{"id":266,"date":"2011-09-02T02:35:51","date_gmt":"2011-09-02T10:35:51","guid":{"rendered":"http:\/\/ariplex.com\/folia\/?p=266"},"modified":"2011-09-08T11:47:25","modified_gmt":"2011-09-08T19:47:25","slug":"wann-ist-eine-frau-kein-mensch-mehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ariplex.com\/folia\/archives\/266.htm","title":{"rendered":"Wann ist eine Frau kein Mensch mehr?"},"content":{"rendered":"<p>Vor mehreren Jahren gab es eine Revolution in einer deutschen Stadt: alle Amtstitel wurden in der weiblichen Form verzwangt. Der m\u00e4nnliche B\u00fcrgermeisterin war davon ebenso betroffen wie alle anderen gew\u00e4hlten und ungew\u00e4hlten Amtspersonen und Angestellten der Stadt. <\/p>\n<p>Blick zur\u00fcck im Zorn.<\/p>\n<p>Im Krankenhaus. 50-er Jahre? 60-er Jahre? Egal. Irgendwann. Der Zorn des Gerechten, er erbost sich in seiner Not, allein gelassen zu sein: &#8220;Wo ist der Arzt!? Wo ist der Arzt!? Ich will endlich einen Arzt!&#8221; Der Arzt steht neben ihm. Es ist eine Frau. Er aber akzeptiert keine FRAU. Er will einen MANN. <\/p>\n<p>Eine Frau als Arzt? Undenkbar!<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise hat diese Idiotie ein Ende bekommen. Erreicht oder gar passiert hat sie dieses Ende nicht. <\/p>\n<p>Idioten gibt es auch auf der Gegenseite, in der Form der &#8220;Political Correctness&#8221;, bei der es an einem Wort immer ein &#8220;Innen&#8221; gibt. So findet sich beim Lesen eines Werbeprospekts f\u00fcr eine Kreuzfahrt auch ein Hinweis auf &#8220;Bullauge\/innen&#8221;. Aha, der Bullauge. Wir wissen Bescheid. Und was ist, neben Steward\/innen, der Job eines Bullauge\/innen? Verr\u00fcckt? Nein, sondern realer Gedankenunfall, vor mehreren Jahren in Deutschland passiert und mit Verschw\u00f6rermiene und verschmitztem Gesicht weitererz\u00e4hlt. <\/p>\n<p>Der Zwang zum Geschlechtsfetischismus und Geschlechtsfaschismus nimmt immer bizarrere Formen an. Eine Frau als Arzt? Undenkbar! Aber noch schlimmer: ein Mann als Krankenschwester. Nicht einmal &#8220;Krankenbruder&#8221; als Berufsbezeichnung wurde akzeptiert, es wurde ein neuer Begriff kreiert: der &#8220;Krankenpfleger&#8221;.<\/p>\n<p>Ewiggestrige, k\u00f6nnte man meinen: unf\u00e4hig f\u00fcr auch nur einen Funken Hirnleistung, eingefroren in ihrem Sprachnazi-Betonbunkersch\u00e4del &#8211; irgendwo zwischen 80 und scheintot. Aber der Naziismus gebiert st\u00e4ndig neue Ungeheuer, hirnlos, brutal, menschenverachtend. <\/p>\n<p>Wann wird das Wort &#8220;Mensch&#8221; nicht mehr f\u00fcr Frauen gelten? Wann wird es &#8220;Menschin&#8221; hei\u00dfen m\u00fcssen? Das ist keine leere Frage, wie das Beispiel &#8220;Student&#8221; zeigt. Jetzt, im Jahr 2011.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/info-parkour.de\/hamburg-haw-studenten-magazin-pressefreiheit-zensur-asta.html\">http:\/\/info-parkour.de\/hamburg-haw-studenten-magazin-pressefreiheit-zensur-asta.html<\/a><\/p>\n<p>[*quote*]<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\nDas unabh\u00e4ngige Studenten-Magazin der HAW Hamburg<br \/>\nStellungnahme: Unsere Meinung ist nicht k\u00e4uflich<\/p>\n<p>Das unabh\u00e4ngige Online-Studenten-Magazin der Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften Hamburg, info-parkour.de, stellt seinen Betrieb bis auf Weiteres ein.<\/p>\n<p>Wie kommt&#8217;s?<\/p>\n<p>Wie ihr vielleicht wisst, wurde info-parkour und seine Redakteure seit Februar 2010 durch den AStA der HAW finanziert.<\/p>\n<p> Im Sommer 2011 stand eine Verl\u00e4ngerung dieser Finanzierung an, die der AStA neben legitimen Forderungen wie Nachhaltigkeit u.\u00e4. allerdings auch von Formulierungsstandards abh\u00e4ngig machen wollte. Diesen Formulierungen konnte info-parkour nicht zustimmen.<\/p>\n<p>Und was sind das f\u00fcr Formulierungen?<\/p>\n<p> Das Magazin verwendet seit Gr\u00fcndung 2008 f\u00fcr die Mehrzahl von Studenten und Studentinnen das Wort &#8220;Studenten&#8221;. Mit dieser Formulierung verst\u00f6\u00dft info-parkour neuerdings gegen den AStA-Satzungs-Punkt &#8220;Geschlechtergerechtigkeit&#8221;. Der AStA beschuldigt info-parkour also der Geschlechter-Diskriminierung.<\/p>\n<p> F\u00fcr eine erneute Finanzierung w\u00e4ren die Redakteure von info-parkour dazu gezwungen, in allen ver\u00f6ffentlichten Artikeln die Formulierung &#8220;Studierende&#8221; zu verwenden, da diese laut einer Studie angeblich als geschlechtsneutral angesehen wird.<\/p>\n<p>Und jetzt macht ihr wegen dieses Wortes so viel Wind?<\/p>\n<p> Uns geht es bei dieser Diskussion nicht um das Wort &#8220;Studenten&#8221; an sich. Vielmehr geht es darum, dass info-parkour zum Start der Finanzierung 2010 redaktionelle Unabh\u00e4ngigkeit zugesprochen bekam, mit der der AStA info-parkour in der \u00d6ffentlichkeit beworben hat.<\/p>\n<p> Diese redaktionelle Freiheit, die in der geltenden deutschen Pressefreiheit verankert ist, w\u00fcrde info-parkour in diesem Falle durch den AStA verwehrt.<\/p>\n<p>Warum schreibt ihr nicht einfach, wie der AStA will, und ihr bekommt daf\u00fcr weiterhin das Geld?<\/p>\n<p> Dar\u00fcber haben wir uns nat\u00fcrlich auch Gedanken gemacht. Nur w\u00fcrde die Redaktion unter diesen Umst\u00e4nden gegen ihre ausdr\u00fcckliche \u00dcberzeugung handeln und nicht mehr unabh\u00e4ngig entscheiden. Wir w\u00fcrden uns also kaufen lassen.<\/p>\n<p> Die ausdr\u00fcckliche \u00dcberzeugung liegt darin, dass Studien nicht dar\u00fcber entscheiden k\u00f6nnen, welche Worte im deutschen Sprachgebrauch erlaubt sind und welche verboten sind. Dar\u00fcber entscheidet der Gesetzgeber und nicht irgendein AStA.<\/p>\n<p> Als journalistisches Projekt bezieht sich info-parkour daher bei Formulierungsstandards auf deutschsprachige journalistische Institutionen wie Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel, S\u00fcddeutsche Zeitung, Die Zeit oder Neue Z\u00fcrcher Zeitung.<\/p>\n<p>Aber die HAW und das STUDIERENDENwerk schreiben doch auch so?<\/p>\n<p> Absolut, das ist deren gutes Recht. info-parkour will diese Formulierung ja auch nicht verbieten, stellt sie aber in Frage. Die Basis demokratischer Diskussionskultur.<\/p>\n<p> Wenn Studenten an der HAW studieren oder in der Mensa essen wollen, werden sie ja auch nicht dazu verpflichtet nur noch von &#8220;Studierenden&#8221; zu sprechen.<\/p>\n<p> Die einzige Forderung von info-parkour an den AStA der HAW zur Weiterfinanzierung war das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung, die dem Magazin so aber nicht gew\u00e4hrt w\u00fcrde.<\/p>\n<p> &#8220;Der AStA kann dem info-parkour die Pressefreiheit nur gew\u00e4hren, sofern auch deren Arbeit [info-parkour] satzungskonform ist.&#8221; (aus der offiziellen Stellungnahme des AStA-Vorstandes, Tilmy Alazar)<\/p>\n<p> Weder obliegt das Gew\u00e4hren der Pressefreiheit dem AStA, noch steht die AStA-Satzung \u00fcber der Pressefreiheit.<\/p>\n<p> info-parkour verzichtet aufgrund dieser Entscheidung des AStA auf eine Weiterfinanzierung, um den AStA vor einem m\u00f6glichen Vorwurf wegen Zensur zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ihr wurdet doch schon \u00fcber ein Jahr vom AStA finanziert, warum f\u00e4llt denen das jetzt erst auf?<\/p>\n<p> Ja, da ist sie wieder, die Sache mit den Studien. Pl\u00f6tzlich tauchte eine Studie auf und wir sollten uns verpflichten diese neue Formulierung einzuhalten. <\/p>\n<p> Jedes einzelne Teammitglied hat f\u00fcr sich entschieden, dass info-parkour unter solch pressefeindlichen Bedingungen nicht Teil dieses AStA der HAW sein kann.<\/p>\n<p> AStAs und ihre Satzungen kommen und gehen, die Pressefreiheit bleibt.<\/p>\n<p>Und warum macht ihr nicht einfach weiter?<\/p>\n<p> Das haben wir nat\u00fcrlich vor, nur wurden durch den AStA acht HAW-Studenten als Redakteure des Magazins finanziert. Die meisten studentischen Geldbeutel sind dabei auf jeden Euro angewiesen, der nun anderweitig verdient werden muss. So wird das Zeitkonto f\u00fcr den info-parkour vorerst geschm\u00e4lert.<\/p>\n<p>Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage<\/p>\n<p> info-parkour existiert als in der Hochschule verankertes Studenten-Magazin seit 2008 und f\u00fchlte sich verpflichtet, die Campuskultur der HAW zu f\u00f6rdern und Studenten die M\u00f6glichkeit zu geben, sich frei und unabh\u00e4ngig in allen Bereichen journalistischer T\u00e4tigkeiten auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p> Hierbei fand info-parkour als journalistisches Magazin immer wieder Akzeptanz und Unterst\u00fctzung in der Hochschule direkt und es wurde nie versucht, Einfluss auf den Inhalt oder die Formulierung zu nehmen.<\/p>\n<p> Das Magazin musste sich in den vergangenen vier Jahren h\u00e4ufiger Herausforderungen finanzieller sowie organisatorischer Natur stellen, aus denen info-parkour immer gest\u00e4rkt hervorging. Dass der AStA (bestehend aus Studenten!) nun ma\u00dfgeblich an der vor\u00fcbergehenden Einstellung des Magazins mit verantwortlich ist, entbehrt einer gewissen Ironie nicht.<\/p>\n<p> info-parkour bedankt sich beim AStA der HAW f\u00fcr die zur\u00fcckliegende Zusammenarbeit und finanzielle Unterst\u00fctzung und w\u00fcnscht deren Mannschaft (und Frauschaft, nat\u00fcrlich) dar\u00fcber hinaus mehr Mut im Umgang mit Campuskultur, die als allererstes auf Meinungsfreiheit und deren ungehinderter \u00c4u\u00dferung basiert.<\/p>\n<p> Das info-parkour-Team bedankt sich au\u00dferdem bei vielen ehemaligen Teammitgliedern, Autoren, Unterst\u00fctzern aus der Hochschule und dem Stadtteil St. Georg.<\/p>\n<p>Katharina Bildredaktion<br \/>\nAnatzki Bildredaktion<br \/>\nMarc Stellenb\u00f6rse<br \/>\nBeham Stellenb\u00f6rse<br \/>\nChristine Chefredaktion<br \/>\nG\u00e4rtner Chefredaktion<br \/>\nRedaktion<br \/>\nKatja Harms Redaktion<br \/>\nDarja Redaktion<br \/>\nHentschel Redaktion<br \/>\nElmas Redaktion<br \/>\nPekdemir Redaktion<br \/>\nWaldemar Videoredaktion<br \/>\nSchmidt Videoredaktion<br \/>\nPatrick Herausgeber<br \/>\nSchulz Herausgeber<br \/>\nredaktion[at]info-parkour.de<br \/>\nInfo-Parkour<br \/>\nArchiv<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\n[*\/quote*]<\/p>\n<p>Aus Solidarit\u00e4t mit den Redakteuren von Info-Parkour habe ich ihren Text als mahnende Erinnerung \u00fcbernommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor mehreren Jahren gab es eine Revolution in einer deutschen Stadt: alle Amtstitel wurden in der weiblichen Form verzwangt. 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