Eine Organisation für Fremdwerbung in der Arztpraxis

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Im Wartezimmer des Arztes

Auf dem gar nicht so kleinen Tisch in der Mitte des Zimmers sind viele Zeitschriften ausgelegt – manche alt, manche neu – keine vom Lesezirkel, sondern Yellow-Press-Frauenzeitschriften und noch so einiges mehr. Erstaunlich, was ein Arzt für seine Patienten so alles bereit hält. Manche hat man vorher noch nie gesehen.

An der Wand hängt ein Regal, kein normales für Bücher, sondern eines jener Schau-Regale mit vorne hochstehenden Blenden, damit die Titelseiten der dahinter eingestellten Broschüren und Werbeblätter von vorne gesehen werden können.

Das Regal hängt dort schon seit längerem und ist immer gut gefüllt. Vieles ist reine Reklame, als “Information” getarnte Schriften von Pharmaherstellern.

Im Juni 2018 sind wieder neue Hefte gekommen. Auf dem Tisch liegen die druckfrischen Exemplare der “ORTHOpress”. Von der kommen immer mehrere Exemplare und die Arzthelferinnen legen den Stapel dort aus.

Groß:
http://ariplex.com/carlixon/pix/WARTEZIMMER_JUNI_2018_003.jpg

Im Regal fallen diese beiden Hefte auf, sowohl wegen des großen Formats als auch wegen ihrer Titelseiten:

Groß.:
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Groß.:
http://ariplex.com/carlixon/pix/WARTEZIMMER_JUNI_2018_001.jpg

“Den Mondeinfluß zur Gesundheitspflege nutzen” und “Louise Hay – Gesundheit für Körper und Seele” heißt es bei “Deine Gesundheit – natürliche und effektive Heilmethoden”, Heft September/Oktober 2017. Auch andere, geistig ähnlich unterbelichtete Esoterik gab es – zum Beispiel Hefte mit Astrologie. Dabei tut der Arzt sehr wissenschaftlich und überhaupt nicht der Esoterik zugeneigt. Warum ist dann so etwas in seinem Wartezimmer?

“Health – Naturheilkunde, Ernährung, Bewußtes Leben” ist ein ganz besonderes Kaliber. Gemacht ist das Heft, man sieht es am Logo oben rechts, für das “Zentrum der Gesundheit”, eine Firma, deren Angebot noch schlechter ist als ihr Ruf.

Die Verbraucherzentrale Hamburg über “Zentrum der Gesundheit”:

“ErnährungstrendsErnährungsportale: Verkauf statt Aufklärung”
https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/ernaehrungstrends/ernaehrungsportale-verkauf-statt-aufklaerung

https://www.vzhh.de/sites/default/files/medien/166/dokumente/13-06_vzhh_Untersuchungsergebnisse_Check_Ernaehrungsportale.pdf

Groß:
http://ariplex.com/carlixon/pix/VZHH_ZDG_WEBSITE_CHECK_1_800.jpg

“Zentrum der Gesundheit” ist indiskutabel. Und dann auch noch in einer Arztpraxis…

“Zentrum der Gesundheit” geht gar nicht!

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Das Regal ist nicht sehr dick, sein Zweck ist die Schau nach vorne. Wer achtet da schon auf den Aufkleber an der Seite, sehr dezent so angebracht, daß er zur Wand hin zeigt, neben den Stuhl in der Ecke? Die Schrift ist so klein, daß man sie auch nur aus der Nähe entziffern kann. Man hält den Aufkleber, wie in der Möbelbranche üblich, für Angaben des Herstellers.

Der Aufkleber:

Groß:
http://ariplex.com/carlixon/pix/IDS_WANDREGAL_AUFKLEBER_JUNI2018_1.png

Der Text:

[*quote*]
——————————————
Dieses Display ist Eigentum der IDS Deutschland.

Das Einlegen von Fremdbroschüren ist untersagt.

IDS Deutschland
Klostergut Fremersberg
D-76530 Baden-Baden
T 07221 39 39 639
F 07221 39 39 666

Informationen zum IDS Service
info@medi-service.de
www.medi-service.de
——————————————
[*/quote*]

.

Das Regal gehört gar nicht dem Arzt, sondern einer Firma, die es dort aufgehängt hat und über ihr Eigentum wacht!

.

Wer ist “IDS Deutschland”? Wer ist “medi-service.de”?
.

    http://medi-service.de
    [*quote*]
    ——————————————
    Servicegesellschaft für Informationen im Gesundheitswesen

    Medi-Service

    Mehrere zehntausende Ärztinnen und Ärzte lassen sich in Deutschland kostenfrei ihre Praxen mit dem Service an Gesundheitsinformationen beliefern und betreuen.

    Der Vorteil: alles kostenfrei, informativ und Ihre Räume werden inhaltlich gepflegt und geordnet.

    Ihr Servicenutzen als Arzt für Ihre Patienten wird weiter bereichert.

    Ihre Patienten danken es Ihnen.

    Sie freuen sich über Warenproben, lesenswerte Zeitschriften und Einzelinformationen zu Gesundheitsthemen.

    Eine Arztumfrage ergab für den Service die ?-Note 1.6.

    Die Qualität der Informationen und Programmthemen wurde mit der Note 1.8 bewertet.

    So einfach gehts:

    IDS montiert das Display in ca. 30 min und bestückt es in regelmäßigen Abständen mit interessanten

    Arztinformationen, Zeitschriften, Ratgeber, Broschüren zu den unterschiedlichsten Gesundheitsthemen, die das Umfeld Ihrer ärztlichen Fachrichtung tangieren.

    Dazu gibt es Muster- und Warenproben für Sie und Ihre Patienten.

    Mediposter ergänzen die angesprochenen Themen.

    IDS bietet durch eine fünfstellige Zahl angeschlossener Ärzte den Verbrauchern Zugang zu gesundheitlichen Verbraucher- und Ratgeberthemen.

    IDS sorgt so für aktiv angenommene Gesundheitsinformtionen bei der Bundesbevölkerung, bei Ärzten, Apothekern und tariert divergierende Informationsbedürfnisse zwischen den medizinischen Experten und den Vermarktungsintentionen der Pharma- und Konsumgüter -Industrie und institutionellen Partnern aus.

    mediservice A

    IDS – Information-Display-Service

    IDS bietet durch eine fünstellige Zahl angeschlossener Ärzte den Verbrauchern Zugang zu gesundheitlichen Verbraucher- und Ratgeberthemen.

    Dies koordinert und distribuiert IDS als Koordinierungsstelle und Exekutivorganisation.

    IDS sorgt so für aktiv angenommene Gesundheitsinformtionen bei der Bundesbevölkerung, bei Ärtzen, Apothekern und tariert divergierende Informatinosbedürfnisse
    zwischen den medizinischen Experten und den Vermarktungsintentionen der Pharma- und Konsumgüter -Industrie und institutionellen Partnern aus.

    mediserviceB

    Impulskontakt
    Contact us
    dc881

    Wir sind gerne für Sie da. Montag bis Freitag 8.00 bis 17.00 Uhr.

    Klostergut Fremersberg
    76530 Baden-Baden
    Telefon: 49 (0)7221 39 39 639
    Email: impuls@ids-deutschland.de

    impuls@IDS-Deutschland.de

    Medi-Service
    Klostergut Fremersberg
    76530 Baden-Baden
    http://www.hauckautoren.de

    Impressum

    Verantwortlich für den Inhalt:

    IDS Information -Display -Services GmbH Deutschland
    Klostergut Fremersberg
    D-76530 Baden-Baden
    Tel. 49 (0)7221 39 39 639
    Fax 49 (0)7221 39 39 666

    eMail: impuls@ids-deutschland.de

    Geschäftsführung Deutschland / D:
    Peter Wolf, Dipl.-Betriebswirt (BA) Hon. Doz. (DH)
    Mitgl. Prüf.-Kom. (DH)

    Geschäftsführung / Holding / NL – Niederlande:
    Dr. Paul J. C. Smulders
    Hans C. W. de Cler

    Handelsregister: Amtsgericht Mannheim
    HRB 711 244, USt.-IdNr.: DE 157030423

    Grafik, Script & Realisation:

    Movision Design
    Agentur für online & Print Medien
    Schlosserstr. 16

    76437 Rastatt

    Internet: www.movisiondesign.de
    eMail: info@movisiondesign.de

    © 2016
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    ——————————————
    [*/quote*]

Aber das ist noch nicht alles! So richtig interessant wird es, wenn man vor Ort nachhakt – und dabei unter anderem erfährt:

Wer eine Arztpraxis hat, kann an dem Segen der Information teilhaben und muß dazu lediglich einen Vertrag unterschreiben. Das Regal stellt die Firma, und sie befüllt es auch. 4x im Jahr.

Die Regalauffüller kommen unangemeldet und machen alles selbst. Weder Arzt noch Arzthelferinnen müssen sich um etwas kümmern. Wie angenehm.

Möchte man den Servicevertrag kündigen, ist auch das kein Problem: In 6-8 Wochen kommt Jemand vorbei und das Regal wird abgebaut.

Nun gibt es bei der Angelegenheit ZWEI Seiten: den Arzt, der sein Wartezimmer zur Verfügung stellt, und dann diejenigen, die den Inhalt liefern.

Die Firma ist nur der Vermittler und Organisator. Der eigentliche Inhalt kommt von Firmen, die ihre Werbung in die Arztpraxis bringen wollen. Eines ist ja klar: Es geht um Werbung. Nur um Werbung. Umsonst ist der Tod, und der kostet das Leben. Wie passend: in der Arztpraxis beides so nahe bei einander…

Aus der Sicht eines Händlers oder Diensteanbieters sieht die Sache so aus:

Die Firma verteilt 4x im Jahr und besucht dazu die vertragsgebundenen Ärzte. Je nach Materie kann sich der Anbieter Bereiche heraussuchen, zum Beispiel geographisch oder nach Praxisausrichtung, zum Beispiel “Allgemeinmediziner”. Davon gibt es 8000, sagte man mir.

Ein Auszug aus dem Angebot, wie es mir mitgeteilt wurde:

8000 Allgemeinmediziner
5400 Gynäkologen
4500 Kinderärzte
1500 Urologen
3000 Dermatologen
2000 Orthopäden
4500 Zahnärzte
1000 Kardiologen

Das ist beachtlich. Wer als Patient hätte davon etwas geahnt?

Auch Mütter sind ahnungslos darüber, daß es im Angebot gibt

7000 Hebammen

Da wundern

300 Kliniken

kein bißchen. Ganz überraschend für Alle dürfte sein:

10000 Kindergärten

Eine Welt für sich. Reklame in der Arztpraxis und in Kliniken, bei Hebammen und sogar im Kindergarten.

Orthopäden, um auch das zu erwähnen, werden nicht so oft besucht. Es hängt eben alles von der medizinischen Fachrichtung ab.

Die Kosten sind dagegen wohl ungefähr gleich: 2,40 Euro pro Besuch. Dabei ist es weniger wichtig, ob es sich um große und schwere Magazine handelt oder um Reklameflyer wie diesen:

Vorderseite eines Flyers für ein homöopathisches Mittel

Groß:
http://ariplex.com/carlixon/pix/WARTEZIMMER_JUNI_2018_HOMEO_ORTHIM_1.jpg

Innenseite des Flyers für ein homöopathisches Mittel

Groß:
http://ariplex.com/carlixon/pix/WARTEZIMMER_JUNI_2018_HOMEO_ORTHIM_1.jpg

.
Dieser Flyer ist gezielte Reklame für ein Medikament. Als Fremdreklame ist diese Reklame für Ärzte eindeutig verboten. Aber sie findet statt. Wer ist dafür verantwortlich?

Zunachst einmal der Hersteller und der Händler, die den Werbeauftrag zum Verteilen erteilen. Und natürlich der Arzt, in dessen Praxis all das abläuft. Er ist der Hausherr und er ist haftbar.

Damit kommen wir zu der FÜR JEDEN wichtigen Frage:

Kann ein Arzt sich aussuchen, was in dem Regal ausgestellt wird?

Die Antwort ist: NEIN!

Hier gerät man in Bereiche des Staunens, des fassungslosen Staunens … und der erschütternden Erkenntnis, daß der Arzt, dem man vertraut, wohl doch nicht so ganz der Wahre ist, für den man ihn immer gehalten hat.
.

Zurück zum Geld, das ist doch für die Firma und ihre Auftraggeber das Wichtigste. Pro Praxisbesuch 2,40 Euro pro Flyer oder Magazin. Will der Hersteller den gezeigten Flyer in die 8000 Praxen “Allgemeinarzt” auslegen lassen, kostet ihn das rund 19.000 Euro.

Dafür liegen die Flyer dort bis zum nächsten Besuch – 3 Monate.

Üblicherweise – das scheint ein Erfahrungswert zu sein – werden 10 Exemplare ausgelegt. Abgesehen von den Kosten für Entwurf und Druck der 80.000 Flyer sind das 19.000 Euro für 80.000 Stück. Das Auslegen eines einzelnen Exemplars kostet also rund 24 Cent. Das ist ein beachtlicher Betrag. Auch das hätte ein Patient ganz bestimmt nicht gedacht, wenn er so einen Flyer im Wartezimmer findet.

Der Arzt stellt sein Wartezimmer zur Verfügung, bekommt dafür allerdings kein Geld bezahlt! Nein, das viele Geld wandert in die Kasse der Firma…!

Mit einer Tabelle der Daten der Kassenärzlichen Bundesvereinigung (
http://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/17077.php) habe ich in 2 Spalten die Zahlen verglichen:

Links die Zahlen der in Deutschland insgesamt tätigen Ärzte in Praxen und rechts habe ich die Zahlen der mit IDS vertragsgebundenen Ärzte eingetragen [1]:

Tabelle:
[*quote*]
——————————————–
AMBULANT TÄTIGE ÄRZTE in 2016 mit IDS-Vertrag
———————————————————
insgesamt ………………….151.989 18.900
Allgemeinärzte …………….. 41.032 8.000
Anästhesisten ……………… 3.930
Augenärzte ………………… 6.097
Chirurgen …………………. 4.656
Frauenärzte ……………….. 11.500 5.400
HNO ………………………. 4.413
Haut ……………………… 4.443 3.000
Internisten ……………….. 25.289
Kardiologen ……………….. ?.??? 1.000
Kinderärzte ……………….. 7.244 4.500
Kind.-Jug.-Psychiater ………. 1.127
MKG-Chirurgen ……………… 1.212
Nervenärzte ……………….. 7.821
Orthopäden ………………… 7.222 2.000
Radiologen ………………… 3.787
Urologen ………………….. 3.094 1.500
ärztl. Psychotherapeuten ……. 3.041
gesonderte fachärztl. Versorgung 4.916
sonstige Fachgebiete ……….. 619
ohne Facharztbezeichnung ……. 10.546

Hebammen ………………….. 7.000
Kliniken ………………….. 300
Zahnärzte …………………. 4.500
Kindergärten ………………. 10.000
——————————————
[*/quote*]

Laut http://www.ids-deutschland.de/cms/#copartner sind es 18.900 Vertragsärzte. Die Summe der mir genannten Zahlen ist jedoch 27.900. Ist IDS in der Web-Seite zurückhaltender oder ist diese nur nicht auf dem neuesten Stand? Nachprüfen kann man das als Außenstehender leider nicht.

Aber schauen wir doch einmal, wie die Verteilung grob aussieht:

Selbst bei der zurückhaltenden Zahl von 18.900 Vertragsärzten wäre das jeder achte Arzt in Deutschland.

Bei den Allgemeinärzten wäre es rund jeder fünfte.

Bei den Frauenärzten wäre es rund die Hälfte und bei den Hautärzten mehr als 2/3!

Bei den Kinderärzten wären es 62 Prozent und bei den Urologen 48 Prozent.

Das alles ist alles andere als eine Kleinigkeit. Und all das, diese gesamte Hintergrundinformation, geht an der Bevölkerung vorbei. Aber das nicht: die geballte Reklamedusche, die Einen in der Arztpraxis heimsucht.

Was schreibt http://medi-service.de in ihrer Web-Site?:

[*quote*]
——————————————
Medi-Service

Mehrere zehntausende Ärztinnen und Ärzte lassen sich in Deutschland kostenfrei ihre Praxen mit dem Service an Gesundheitsinformationen beliefern und betreuen.
——————————————
[*/quote*]

Mehrere zigtausend Ärzte überlassen ihr Wartezimmer einer Firma, die autonom entscheidet, was sie dort an Reklame verteilt.

Warum tun sie das?

Warum sollten Ärzte ein Interesse daran haben, in ihrer Praxis Reklame auszulegen OHNE dafür bezahlt zu werden? Noch dazu, wo sie über Art und Umfang der Reklame nicht mitbestimmen können…

In

“Das Wartezimmer als Spiegel der Arztpraxis”
http://ariplex.com/folia/archives/2115.htm

habe ich das schon angedeutet: “Kommerzielle Interessen” kann es in zwei Richtungen geben:

1. Geld einnehmen

2. Ausgaben einsparen

Während es leicht ersichtlich ist, daß Werbung in einer Arztpraxis Geld einspielt, ist das Gegenstück schwerer zu durchschauen.

Bei Werbung in einer Arztpraxis denkt man Leistungen, die dem Arzt Geld BRINGEN. Also zum Beispiel IgeL-Leistungen, für die der Arzt bei Durchführung bezahlt wird.

Der Betrieb einer Arzt-Praxis bedeutet jedoch auch Ausgaben. Wenn für eine bestimmte Sache weniger oder gar kein Geld bezahlt werden muß, ist dies für den Arzt ein geldwerter Vorteil. Der kann sich dadurch einstellen, daß zum Beispiel Leistungen für den Arzt kostenlos erbracht werden oder durch kostenlose Leistungen ersetzt werden. Wobei die Frage ist, was für Leistungen das überhaupt sind. Denn: Wer gewerblich in einem harten gewerblichen Umfeld eine Leistung kostenlos erbringt, tut dies nicht altruistisch, sondern aus wirtschaftlichem und oder politischem Kalkül.

Wer erbringt die Leistung für den Arzt kostenlos? Der Reklameverteiler. Nicht altruistisch, sondern von seinen Auftraggebern gut bezahlt.

Welchen Vorteil hat dann der Arzt? Sehr einfach: Er muß seine Patienten bei Laune halten, während sie im Wartezimmer “in der Pipeline” sind und darauf warten zu ihm ins Untersuchungs- bzw Behandlungszimmer zu kommen. Was im Wartezimmer ausliegt, dient der Unterhaltung, ist Beschäftigungstherapie. Dafür werden normalerweise Zeitschriften von Lesezirkeln benutzt. Lesezirkel kosten Geld. Ich hatte grob geschätzt einen Betrag von monatlich 50 Euro angenommen für das, was so an Lesezirkel-Zeitschriften in einem normalen Wartezimmer ausliegt. Zur Probe habe ich mir ein Angebot machen lassen.

Das Angebot des Leserkreises DAHEIM

Wenn ich mich nicht verrechnet habe und auch das Kleingedruckte richtig verstanden habe, war meine Vermutung richtig: ca 53 Euro pro Monat kostet ein Abonnement mit 20 Zeitschriften, ein Sonderpreis mit erheblicher Vergünstigung.

Die 53 Euro gelten für NEUE Hefte. Nimmt man solche mit 2-3 Wochen nach Erscheinungstermin, wird es noch einmal deutlich billiger.

Das heißt: “53 Euro ausgeben” auf der einen Seite versus “nichts ausgeben und mittels Regalfüller die Patienten verkaufen” auf der anderen Seite.

Ein Arzt, der sich ein Regal ins Wartezimmer hängen läßt, spart damit im Monat rund 50 Euro. Das ist alles. 50 Euro. Dafür verkauft er, ein Mitglied der Gruppe der Gut- und Bestverdienenden in Deutschland, seine Patienten an eine Reklameverteilerfirma und deren Auftraggeber.
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Das Angebot des Leserkreises DAHEIM:
ca 18 MB
http://ariplex.com/carlixon/pix/ANGEBOT_LESERKREIS_DAHEIM_JUNI_2018.zip

Lesen Sie das Angebot. Vielleicht ist auch für Sie etwas dabei. Als Gewerbetreibender muß man etwas für seine Kunden tun. Aber auch als Großfamilie oder auch nur Jemand, der mit seinen alten Eltern zusammenlebt: gedruckte Neuigkeiten sind Dinge aus einer alten Welt, die es immer noch gibt. Bedenken Sie dabei: Das sind Dinge, die man schwarz auf weiß in der Hand hat. Dinge, die Einem nicht wie im Internet “ganz individuell” untergejubelt werden.

Jeder, der eine gedruckte Zeitschrift liest, hat die gleiche Zeitschrift wie alle Anderen. Das ist in der heutigen Welt der Lügen eine immer wichtigere Eigenschaft.
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Wie seriös ist “Zentrum der Gesundheit”?

Kommen wir zurück zum eingangs genannten Magazin “Health – Naturheilkunde, Ernährung, Bewußtes Leben” vom “Zentrum der Gesundheit”. Im März 2017 hat “Pflanzenhunger” bei Youtube zur Frage der Seriosität ein Video hochgeladen:

“Wie seriös ist “Zentrum der Gesundheit”?”
https://www.youtube.com/watch?v=IjXF8hozyVI

[*quote*]
——————————————
Pflanzenhunger
Published on Mar 19, 2017

Ihr habt mich gefragt – ich hab recherchiert!
Wer steckt hinter dem Portal “Zentrum der Gesundheit”? Sind die Informationen dort verlässlich oder ist die Seite unseriös?
Und was hat es mit dem angegliederten Shop auf sich?
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[*/quote*]

“Pflanzenhunger” hat mehrere Web-Seiten ausgegraben:

“Zum weiter lesen”

Verbraucherzentrale Hamburg
“Ernährungstrends
Ernährungsportale: Verkauf statt Aufklärung”
https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/ernaehrungstrends/ernaehrungsportale-verkauf-statt-aufklaerung
https://www.vzhh.de/media/396

“Stellungnahme” vom ZdG:
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/verbraucherschutz-hamburg-ia.html
.

Erwähnte Artikel vom “Zentrum der Gesundheit”:

“Krebs und Natron”::
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/backpulver-gegen-krebs.html
http://web.archive.org/web/*/https://www.zentrum-der-gesundheit.de/backpulver-gegen-krebs.html
http://web.archive.org/web/20100807150419/https://www.zentrum-der-gesundheit.de/backpulver-gegen-krebs.html
http://archive.is/YURc4

“Natürliches AIDS-Medikament”::
http://www.zentrum-der-gesundheit.de/aids-medikament-ia.html
http://web.archive.org/web/20130606190212/http://www.zentrum-der-gesundheit.de/aids-medikament-ia.html
http://archive.is/6XLL7

“Brustkrebs-Selbstheilung”:
http://www.zentrum-der-gesundheit.de/brustkrebs-selbstheilung-16080462.html
http://web.archive.org/web/20170226064735/http://www.zentrum-der-gesundheit.de/brustkrebs-selbstheilung-16080462.html
http://archive.is/ujpSp

“Über uns”-Seite im Web Archive:
https://web.archive.org/web/*/https://www.zentrum-der-gesundheit.de/wer-wir-sind.html
https://web.archive.org/web/20110304225735/https://www.zentrum-der-gesundheit.de/wer-wir-sind.html
http://archive.is/Yt3mA
.

Ein gutes Beispiel dafür, wie Web-Seiten entweder ganz verschwinden können oder im Lauf der Zeit immer wieder inhaltlich geändert werden. Was ist da noch sicher? GAR NICHTS!

Auf der anderen Seite ist es allerdings nicht so, daß bedrucktes Papier immer die Wahrheit bringt. Gerade bei “Zentrum der Gesundheit” ist höchste Vorsicht geboten! Das wichtige Detail dabei ist: daß man so ein gedrucktes Etwas als Beweismittel hat. Und das habe ich. Aus dem Wartezimmer des Arztes.
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Die archivierten Web-Seiten des “Zentrum für Gesundheit” beweisen, daß man vor dem “Zentrum der Gesundheit” warnen muß. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat es bereits getan. Und sie sollte es wieder und wieder tun. Solche Dinge wie die des “Zentrum für Gesundheit” gehören nicht in eine Arztpraxis. Auch nicht ins Internet. Die sind außerhalb JEGLICHER Diskussion.

Die gehören nicht in eine Arztpraxis. Und doch sind sie da. In einem Regal der Firma IDS. Wer ist dafür verantwortlich?

Das ist auch kein Einzelfall. Immer wieder und wieder sind höchst zweifelhafte Hefte höchst zweifelhaften Inhalts im Wartezimmer. In wieviel tausend Praxen in Deutschland?

Es geht nicht um das eine Heft von “Zentrum der Gesundheit”, denn das ist nur EIN Beispiel. Es geht um das gesamte System, bei dem geltende Gesetze eiskalt gebrochen werden. Es geht um ein System, das dieses Beispiel durchgezogen hat. Es geht um ein System, bei dem Millionen Patienten systematisch hintergangen, indoktriniert und ausgebeutet werden.

Wer ist IDS? Wer steckt dahinter? Warum hat noch niemand etwas gegen diese Organisation getan? “Mehrere zehntausende Ärztinnen und Ärzte lassen sich in Deutschland kostenfrei ihre Praxen mit dem Service an Gesundheitsinformationen beliefern und betreuen.” heißt es.

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Ich frage nicht, ob wir in einer Bananenrepublik leben, denn die Antwort kennen wir schon. Ich hätte lediglich gerne eine Revolution.

Post Title: Eine Organisation für Fremdwerbung in der Arztpraxis
Author: Putnam Groove
Posted: 9th July 2018
Filed As: Medienfaschismus, Medienmafia, Pharmamafia, Scharlatanerie, tief unterhalb der mentalen Nulllinie...
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