Lest Ihr hin und wieder auch … verboten gute Dinge…?

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Liebe Brüder und Schwestern, Mitreisende auf dem großen Wort- und Datenstrom,

lest ihr hin und wieder auch was Andere schreiben? Ich meine so verboten gute Dinge wie die BILD-Zeitung [1] oder das Handelsblatt. Es genügt nicht mehr, nur zu lesen. Interaktive Happenings werden inszeniert, bei dem über mehrere Medien und Plattformen der Konsument als “Running Man” [2] Lebenszeit geben muß, um von Stufe zu Stufe in der Verdauungsmaschine des Konsums procederisiert zu werden: Texte werden in kleine und kleinste Segmente zerlegt, die, isoliert, vom System erst in weiteren Prozeßtakten zur Visualisierung freigegeben werden, um dann wieder zu verschwinden. Das Leben als Abenteuer im Großstadtschungel “Grand Theft Lifetime, retardil”. Die Konditionierung besonders im Bizzinizz-Ambiente wird vom Handelsblatt in prägende Momente gefaßt: das Lesen als Assessment-Center. Exemplarisch sei genannt eines der aktuellen Oeuvres [3]:

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    Fünf Thesen: Wie die Welt zum Shopping-Center wird
    These 1: Wer wartet, ist schon tot

    Ladenbesitzer machen zunehmend mobil und mischen sich per Handy ein in Zeitbudgets und Tagesabläufe ihrer Kunden. Via rasch wachsenden Internet-Rabattdiensten wie „Groupon“ locken sie preissensible Käufer mit Schnäppchenangeboten wieder in die Läden. Besonders ausgeklügelte mobile Dienste stimmen die Lockangebote dabei zeitlich exakt mit schwach frequentierten Öffnungszeiten ab.
    These 2: Der Laden wird anklickbar
    These 3: Was digitalisiert werden kann, wird wegdigitalisiert
    These 4: Die Welt verwandelt sich in eine Verkaufsfläche
    These 5: Jeder ist nur ein Händler auf Zeit
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    [*/quote*]

Jede der Thesen ist ein Event, das zu erreichen wohldosierte Einzelmengen Adrenalin freisetzt und Endorphine. Doping, Pawlow – Führungskunst der besonderen Art: immer nur ein Element ist sichtbar, die anderen sind verborgen. Der Fokus wird permanent geführt und die Reaktionen dienen dem System als Trigger für weitere Sequenzen. Individuelle Kontrolle dank höchstqualitativer Algorithmen, 150%-ig legal, abgesichert durch international verankerte Normen und Gesetze und – above all – Handelsabkommen.

Als Vergleich die althergebrachte Darstellung: eine platte Bleiwüste:

    [*quote*]
    Fünf Thesen: Wie die Welt zum Shopping-Center wird

    These 1: Wer wartet, ist schon tot

    Ladenbesitzer machen zunehmend mobil und mischen sich per Handy ein in Zeitbudgets und Tagesabläufe ihrer Kunden. Via rasch wachsenden Internet-Rabattdiensten wie „Groupon“ locken sie preissensible Käufer mit Schnäppchenangeboten wieder in die Läden. Besonders ausgeklügelte mobile Dienste stimmen die Lockangebote dabei zeitlich exakt mit schwach frequentierten Öffnungszeiten ab.

    These 2: Der Laden wird anklickbar

    Produkte und Sortimente im Laden werden mit Zusatzinfos wie z.B. Herkunftshinweisen aus der virtuellen Welt angereichert. Die greifbare Ladenwelt vermischt sich mit digitalen Dienste. Damit einher gehen neue „Augmented Reality“ Anwendungen: Dank der virtuellen Anprobe die von Modeketten wie „Topshop“ getestet wird, könnte das mühsame Umziehen in engen Umkleidekabinen bald überflüssig werden. Wer das Serviceerlebnis für seine Kunden im Laden nicht optimiert, hat ein Problem.

    These 3: Was digitalisiert werden kann, wird wegdigitalisiert

    Ausgerüstet mit einem 3D-Drucker können Konsumenten bald selber zum „Digital Fabricator“ werden und Gegenstände wie Becher, Socken und Teller selber produzieren und „ausdrucken“ – kein schöner Ausblick für Shopbesitzer. Es sei denn, sie richten eine 3D-Werkstatt ein und lassen ihre Kunden mit individuellen Entwürfen an der Fabrikation der gewünschten Ware teilhaben, statt fertige Produkte zu verkaufen.

    These 4: Die Welt verwandelt sich in eine Verkaufsfläche

    Die Welt selber wird zunehmend zu einem einzigen großen Shopping-Center. Etwa, wenn Konsumenten irgendeinen Artikel im Schaufenster anklicken, via Barcode einscannen und kaufen können. Mit der „ScanLife“ Technologie geht das via QR-Code schon heute – unabhängig von Öffnungszeiten. Doch es naht ein Gegentrend: Gewisse Dinge werden limitiert und mit Exklusivität belegt – und das wird Begehrlichkeiten wecken.

    These 5: Jeder ist nur ein Händler auf Zeit

    Wenn Händler bisher von der Bildfläche verschwanden, hatte dies meist mit Konkurs, einer Übernahme oder Geschäftsaufgabe zu tun. Künftig verschwinden sie, weil die Generation mit dem mobilen Internet in der Hosentasche sie in ihrer Funktion als Lagerraum und Ort des Abverkaufs schlichtweg nicht mehr braucht. Für den heutigen Händler heißt das: Kein Laden – ob on- oder offline – wird mehr für die Ewigkeit gebaut. Das verdeutlicht schon die wachsende Zahl der temporär installierten Pop-Up-Stores.

    Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0 – der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten
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Willkommen im 21. Jahrhundert. [5]

[1]
http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=3014.msg18225#msg18225

[2]
http://www.imdb.com/title/tt0093894/

[3]
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/rocket-internet-samwer-brueder-sammeln-eine-milliarde-dollar-ein/8506286.html

[4]
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/rocket-internet-samwer-brueder-sammeln-eine-milliarde-dollar-ein-seite-all/8506286-all.html

[5]
Ja, sind wir denn Analphabeten!?

Post Title: Lest Ihr hin und wieder auch … verboten gute Dinge…?
Author: Putnam Groove
Posted: 20th July 2013
Filed As: Hochkultur, Medienmafia
Tags:
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