Archive for September 6th, 2011

Analphabetisierung und Vampirismus der deutschen Medien

Tuesday, September 6th, 2011

“Deutsche Presse nicht kritisch genug”, sagt Julian Assange, schreibt Meedia:

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“Deutsche Presse nicht kritisch genug”

Wikileaks-Gründer Julian Assange hat in einem Interview seine Organisation verteidigt. Für ein Datenleck, das vergangene Woche publik wurde und das zur Veröffentlichung von Klarnamen von Informanten führte, sei die britische Zeitung Guardian verantwortlich. Die Gefahr, dass aufgrund des Datenlecks Personen gefährdet seien, schätze er als gering ein. Ausgeschlossen sei eine Gefährdung aber nicht. Assange lehnt aber jegliche Verantwortung ab. Die deutsche Presse sei “nicht kritisch genug”.
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Quelle:
http://meedia.de/internet/assange-deutsche-presse-nicht-kritisch-genug/2011/09/06.html

Ein kritischer Begriff (“Medienpartner”) folgt weniger Zeilen später:

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Es sei weiter wichtig für Wikileaks, mit Medien zu kooperieren, sagte Assange. Doch die, inklusive deutscher Medien und vor allem inklusive des Spiegel, seien zu unkritisch gewesen. Ein Artikel im Spiegel von dieser Woche stelle die Sachlage falsch da. Mit Ausnahme des Guardian und der New York Times unterhalte Wikileaks aber weiter Kooperationen mit über 50 Medienpartnern.
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Zu diesem Begriff – und zur Lage überhaupt – entgleitet der Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, siehe den “Nachtrag 12.40 Uhr” in der gleichen Quelle:

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Nachtrag, 12.40 Uhr: Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron hat auf dem Internationalen Medienkongress in Berlin die Entscheidung von Wikileaks, die US-Depeschen ebenfalls unbearbeitet und mit Klarnamen von Informanten zu veröffentlichen, scharf kritisiert. Beim Spiegel sei man “verwirrt und erschüttert”, dass die Dokumente unbearbeitet ins Netz gestellt worden seien. Das Material habe sich zwar schon zuvor “verselbstständigt”, aber mit dem Selbstverständnis des Spiegel sei das Vorgehen von Assange, den Blumencron “unberechenbar” nannte, nicht zu vereinbaren. Informanten beispielsweise in Diktaturen seien nun gezwungen, zu flüchten. “Wir haben das nicht begriffen”, sagte Blumencron. Das Wort “Medienpartner” sei ihm als Beschreibung des Verhältnisses zwischen Spiegel und Wikileaks “zu nah”. Ausgeschlossen sei eine weitere Zusammenarbeit aber nicht.
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#”Wir haben das nicht begriffen”, sagte Blumencron.#

Wie bitte!? Das ist ja nur noch peinlich.

Wenn durch den “Journalisten” des Guardian das Paßwort ÖFFENTLICH verraten wurde, ist für die Geheimdienste und andere interessierte Gruppen die Sache doch längst aufgeflogen und die Informanten müssen sich, falls ihnen bei Enttarnung tatsächlich Gefahr droht, sofort absetzen. Das Auffliegen ist schon in der Sekunde geschehen, in der das Buch veröffentlicht wurde.

Nachdem der “Journalist” des Guardian den Verrat begangen hat, war die Veröffentlichung des gesamten Materials zwingend notwendig; die Geheimdienste hatten es doch schon. Aber jetzt mußte Wikileaks an die Öffentlichkeit mit ALLEM. Denn vor allem durch die Öffentlichkeit werden jetzt die Informanten möglicherweise mitgeschützt, denn jetzt weiß die Öffentlichkeit, wer die Informanten sind, so daß es nicht mehr so leicht sein wird, die Informanten verschwinden zu lassen.

Öffentlichkeit ist ein notwendiger Schutz, das sollte man sich beim Spiegel hinter das Blatt schreiben.

Das Wort “Medienpartner”, das “sei ihm als Beschreibung des Verhältnisses zwischen Spiegel und Wikileaks ‘zu nah'”, sagt Blumencron laut Meedia. Das dürfte vermutlich zutreffen, denn die geübte Praxis vieler Medien ist ja, Informanten auszusaugen, die sind Lebendfutter – von einer Partnerschaft kann bei solchem Vampirismus in der Tat keine Rede sein.

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