)

Leitlinien 
Arbeiten unter Einwirkung von Quecksilber und seinen Verbindungen
(Arbeitsbedingte Quecksilber-Intoxikation)


Web-Page: http://www.ariplex.com/ama/amaleit1.htm

Diese Seite spiegele ich mit der freundlichen Genehmigung von Herrn Prof. Dr. med. Ekkehard Münzberger, Universität Rostock - Medizinische Fakultät, Institut für Arbeitsmedizin.

Das Original dieser Seite befindet sich auf der Web-Site der DGAUM,
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.:
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unter dem Rubrum Leitlinien: http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm
unter der URL: http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/quecksi.htm

Ich bringe diese Seite, um die derzeitige Situation in Deutschland aufzuzeigen, und weise darauf hin, daß ich dem Inhalt NICHT zustimmen kann!

6.2.2002, Aribert Deckers


Vorbemerkung
Beachten Sie bitte auch die für das arbeitsmedizinische Leitlinienprinzip
(http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm#Praeamb)

geltenden Besonderheiten

sowie die sonstigen fachgebietsrelevanten Handlungsempfehlungen
(http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm#merkbla)


Diese Leitlinie wird empfohlen, wenn ärztliches Handeln im Zusammenhang mit der Einwirkung von Quecksilber oder seinen Verbindungen in diagnostischer, therapeutischer oder präventiver Hinsicht erforderlich ist.


1 Charakterisierung der Einwirkung

1.1 Eigenschaften

Quecksilber (Hg) ist das einzige unter üblichen Umgebungsbedingungen flüssige Metall.

Mit einem Schmelzpunkt von -38,87 °C und einem Siedepunkt von +356,58 °C verdampft es bereits bei Raumtemperatur und kann deswegen in geschlossenen Räumen eine Sättigungsdampfkonzentration von einem Vielfachen (u.U. > 100x) der zulässigen Maximalen Arbeitsplatzkonzentration MAK) erreichen. Dies ist insbesondere im Zusammenhang mit Kontaminationonen von Arbeits- und Wohnräumen toxikologisch bedeutsam,


1.2 Verwendung und Gefährdung

Aufgrund seiner hohen Toxizität und Persistenz in der Umwelt wurde die Verwendung von Hg und seine Verbindungen in den letzten Jahren bereits stark eingeschränkt und in vielen Bereichen durch andere Stoffe oder Techniken ersetzt. Verzichtet werden kann auf den Einsatz von Hg z.B. bei der Herstellung von Spiegeln, Filzhüten, in vielen Meßgeräten, in Batterien, im Holzschutz, als Saatbeizmittel und in Medikamenten.

Gesundheitlich relevante Einwirkungen können aber auch heute noch vor allem in folgenden Bereichen vorkommen (in früherer Zeit bzw. teilweise noch in Entwicklungsländern bedeutsam Einwirkungen sind in Klammern gesetzt):



Metallisches Quecksilber:

Anorganische Quecksilberverbindungen:

Organische Quecksilberverbindungen

Mit zwar meßbaren Hg-Dampfbelastungen, nicht aber mit gesundheitsschädlichen Einwirkungen von Hg ist hingegen beim Einsetzen und Ausbohren von Amalgamfüllungen unter den heute in Arztpraxen üblichen Bedingungen zu rechnen, weder für den Zahnarzt, noch für das Assistenzpersonal und auch nicht für den Patienten.


1.3 Überwachung der Exposition

Die empfindlichste Meßtechnik für Hg ist die kalte flammenlose Atomabsorption (AAS), deren Empfindlichkeit durch Zwischenanreicherung an Gold noch wesentlich gesteigert wird. Neben direkt anzeigenden Geräten für Hg-Dampf (sog. Hg-Monitore) können für Luftanalysen auch Passivsammler mit Goldfolie und für die Bestimmung von Gesamt-Hg-Aktivsammler (Impinger mit saurer Kaliumpermanganatlösung) für eine eine anschließende AAS-Analyse eingesetzt werden.

Für die individuelle Vorsorge hat sich das Biomonitoring mit Analysen im Blut und Urin gut bewährt. Die Ergebnisse von Speicheluntersuchungen hängen stark von der Amalgamversorgung und der Kaubelastung der Zähne ab. Haaranalysen zeigen nur erhöhte Belastungen mit Methyl-Hg an.

Unter den Bedingungen des bundesdeutschen MAK-Wertes von 0,1 mg/m3 ist bei beruflich gegenüber Hg oder seinen anorg. Verbindungen exportierten Personen mit Konzentrationen in der Größenordnung der BAT-Werte, d.h. 200 µg/l Urin bzw. 50 µg/l Blut, zu rechnen. In anderen Ländern gültige niedrigere MAK-Werte von überwiegend nur 0,05 mg/m3 führen zu entsprechend niedrigeren Konzentrationen im biologischen Material. Eine Exposition gegenüber dem noch toxischeren und lipophilen Methyl-Hg (MAK-Wert 0,01 mg/m3) erhöht primär die Hg-Konzentration im Blut (Erythrozyten) mit einem BAT-Wert von 1 00 µg/l Blut. Das Biomonitoring ist auch zur Feststellung der Hg-Exposition in der Allgemeinbevölkerung geeignet. Üblich sind Hg-Ausscheidungen mit dem Urin von ca. 1 µg/l bzw. /g Kr. Höhere Werte, selten bis zu ca. 10 µg/l bzw. /g Kr., finden sich meist als Folge von Amalgamfüllungen, noch höhere Werte wären hingegen vor allem verdächtig auf Innenraumbelastungen. Die Hg-Konzentration im Blut, im Durchschnitt ebenfalls bei ca1 µg/l gelegen, wird vor allem durch Fischkonsum (Methyl-Hg) beeinflußt, übersteigt in der deutschen Bevölkerung aber nur selten 5 µg/l Blut.

Bei der Probenahme von Urin (ca. 20 ml Morgenurin) und Blut (ca. 5 ml Vollblut mit Antikoagulans) ist strikt auf eine Vermeidung von Kontaminationen z.B. von der Arbeitskleidung zu achten. Geeignet sind Einmalgefäße, für Blut insbesondere bereits mit EDTA präparierte Entnahmebestecke. Die analysierenden Laboratorien müssen sich an der externen Qualitätssicherung durch Ringversuche erfolgreich beteiligt haben, die von der DGAUM angeboten werden.

Im Falle des Überschreitens des MAK- bzw. BAT-Werte sind technische Maßnahmen zur Verminderung der Exposition zu ergreifen, erforderlichenfalls auch persönlicher Atemschutz zu tragen. Versetzungen vom Arbeitsplatz sind insbesondere bei individuell erhöhten Belastungswerten infolge persönlicher Unsauberkeit zu erwägen.


2 Wirkungen auf den Menschen

2.1 Pathomechanismen

Elementares Hg wird im Körper schnell zu zweiwertigen Hg-Ionen oxidiert, die über die Bindung an SH-Guppen primär als Eiweißgifte wirken. Die biologische Halbwertszeit für den Gesamtorganismus liegt bei ca. 60 Tagen, für das Gehirn hingegen bei mehreren Jahren. Metallisches Hg und Alkyl-Hg sind aufgrund ihrer lipophilen Eigenschaften für das ZNS toxischer als ionische Verbindungen. Sie passieren auch leichter die Plazenta.

Die hauptsächlichen Ausscheidungswege, sind der Urin für elementares Hg und anorganische Verbindungen und der Stuhl für organische Verbindungen,


2.2 Krankheitsbilder und Diagnosen

In Abhängigkeit von der jeweiligen Bindungsform (elementar, anorganisch, organische, den Weg (inhalativ, oral, dermal) und die Art der Aufnahme (akut, subakut, chronisch) verursachen Hg- und seine Verbindungen unterschiedliche Symptome.

Für die häufigste chronisch-inhalative Form der Hg-Dampf-Vergiftung sind folgende Leitsymptome charakteristisch:

Schwere Schädigungen des ZNS einschließlich Hirnnerven (v.a. Seh- und Hörnerv) sowie Parästhesien sind insbesondere für Vergiftungen durch Alkyl-Hg charakteristisch.

Für Kleinkinder wird eine teilweise deutlich erhöhte Empfindlichkeit auf Hg als Morbus Feer/Acrodynie-Syndrom oder auch "pink-disease" beschrieben.

Für die Entstehung der Erkrankungen genügen kurze, im Extremfall sogar nur einmalige akute Aufnahmen in einer Größenordnung von einem Mehrfachen der MAK- bzw. BAT-Werte.

Vergiftungen durch Alkyl-Hg sind durch symptomfreie Latenzzeiten von gelegentlich mehr als 3 Wochen nach der Aufnahme gekennzeichnet.

Differentialdiagnostisch sind zur Hg-Vergiftung insbesondere psychovegetative und neurasthenische Syndrome, Schilddrüsenüberfunktion und neurologisch-psychiatrische Krankheitsbilder (-Multiple Sklerose, amyotrophe Lateralsklerose, Parkinson-Syndrome, Demenzen etc.) in Betracht zu ziehen. Eine Hg-Vergiftung ist häufig bereits aufgrund des Verlaufes (enge zeitliche Beziehung, kein weiteres Fortschreiten nach Expositionsunterbrechung) wahrscheinlich zu machen oder auszuschließen.

Für die Akuttherapie von Hg-Vergiftungen haben sich Komplexbildner, insbesondere Dimercaptopropansulfonsäure-Natrium, DMPS bzw. Dimaval R- Heyl) in einer Dosierung von bis zu ca. l000 mg/Tag (p.o. oder i.v.) bewährt, Entscheidend dabei ist allerdings eine normale Nierenfunktion, die die etwa 10 - bis 100fach erhöhte Ausscheidung von Hg mit dem Urin bewältigt. Nebenwirkungsreicher und weniger effektiv sind Behandlungen mit anderen Komplexbildnern (z.B. BAL oder D-Penicillamin). Die Effektivität der Behandlung sollte durch Untersuchung der Sammelurine überprüft werden.

Bei chronischen Hg-Vergiftungen läßt sich nach Normalisierung der Hg-Ausscheidung oft keine Effektivität der Behandlung mehr nachweisen Zu beachten ist, daß die Komplexbildner auch bei Amalgamfüllungsträgern Hg-Ausscheidungen von bis zu ca. 100 µl/Tag im 24-Std.Sammelurin provozieren können. Für die Beurteilung von Konzentrationsangaben (µg/l) sind die entsprechenden Urinmengen pro Zeiteinheit nach Gabe der Komplexbildner bedeutsam.


3 Versicherungsrechtliche Aspekte

Der begründete Verdacht auf eine berufsbedingte Hg-Vergiftung (Berufskrankheit nach Nr. 1102 der gültigen Berufskrankheitenverordnung ist meldepflichtig an die zuständige Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft) oder den Staatlichen Gewerbearzt (Landesamt für Arbeitsschutz). Der Verdacht ist u.U. bereits bei typischer beruflicher Anamnese und charakteristischer Symptomatik als begründet anzusehen. "Positive" Biomonitoring-Befunde können den Verdacht weiter erhärten. Aufgrund der der relativ kurzen biologischen Halbwertszeiten können aber bereits wenige Monate nach Beendigung der Exposition auch wieder unauffällige Befunde am biologischen Marterial vorliegen. Im Falle sehr starker Exposition sollen sich bleibende Ablagerungen von Hg in der hinteren Linsenkapsel des Auges mit der Spaltlampe nachweisen lassen (sog. Atkinson-Augenreflex).

Im Rahmen der Zusammenhangsbegutachtung sind insbesondere die Expositionsbedingungen mit dem Krankheitsverlauf in Relation zu bringen. Ein epositionsunabhängiges Fortschreiten von Krankheitserscheinungen spricht gegen die Verursachung durch eine Hg-Vergiftung. Im Falle der Bestätigung eines wahrscheinlichen Ursachenzusammenhanges muß außerdem die MdE infolge der Berufskrankheit abgeschätzt werden. Sie beträgt 20 % für leichte neurasthenische Syndrome und bis zu 100 % bei schweren hirnorganischen Beeinträchtigungen.


4 Prinzipien der primären Prävention

Austausch von Hg durch weniger gefährliche Stoffe bzw. Verminderung der Kontaktmöglichkeiten.


5 Prinzipien der arbeitsmedizinischen Prävention / Gesundheitsüberwachung

Bei nicht sicherer Einhaltung der TRK- und BAT-Werte sind regelmäßig arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nach G 9 der Berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Insbesondere bereits durchgemachte Hg-Vergiftungen, Nervenleiden, Nierenschäden und Schilddrüsenstörungen gelten als Kontraindikationen gegen eine (Weiter-) Beschäftigung.


6 Qualitätskriterien

Ringversuche der DGAUM für toxikologische Laboruntersuchungen,

Einzelermächtigungen von Ärzten für die Vorsorgeuntersuchungen nach G 9 seitens der staatlichen Aufsichtsbehörde (Amt für Arbeitsschutz) und der Landesverbände der gewerblichen Berufsgenossenschaften.


Siehe dazu auch
Merkblatt zu BK 1102 (http://www-ifam.med.uni-rostock.de/bkvo/m1102.htm)


Referenz-/ Korrespondenzadressen

http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/leitlinien/leitlin1.htm#Kopf1

http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/ll_list.htm#A


© Copyright und alle Vertriebsrechte: Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. DGAUM (http://www-dgaum.med.uni-rostock.de/index.html)
Erarbeitet von: R. Schiele, Jena
Redaktioneller Stand: Juni 1998
Von der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter arbeitsmedizinischer Hochschulinstitute verabschiedet (Dezember 1998)
Hinweise senden Sie bitte an:
Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin
Institut für Arbeitsmedizin der Medizinischen Universität zu Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Fax: (04 51) 5 00 - 36 32

oder an: ekkehard.muenzberger@medizin.uni-rostock.de
Letzte Revision dieser WEB-Datei: 9.9.1999

 


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