MLM ist tot

27.4.2011

MLM ist tot. Kurz, knapp, erledigt.

Natürlich wird es Aufschreie geben, das sei nicht wahr. Nun gut, Dummheit stirbt nicht aus und immer wieder wird es den Einen oder Anderen geben, der die großartige Zukunft des MLM beschwört. Es wird auch immer wieder Menschen geben, die glauben, sie seien Napoleon.

MLM ist tot.

Es ist langweilig, immer wieder über MLM-er und ihre Kaspereien zu schreiben.

Es ist totlangweilig, so daß ich seit mehreren Jahren nicht mehr über MLM geschrieben habe. Vor 1 oder 2 Jahren kam dann ein scheinheiliger Anruf mit der Frage, warum ich denn nicht mehr über MLM schriebe. Scheinheilig, weil der, der mich fragte, ein MLM-er war - was er vergeblich zu vertuschen suchte.

MLM-er möchten, daß man über sie schreibt. Aber wenn gar nichts über sie kommt, nicht mal etwas negatives, dann kommt etwas über sie, dann wird ihnen unheimlich...

Ich habe nicht mehr über MLM geschrieben, weil das Thema tot ist. Es gibt aber noch etwas, etwas, über das ich all die Jahre absolutes Schweigen gewahrt habe, etwas, das für sich alleine schon der Tod des MLM ist - und nicht nur des MLM:

Der Krieg der Systeme ist ein Mafia-Krieg

Seit mehreren Jahren tobt ein erbitterter Krieg. Versprachen die Anfeuerungsreden der MLM-er der ersten Jahre 200x noch strahlendes Wachstum, kam durch die immer schwächer werdende Wirtschaft auch für einfacher Gestrickte irgendwann die Erkenntnis, daß es im Markt kein Wachstum, sondern einen knallharten Verdrängungswettbwerb gibt.

Nur mit Wachstum zu locken funktionierte nicht mehr, die Zahl der Geköderten schmolz ins Nichts. Die Rattenfänger mußten - wollten Sie mehr Opfer begeistern - mit deren gestiegener Wahrnehmung der Realität Schritt halten und ihre Verheißungen dämpfen.

Wie führt man einen Krieg - einen Krieg eines Systems gegen ein anderes - oder gegen mehrere andere?

In der freien Wirtschaft gibt es Konkurrenz durch bessere Produkte, durch bessere Preise, durch bessere Verkaufsbedingungen.

Doch nichts davon gilt im MLM.

MLM hat keine besseren Produkte. Doch nicht nur das, auch der hohe Kaufanreiz, der durch unwahre Tatsachenbehauptungen und Verdrehungen - und vor allem durch krankheitsbgezogene Tatsachenbehauptungen - erzeugt wird, macht es unmöglich für einen Verkäufer, seine Ware so anzupreisen, daß er damit Konkurrenz ausstechen kann.

Die Produkte im MLM sind - wenigstens im Gesundheitsmarkt - nicht vergleichbar. Selbst dann, wenn sie tatsächlich vergleichbar sind (die genau gleichen Chemikalien in genau der gleichen Konzentration in genau der gleichen Mischung), selbst dann KANN ein MLM-er die Waren nicht vergleichen, weil er dazu FAKTEN auf den Tisch legen müßte. Das hieße aber: er müßte Farbe bekennen. PUFF! schon wäre der ganze Schwindel geplatzt.

Weder können die MLM-er ihre Waren real vergleichen noch können sie über den Preis verkaufen, denn der ist extremst überzogen. Die Verkaufsbedingungen können auch nicht verbessert und schon gar nicht verglichen werden.

Was dann!?

Ein Teil der Kriegsszene verlegte sich auf das "Abschießen" der Arbeitstiere des Systeme: die kleinen MLM-er wurden mit juristischem Feuer belegt. Immer weiter arbeitete sich die Juristen-Phalanx vorwärts, bis - ein Meilenstein - ein System auch dafür belangt werden konnte, daß sein Fußvolk gegen die Regeln über den unlauteren Wettbewerb verstieß oder sich zu krankheitsbezogenen Aussagen verstieg.

Ein von mir schon früh beschriebener Trick der Systeme besteht darin, im Vertrag zwischen System und MLM-ern Klauseln zu haben, die den MLM-ern vorschreiben, was sie tun dürfen. Was sie dürfen, ist per Gesetz vorgegeben. Verstoßen die MLM-er dagegen, fliegen sie automatisch aus dem Vertrag und werden gegenüber dem System schadenersatzpflichtig.

Es ist allerdings klar, daß MLM-er, die sich an die Gesetze halten, keinen wirtschaftlichen Erfolg haben werden.

Zum einen erfordert der Menschenverbrauch des MLM, daß immer neue untergeordnete Händler geködert ("rekrutiert") werden.

Zum anderen kann die Ware nur mit überzogenen Versprechungen zu den horrenden Preisen verkauft werden.

Wer zahlt schon 50 Euro für einen Liter eines schlechte schmeckenden Saftgemischs? Wer trinkt Tag für Tag einen Liter dieses gruseligen Gebräus? Doch nur jemand, der in Angst um seine Gesundheit ist, der vielleich totkrank ist und nach jedem Strohhalm greift.

Überzogene Versprechungen wirken, sind aber verboten. Vor allem sind gesundheitsbezogene Aussagen verboten. Das heißt: will der MLM-er Geld verdienen, MUSS er gesundheitsbezogene Aussagen machen, also gegen Gesetze verstoßen.

Die übergeordneten Händler machen gesundheitsbezogene Aussagen, verweisen dabei aber immer auf die böse, böse Gesetzgebung, die ihnen das "eigentlich" verbietet.

Die Geköderten, die kleinen Käufer und Händler ganz unten auf der Hühnerleiter, machen es den Oberen, ihren Vorbildern, nach (eben darin werden sie ja gedrillt!), und - zack! - verstoßen sie gegen das Gesetz. Und - zack! - sind sie erpreßbar: das System kann sie zu jeder Sekunde fristlos feuern.

Wurde ein MLM-er erwischt, konnte das System immer scheinheilig auf den Vertrag verweisen und war sich natürlich NIE jemals einer Schuld bewußt.

Es war abzusehen, daß diese Betrugsmethode nicht auf ewig gutgehen konnte.

In der Verlagerung der Kriegsszene auf die juristischen Breitfeuer gegen kleine MLM-er kam irgendwann der Wendepunkt: wurden anfangs noch die Arbeitstiere aus dem Verkehr gezogen und der Geldstrom in das bekämpfte System geschwächt, wurden durch die neuen Urteile die Systeme direkt getroffen und gelähmt - und zur Kasse gebeten.

Was kam? Tarnen und Täuschen. (Darüber später mehr.)

Ein Geschäftsfeld, das nur vom Schein lebt, lebt von Vorgetäuschtem. Wie leicht läßt sich in dieser Welt des Scheins eine Halbwahrheit, ein Unwahrheit, eine Lüge verbreiten? Sehr leicht.

Die Scheinwelt des MLM ist keine des Glamour, des Erhabenen, des Fragilen. MLM ist derb. MLM ist hart. MLM tobt auf der geistigen Nullinie der Nachbarschaftskrieger und der Schrebergartenterroristen: Die Einen haben die Anderen reingelegt - die Anderen zahlen es den Einen heim.

Heimsuchung

In der der Grasnarbe nahen Welt des MLM, in der das "Empfehlungsmarketing", die persönliche "Empfehlung", das persönliche Vertrauen alles ist (und das Alles ist oft auch das einzige, was das Opfer noch hatte), ist die Empfehlung in den Ruin der totale persönliche Vertrauensbruch. Es ist das Ende, es ist Krieg, es ist Rache.

MLM funktioniert nicht. MLM kann nicht funktionieren. MLM hinterläßt immer neue Opfer - Opfer, die reingelegt wurden - Opfer, die auf Rache sinnen.

Lüge, List, Intrige und Verrat machen sich breit. Die Kriege, nun auch unter den kleinen MLM-ern persönlich ausgefochten, werden zur Heimsuchung. Um so mehr, je mehr das MLM in der Versenkung verschwindet.

Aufklärung, der wesentliche Faktor beim Tod des MLM

Der Niedergang der Wirtschaft zermahlt das MLM wirtschaftlich.

Doch es gibt noch etwas: Das Internet als Gedächtnis der Menschheit vergißt nicht, sondern hält Punkt für Punkt die Fehler des MLM fest, seine Vergehen, seine Lügen, seine Verbrechen. Je mehr Menschen im Internet unterwegs sind (in Deutschland zur Zeit mehr als 3/4 der Bevölkerung), desto mehr erfahren von den Fehlern des MLM und um so weniger Menschen lassen sich in die Falle MLM hineinziehen.

Was bleibt? Wer geht heute noch in ein MLM? Doch nur Menschen, die über wenig Bildung verfügen, Menschen, die trotz der Warnungen überall im Internet den Lügen der Systeme auf den Leim gehen.

Es findet eine Siebung statt: Wer im 21. Jahrhundert trotz Internet auf MLM hereinfällt, ist eine deutliche Negativselektion.

Folge dieser Negativselektion ist eine Verlagerung in immer asozialere Verhaltensweisen: MLM begibt sich immer weiter an den Rand der Gesellschaft.

Genau hier, am Rand der Gesellschaft, toben die Kriege: die Kriege der kleinen MLM-er, die - lanciert durch ihre Oberen - wie Marionetten geführt werden. Wie bei der Mafia, mit Lüge und Verrat, bekriegen sich die Kleinen.

Und die Großen? Die kaufen sich Politiker, machen Lobby, halten Hof, und versuchen, sich die Gesetze so hinzubiegen, wie sie ihnen genehm sind.

MLM ist nicht mehr das, was es einmal war.

Bis auf eines: MLM ist ein Verbrechen.

 
Tarnen und Täuschen

Krieg ist nicht nur, wenn man ihn führt. Man kann ihn auch führen lassen. Krieg als Dienstleistung. Zum Beispiel das Verstreuen von Desinformation, sei es im privaten Rahmen oder im Internet. Was wäre beispielsweise, wenn in einem Forum gezielt Desinformation über einen Gegner gestreut wird?

Daß MLM-er in Foren gehen, um ihr eigenes System, um ihre eigenen Waren anzupreisen, das ist altbekannt. Aber gezielte Desinformation, Rufmord und Sabotage, das ist eine neue Größenordnung.

Diese Art der Kriegführung, das Arbeiten wie bei Geheimdiensten - dazu die Verlagerung des Kriegs der Systeme in die Politik - darüber wollte ich nicht schreiben, denn ich sah die Gefahr, Öl in das Feuer zu gießen und die Entwicklung zu beschleunigen.

Inzwischen gibt es sogar schon Preisangaben im WWW: 500 Euro soll für einen Sabotageauftrag bezahlt werden. Die "Klientel" am Rand der Gesellschaft, die oft nichts tut außer den ganzen Tag im WWW herumzuhängen, für die sind 500 Euro ein netter Nebenverdienst, natürlich steuerfrei.

Daß es Mietmäuler gibt, ist in der "alternaiv"-Szene bekannt. Für Homöopathen und andere Randerscheinungen sind Agenturen unterwegs. Dr. Roland Kaske zum Beispiel ist vor Jahren bei der PR für Chlorella-Algen aufgeflogen. 2009 setzte er eins drauf und tauchte bei der PR für Regeneratio/Regividerm/Mavena auf. (siehe http://www.kindersprechstunde.at )

Daß es Mietmäuler gibt, ist in der alternaiv-Szene bekannt. Aber MLM ist nicht die alternaiv-Szene! Und es geht nicht um PR, sondern um Desinformation und Sabotage - und um gezieltes Dreckwerfen gegen ganz bestimmte Personen, warum auch immer der Auftraggeber ihnen Böses will.

Am Rand der Gesellschaft, wohin MLM gedriftet ist, sind 500 Euro viel Geld. Ich wette, daß Aufträge auch schon für 100 Euro laufen - und für noch weniger.

Darüber zu schreiben, das wäre Forensik in der Fäkaliengrube.

MLM ist tot.

 
Aribert Deckers

 


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