{"id":1607,"date":"2016-11-23T20:54:39","date_gmt":"2016-11-24T04:54:39","guid":{"rendered":"http:\/\/ariplex.com\/folia\/?p=1607"},"modified":"2016-11-30T06:05:45","modified_gmt":"2016-11-30T14:05:45","slug":"bis-wann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ariplex.com\/folia\/archives\/1607.htm","title":{"rendered":"&#8220;Bis wann?&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Der Niedergang des Journalismus ist eine Folge der Gier und der unerbittlichen Konkurrenz &#8220;Jeder gegen Jeden&#8221;, wobei &#8220;Jeder&#8221; wirklich JEDER ist; der Profi (der Geld verdienen MUSS) tritt gegen Spa\u00dfisten an, die sogar Geld zahlen um gedruckt zu werden. Nicht EINER gegen EINEN, sondern EINER gegen TAUSENDE.<\/p>\n<p>UND TROTZDEM wollen sie immer noch Geld f\u00fcr ihre &#8220;Arbeit&#8221;. Dabei ist es doch ein Vergn\u00fcgen. Ist das nicht ein Frevel?<br \/>\n.<br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ariplex.com\/carlixon\/pix\/Niedergang_des_Journalismus_2_800.jpg\" alt=\n\"http:\/\/ariplex.com\/carlixon\/pix\/Niedergang_des_Journalismus_2_800.jpg\"><\/p>\n<p>(Screenshot von <a href=\"http:\/\/www.turi2.de\/aktuell\/tweet-des-tages-niedergang-im-selbstversuch\/\">http:\/\/www.turi2.de\/aktuell\/tweet-des-tages-niedergang-im-selbstversuch\/<\/a>)<\/p>\n<p>Die Quelle:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/gutjahr\/status\/801419628463460352\">https:\/\/twitter.com\/gutjahr\/status\/801419628463460352<\/a><br \/>\n[*quote*]<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\nRichard Gutjahr ?@gutjahr 10:38 AM &#8211; 23 Nov 2016<\/p>\n<p>Eben Anfrage eines Fachmagazins: 25.000 Zeichen zum Niedergang des Qualit\u00e4tsjournalismus. Nachfrage: &#8220;Honorar? &#8221; Antwort: &#8220;150 \u20ac&#8221;<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\n[*\/quote*]<br \/>\n.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Bis wann?&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Ein alter Witz, der die Lage der Studenten sehr trefflich beschreibt: <\/p>\n<ul><i>Die Studenten des Semesters erhalten die Aufgabe, ein Telefonbuch auswendig zu lernen. <\/p>\n<p>Frage der Philosophen: &#8220;Warum?&#8221; <\/p>\n<p>Frage der Medizinstudenten: &#8220;Bis wann?&#8221;<\/i><\/ul>\n<p>. <\/p>\n<p>Solange man noch Witze machen kann, auch wenn die Situation noch so bitter ist, so lange noch besteht Humor. Hoffnung&#8230; nicht. <\/p>\n<p>Auf dem &#8220;Sklavenmarkt&#8221;, in den USA schon seit \u00fcber 10 Jahren brodelnd, werden &#8211; mit wenigen Worten beschrieben &#8211; Aufgaben der Art <\/p>\n<ul><i>&#8220;10 Artikel `a 2 Seiten<br \/>\nThema Ratgeber im Haushalt<br \/>\nBiete 50 Dollar&#8221;<\/i><\/ul>\n<p>vergeben, und es finden sich immer Welche, die diese Auftr\u00e4ge annehmen. Nat\u00fcrlich sind die Artikel inhaltlich d\u00fcnn. Aber das macht nichts, weil sie als nur Futter f\u00fcr Suchmaschinenspider dienen. Die l\u00e4ngeren Versionen werden als Billigheimer f\u00fcr eBook-Reader auf den Markt geworfen. <\/p>\n<p>Die 50 Dollar des Beispiels sind selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr alle 10 Artikel zusammen, nicht f\u00fcr einen! <\/p>\n<p>Die Betreiber von Web-Farmen beuten Schreiber aus. <\/p>\n<p>Ich habe vor einigen Jahren mit einem der Auftraggeber telefoniert. Er ist ein ehemaliger Lehrer, hat selbst ein Buch geschrieben (einen Ratgeber zu einer in den USA notwendigen Zwischenpr\u00fcfung an Schulen) und konnte dank des Erfolges aus dem Schuldienst aussteigen und sich selbst\u00e4ndig machen. Er kauft alte Web-Sites, baut sie mit seinen eingekauften Texten als Spider-K\u00f6der aus und verdient mit der Werbung. Zuerst \u00fcber Google, sp\u00e4ter \u00fcber eigene Vertr\u00e4ge mit den Werbenden. Das beste Geld kommt allerdings herein, wenn er selbst etwas verkaufen kann, richtige Waren, mit denen er Handel treibt, und B\u00fccher, die er vermarktet. <\/p>\n<p>F\u00fcr ein neues Thema geht er erst auf den Sklavenmarkt und vergibt Auftr\u00e4ge, schreibt aber auch selbst Artikel, um sich umzusehen. Und dann macht er ein neues eBook daraus. <\/p>\n<p>Die Produktions&#8221;methode&#8221; hat nat\u00fcrlich Folgen&#8230;<\/p>\n<p>Wer wie ein Logorrhoiker nonstop Texte zusammenfaseln kann, ist nat\u00fcrlich schnell beim Schreiben und kann damit auch Geld verdienen. Die Anderen nagen am Hungertuch. <\/p>\n<p>Schnell zusammengebastelte Texte sind schnell zusammengebastelte Texte &#8211; nat\u00fcrlich nur aus Dingen, die der Schreiber schon im Kopf hatte. Recherche ist in der knappen Zeit nicht zu machen. Also werden die Leser und K\u00e4ufer betrogen, weil die Texte inhaltsleeres Geschw\u00e4tz sind, das sich dann in weiteren Texten endlos wiederholt. Die Substanz fehlt. Egal, was f\u00fcr ein Thema es ist, von der Qualit\u00e4t sind es Groschenromane, immer der gleiche Stoff, immer die gleiche Leier, immer wieder blo\u00df neu aufgekocht.  <\/p>\n<p>Journalismus ist das nicht, und Qualit\u00e4tsjournalismus erst recht nicht. <\/p>\n<p>Der Sklavenmarkt hat den professionellen Journalismus l\u00e4ngst erreicht &#8211; und wird seinerseits inzwischen durch die Bots aufgerollt. <\/p>\n<p><strong>UND DA kommt ein Verlag an und bietet f\u00fcr ca 13 Seiten Schreibmaschine Fachjournalismus 150 Euro.<\/strong> <\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr alle Rechte&#8230; <\/p>\n<p>&#8220;Ein Fachmagazin&#8221;, schreibt Richard Gutjahr, nennt aber den Namen nicht. Was f\u00fcr ein &#8220;Fachmagazin&#8221;? Ein Wirtschaftsmagazin? Ein Journalismusmagazin? Ein Insider-Magazin der Medienbranche?<\/p>\n<p>Wer auch immer es ist, es ist ein &#8220;Fachmagazin&#8221;, also eine Print- und\/oder Online-Publikation mit dem Anspruch &#8220;f\u00fcr Fachleute&#8221; zu sein. Also gibt es Leser (und K\u00e4ufer?), die das, was drin steht, f\u00fcr bare M\u00fcnze nehmen. <\/p>\n<p>Wir haben es nicht nur mit der Ausbeutung von Autoren zu tun, sondern vor allem &#8211; und das in gro\u00dfem Stil &#8211; mit dem f\u00fcr-dumm-Verkaufen der Leser, die ausgelaugte Teebl\u00e4tter als &#8220;frischen Ceylon&#8221; untergeschoben bekommen.<\/p>\n<p>Auch wenn es ausschaut wie ein Thema nur f\u00fcr Journalisten, es ist ein Thema der gesamten Gesellschaft, es betrifft jeden B\u00fcrger, denn die Leser mit Logorrhoe abzuspeisen und zu verbl\u00f6den, ist auch eine Form von L\u00fcgenpresse. Und glaube Keiner, da\u00df die Menschen das nicht bemerken w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ich setze 1 Euro, da\u00df wir herausfinden, wer der Auftraggeber ist. Denn Richard Gutjahr ist nicht der einzige, der so ein Angebot bekommen hat. <\/p>\n<p>Nicht Jeder wird schweigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Niedergang des Journalismus ist eine Folge der Gier und der unerbittlichen Konkurrenz &#8220;Jeder gegen Jeden&#8221;, wobei &#8220;Jeder&#8221; wirklich JEDER ist; der Profi (der Geld verdienen MUSS) tritt gegen Spa\u00dfisten an, die sogar Geld zahlen um gedruckt zu werden. Nicht EINER gegen EINEN, sondern EINER gegen TAUSENDE. 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