{"id":1786,"date":"2017-02-20T21:18:04","date_gmt":"2017-02-21T05:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/ariplex.com\/folia\/?p=1786"},"modified":"2017-04-08T05:55:25","modified_gmt":"2017-04-08T13:55:25","slug":"ubermedien-auser-kurs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ariplex.com\/folia\/archives\/1786.htm","title":{"rendered":"\u00dcbermedien au\u00dfer Kurs"},"content":{"rendered":"<p>In der Guten Alten Zeit, als es nur gedruckte Zeitungen gab, war die Welt noch in Ordnung. Da gab es das bayerische Amtsgericht, Leberk\u00e4s, und eine Fisch-gerechte Zeitung aus Papier.  Alles \u00fcbersichtlich, behaglich, geordnet. Eine friedliche kleine Welt. <\/p>\n<p>Es gab die edlen Federn und die edlen Drucke; zunehmend wurde es bunt und bunter, und sogar schreiend bunt, bis zur Yellow Press. Aber es war \u00fcbersichtlich. Es gab viele Zeitungen. Irgendwo. Doch die las man nicht, denn die waren weit weg. Man las nur das, was in der N\u00e4he war. Die Berichte aus der Ferne kamen von Agenten und Korrespondenten und durch die Herolde anderer Zeitungen. Die gedruckte Welt war und blieb klein.<\/p>\n<p>Wieviele Zeitungen gab es in Deutschland? Mehr als 1000? Wahrscheinlich nicht. Bemerken tat man von ihrer Zahl fast nichts. Die bestausgestattete Auslage war meist die am Bahnhof &#8211; wegen der Reisenden.<\/p>\n<p>Die Welt war \u00fcbersichtlich, und so war es in Ordnung. Man wu\u00dfte, wo man war; man wu\u00dfte, wer man war; und man wu\u00dfte, wer und wo die Anderen waren. Es herrschte Ordnung. Nichts, wor\u00fcber man sich aufregen mu\u00dfte. Das Leben war beschaulich und sch\u00f6n, es pl\u00e4tscherte seinen ruhigen Gang.<\/p>\n<p>Die gute Alte Zeit, das Internet hat sie erschossen. Zeitungen sind ein Relikt, eine kleine, gedr\u00fcckte Minderheit. Untergegangen sind sie in einem Ozean von &#8220;Medien&#8221;, die von Text \u00fcber Ton und Video sogar komplette interaktive Maschinerien enthalten. Der Mensch als solcher ist winzig. Er steht vor diesem Ozean hifloser als ein Wassertropfen am Pazifik. Nicht nur der Leser, auch der \u00dcber-Leser, der Ratgeber f\u00fcr den Ozean ist sang- und klanglos ersoffen. Mehr als 2 Milliarden Menschen schreiben und ver\u00f6ffentlichen im Internet. Wer kann da noch den \u00dcBER-Blick behalten?<\/p>\n<p>Edle Federn? Es gibt Millionen! Weniger Edle?: der Rest&#8230;<\/p>\n<p>Wem sollen die Ratgeber nachlaufen, um dann als Wissende zu verk\u00fcnden, was die Edlen und die weniger Edlen sagen und meinen? Alles verl\u00e4uft sich, Jeder verl\u00e4uft sich, das Geschriebene und Ton und bewegte Bilder, alles versickert. Das Internet ist ein Treibsand.<\/p>\n<p>Die Orientierungslosigkeit ist einem kompletten Chaos gewichen. Entropie regiert. An sich w\u00e4re das nicht so schlimm, rein vom Inhalt her, doch da ist das leidige Problem: Wer soll das bezahlen? &#8220;Die Medien&#8221; wollen Geld! <\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt, &#8220;DAS PROBLEM&#8221; ist viel allgemeiner: <strong>Wovon soll man leben?<\/strong><\/p>\n<p>Seit nicht wenigen Jahren geistert ein Gespenst durch die Welt: <i>&#8220;das bedingungslose Grundeinkommen&#8221;<\/i>. <\/p>\n<p>Indirekt haben die B\u00fcrger es durch die Sozial\u00e4mter und deren Grundsicherung, wie auch immer die mit Namen hei\u00dft. Aber was machen <i>&#8220;die Medialen&#8221;<\/i>, die Nachfolger der <i>&#8220;Journalisten&#8221;<\/i>? Und was machen die Verlage und ihre Nachfolger?<\/p>\n<p>Einige haben sich gerettet: in ein bedingtes bedingungsloses Grundeinkommen. Man nennt es GEZ-Geb\u00fchr. Oder so \u00e4hnlich. Irgendeinen Namen wird man schon finden, um die Milliarden, die der Bev\u00f6lkerung daf\u00fcr abgenommen werden, zu verbuchen &#8211; und sie dann einem kleinen Gr\u00fcppchen gutsitierter Organisationen zu geben, damit diese der Bev\u00f6lkerung Ratgeber sind (nominell nat\u00fcrlich, rein nominell)&#8230; <\/p>\n<p>Und der Rest, \u00dcberbleibsel und traurige Erben der glorreichen Epoche der Zeitungen aus echtem Papier? Der DARF schreiben, und schreiben und schreiben. Aber Geld bekommt er daf\u00fcr keines. Und Lesen wird seine Werke auch kaum Jemand. Sandk\u00f6rner in der Sahara haben einen h\u00f6heren Aufmerksamkeitswert.<br \/>\n.<\/p>\n<p>So sitzt er da, der Journalist, der Texter, der Filmer, der Regisseur, der Mediale, und werkelt vor sich hin, nach oben und nach unten gegen die totale Leere.<\/p>\n<p>Und die \u00dcBER-Medien, die Berichter \u00fcber die Medien, der Medien-Journalismus? Die treiben ohne Kompass durch das All. Kein Oben, kein Unten, kein Vor und kein Zur\u00fcck. Aber jede Str\u00f6mung, jede Staubfahne wird augenblicklich gemeldet als &#8220;DER STROM&#8221;, dem die <i>&#8220;User&#8221;<\/i> (ehemals <i>&#8220;Leser&#8221;<\/i>) im Herdentrieb folgen sollen. Links, rechts, rauf, runter geht die wilde Jagd, m\u00f6glichst wild und schrill. Edle Federn z\u00e4hlen nicht, gute Ideen nicht &#8211; keine klaren Gedanken. Nein, nur die bewegte Masse, denn die bringt Geld. Aufpeitschen, einpeitschen, anheizen, DAS ist &#8230;. Fr\u00fcher nannte man das <i>&#8220;Demagogie&#8221;<\/i>. Aber DAS hat die Welt l\u00e4ngst vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Guten Alten Zeit, als es nur gedruckte Zeitungen gab, war die Welt noch in Ordnung. Da gab es das bayerische Amtsgericht, Leberk\u00e4s, und eine Fisch-gerechte Zeitung aus Papier. Alles \u00fcbersichtlich, behaglich, geordnet. Eine friedliche kleine Welt. 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