Genetisch veranlagte Dummheit

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Genetisch veranlagte Dummheit

1. Schritt

“Das haben wir schon immer so gemacht!” Diesen Satz haben wir Alle schon gehört. So oft. So oft.

Und?

Obwohl dieser Satz seit Jahrzehnten bekannt ist, und obwohl dieser Satz bekannt ist, eben WEIL bekannt ist, daß er falsch ist, hören wir ihn immer wieder. Und das wird auch so bleiben.

Die Leute sind eben dumm. Das ist das, was immer vergessen wird.

Es läßt sich Keiner gerne sagen, daß er dumm ist. Also ist es ein Frevel zu sagen, daß Herr ABC oder Frau XYZ dumm sind. Man darf es nicht sagen, sonst wird man bestraft. Wegen Verletzung ihrer Würde. Dummheit wird staatlich gefördert…

Daß Dummheit staatlich per Justiz gefördert wird, liegt natürlich daran, daß die Dummen sich ihrer Kritiker erwehren, und eben zu diesem Zweck die Gesetze genau so machen, wie sie sind. Die Justiz als extrakorporale DNA ist nicht zu verachten.

Das Besondere an “Das haben wir schon immer so gemacht!” ist seine genetische Ursache.

“Das haben wir schon immer so gemacht!” steckt in den Genen und ist eine bei Tieren gut beobachtbare Verhaltensregel. Etwas Neues ist etwas ANDERES. Es ist eine Abweichung. Eine Abweichung von der Norm. Das ist immer falsch, das ist immer schlecht, das sorgt für Aufruhr. WEG DAMIT!

Tiere, die etwas ANDERS machen, werden von ihren Artgenossen schikaniert und bekämpft. Sie sollen sich wieder so verhalten wie Alle. Das ist – evolutionsmäßig betrachtet – positiv!

Tiere, die sich abweichend von der Norm verhalten, haben eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit und fallen damit aus dem Genpool. Ihre Neigung zu abweichendem Verhalten wird also nicht mehr vererbt.

Tiere, die sich abweichend von der Norm verhalten, erhöhen das Risiko für die restlichen Artgenossen. Also werden Gruppen, die abweichendes Verhalten tolerieren, ebenfalls aus dem Genpool verschwinden. Anders herum betrachtet: Abweichendes Verhalten zu ahnden erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit und wird im Genpool übertragen.

Von der Norm abweichendes Verhalten ist für das betreffende Tier UND für seine Umgebung ein Risiko. Also bleibt alles beim Alten. Sonst exitus. Die Gene lügen nicht.

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2. Schritt

Der amerikanische Verhaltensforscher Skinner wurde (unter anderem) berühmt mit seinen Versuchen mit Tauben.

Zu den Versuchen von Skinner :

http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/allgpsy/media/media_lehre/Lernen_und_Ged__chtn__s/seminar_6.pdf

Skinner fütterte die Tauben mit Automaten. Die Automaten gaben das Futter völlig willkürlich aus, ohne jedes Muster. Die Tauben, die vor dem Gerät standen – und das alles natürlich nicht wußten – und versuchten, an Futter zu kommen, warteten, und mal kam Futter, dann wieder nicht.

Tauben sind nicht dumm. Sie sehen, hören und fühlen. Wenn sie Futter bekommen, wollen sie natürlich mehr. Sie haben Hunger. Also wollen sie mehr. Aber wie? Indem sie das gleiche tun, was sie taten, als Futter aus dem Automaten kam. Das heißt: Sie wiederholten ihre letzten Bewegungen, so seltsam die auch gewesen sein mögen.

Tauben sind – wie die meisten anderen Tiere auch – genetisch so konstruiert, daß sie Muster, also auch Rituale, erkennen können. Und sie reagieren darauf auf die logischste Weise. Tauben sind Ritualautomaten. Menschen auch. Und wenn sie bei einem Muster nicht weiter wissen, dann probieren sie eben. Die Tauben machten diese oder jene in sich völlig sinnlose Bewegung – und wenn der Automat ihnen dann Futter gab, nahmen sie völlig logisch folgerichtig an, daß diese Bewegung zu dem Ritual dazugehört. Tauben sind ja nicht dumm. Im Gegensatz zu Menschen.

Die Bewegungsmuster der Tauben, zufällig entstanden und von ihnen logisch konsequent wiederholt, führten und führen dazu, daß die Menschen dieses Verhalten als verrückt bezeichnen. Nein, die Tauben sind nicht verrückt. Die Menschen sind dumm. Sie begreifen die genetische Programmierung der Tauben nicht.

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3. Schritt

Die Menschen begreifen auch ihre eigene genetische Programmierung nicht. Ein Beispiel haben wir im 1. Schritt gesehen.

Dominique Leglu beschreibt in

eine Studie von Manon Knapen an der Universität von Otago in Neuseeland.

Der Titel lautet übersetzt: “Why do people use homeopathy despite the lack of scientific evidence?”

Zitat aus der korrigierten Google-Übersetzung:

    [*quote*]
    Shocked by the death in Australia of a baby with eczema to whom his parents had only administered homeopathic medicines, the young Belgian doctoral student based on the antipodes, wanted to understand why many did not use conventional medicine . First surprise, there is no, to her knowledge, study similar to her thesis in France, for which she conducted in-depth interviews, with twenty people recruited from a national study New Zealand.
    [*/quote*]

Ja, das ist die Frage: Warum nehmen die Menschen homöopathische Mittel?

Antwort 1: “Weil wir das schon immer so gemacht haben!”

Zugegeben, DAS war jetzt einfach. Was ist mit denen, die bisher noch keine Homöopathika genommen haben? Hier kommen Werbedruck und Überredungskunst der Verkäufer ins Spiel, ebenso Macht der Ärzte – UND “Natur ist besser als Chemie!”

Der letztere Punkt ist in der Studie anscheinend näher untersucht worden. Aber ich bezweifle, daß die richtigen Schlüsse gezogen wurden. Der Artikel endet nämlich (in der Google-Übersetzung) so:

    [*quote*]
    “It’s only in your head” : an argument with no effect on homeopathic followers

    Such an improvement in “the placebo effect or the fact that in case of a small cold, for example, everything resolves anyway after a few days,” she said. Still, this feeling of better and its association with the drug has become “something very important” for people. Secondly, what matters are the stories, if someone they trust tells them, ‘I used this product when I had a cold and it worked, I felt better’ , so they use it . ” This once again produces a “placebo effect” .

    There is also a third argument, that of tradition: “These medicines have been used for several hundred years – homeopathy goes back to the 1700s in Germany, if they did not work, we would stop taking them!” they argue. Given these beliefs, Manon Knapen believes it is high time to act. In this case “to find a way to open a dialogue between people who use homeopathy and scientists in possession of data showing that the latter can walk as a placebo effect but not more . ”

    So far, she says, facts, numbers, measurements … have mostly created “a barrier” with users. Especially if it has been sent to them: “It’s only in your head” … She suggests convincing them “by stories, personal means and also by listening to them” . Everyone remains free to use homeopathy if they wish, she says. The important thing is elsewhere: that people acquire “the awareness of the risks, that they have understood the limits of these drugs.” So that there is no death of man, woman or child when a serious illness is declared. The placebo effect, which is often poorly understood, can not suffice.
    [*/quote*]

Hier müssen mehrere Dinge getrennt werden. So sind die Beeinflussungen durch (am besten vertraute) Personen mit “guten Ratschlägen (besser noch eigenen Erfahrungen”) was? Ein Teil der Wahrnehmung! Wie bei den Tauben! Man muß doch für das Lernen keinen EIGENEN Erfahrungen machen! Sondern, und das ist extrem wichtig, man kann auch von Anderen Dinge erfahren. Also ist es letztlich egal, ob man selbst oder ein Anderer etwas erlebt hat. Es ist ein Erlebnis. Es war da.

UND

… es hat funktioniert. Wie bei den Tauben die Fütterung.

Programmierung beendet.

So einfach geht das. Der Mensch ist viel dümmer als man denkt. (Antwort 2)

Natürlich kann man den Menschen hinterher erklären, daß sie sich das alles nur einbilden. Kann man. Es nützt aber nichts, weil es nicht stimmt! Denn die haben doch, wie die Tauben, die Sache erlebt.

Der Witz dabei: Es geht nicht um den Placebo-Effekt, sondern um etwas noch viel, viel einfacheres! Der Placebo-Effekt spielt schon eine Rolle, indem er eine positive Wirkung verstärkt. Aber eine Verschlechterung kann es auch geben! Dann spricht man vom “Nocebo-Effekt” und kommt sich unglaublich schlau vor.

Nein, der Vorgang läuft genau so ab wie bei den Tauben: Es geschieht etwas UND DIE REIHENFOLGE wird als Erlebnis registriert und verankert: Homöopathikum genommen, gesund geworden, HURRA!

Daß man ohne Homöopathikum auch gesund geworden wäre, ERLEBT man nicht; also wird das ignoriert.

Bei Kritik tritt automatisch Paragraph 1 in Kraft: “Das haben wir schon immer so gemacht”, angepasst übersetzt mit “Ich habe es aber erlebt!”

Skinner’s Tauben sind nicht dumm. Die Menschen schon. Das betrifft nicht nur die, die Homöopathika nehmen, weil sie glauben, daß die wirken, sondern es betrifft vor allem auch “die Skeptiker”, weil die glauben, mit ihrem Herumhopsen mit “Placebo! Placebo!” würden sie auch nur irgendetwas erreichen.

Die hinter den Dingen liegende Maschine ist eine genetische Programmierung. Gegen die kann man mit Logik nicht leicht ankommen. Vor allem nicht, wenn die Menschen dumm sind. DANN erst recht nicht.

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Einige werden jetzt erbost sein. Weil sie an Homöopathie glauben und deswegen als dumm bezeichnet werden. Ja, es tut mir leid, aber für die genetische Programmierung und die geistige Unfähgkeit wende man sich mit den Beschwerden bitte an die Eltern und an die Evolution. Da sitzen die wahren Schuldigen. Schlechte Lehrer bitte ebenfalls heimsuchen.

Post Title: Genetisch veranlagte Dummheit
Author: Putnam Groove
Posted: 12th July 2018
Filed As: Scharlatanerie, tief unterhalb der mentalen Nulllinie...
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