Mirror für das
Institut für Toxikologie
der Universität Kiel


28.3.2000

Mit Genehmigung der Leitung des Instituts für Toxikologie der Universität Kiel gebe ich hier seine Meldungen wieder.

Homepage des Instituts: http://www.uni-kiel.de/toxikologie/tox_home.htm


Das Institut für Toxikologie,
Universität Kiel, ist in akuter Gefahr !!
[Stand: 12. Jan. 2000]
Dem in Deutschland überall zu beobachtenden, von interessierten Kreisen gesteuerten Trend, Lehrstühle für Toxikolgie zu streichen und Institute für Toxikologie zu schwächen oder gar zu schließen (s. FAZ vom 8.Juli 1998): "Toxikologie ohne Zukunft?"), möchte nun auch Kiel, vor allem die Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität, folgen:

  • Nach der Emeritierung des bisherigen Direktors Prof. Dr. Otmar Wassermann im Jahre 2000 soll der 1975 von ihm für die Universität Kiel gewonnene C 4-Lehrstuhl zur Aufwertung eines Klinikers (Unfallchirurgie) entwendet werden mit der Begründung, man könne dort "nur auf eine C 4-Stelle einen qualifizierten Nachfolger gewinnen". Die Toxikologie soll mit einer geringerwertigen, abhängigen C 3-Stelle abgespeist und abgewertet werden. Eine "qualifizierte Nachfolge" scheint für das Fach Toxikologie nicht erwünscht zu sein.

  • Das Kieler Institut für Toxikologie, das neben der im Schrifttum dokumentierten Forschung durch sein kompromißloses Eintreten für einen besseren Schutz der Menschen und der Natur und durch seine von Industrie- und Politikinteressen nicht korrumpierbare Haltung national und international hohes Ansehen erlangte, soll zur Bedeutungslosigkeit demontiert werden. Künftig sollen "in enger Zusammenarbeit mit den Pharmakologen" (Prof. Unger) in einem "Institut für experimentelle Toxikologie" Arzneimittelnebenwirkungen mit molekularbiologischen Methoden untersucht werden. Derartige Themen sind Aufgaben der Pharmakologie und der Pharmaindustrie.

  • Der Wissenschaftsrat empfahl am 22.01.1999, das Hygiene-Institut aufzulösen und "den Lehrstuhl für Hygiene möglichst rasch in einen Lehrstuhl für Virologie umzuwandeln". Zur Rettung dieses obsoleten Faches soll das Institut umbenannt werden in "Institut für Umweltmedizin, Umwelttoxikologie und Hygiene". Dort "soll eine neue Arbeitsgruppe für Umwelttoxikologie aufgebaut werden" ... "Umwelttoxikologie" braucht in Kiel nicht "aufgebaut" zu werden, dieser Schwerpunkt wurde im bisherigen Institut für Toxikologie bereits 25 Jahre lang erfolgreich bearbeitet, auch wenn die Medizinische Fakultät in Kiel daran bisher kein Interesse hatte. Gleiches gilt für die "Umweltmedizin".

  • Das ehemalige Institut für Toxikologie an der Medizinischen Universität Lübeck wurde 1998 geschlossen und komplett vom Pharmakologen (Prof. Dominiak) vereinnahmt. Letzterer sprach sich dafür für eine "Stärkung der Toxikologie in Kiel" aus. Das Kieler Institut für Toxikologie ist die letzte unabhängige Institution mit toxikologischer Fachkompetenz in Schleswig-Holstein.

  • Der Landtag von Schleswig-Holstein forderte am 09.10.1998 von der Landesregierung einen "Bericht zu Situation und Perspektive der Toxikologie in Schleswig-Holstein". In diesem (Drucksache 14/1959 vom 10.02.1999) verkündet die Landesregierung "die Erhaltung eines eigenständigen Institutes für Toxikologie mit den bisherigen human- und umwelttoxikologischen Schwerpunkten".
    Der Wissenschaftsrat empfahl am 22.01.1999 die "Erhaltung des Lehrstuhls für Toxikologie (C 4) in Kiel".
    Die "Strukturkommission" der Medizinischen Fakultät überrumpelte den Fakultätskonvent in der letzten Sitzung des Sommersemesters 1999 am 19.07.1999 mit ihrem Vorschlag zur "Neukonzeption Bereich Umweltmedizin - Hygiene - Toxikologie", ohne aber den Konvent über die Hintergründe zu informieren. Unter bewußt erzeugtem "Zeitdruck" stimmte der Konvent gegen die Entscheidung von Landtag und Landesregierung und gegen die Empfehlung des Wissenschaftsrates und unterstützt damit nur die eigennützigen Interessen einiger Kliniker, des Pharmakologen und des Hygienikers.
    Die Mehrheit des Konvents war sich ihrer Unkenntnis über die Zusammenhänge nicht bewußt - und stimmte trotzdem ab.

Eine solche katastrophale Entscheidung und derart offensichtliche Manipulationen einiger Mitglieder einer Medizinischen Fakultät darf die Öffentlichkeit nicht hinnehmen.

Schon einmal ist in Deutschland ein kritisches wissenschaftliches Fach durch Wirtschaftsinteressen gezielt vernichtet worden: Die Strahlenbiologie durch die Atomwirtschaft.

Wenn die Entscheidung von Landtag und Landesregierung und die Empfehlung des Wissenschaftsrates nicht umgesetzt werden, wird das Fach Toxikologie auch in Schleswig-Holstein demontiert und die Bevölkerung künftig nicht mehr durch kritische, unabhängige und fachlich qualifizierte Informationen geschützt.

Das Institut für Toxikologie in Kiel muß in vollem Umfang erhalten bleiben, und der Lehrstuhl (C 4) für Toxikologie darf nicht vernichtet werden.


Kiel, im Oktober 1999

Univ.-Prof. Dr. Otmar Wassermann
Direktor des Institutes für Toxikologie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
http://www.uni-kiel.de/toxikologie/tox_home.htm
e-mail: wassermann@toxi.uni-kiel.de

Bitte richten Sie Ihren Protest umgehend an die Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein, Frau Heide Simonis, Staatskanzlei, Landeshaus, 24105 Kiel (Fax 0431-988 1960; e-mail: heide.simonis@landsh.de) und senden Sie mir eine Kopie.

 


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