INS

Initiative neue Schulpolitik

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Prof. Dr. Henning Günther, Köln

Projekte und offener Unterricht

Die verheißungsvollen Methoden
auf dem Prüfstand
von Lernpsychologie und Unterrichtsforschung

Vortrag und Diskussion

Donnerstag, 23.1.1997
16.00 Uhr
Lessingschule Bremerhaven
Hafenstraße 122

Eine Veranstaltung der INS - Initiative neue Schulpolitik


Januar 1997


Mit großer Sorge stellen Eltern und Lehrer fest, daß schon heute immer mehr Kinder die Grundschule verlassen, ohne die Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen ausreichend zu beherrschen.

Da verwundert es sehr, daß von der Senatorin für Bildung eine neue Grundschulverordnung vorgelegt worden ist, die die innere Struktur dieser Schule weiter zerrüttet und ihr eine jahrgangsstufenunabhängige Organisationsform als Fortschritt andient, die auf erschreckende Weise der einklassigen Dorfschule ähnelt, wie sie im letzten Jahrhundert üblich war.

Aber auch in den anderen Schulstufen und -arten vollziehen sich infolge der neuen Schulgesetze schrittweise Veränderungen, bei denen sich kein Verantwortlicher über die Auswirkungen klar zu sein scheint.

Beim Einlullen des kritischen Verstandes spielen Begriffe eine Rolle, die Fortschrittlichkeit, Menschlichkeit, Sebstverwirklichung suggerieren, aber in Wirklichkeit das Gegenteil provozieren.

Was bedeutet z. B. der "offene Unterricht" mit seinen Forderungen nach Freiheit, Projektarbeit, Wochenplanzeit, selbstbestimmten, ganzheitlichem und handlungsorientiertem Lernen für das Arbeitsverhalten der Schüler, für ihre Motivation, für ihre persönliche Förderung?

Was hat es mit den Zauberwörtern Kreativität, Aktivität und Phantasie auf sich?

Was leistet eine Schule, die jeder Anstrengung ausweicht und (fast) nur auf den Elementen Spaß, Erlebnis und Lustbefriedigung beruht?

Prof. Dr. Henning Günter von der Universität Köln ist ein Experte für Unterrichtsforschung. Er hat u. a. selbst Schülerbefragungen zum Projektunterricht vorgenommen.

In seinem Vortrag wird er sich eingehend mit Ergebnissen empirischer Untersuchungen befassen, die Antworten auf die gestellten Fragen geben.

Es steht also viel auf dem Spiel für die Schüler von heute und ihre Zukunft, aber genauso für unser Schulsystem und unsere Gesellschaft.

Darüber müssen wir reden!



Offener Unterricht erschwert des Lernen
Lehrerzentriertes Lernen erfolgreicher

Mehr als 100 Zuhörer folgten dem Vortrag von Prof. Dr. Günther von der Universität Köln über Projektarbeit und offener Unterricht - unter ihnen auch Schulderzernent Dr. Weiß. Professor Dr. Günther erläuterte auf der Veranstaltung der INS - Initiative Neue Schulpolitik - ,daß der offene Unterricht im Hinblick auf Konzentration, Lernfähigkeit und Sozialverhalten gerade an der Grundschule große Probleme aufwirft, die sich in den weiterführenden Schulen besonders bemerkbar machen.

Professor Dr. Günther stellt in seinem Vortrag dar, daß der offene Unterricht partiell seine Vorteile hat; wird er jedoch zur wichtigsten oder gar einzigen Unterrichtsform, so ergeben sich erhebliche Mängel für das Lernen. Gerade in der Grundschule werden wichtige Lernfähigkeiten nicht erlernt. Das ständige Stören - weil einige Schüler lieber spielen wollen, einige sich nicht auf die Aufgaben konzentrieren wollen, sich lieber mit anderen unterhalten wollen usw. - führt dazu, daß selbst die Schüler, die die Aufgaben bewältigen, den Vorgang nicht im Langzeitspeicher des Gehirns aufnehmen kvnnen, weil sie zu abgelenkt werden.

Weiterhin kann, so die Lernpsychologie, ab 6. bzw. 7. Lebensjahr nicht oder nur unzureichend spielerisch gelernt werden.

Bei Schulbefragungen wurde festgestellt, daß Projektunterricht für 2/3 aller Schüler nicht Schule ist, also für Schüler kein vernünftiger Unterricht ist. Denn: sie waren zu 60% nur deshalb für den Projektunterricht, "weil man darin nicht so viel zu tun braucht." 90% sagen sogar, daß nur einige eifrige Schüler die ganze Arbeit machen. 55% erklären offen, sie seien nur Mitläufer oder Nutznießer des Leistungswillens dieser wenigen Schüler. Außerdem macht Projektunterricht nur anfangs Spaß; wenn aber auf Ergebnisse hingearbeitet wird, verliert das Projekt seine Vorzüge.

Die Kinder sollen nicht auch noch in der Schule der Reizüberflutung ausgesetzt sein. Im Gegenteil muß eine Reizeinschränkung in der Schule stattfinden. Daher bildet lehrerzentriertes, ruhiges, strukturiertes Lernen den Schülern eine bessere Grundlage für erfolgreiches Lernen.

Lernen erfordert Kontinuität, und der Schüler braucht die persönliche Unterstützung eines bemühten Lehrers. Ein Lehrer darf sich also nicht nur als Moderator sehen, wie es bei dem offenen Unterricht der Fall ist.

Das Max-Planck-Institut stellt den "Optimallehrer" als einen Lehrer dar, der die Klasse konsequent führt, sich am Lehrstoff orientiert und den Unterricht didaktisch klar gestaltet. Dies führt zum Frontalunterricht. Allerdings soll der Optimallehrer auch durch seine Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Leistungsniveaus verschieden begabte Schüler ihren Leistungen entsprechend gleichermaßen fördern.

In einer gegliederten, schularthomogenen Schule geschieht die Förderung aller in der Klasse lernenden Schülern verständlicherweise besser, weil die Schüler nicht durch ein zu großes Leistungsgefälle an einer entsprechenden optimalen Förderung gehindert werden.

Nach dem interessanten Vortrag kam es zur Diskussion mit unterschiedlichen Meinungen, wobei auch Dr. Weiß seine Thesen von der Anwendung verschiedener Unterrichtsformen darstellte. Alles in allem war es eine Veranstaltung, die sich für die Anwendung verschiedener Unterrichtsformen, keine bevorzugende - auch von der Politik nicht - Unterrichtsform aussprach.


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