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Offener Brief zur Verantwortung der Apothekerkammern
Tuesday 11 February 2014 @ 9:15 am

In der Presse finde ich den Offenen Brief leider nur auszugsweise wiedergegeben. Von einem der Unterzeichner wurde mir der Volltext freundlicherweise zur Verfügung gestellt, den ich hiermit veröffentliche:

    [*quote*]
    —————————————————
    10. Dezember 2013

    Offener Brief

    An den Präsidenten der Bundesapothekerkammer
    Herrn Dr. Kiefer
    und die Präsidentinnen und Präsidenten
    der Landesapothekerkammern

    Sehr geehrter Herr Präsident,
    lieber Herr Dr. Kiefer,
    sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

    mit großer Sorge sehen wir die Entwicklung, dass der für die Existenzberechtigung des deutschen Apothekenwesens essentielle Anspruch einer wissenschaftlich fundierten und von den wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie und Ärzte entkoppelten Arzneimittelversorgung inklusive einer sachgerechten Beratung der Patienten über ihre Arzneimitteltherapie zunehmend in den Hintergrund tritt.

    Wie berechtigt diese Sorge ist, zeigt exemplarisch eine aktuelle Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern zum Thema “Schüßler-Salz-Salben”, die wie folgt beworben wird:

      “…alternative Heilmethoden werden auch in der Apotheke gerne angenommen. Die Anwendung von Schüßler?Salzen ist dabei ein Gebiet, welches bei entsprechendem Kenntnisstand in der Apotheke erfolgreich platziert werden kann. Zur Erweiterung oder Vertiefung Ihrer Kenntnisse wird in den kommenden Veranstaltungen der Blick auf Schüßler-Salz-Salben gerichtet. Wie können die Empfehlungen in der Apotheke rund um dieses Thema aussehen?”

    Als Referent dieser von der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern organisierten (und finanzierten?) Veranstaltungsreihe tritt ein Mitarbeiter des Unternehmens DHU auf, das Vertreiber von Schüßler-Salz-Salben ist.

    Es ist aus unserer Sicht dringend erforderlich, dass sich die Apothekerkammern wieder ihrer elementaren Aufgaben besinnen. Dazu gehört insbesondere die Pflicht, für die Qualität der Berufsausübung sowie die der Fort- und Weiterbildung zu sorgen. Eine als Fortbildung verbrämte und zertifizierte (!) Durchführung von Veranstaltungen von Unternehmen über die von diesen vertriebenen Produkte, für die es in diesem Fall – auch nach intensiver Recherche – keinen wissenschaftlich belegten Wirksamkeitsnachweis gibt, zum Zwecke der Mehrung des Apothekenumsatzes steht im Gegensatz zu dieser Aufgabe und letztendlich auch im Gegensatz zur Notwendigkeit eines wissenschaftlichen Apothekerstandes.

    In tiefer Sorge um die Zukunft unseres Berufsstandes fordern wir Sie, lieber Herr Kollege Dr. Kiefer, sowie die verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen der Landesapothekerkammern daher auf, den beschriebenen Tendenzen umgehend effektiv entgegen zu wirken.

    Unterzeichner:

    Prof. Dr. Bernd Clement
    Prof. Dr. Theodor Dingermann
    Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe
    Prof. Dr. Dres. h.c. Ernst Mutschler
    Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz
    Prof. Dr. Dieter Steinhilber
    Prof. Dr. Angelika Vollmar
    Prof. Dr. Werner Weitschies
    —————————————————
    [*/quote*]




Diese Welt ist ein Jammertal. Wozu noch Eintritt zahlen?
Tuesday 11 February 2014 @ 7:15 am

In der Schweiz wurde ein interessantes Experiment gemacht: Leserkommentare verhökern. Nicht wie üblich (die Leser zahlen), sondern umgekehrt: wer auf den Putz hauen will, muß zahlen. So jedenfalls habe ich den Artikel dazu verstanden.

    http://medienwoche.ch/2014/01/17/den-kommentarmuell-versilbern/

    [*quote*]
    ——————————————
    Das Problem mit der zweifelhaften Qualität der Leserkommentare
    kennen längst nicht alle Online-Medien. Wer frühzeitig klare
    Spielregeln aufstellt und diese auch durchsetzt, hat gute
    Chancen nicht in den Schlamassel reinzurutschen. Wer aber die
    Zügel schleifen lässt, hat verloren. Kommentarbereiche ziehen
    Mitteilungsbedürftige aller Couleur an. Und wenn sie sich lange
    genug ungestört unter ihresgleichen austoben dürfen, wollen sie
    immer mehr davon.
    ——————————————
    [*/quote*]

In Deutschland ist Prügeln eine heiter betriebene Volksbelustigung, siehe

Die Massen an Traffic, mit denen die eingebettete Reklame den Inserenten verkauft wird, stammen aus einer nicht mal großen Zahl von Schlammspringern (nennen wir sie mal so), die den lieben langen Tag nichts anderes mit sich anzufangen wissen, als in Kommentarteilen sinnlos herumzuquasseln.

Ob den Inserenten diese Tatsache der Trafficerzeugung in voller Konsequenz bewußt ist? Darüber wurde übrigens schon 2001 geschrieben, vor über 13 Jahren!:

Natürlich, eines sollte klar sein: das “in Kommentarteilen sinnlos herumzuquasseln” stimmt nur dann, wenn es in der Tat sinnlos ist. OB es sinnlos ist, hängt aber von der Moderation ab! Es ist nicht der Schlammspringer für die Situation verantwortlich, sondern die Moderation der Kommentare. Genau da ist das Problem: fast Niemand in Deutschland ist dazu geistig in der Lage, weder in Kleinstredaktionen noch in den großen GEZ-zwangsbezahlten Milliardenunternehmen.

Wenn man eine Zeitung machen will, dann macht man eine Zeitung. Ein ZUSÄTZLICHES Einkommen oder eine Festigung der Marktposition (“Leser-Blatt-Bindung”) durch “Beteiligung des Bürgers/Lesers” gibt es aber nur durch ZUSÄTZLICHE Leistung.

Eben die wird nicht erbracht.




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