die Checkliste für die
Candidiasis - (Pilz-Infektions-) Störung - dies ist eine
allgemein auftretende Begleiterscheinung von Lyme.
Beides zusammen sollte den Lesern ein gutes Gefühl dafür
vermitteln, ob sie mit der medizinischen Diagnose fortfahren sollten.
Anmerkung des Übersetzers: Weitestgehend wurde die deutsche Schreibweise
der medizinischen (aus dem Lateinischen oder Griechischen stammenden)
Fachausdrücke gewählt, d.h. in Übereinstimmung mit den
medizinischen Gewohnheiten in Deutschland im wesentlichen c durch k oder z
ersetzt.
Im englischen Sprachraum gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen
der Mediziner- und der Umgangssprache. Das ist im Deutschen anders: Unsere
Umgangssprache -und damit der medizinische Laie- kennt nur eine geringe
Anzahl von deutschen medizinischen Worten. Dieser Aufsatz richtet sich aber
auch an den Laien, und daher habe ich für die medizinischen Worte, die
in der Umgangssprache fehlen, eine kurze Erklärung in Klammern
hinzugefügt. Ich habe sie folgenden beiden Lexika entnommen (zu erhalten
z.B. bei
http://www.jfl.de/ * JFLehmanns-Online):
- Boss, Norbert,
"http://www.jfl.de:8080/cgi-bin/katalog/fach/output2.cgi?flag=jfl&cookie=t_893334290&TITNR=254243&frame=no&database=sql&table=katalog&words=`BOSS`NORBERT`ROCHE`LEXIKON`MEDIZIN`URBAN`SCHWARZENBERG`MEDIZIN'LEXIKANACH`Z692`1993 * Roche Lexikon Medizin",
Hrsg. v. d. Hoffmann-La Roche AG., 3., neubearb. Aufl., URBAN &
SCHWARZENBERG, 1993, ISBN 3541112131, Preis DM 58.00,
- Pschyrembel, Willibald,
"http://www.jfl.de:8080/cgi-bin/katalog/fach/output2.cgi?flag=jfl&cookie=f_893335059&TITNR=512561&frame=no&database=sql&table=katalog&words=`PSCHYREMBEL`WILLIBALD`KLINISCHES`WOERTERBUCH`GRUYTER`MEDIZIN'LEXIKANACH`Z692`1998 * Klinisches Wörterbuch",
258., neubearb. Aufl., GRUYTER, 1998, ISBN 3110156768, PREIS: DM 52.00.
Diese Lexika gibt es auch jeweils als CD ROM
(http://www.jfl.de:8080/cgi-bin/katalog/fach/output2.cgi?flag=jfl&cookie=t_893334290&TITNR=518842&frame=no&database=sql&table=katalog&words=`BOSS`NORBERT`ROCHE`LEXIKON`MEDIZIN`CDROM`URBAN`SCHWARZENBERG`MEDIZIN'LEXIKANACH`Z692 * Roche,
http://www.jfl.de:8080/cgi-bin/katalog/fach/output2.cgi?flag=jfl&cookie=t_893334290&TITNR=915688&frame=no&database=sql&table=katalog&words=`PSCHYREMBEL`WILLIBA`KLINISCHES`WOERTERBUCH`CDROM`GRUYTER`1996 * Pschyrembel)
im Windows-Format und kosten knapp das Doppelte der gedruckten Version.
Öfters brauchten auch diese Erklärungen wieder medizinische Worte,
die der Umgangssprache fremd sind. Das zeigt, daß wir Laien zusammen
mit dem Wunsch nach größerer Verantwortung für unserer
Gesundheit auch unsere Sprache um die medizinischen Worte erweitern
müssen.
Um den Rahmen des Aufsatzes von Dr. Bleiweiss nicht zu sprengen, mußte
ich diese Arbeit dem Leser überlassen. Mithilfe einer der genannten
CD-ROMs ist sie effizient zu bewältigen.
Häufig auftretende lateinische oder griechische Wortteile habe ich ins
Deutsche übersetzt, wo sie zum ersten Mal auftauchen.
Index
der im Text genannten
Erkrankungen und medizinischen Begriffe
Wenn Sie das deutsche Original dieser Seite
(http://www.lymenet.de/lymchckd.htm)
auf Ihren Rechner kopieren, tun Sie dies auch mit dem
http://www.lymenet.de/BurrD.htm * Essay von Dr. Joseph J. Burrascano
und den
Erklärungen der medizinischen Begriffe.
Von dieser Seite weisen viele Links auf beide Dateien.
[Die hier angegebenen Seiten befinden sich auf der Web-Site
http://www.lymenet.de.
Die Erklärungen wurden absichtlich nicht in den Mirror aufgenommen, weil
der Mirror nur Texte zu Borreliose aufnimmt. Aus diesem Grund wurden im
vorliegenden File die Referenz-Links zu TERMS.HTM entfernt. A. Deckers]
Dies war die anfängliche Checkliste, die mich auf den Weg zu meiner
Lyme-Diagnose brachte. Sie ist den Burrascano-
"Richtlinien"
(http://www.lehigh.edu/lists/lymenet-l/managing.htm *
"Richtlinien") entnommen
(hier liegt meine deutsche Übersetzung davon :
http://www.lymenet.de/BurrD.htm) .
Machen Sie sich eine eigene Aufstellung der "Ja"-Antworten. Obwohl viele
der Symptome ganz allgemein verbreitet sind oder auf andere Dinge (als Lyme,
d. Übers.) hinweisen, zeigen doch eine Reihe von ihnen, daß man
sich zu einer weitergehenden Auswertung entschließen muß.
(Meine eigene Anzahl von Ja-Antworten war 18 von 46.)
Haben Sie als Teil Ihrer Symptome irgendeines der folgenden gehabt?
| |
|
Ja |
Nein |
| 1. |
Zeckenbiß (Schildzecke, Hunde-Zecke) |
J |
N |
| 2. |
Hautrötung am Ort des Bisses |
J |
N |
| 3. |
Hautrötung an anderen Stellen |
J |
N |
| 4. |
Gelenk/Muskel-Schmerzen in den Füßen |
J |
N |
| 5. |
Schwellung an den Zehen, am Fußballen |
J |
N |
| 6. |
Schmerzen am Fußenkel |
J |
N |
| 7. |
Brennen in den Füßen |
J |
N |
| 8. |
Shin Splints (Schmerzen der vorderen Unterschenkelmuskulatur) |
J |
N |
| 9. |
Nicht erklärliches Fieber, Schwitzen, Frieren |
J |
N |
| 10. |
Nicht erklärliche Gewichtsveränderung (Verlust oder Zunahme) |
J |
N |
| 11. |
Erschöpfung, Müdigkeit |
J |
N |
| 12. |
Nicht erklärlicher Haarausfall |
J |
N |
| 13. |
Geschwollene Lympfknoten |
J |
N |
| 14. |
Halsschmerzen |
J |
N |
| 15. |
Schmerzen in den Hoden / den Leisten |
J |
N |
| 16. |
Nicht erklärliche Unregelmäßigkeit der Menstruation |
J |
N |
| 17. |
Nicht erklärliche Milch-Produktion (Lactation) |
J |
N |
| 18. |
Empfindliche Blase oder Blasen-Funktionsstörung |
J |
N |
| 19. |
Sexuelle Funktionsstörung oder Libido-Verlust |
J |
N |
| 20. |
Magenbeschwerden |
J |
N |
| 21. |
Veränderte Stuhlgewohnheiten (Verstopfung, Durchfall) |
J |
N |
| 22. |
Schmerzen des Brustkorbs oder Wundgefühl über den Rippen |
J |
N |
| 23. |
Kurzatmigkeit, Husten |
J |
N |
| 24. |
Herzklopfen, Herzstolpern, Block im Herzreizleitungssystem |
J |
N |
| 25. |
Gelenk-Schmerzen oder -Schwellung |
J |
N |
| 26. |
Steifheit der Gelenke, des Nackens oder des Rückens |
J |
N |
| 27. |
Muskel-Schmerzen oder -Krämpfe |
J |
N |
| 28. |
Zucken im Gesicht oder von anderen Muskeln |
J |
N |
| 29. |
Kopfschmerz |
J |
N |
| 30. |
Knacken oder Knarren im Nacken, Nacken-Steifheit |
J |
N |
| 31. |
Kitzeln, Taubheit, Brennen oder Stiche |
J |
N |
| 32. |
Gesichtslähmung (Bell's Palsy) |
J |
N |
| 33. |
Augen/Sehvermögen: Doppelsehen, Schleiersehen, Schmerzen, verstärkte Mouches Volantes (Mücken-Sehen) |
J |
N |
| 34. |
Ohren/Hören: Summen, Klingen, Ohrenschmerzen |
J |
N |
| 35. |
Schwindel, Gleichgewichtsstörung, verstärkte Reisekrankheit |
J |
N |
| 36. |
Benommenheit, Verwirrtheit, Schwierigkeit beim Laufen |
J |
N |
| 37. |
Zittern (tremor) |
J |
N |
| 38. |
Verwechslungen, Verwirrtheit, Schwierigkeiten beim Denken |
J |
N |
| 39. |
Schwierigkeiten beim Konzentrieren oder Lesen |
J |
N |
| 40. |
Vergeßlichkeit, schlechtes Kurzzeitgedächtnis |
J |
N |
| 41. |
Desorientiertheit: Verirren, Laufen zu falschen Orten |
J |
N |
| 42. |
Schwierigkeiten beim Sprechen |
J |
N |
| 43. |
Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Depressionen |
J |
N |
| 44. |
Gestörter Schlaf: zu viel, zu wenig, frühes Erwachen |
J |
N |
| 45. |
Verstärkte Symptome oder schlimmerer Kater nach Alkohol-Genuß |
J |
N |
| 46. |
Herzgeräusche (anamnestisch), Klappen-Prolaps in der Vergangenheit? |
J |
N |
Dr. John D.
Bleiweiss
April 1994
Dieses Essay ist sehr lang aber auch sehr umfassend in folgendem
Sinne: Leser, die Lyme-Symptome vermuten, sollten entweder einige der
Abschnitte als zutreffend identifizieren, oder aber, wenn nichts auf sie
zutrifft, mit ziemlicher Sicherheit die Möglichkeit von Lyme
ausschließen können. (Jeder Arzt, der sich in sorgfältiger
Behandlung von Lyme-Borreliose sachkundig machen will, tut gut daran, dieses
Essay zu lesen.)
Wegen der Länge des Essays könnten jene, die ein schnelleres
diagnostisches Hilfsmittel suchen, nach oben gehen und die
Checkliste durchgehen.
Inhalt
1. Beginn der Infektion
2. Überträger (Vektoren)
3. Geschichtliches zur Infektion
4. Fraglichkeit definierter Stadien
5. Einflußfaktoren
6. Tagesverlauf
7. Häufigste Differentialdiagnosen
8. Allgemeines Erscheinungsbild
9. Ermüdung
10. Fieber
11. Hautveränderungen
12. Lyme-Enzephalopathie
13. Neurologische Komplikationen
14. Immunsystem
15. Augen
16. Leber
17. Zysten
18. Blase, Nieren
19. Magen, Darm
20. Arthritis
21. Rheumatische Syndrome
22. Herz
23. Kalium- und Magnesium-Mangel, Bluthochdruck
24. Schilddrüse, Nebenniere, Diabetes
25. Geschlechtsspezifische Organe
26. Fuß und Arm, Muskeln
1. Beginn der Infektion
Traditionsgemäß wurde der Allgemeinheit geraten,
Lyme-Borreliose (LB) zu vermuten, wenn sich ein rundes oder ovales, sich
ausdehnendes Exanthem (Ausschlag, Rötung, Erythema, der Übers.)
der Haut 3 - 32 Tage nach einem Zeckenbiß entwickelt, verbunden mit
oder gefolgt von einer erkältungsähnlichen Erkrankung.
Diese eingeschränkte Beschreibung ist nur auf einige Fälle anwendbar.
- Die Exanthema (Rötungen, d. Übers.) in
Verbindung mit Lyme-Borreliose können eine Reihe von Formen annehmen, z.B.
- vesikulär (mit Bläschenbildung einhergehend, d. Übers.),
- urticarial (nesselauschlag-ähnlich, d. Übers.),
- ekzematoid oder
- atrophisch : (Akrodermatitis chronica atrophicans).
- Bei vielen Patienten überwiegen
- neurologische,
- herzbezogene,
- arthritische (arthron (griechisch) = Gelenk, d.
Übers.),
- kognitive (cognoscere (lateinisch) = erkennen, d.
Übers.) und/oder
- psychologische Komplikationen.
2. Überträger (Vektoren)
Es ist gut bekannt, daß Zecken und Lyme-Borreliose zusammenhängen. Trotzdem
können andere Vektoren (Übertrager) die Spirochäte (Borrelia
burgdorferi; Bb) in sich tragen, die Lyme-Borreliose erzeugt. Solche schließen ein
die
- "lone star" Zecke,
- Flöhe,
- Stechfliegen (z.B. die grün-köpfige Fliege)
- (und Stechmücken?).
- Ein Fall von vermuteter Übertragung durch Bluttransfusion ist von
Dr. Burrascano berichtet worden.
3. Geschichtliches zur Infektion
Der Nachweis von Bb mithilfe von PCR in zwei
Mäusen (einer Museums-Datenbank) aus dem Jahr 1894 (Massachussetts) und
in Zecken die während des Zweiten Weltkriegs eingesammelt wurden,
läßt uns mit großer Sicherheit einen Mechanismusses
ansetzen für mögliche lebenslange Exposition und Krankheit, auch
vor dem Jahr 1975, dem Jahr der Entdeckung von Lyme-Borreliose.
Zuweilen wird ein Patient die Symptome, die sich bei antibiotischer Therapie
als Lyme-Borreliose herausstellen, auf die frühe Kindheit datieren. Bevor die
Diagnose gestellt wurde, taten Patienten diese Symptome mit der Aussage ab:
"Diese Probleme hatte ich schon immer.", eine resignierte Charakterisierung
angesichts der Dauerhaftigkeit der Symptome. Diese Resignation geht davon
aus, daß die Krankheit nicht heilbar sei. Nachdem eine Therapie mit
Antibiotika gegen Lyme-Borreliose die lang anhaltenden Symptome auflöste, zeigte
sich, daß diese Ansicht irrtümlich war.
4. Fraglichkeit definierter Stadien
- Symptome der Lyme-Borreliose können
- innerhalb von Tagen nach der Inokulation mit Bb beginnen oder
- verspätet auftreten, das aber gewöhnlich innerhalb des ersten
bis vierten Monats.
- Bei Mäusen, in deren Bauchhöhle die Inokulation erfolgte,
konnte man bei Biopsie 12 Stunden
später Bb im Gehirn nachweisen, die Spitzenkonzentration lag bei 48
Stunden nach der Einimpfung (Lyme-Borreliosis 1990. Proceedings of the IV.
International Conference on Lyme-Borreliosis, Stockholm, Sweden, June
18-21, 1990).
- Dr. Luft hat veröffentlicht, daß er Bb mit PCR im Liquor von
Menschen entdeckt hat, zwei Wochen, nachdem
nicht-Zentralnervensystem-Symptome auftraten!
- (PCR = Polymerase-Kettenreaktion,
- zerebrospinaler Liquor (liquor
cerebrospinalis, CSF) = Gehirn -
Rückenmarkflüssigkeit,
- zerebro = das Hirn betreffend,
- spina = das Rückenmark betreffend,
d. Übers.)
Wenn Ausbreitung früh auftreten kann, dann ist eine Einteilung der
Krankheit in Stadien entsprechend dem augenblicklichen Bild der Symptome
vielleicht irrelevant.
- Abwesenheit von Symptomen, die auf ein bestimmtes Organsystem bezogen
sind, schließt nicht notwendigerweise aus, daß Bb sich in
diesem Organ befinden.
- Umgekehrt, weil Symptome möglicherweise durch chemische Vermittler
und Autoimmunreaktionen des Wirts hervorgebracht werden (gegen
nicht-lebensfähige, aber immunoreaktive DNA-Abschnitte), können
Organfehlfunktionen und entsprechende Begleitsymptome an Stellen erscheinen,
wo die Spirochäten noch nicht hingekommen sind.
Die daraus folgenden diagnostischen und therapeutischen Probleme sollten auf
der Hand liegen.
Wegen der schnellen Ausbreitung der Bb können Komplikationen, z.B.
Meningitis, prompt auftreten. Es gibt keinen absolut vorhersagbaren
klinischen Ablauf für Lyme-Borreliose.
- Die erkältungsähnlichen Symptome können beim ersten
Erscheinungsbild fehlen und andauern, nachdem sich die Krankheit eingerichtet
hat.
- Herz- und neurologische Komplikationen kann man irgendwann innerhalb der
ersten 3 Monate beobachten, nachdem man sich mikrobiologisch die Krankheit
zugezogen hat.
- Arthritis (d.h. Gelenkentzündung, im
Gegensatz zu Gelenkschmerzen) kann den anfänglichen Verlauf ebenso
begleiten, öfter aber entwickelt sie sich später zwischen dem 2.
und 6. Monat nach der Okulation (Einführung der Bakterien,
d. Übers.).
- Zu Beginn können die Beschwerden nicht nur fein und breitgestreut
sein, sondern sich ein Jahr und mehr verzögern.
- Eine meiner Patientinnen leugnete alle Lyme-Borreliose-bezogenen Symptome, bis ihr
Ehegatte starb, wonach -beginnen mit diesem Tag- eine Fülle von
Beschwerden über ihr Leben hereinbrach.
- Ein anderer hatte einen jährlichen Ausbruch (flare) der Lyme-Borreliose als
Teil einer jährlichen Reaktion, die um den Todestag seiner Mutter
herum eintrat.
Darüberhinaus stellen die folgenden Muster die Extreme eines klinischen
Kontinuums dar, zwischen denen viele Variationen über das Thema liegen,
von der milden bis zur schweren Krankheit.
- Die Symptom-Frühkonstellation hat vielleicht nur wenige
eindimensionale Erscheinungsformen: der Beginn von isolierten Problemen wie
Höhenkrankheit (Schwindel) oder wiederkehrende Infektionen der oberen
Atemwege. Während mit der Zeit die unbehandelte Lyme-Borreliose den Körper
durchdringt, entwickeln sich die Symptome zum ausgewachsenen klinischen
Bild, bis das Vielsystem-Erscheinungsbild entstanden ist.
- In anderen Patienten kann sich der vielfältige Systemkomplex nach
Art einer Lawine entwickeln.
Weil sich kein pathognomes (eindeutig und spezifisch auf die Krankheit
hindeutendes, d. Übers.) Bild entwickelt, ergibt sich soviel klinische
Verwirrung, daß eine gezielte Diagnose problematisch wird. Daher
muß man der Vermutung einen hohen Stellenwert geben. Wenn ein Kliniker
seine vorgefaßten Auffassungen über die ersten Anzeichen von Lyme-Borreliose
nicht in Einklang bringen kann mit der Krankheitsgeschichte eines Patienten
und seinem körperlichen Befund, dann tut er dem Patienten keinen
Gefallen, und er widerruft seine beruflichen Auflagen, wenn er vermessen
schließt, daß die Symptome von psychosomatischer Art sind oder
der Patient sie vortäuscht!
5. Einflußfaktoren
Vorhergehende oder begleitende Faktoren, die Symptome und körperliche
Veränderungen (de novo) hervorrufen oder bestehende Problem
verschlimmern können, kann man in aufmerksamer Befragung von
Lyme-Borreliose-Patienten zuverlässig herausfinden.
- Weibliche Patienten erfahren eine Erschwerung ihrer Lyme-Borreliose-Symptome
- vor oder während ihrer Menstruation,
- in ihrer Schwangerschaft und
- in Begleitung von oralen empfängnisverhütenden Hormonen.
- Viele Patienten erfahren eine Verstärkung oder ein Wiederauftreten
ihrer Symptome
- bei körperlichem und emotionalem Streß,
- wenn ihres Schlafs beraubt,
- nach Sport,
- bei einem heißen Bad,
- nach Alkoholgenuß,
- beim Fasten (bei Hypoglykämie,
(Blutzucker-Unterversorgung, d. Übers.)) oder
- bei Flüssigkeitsmangel.
- Gelenkschmerzen, Ermüdung, Enzephalopathie
(nicht-endzündliche Hirnveränderung, d. Übers.) oder
Kopfschmerz können hervorgerufen werden durch
- Feuchtigkeit,
- niedrigen Luftdruck,
- kaltes oder regnerisches Wetter.
- Kalte Zugluft kann
- das Auftreten von Schmerz an der exponierten Haut und
dem darunterliegenden Knochen heraufbeschwören,
- oder sogar eine VII. Hirnnervenlähmung (Bell's Palsy).
Patienten mit schlechter Kontrolle der Symptome hassen extreme
Umgebungstemperaturen. Typischerweise zeigt sich Unverträglichkeit von
Hitze in
- Nervosität,
- Kopfschmerz,
- übermäßigem Schwitzen oder
- Schlaflosigkeit.
- Lichtempfindlichkeit kann die Neigung zur Schläfrigkeit
verstärken, wie sie beim Fahren eines Fahrzeugs auftritt.
- Beträchtliches Kopf-Trauma hat schon schwere Symptome hervorgerufen,
die sich später bei einer Antibiotika-Therapie gegen Lyme-Borreliose auflösten.
- Eine plötzliche Beschleunigung von Enzephalopathie (siehe
unten), Kopfschmerz und Benommenheit, die
als denkbares postkommotionelles Syndrom aufgefaßt wurden, können
durch ein Kopf-Trauma hervorgerufen werden. Diagnostische Ungenauigkeit wird
auf ein Minimum reduziert, wenn man nicht einfach alle Probleme im Gefolge
eines Kopf-Traumas auf die offensichtlichsten Ursachen zurückführt.
- Ich rate gewöhnlich meinen Patienten mit Lyme-Borreliose
- Zigaretten,
- Alkohol und
- Steroide zu meiden, weil sie häufig
therapeutisch ungeeignet sind und die Genesung unnötigerweise
hinausgeschoben haben (Dattwyler, RJ, Lancet 1:687, 1987 -zum Gebrauch von
Steroiden). Patienten haben klinische Verschlechterung beschrieben, wenn
Steroide zufällig oder mit Absicht angewandt wurden, wenn keine
Nebennieren-Insuffizienz vorlag. Eine andere Gefahr bei symptommilderndem
Steroid-Einsatz ist, daß man einige Symptome verdeckt, und das macht
das klinische Bild schlechter deutbar. Im privaten Gespräch erzählte
ein Arzt, daß einer seiner Lyme-Borreliose-Patienten an einer tödlichen
Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) verstarb, nachdem er Steroide
verabreicht bekommen hatte.
- Eine hilfreiche Warnung ist: Vermeiden Sie elektrische Heizdecken oder
Wasserbetten bei angeschaltetem Strom, sonst könnten Sie mit einem oder
mehreren Lyme-Borreliose-Symptomen aufwachen. Allergische oder chemische
Überempfindlichkeiten können Symptome verstärken oder die
Ursache dafür sein, daß zeitweilig Symptome auftreten.
6. Tagesverlauf
Symptome verändern sich ganz regelmäßig und immer wieder
während des Tages.
- Beim Aufstehen des Morgens werden oft Gelenk-Steifheit und "Nebel im
Gehirn" berichtet (aber nicht nur am Morgen).
- Erschöpfung wird durch Schlaf nicht beseitigt oder entwickelt sich
zwischen Mittag und 4 Uhr nachmittags, wonach ein kurzer Erhohlungsschlaf
Erfrischung bringt.
- "Der-Verrückte-Syndrom" (explosive Nervosität) tritt dann
vielleicht gegen Ende einer anstrengenden Arbeitszeit auf oder auch
spät am Abend. Ein "ärgerliches Gesicht" kann eine drohende
Detonation ankündigen.
7. Häufigste Differentialdiagnosen
Vor einer angemessenen Diagnose, so berichten Patienten gewöhnlich,
seien ihnen meist die folgenden Diagnosen gestellt worden:
- Chronisches Erschöpfungssyndrom,
- Multiple Sklerose,
- Fibromyalgie (Fibro- = Bindegewebe-,
Myalgie = Muskelschmerz, d. Übers.),
- Lupus,
- Candidiasis (siehe auch
Behandlungshinweise
http://cassia.org/candida.html),
- chronische Mononukleose,
- Hypoglykämie (Blutzuckermangel,
d. Übers.) und
- streßbezogene Erkrankung.
Wenn von 1. - 8. etwas in der Liste der Differentialdiagnosen erscheint,
sollte Lyme-Borreliose in Betracht gezogen werden.
8. Allgemeines Erscheinungsbild
Bei oberflächlicher Untersuchung erscheinen viele Patienten mit
Lyme-Borreliose täuschend gesund, fühlen sich aber in Wirklichkeit
schrecklich. Lassen Sie sich also nicht täuschen!
- Die Erscheinung eines Lyme-Patienten reicht von phlegmatisch,
kränklich, mit abwesendem Blick, bis zu ruheloser Angst und Hyperkinetik
(siehe auch hyper).
- Ihre mündlichen und schriftlichen Äußerungen variieren
in ähnlicher Weise zwischen unverständlich bis zu weitschweifig
und umständlich.
- Geschwinds Syndrom schließt einige Typen der
Lyme-Boreliose-Enzephalopathie genau ein (Textbook of Internal Medicine,
Kelly (ed.), 1989, Seite 2509).
- Von einigen Patienten wurde berichtet, daß Stottern mit dem Beginn
der Lyme-Borreliose einsetzte und oft wieder zum Verschwinden gebracht werden kann.
9. Ermüdung
Patienten berichten sehr häufig von Ermüdung, die von mild zu bis
zum Zusammenbruch schwächend reicht.
- Gewöhnlich findet sich ein Verlust an Interesse und Initiative, so
daß Herumhängen zur Gewohnheit wird. Das kommt nicht von Faulheit,
sondern von Desinteresse. Versuche, Hobbies oder beruflichen
Beschäftigungen nachzugehen, werden häufig unterbunden durch die
Erschöpfung infolge von Lyme oder durch Enzephalopathie.
- Es gibt eine Tendenz, kurze Schlafpausen einzulegen, keinen erfrischenden
Schlaf, und zu Hypersomnolenz (übermäßige
Schläfrigkeit) bei unpassenden Momenten, z.B. im Klassenzimmer,
Hörsaal oder während einer Lieblingsaktivität.
- Ganze Tage zu verschlafen, ist nicht unbekannt.
- Paradoxerweise empfinden Patienten oft zur gewöhnlichen
Schlafenszeit Schlaflosigkeit oder häufiges Aufwachen.
- Schlaf gewährt nicht immer die Ruhepause, weil wilde oder lebhafte
Albträume auftreten können. Schrecken in der Nacht während
der Kindheit können auf Lyme-Borreliose beruhen oder auf einfacheren,
prosaischeren Ursachen.
10. Fieber
Zwischenzeitliche Fieberanfälle reichen von geringfügig bis zu
40.3 C. Der typische Zusammenhang, in dem Fieber auftritt, ist die erste
Woche der Antibiotika-Therapie, besonders wenn mehrere wirksame Substanzen
und/oder intravenöse Mittel angewandt werden. Fieber ist das typische
Zeichen der klassischen Jarisch-Herxheimer-Reaktion (J-H), aber ihr Bild
wechselt. Verglichen mit den meisten Anlässen von hohem Fieber kann der
Patient am besten aussehen und - mit einer relativ nicht-toxischen
Erscheinung - sich auch so während oder kurz nach dem Fieber
fühlen. Dies kann manchmal bei der Diagnose helfen. Die
Differentialdiagnose bei Fieberanfall von Kindern sollte Lyme-Borreliose
einschließen. Viele Lyme-Borreliose-Patienten haben normalerweise Untertemperaturen,
sodaß - analog zu Diabetes - das Auftreten einer Temperatur von 37 Grad
C kompatibel mit einem schwachen Fieber ist.
11. Hautveränderungen
- Sehr oft zeigen Ohrmuschel und Ohrläppchen Schattierungen von Rot.
- Weniger häufig kann eine ähnliche Rötung auf Händen
oder Gegenden der oberen Wangen beobachtet werden.
- Ein Ausschlag auf den Wangen ist kein Erkennungsmerkmal für
Lupus, wenn SLE (systemischer Lupus erythematodes, d.
Übers.) tatsächlich verschieden von Lyme-Borreliose ist (Abstract 55A, V. Lyme
Disease Symposium).
- Man vermutet, daß "Fifth Disease" (slapped face, wörtlich:
geohrfeigtes Gesicht, d. Übers.) auf Lyme-Borreliose beruht.
- Lymphozytom der Ohrläppchen wurde öfter in Europa angetroffen.
- Kalte Hände und Füße sogar in warmer Umgebung tritt auf,
und einige Patienten haben Raynaud's Phänomen. Möglicherweise
tragen
- übermäßige Konzentrationen von
gefäßverengenden Hormonen,
- Magnesium- und Natrium-Mangel,
- limbische oder Hypothalamus-Fehlfunktion wegen einer Infektion des
Zentralnervensystems,
- örtliche Entzündung des kapillaren Sphinkter oder
- Hypothyroidismus (Unterfunktion der Schilddrüse, d. Übers.)
zu dieser Gefäßverengung bei.
- Ekzema und Psoriasis können in Verbindung mit Lyme-Borreliose
auftreten. Eine Lyme-Borreliose-Patientin hatte generalisierte Psoriasis,
die 40 % ihres Körpers bedeckte. Antibiotika gegen Lyme-Borreliose
befreiten sie vollständig von ihren Symptomen.
(generalisiert = auf den ganzen Körper
ausgebreitet, d. Übers.)
Veränderungen der Empfindungen der Haut sind sehr verbreitet.
- Meist findet sich Taubheit und Kitzeln (Parästhesien,
Fehlempfindungen, d. Übers.)
- im Zentrum des Gesichts,
- in den Fingerspitzen,
- der Kopfhaut und
- den Extremitäten.
- Muskel-Zucken tritt gewöhnlich in den Augenlidern und
Extremitäten auf.
- Zittern (Tremor), myoklonisches Zucken der gesamten Extremitäten
oder Schütteln des Rumpfes können Pseudo-Anfälle nahelegen,
sind aber einer Neuritis zuzuordnen.
- Patienten berichten auch von elektrischen Schlägen,
Fehlempfindungen (abnorme Empfindungsantworten auf Reize), schmerzender oder
juckender Haut und Erröten.
- Außerordentliches Schwitzen bei Anstrengungen oder auch sonst kann
berichtet werden, auch wenn kein Hyperthyroidismus vorliegt (Bedeutung von
hyper). Einer meiner Patienten hatte 27 Jahre lang Anhydrosis
(Unfähigkeit zu Schwitzen), bis Antibiotika verabreicht wurden.
12. Lyme-Enzephalopathie
Benommenheit, Gleichgewichtsstörung und Ungeschicklichkeit können
frustrierend werden, wenn Patienten Gegenstände fallen lassen oder sie
umstoßen, oft stolpern, gegen die Wand laufen, wenn sie um die Ecke
biegen, und eine nachlässige und langsamere Handschrift entwickeln.
Viele benutzen den Satz "Eine Schwingung in meinem Kopf". Andere merken an,
daß sie sich "vergiftet" fühlen. Zusammen mit "Nebel im Kopf"
bezeugen diese Redewendungen Lyme-Borreliose, bis auf einen Gegenbeweis.
Letztendlich beschwert sich die Mehrzahl, nicht alle, über eines oder
mehrere von Folgenden:
- "Nebel im Kopf",
- Vergeßlichkeit,
- Angst,
- Stimmungsschwankungen,
- Verlust an Unternehmungsgeist,
- Depressionen,
- Beeinträchtigung der Konzentration,
- Unaufmerksamkeit,
- leichte Verwirrbarkeit oder Disorientierung bei geistigen Aufgaben,
Beim Ordnen oder Einprägen von sogar geringen Informationsmengen
weichen die Patienten auf schriftliche Notizen aus. Diese Probleme, und
die weiter unten beschriebenen, stellen die zentralen Erscheinungsformen
der Lyme-Enzephalopathie dar.
12.1. Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses
Diese Beeinträchtigung führt bei Patienten dazu, daß sie
vergessen, was sie gerade sagen wollten, warum sie in ein Zimmer kamen, wo
sie Gegenstände hingelegt haben, den Inhalt des vorherigen Satzes oder
eines Stückes, Kalenderdaten, ihren Zeitplan, Namen und Gesichter von
Bekannten, sogar Familienmitgliedern.
- Kognitive Beeinträchtigung brachte einen
Patienten dazu, im Zimmer umherzulaufen auf der Suche nach dem Zimmer, wo er
seinen Bleistift gelassen hatte, den er aber tatsächlich zwischen die
Zähne geklemmt hatte.
- Eine Mutter ließ auf dem Weg nach Hause ihren Kinderwagen auf dem
Parkplatz meiner Praxis stehen.
- Andere vergaßen die Schreibung von sogar einfachen Worten, hatten
das Lesen verlernt oder mußten immer wieder von Neuem lesen, wobei sie
verschieden viel aufnahmen.
- Ein Patient fuhr nach Philadelphia anstatt nach Princeton, weil die
gleichen Anfangsbuchstaben ihn verwirrt hatten.
- Nach dem Einkaufen legte eine andere Patientin ihre Schuhe in den
Kühlschrank und die Nahrungsmittel in den Schuhschrank.
- Lyme-Patienten können sich auf dem Weg nach Hause oder zur Arbeit
verirren, weil sie an sonst bekannten Ausfahrten vorbeifahren oder weil sie
einfach vergessen, wo in Raum und Zeit sie sind und wie sie dahin kamen. Das
ist als topographische Fehlorientierung oder Umgebungsagnosis bekannt.
- Elementare mathematische Problem können unüberwindbar werden,
und Rechenfehler sind üblich.
- Die Reihenfolge im Abarbeiten von Aufgaben ist bei Lyme-Borreliose gestört.
- Lyme-Patienten neigen dazu, 2 - 3 mal schnell zu sagen "Warte mal", wenn
ihre einzige Aufgabe das Aufschreiben einer Telefonnummer ist. Das spricht
auch für Perseveration (das krankhafte Hängenbleiben an einer
einmal eingeschlagenen Vorstellungsrichtung).
12.2. Unaufmerksamkeit
Unaufmerksamkeit charakterisiert häufig die Art, wie Patienten zur
Welt stehen.
- Einige Patienten nehmen passiv teil, unfähig mit den üblichen
Formen des sozialen und geistigen Austauschs zu beginnen oder ihn
weiterzuführen.
- Mündliche oder schriftliche Ausdrucksformen sind typisch von Lyme
eingefärbt. Der Inhalt zeigt Fehlorganisation, eine Unfähigkeit
dem Gedankengang zu folgen, und es gibt eine Neigung, sich mehr und mehr in
Einzelheiten zu verlieren, was weitere Verwirrung im Wald der Details
hervorbringt.
- Allgegenwärtig in den Millionen von
kognitiven Fehlern sind häufige Irrtümer
bei der Wortwahl oder Aussprache und die fortwährenden Wort- und
Zahlendreher.
Konzentration. auf eine Aufgabe kann schwierig werden, weil die
Aufmerksamkeitsspanne verkürzt ist.
- Während mehr und mehr Informationen verarbeitet werden müssen,
verirrt sich der Lyme-Patient entsprechend mehr, wird disorientiert,
frustriert, ermüdet und muß schließlich die geistige
Aktivität abbrechen.
- Das Bestreben, Projekte oder sozialen Austausch zu beginnen, ist
häufig geschwächt, wenn es nicht gänzlich fehlt. So ist ein
Leistungsabfall im akademischen und beruflichen Bereich eine häufige
Auswirkung von Lyme-Borreliose bei Kindern und Erwachsenen.
Miklossy (NeuroReport 4:841-848, 1993) berichtete die
Entdeckung von Bb Spirochäten in der Dunkelfeld-Mikroskopie von
post-mortem Gehirn-Biopsien an ALZHEIMER - PATIENTEN! Kulturen von
zerebrospinalen Liquor (CSF) und Blut entwickelten Bb in
diesen Fällen.
Aus meiner Sicht sollte ein Kind, das auf das Aprosexia -
Hyperaktivitätssyndrom (ADH) (Aufmerksamkeitdefizit und
Hyperaktivität, d. Übers.) oder neurologische
Wahrnehmungsbeeinträchtigung diagnostiziert wurde, nach
Lyme-Borreliose ausgewertet werden.
- Bei einem 16-jährigen Jungen, dessen Tourette-Syndrom im Alter von
5 Jahren begonnen hatte, hatte man OspA-Antigen (Outer Surface Protein A,
31KD-Banden, d. Übers.) im CSF gefunden. Behandlung auf Lyme-Borreliose
beseitigte die Tourette-Manifestationen.
- Ein anderer meiner Patienten mit ADH war seropositiv, d.h. er hatte
IgM-Lyme-Antikörper im Serum. Die Anzeichen von ADH wurden mit
Antibiotika zum Verschwinden gebracht.
Die Unterscheidung zwischen Verursachung und reiner Verschlimmerung von ADH
oder Tourette durch Lyme ist müßig, und daher schlage ich eine
Untersuchung nach Lyme bei diesen Patienten vor.
In Parenthese: Der Junge mit Tourette hatte auch eine
kognitive Störung, gewöhnliche Nephritis
mit früher Niereninsuffizienz und "Obsessive Compulsive Disorder"
(OCD). Diese klinischen Eigenschaften gingen mit Antibiotika zurück!
- Die dominante Enzephalopathie eines Grundstücksmaklers löste
sich mit einer Lyme-Borreliose-Behandlung auf, wonach sein
Geschäftsumsatz auf Rekordhöhe sprang und er zahlreiche
Geschäftsauszeichnungen bekam. Die Vorteile (benefits, das Wort hat
auch einen finanziellen Klang, der Übers.) des Stopps seiner
Lyme-Borreliose sind für ihn ganz offensichtlich.
12.3. Persönlichkeitveränderungen
Persönlichkeitveränderungen findet man fast überall bei
Lyme-Enzephalopathie, mit typischer, offen gezeigter emotionaler
Ungezwungenheit.
- Für gewöhnlich gibt es eine allem unterliegende wechselnde
Irritierbarkeit.
- Schon auf ein mildes Maß an Streß reagieren Patienten mit
Lyme-Borreliose-Enzephalopathie überproportional mit Frustration,
Ärger oder Weinkrämpfen.
- Emotionen können Geschwindigkeiten (escape velocities) erreichen,
die zum Abheben ausreichen (escape velocity ist die Geschwindigkeit, die ein
Gegenstand haben muß, um aus dem Schwerefeld der Erde zu entkommen, d.
Übers.), und Wutanfälle können vulkanartigen Charakter
annehmen, mit einer Stärke, die sich jeder Willenskontrolle entzieht.
- Eine unangenehme Erscheinung ist wegen ihrer Stimmungsschwankungen
unvermeidlich und wegen ihrer superkritischen Dispositionen und Ungeduld mit
sich und anderen.
- Lyme-Patienten können leicht durch jemanden verärgert werden,
der einfach in denselben Raum kommt, ohne Herstellung von Augenkontakt oder
Austausch von Worten.
- Wenn unerwartete Umstände auftreten, zeigt sich in nicht wenigen
Fällen, wie niedrig die Schwelle zur Erbitterung ist. So antworten
Eltern auf die Bedürfnisse eines Kindes mit Ärger und Frustration.
Täter mit dem "Shaken Baby Syndrom" berichten einen
Gefühlsausbruch, der von dem eines Lyme-Patienten mit außer
Kontrolle geratener Enzephalopathie ununterscheidbar ist.
- Viele äußern morbide Furcht vor verborgener Krankheit,
bevorstehendem Tod und können allgemein pessimistisch oder
rührselig sein.
- Einige entwickeln verwickelte paranoide Theorien über
Verschwörungen gegen sie.
- Lyme-Patienten neigen oft zu starker Sentimentalität.
- Übersteigertes, verstiegenes Denken findet seinen Ausdruck in
Eigensinn, Selbstgerechtigkeit, Streitsucht, Sprechen in absoluten
Wahrheiten (categoricals) und mit unangemessenem sowie untypischem
vulgären Ausdruck.
- Internalisierte Ängstlichkeit führt zum Gefühl der Eile,
auch ohne einen Termin, oder der Unfähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn es
keinen Grund zur Unruhe gibt. Panik-Anfälle sind das Extrem dieses
Angstzustands und sollten Lyme vermuten lassen. Ich vermute, daß
zusätzlich zur Infektion des limbischen Systems im Zentralnervensystem
diese Erscheinungen auch die Folge von
- erhöhten Adrenalin-Niveaus,
- Mg++-Mangel oder
- Hypoglykämie (Blutzuckermangel) sein könnten (Wortbedeutung von
hypo).
- Zuweilen gibt ein Lyme-Patient Agoraphobie (Furcht vor
Menschenansammlungen, d. Übers.) und Klaustophobie (Furcht vor
geschlossenen Räumen, d. Übers.) zu.
- Niedergeschlagenheit wechselt mit Besorgnis. Das ist üblich in
Lyme-Borreliose. Psychiater sollten einen deprimierten Patienten
routinemäßig auf Lyme-Borreliose evaluieren, bevor oder wenn er
mit Psychopharmaka beginnt. Ein Patient mit Lyme-Borreliose mag einen
rationalen Grund (nicht Lyme-Borreliose, der Übers.) für seine
Niedergeschlagenheit angeben. Manchmal steht der aber im Widerspruch zu den
Umständen: (1) seine emotionale Antwort paßt nicht zu seiner
üblichen Form der Auseinandersetzung mit Problemen, und (2) schwindet
oder bessert sich die Depression, während man die
Lyme-Borreliose-Infektion unter Kontrolle bringt. Es ist typisch, daß
Lyme - Enzephalopathie ein ansonsten reifes und funktionierendes
Gefühlsrepertoire korrumpiert.
Mit dem Verlust der bewußt und unterbewußt korrigierenden
Kontrolle der Gefühle und Ausdrucksweisen in Wort oder Verhalten macht
ein Patient mit Enzephalopathie den Gesamteindruck, sprunghaft und
unangemessen zu sein, wenn nicht gar falsch zu handeln.
- Schicksalsglaube ist in Übereinstimmung mit dem Stil bei Lyme-Borreliose.
- Weniger häufig wurden angetroffen und berichtet:
- Wahn,
- besessene Zwanghaftigkeit,
- schizo-affektive Störungen und
- Selbst/Mord-Gedankenspiele.
- Jugendliche Hormon-Ausbrüche und Gefühlsdurcheinander durch
Lyme-Borreliose tarnen und steigern einander gegenseitig. So neigen Kinder
dazu, unartig, schwer zu erfreuen und anfällig für untypische
Gefühlsantworten zu sein. Ein Kind, das sich in der Schule nicht gut
aufführt, sollte nicht als "unerzogen" abgetan werden.
Lyme kann Auslöser für unangemessenes Verhalten und Widerrede sein.
- Viele Patienten erkennen im Rückblick, daß sie außer
Kontrolle waren, aber dennoch nicht in der Lage, ihr Verhalten abzustellen.
Falsche Ursachenzuweisung ist bei diesen Verhaltensstörungen die Regel.
- Unnormale Persönlichkeitszüge können sich allmählich
entwickeln oder aber an Ereignisse gebunden, was die medizinische
Krankheitsursache weiter verdunkelt. Wenn das Verhalten akut vom normalen
abweicht, kann das uns dazu dienen, die Anomalität (deutlich) zu
erkennen und zu empfehlen, sich mit der Sache zu befassen.
So erinnern Lyme-Patienten mit Bitterkeit ihr fehlgesteuertes Verhalten und
geistige Unfähigkeit, wenn sie am Ende erkennen, wie ihre Beziehungen
zu anderen, ihr Verhalten in Schule / Universität und Beruf negativ
beeinflußt waren.
12.4. Gemeinsamkeiten mit dem Chronischen
Ermüdungssyndrom(CFS)
Im klinischen Bild gibt es beträchtlichen Überlapp zwischen Lyme-Borreliose und
Chronischem Ermüdungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrom, CFS).
Limbische Enzephalopathie umfaßt in eleganter Weise die vorher
erwähnten Beobachtungen bei Lyme Enzepalopathie. Sie ist ein
möglicher Mechanismus, der meinen Hinweis erklären kann, daß
Lyme-Borreliose verantwortlich sein kann für anorexia nervosa /
bulimia.
- Anorexie ist in früheren Studien zur Lyme-Borreliose dokumentiert worden.
- Unzinatus-Anfälle (Anfälle mit Auslösung im vorderen
Temporallappenbereich, sind gekennzeichnet im allgemeinen (nicht unbedingt)
durch elementare oder komplexe (illusionäre oder halluzinatorische)
Geruchssymptome, die isoliert oder mit Bewußtseinseinschränkungen
auftreten, d. Übers.), charakterisiert durch Hypersexualität
(Bedeutung von hyper), Anfälle von Raserei (rage stages) und
Vulgarität (vulgarity), stehen im Einklang mit Lyme-Borreliose.
Tatsächlich wären fehlende Hemmungen, das Lösen der
gewöhnlichen Bremsen für das Verhalten, Teil von limbischer
Fehlfunktion.
12.5. Reversible und dauerhafte Gehirnstörungen
Lyme-Borreliose könnte reversible Störungen in der
Gehirn-Physiologie verursachen, und zwar durch
- zytokine Vermittler,
- direkte Infektion, z.B. Enzephalitis und Perivaskulitis,
- Demyelinisierung,
- metabolische Aberrationen innerhalb des Zentralnervensystems, wie lokale
Blut-Unterversorgung, veränderte Fließcharakteristiken des Bluts,
- intra zelluläre Azidose (Störung des Säure - Base -
Gleichgewichts zugunsten der sauren Valenzen, d. Übers.) und
- die Abreicherung an ATP.
Dauerhafte Veränderungen .können
- Demyelinisierung oder
- Verlust von Neuronen mit Atrophie-Folge
einschließen.
13. Neurologische Komplikationen
In früheren Berichten wurde gesagt, daß neurologische
Kompliktionen in 20% der Lyme-Borreliose-Fälle aufträten. Nach meiner
Erfahrung - und wie von Dr. Logigian veröffentlicht - haben 90 % der
Patienten eines oder mehrere der folgenden Leiden:
- Enzephalopathie,
- kraniale (Hirn-) Neuritis oder
- psychiatrische Veränderungen.
Im Anfangsverlauf der Lyme-Borreliose könnten diese Probleme fehlen oder stumm sein,
aber schließlich hereinbrechen und vorwiegende Aspekte der Lyme-Borreliose werden.
13.1. Gemeinsamkeit mit Multipler Sklerose (MS)
Viele Patienten bekommen gesagt, sie hätten Multiple Sklerose
- wegen der Befunde in den Hirn-MRI's (Magnetic Resonance Imaging,
Kernresonanz-Abbildung, d. Übers.) oder
- weil der zerebrospinale Liquor
- oligoklonale Banden (OCB) oder
- Myelin basiertes Protein (MBP)
zeigt.
Dem steht entgegen:
- Die medizinische Literatur stellt mit ziemlichem Nachdruck fest,
daß die MRI nicht zuverlässig unterscheidet zwischen MS und Lyme-Borreliose,
weil zuviel Überlapp besteht zwischen dem vermuteten unterschiedlichen
Aussehen und Ort von Plaques bei MS und Lyme-Borreliose. Bei beiden Störungen wurden
Plaques im Gehirn und Rückenmark entdeckt.
- OCB's und MBP sind nicht-spezifische Marker für Demyelinisierung
(Verlust der die Nerven umhüllenden Schicht).
- In der oben erwähnten Studie von Miklossy
nahmen senile Plaques lebhaft die Einfärbung für
Bb-Spirochäten an.
- Vincent Marshall stellte das Ergebnis seiner Literaturdurchsicht in
Medical Hypothesis (Vol. 25: 89-92, 1988) vor und tritt für die Idee
ein, daß LD MS erzeugt! Seine Übersicht offenbarte, daß vor
1951 mehrfach Studien Spirochäten im Liquor von
MS-Patienten vorführen konnten (durch Impfung von Tieren und auf
Silber-Färbung von Gewebe des Zentralnervensystems).
- Dr. Coyle hat die Anwesenheit von Antikörpern gegen Bb bei
MS-Patienten dokumentiert (Neurology Vol. 39:760-763, 1989).
- Die MS zugeordnete Enzephalopathie erinnert sehr an Lyme-Borreliose. MS und Lyme-Borreliose gehen
mit Sinusitis einher (Lancet, 1986). Dr. Liegner hat einen Fall von Lyme-Borreliose
berichtet, der alle Kriterien von MS erfüllte.
- Die Epidemiologie von MS und ihre geographische Verteilung verläuft
parallel der von Lyme-Borreliose.
- Die Symptome von beiden können verschlimmert werden, wenn der
Patient ein heißes Bad nimmt. Als anekdotische Anmerkung: Patienten
mit Lyme-Borreliose, bei denen vorher MS identifiziert worden war, antworteten auf
Antibiose.
13.1. Gemeinsamkeiten mit weiteren neuronalen Erkrankungen
Es ist dokumentiert, daß Lyme-Borreliose
- Schlaganfälle,
- Lähmung,
- vielfache Formen von anderen Anfällen,
- vorübergehende oder dauerhafte Erblindung,
- Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen,
- motorische- und/oder sensorische Neuropathien,
- Mono neuritis multiplex,
- Schmerzen entsprechend der Radikuloneuritis,
- Meningitis und Enzephalitis
hervorruft. Lyme-Borreliose ist in Verbindung zu Lou Gehrig's Krankleit und zum
Guillain-Barre-Syndrom gebracht worden.
Neuerliche Berichte legen nahe, daß das Spektrum der neurologischen
Lyme-Borreliose in Europa dem in den USA ähnelt (Jacqueline, MS; Surv.
Opthalmol. 35:191-204, 1990), was der Behauptung widerspricht, daß
europäische Lyme-Borreliose-Forschung irrelevant ist für Lyme-Borreliose in den USA.
Die häufiger bemerkten neurologischen Defekte betreffen einen oder
mehrere Gehirnnerven (I. bis XII.),
- sehr häufig bei meinen Patienten
- die sensorischen Anteile des nervus trigeminus (V.) und
- die motorischen Komponenten des nervus facialis (VII.).
- In absteigender Reihenfolge werden Defizite bei der Schmerzempfindung
in V2., V3., und V1. gefunden.
- V2. Neuritis macht sich in Form von Parästhesien
(Fehlempfindungen unter der Haut, "Kribbeln", d. Übers.) oder Dumpfheit
im zentralen Gesicht und den Wangen bemerkbar.
- Gaumen- und Zahnschmerzen können eine weitere Manifestation der
trigeminus neuritis sein. Man schließe Zahn-Abszeß oder Sinusitis
aus, die mit ähnlichen Zahnschmerzen auftreten.
Die häufigste Hirnneuritis, die ich sehe, ist die des
VII. Nervs. Abnormalitäten dieses Nervs können
verschiedene Formen annehmen.
Nebenbei bemerkt:
- Hyperacusis (Geräusch-Empfindlichkeit) kann eine Form der
VII.-Neuritis sein.
- Geruchsneuritis (I.) wird begleitet von dysosmia (ungewöhnliche
Gerüche).
- Neuritis der II., IV. und VI. Hirnnerven zeigt sich als Doppelsehen.
- Wenn der VIII. Nerv betroffen ist, kann das Resultat Vertigo
(Höhenangst) und Hörbeeinträchtigung sein.
- Ich habe wenigstens zwei Fälle von Menier's Krankheit gehabt, die
auf Behandlung gegen Lyme-Borreliose ansprachen.
- Dysphagia (Schluckbeschwerden) können zusammen mit X.-Neuritis
auftreten, aber nicht in jedem Fall. Öfter empfindet man nach meiner
Erfahrung eine schiefe Uvula (Zäpfchen) oder einen weichen Gaumen.
- Dysphonia (veränderte Stimme) kann mit X.- Neuritis vorkommen,
wenn die Bahnen beeinträchtigt sind, die die Larynx (Kehlkopf, d.
Übers.) versorgen. Wiederkehrende Larynx-Nervenlähmung wurde bei
Lyme-Borreliose beobachtet (Schroeter, V. et al. Lancet 2:1245, 1988).
- IX.- Neuritis (Glossopharyngeus) kann einseitige Halsschmerzen bewirken,
wie drei meiner Patienten berichteten.
- XI.- Neuritis (spinalaccessory) zeigt sich als Schwäche des musculus
trapezius oder musculus sternocleidomastoidus, was zu einer
herabhängenden Schulter bzw. Schwäche beim Kopfdrehen gegen einen
Widerstand führt. Man verwechsele dies nicht mit einseitiger Dystonie,
wo der betroffene Schultergürtel erhöht ist bei erhaltener
Bewegungsstärke auf beiden Seiten.
- Hypoglossale, XII.- Neuritis kann einhergehen mit einer Abweichung der
Zunge (heaped up tongue) zur nicht beeinträchtigten Seite, beim
Herausstrecken nach der abnormen Seite.
Lyme-Borreliose-bezogene Kopfschmerzen können ein weites Spektrum von
Mustern haben und den Beginn oder ein Ausbruch (flare) der Lyme-Borreliose
ankünden. Die Kopfschmerzen haben die Charakteristika von
- Migränen,
- Muskel-Verspannung oder
- zervikalen/radikularen Kopfschmerzen.
- Pseudotumor zerebri (erhöhter Liquordruck mit
normaler Liquoranalyse in Abwesenheit von intrakranialen Massen) kann den
Verlauf der Lyme-Borreliose erschweren und Kopfschmerzen verursachen. Papilledema
(Schwellung) der Optikuspapille trifft man gewöhnlich an (aber nicht
immer), wenn der Liquordruck erhöht ist. Liquoruntersuchung wird einen
hohen Öffnungsdruck feststellen und gleichzeitig heilend wirken.
Abhängig von dem Charakter der Kopfschmerzen, müssen Sinusitis und
ein Gehirntumor ausgeschlossen werden. Horton-Neuralgien haben Eigenschaften,
die mit einigen Lyme-Borreliose-Kopfschmerzen vergleichbar sind, einschließlich
ihrer Reaktion auf 100% Sauerstoff.
14. Immunsystem
Immunsuppression infolge Lyme-Borreliose wurde berichtet. Daher überrascht es nicht,
daß wiederkehrende oder resistente Infektionen des HNO-Trakts bemerkt
wurden. Lyme-Borreliose kann folgende Krankheiten hervorrufen oder bestehende
verschlimmern:
- Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen, d. Übers.):
Die üblichen Medikamente gegen Sinusitis und Allergien haben eine
vorhersagbar abgeschwächte Wirkung, wenn Lyme-Borreliose wirksam ist.
- Asthma,
- Bronchitis,
- Otitis (Entzündung des Ohrs oder eines seiner Teile, d.
Übers.),
- Mastoiditis (Entzündung der Schleimhaut der pneumatischen Zellen
des Warzenfortsatzes des Schläfenbeins, d. Übers.). Sie kann auch
mit einer Bell's Palsy einhergehen.
- Allergien.
Lyme-Borreliose kann vergesellschaftet sein mit dem Auftreten oder
Neubeginn von Allergien oder kann eine Atopie-Prädisposition
vergrößern
Ein Zufallspatient berichtete das Auftreten eines anderen Begleiters von Lyme-Borreliose,
der Reisekrankheit. Sie konnte bei dessen Lyme-Borreliose-Behandlung beseitigt werden.
15. Augen
Augenprobleme bei Lyme-Borreliose sind eine gewöhnliche Erscheinung und können
bestehen aus (Jacqueline, MS; Surv.
Opthalmol. 35:191-204, 1990):
- Konjunktivitis (Bindehautentzündung, d.
Übers.),
- okulare Myalgien (Augenmuskelschmerzen, d.
Übers.),
- Keratitis (Hornhautentzündung, d. Übers.),
- Episkleritis (Entzündung der Episklera, d.h. des lockeren
Bindegewebes zwischen Leder- und Bindehaut, d. Übers.),
- Optikusneuritis (Entzündung des Sehnervs, d. Übers.)
Es wurde beobachtet, daß sie zum wiederkehrenden Symptom
oder unbehandelbar wird, wenn gegen sie mit Steroiden vorgegangen wurde. In
Anbetracht der früheren Bemerkungen über
die verheerenden Wirkungen von Steroiden auf Lyme-Borreliose könnte reziditive
(wiederkehrende, d. Übers.) Optikusneuritis von verborgener Lyme-Borreliose
herrühren.
- Pars Planitis (Entzündung der Pars Plana mit Funktionsbehinderung
der Zonula, dem Aufhängeapparat der Augenlinse, d. Übers.)
- Uveitis (Entzündung der Chorioidea, Ziliarkörper, Iris, d.
Übers.),
- Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut, d. Übers.),
- vorübergehende oder dauerhafte Erblindung,
- Arteritis temporalis (Entzündung der
Schläfenarterienwände, d. Übers.),
- Vitritis (Entzündung des Glaskörpers, d. Übers) und
- Ödem (Wassersucht, d. Übers.) in der Periorbita
(Augenhöhlenperiost, d. Übers.).
Auch beobachtet wurden
- Horner's Syndrom,
- Myasthenia (krankhafte Muskelschwäche, d. Übers.) okulare
(das Auge betreffend, d. Übers.) gravis und
- Argyll-Robertson-Phänomen (Fehlen der reflektorischen
Pupillenverengung bei Lichteinfall, d. Übers.).
16. Leber
Lyme-Häpatitis tritt bei etwa 15 - 20% der Patienten auf. Die
Leber-Empfindlichkeit (liver tenderness) ist nicht konstant, und
erhöhte Leberenzyme reagieren auf Antibiotika. Manchmal taucht die
Häpatitis zeitweilig in den Frühstadien der Behandlung auf und
verschwindet danach.
17. Zysten
In vielen meiner Patienten finden sich Zysten an verschiedenen Stellen:
- Schilddrüse,
- Brust,
- Leber,
- Knochen,
- Eierstock,
- Haut,
- Epiphyse (Zirbeldrüse) und
- Niere.
Einige Formen der Zystennieren- und Zystenbrust-Krankheit können
Lyme-Borreliose-Erscheinungen sein.
18. Blase, Nieren
- Lyme-Borreliose kann zu einer Zyste im Interstitium (Zwischenraum zwischen
Körperorganen oder -geweben, d. Übers.) führen, die
Blasenschmerzen erzeugt, welche durch Urinieren erleichtert werden.
- Eine neurogene Blase kann sich entweder mit
- (Harn-)Verzögerung,
- Häufigkeit (des Urinierens, d. Übers.),
- Verlust der Blasenbewußtheit,
- Urinrückhaltung,
- Inkontinenz oder
- den Symptomen einer Harnwegeinfektion
entwickeln.
- Ich vermute, daß chroniche Pyelonephritis (bakterielle
Entzündung des Nierenbeckens mit Parenchymbeteiligung, insbesondere
Interstitium und Tubuli, Parenchym = das spezifische
Gewebe eines Organs im Gegensatz zum Interstitium, Tubuli = Kanälchen
-der Niere-, d. Übers.) eigentlich Lyme-Borreliose ist.
- Kinderärzte möchten daran denken (may want to consider),
daß nächtliche Enuresis (Bettnässen) als Folge von Lyme-Borreliose
auftritt.
19. Magen, Darm
- Verstopfung kann in so schwerer Form auftreten, daß Fäkes
(Stuhl) eingeklemmt wird.
- Viele Lyme-Borreliose-Patienten erfahren einen spastischen (irritierten) Dickdarm, und
diese Diagnose sollte eine Suche nach Lyme-Borreliose auslösen.
- Ich habe Lyme-Borreliose behandelt, die mit colitis ulcerosa (geschwürartiger
Dickdarm-Schleimhautentzündung, d. Übers.) einherging und stark
zurückging, als mit Antibiotika angefangen wurde.
- Fäkale Inkontinenz wegen in Mitleidenschaft gezogenem rektalen
Sphinktertonus (Afterschließmuskel-Tonus, d. Übers.) kann
auftreten.
- Dr. Martin Fried hat Bb Spirochäten in der Magen- und
Zwölffingerdarm-Schleimhaut von Kindern mit Lyme-Borreliose nachgewiesen, die
über Unterleibsschmerzen klagten und bei denen Gastritis und/oder
Entzündung des Duodenums (Zwölffingerdarms, d. Übers.)
dokumentiert wurden.
Es ist angemessen, Lyme-Borreliose einzubeziehen, wenn man mit diesem klinischen Material
konfrontiert wird.
20. Arthritis
Wenn Patienten mit Lyme-Borreliose nicht behandelt werden, kann sich
Arthritis letzendlich in bis zu 60% der Fälle
entwickeln.
- Die Schwellung der Gelenke, die schmerzhaft -oder auch nicht- sein kann,
ist oft episodenhaft, wiederkehrend und (von Gelenk zu Gelenk, d.
Übers.) wandernd, wenn mehrere Gelenke betroffen sind.
- Jedes Gelenk kann betroffen sein, einschließlich der
temporal-mandibularen (die Schläfe und Unterkiefer betreffenden, d.
Übers.) Gelenke und der kleinen Gelenke der Finger (anders als in
früheren Berichten dargestellt).
- Bis zu 10% der unbehandelten Lyme-Borreliose-Arthritis kann sich in
destruktive/deformierende Synovitis entwickeln, die fast identisch ist mit
der rheumatischen Arthritis (primär chronische Polyarthritis).
(Synovitis = Entzündung der Gelenkinnenhaut,
poly = viel, zahlreich, d. Übers.)
- Dr. Lavoie hat die gemeinsamen Befunde von
- Lyme-Borreliose und rheumatischer Arthritis und
- Lyme-Borreliose und SLE (Lupus)
veröffentlicht. SLE war begleitet von positiver
DS-DNA (doppeltsträngiger DNA), von der man
annimmt, daß sie die Diagnose für Lupus darstellt. Dieser Marker
verbesserte sich mit antibiotischer Behandlung gegen Lyme-Borreliose. Der Autor hatte das
Gefühl, daß die Lyme-Borreliose SLE erzeugen/erschweren könnte.
20.1. Ein Beispiel
Ich möchte den Fall einer 38 Jahre alten Frau
darstellen, die 24 Tage postpartal (nach ihrem Gebären, d. Übers.)
sich mit seropositiver Lyme-Borreliose zeigte. Sie hatte folgende Vorgeschichte:
- Juni 1990: Hautausschlag, 15 cm im Durchmesser,
- Dezember 1990: DS-DNA = 320,
- Dezember 1990 bis Dezember 1992: seronegative, von verschiedenen
Ärzten (einschließlich mir) behandelte Lyme, völlige
Beseitigung aller Symptome,
- Juli 1993: Die Patientin wurde schwanger und ihre früheren
Lyme-Symptome wurden wiederbelebt.
- November 1993: Nun erst lehnte sie nicht mehr ab, das von ihrem OB-GYN
(Geburtshelfer-Gynäkologen, d. Übers.) verschriebene Amoxil zu
nehmen. Danach folgten 10 Tage Zithromax mit minimalem Resultat.
- etwa 2 Wochen vor ihrem Besuch am 28. März 1994: Die neuerliche
Verschlimmerung ihrer Krankheit beschleunigte sich.
Zusätzlich zu Lyme schlossen ihre damaligen Probleme ein:
- SLE,
- episodisches Sjogren's Syndrome (trockener Mund/Augen),
- Parotitis (Entzündung der Ohrspeicheldrüse, d. Übers.),
- Antikardiolipin-Antikörper ohne thrombotische Erscheinungen,
- Polyarthritis (in Fußenkeln, Knien, Hüfte,
Schultern und "PIP's" der
Finger),
- eine linksseitige IX.-Neuritis,
- eine rechtsseitige Bell's Palsy,
- Ptosis (Senkung, d. Übers.) des linken oberen Augenlids,
- Myositis (Enzündung des
gefäßführenden interstitiellen Bindegewebes im
(Skelett-)Muskel mit Sekundärbeteiligung der Muskelfasern, d.
Übers.) des Rektus abdominus (Muskels),
-
generalisierte Fibrositis
(z.T. als "Weichteilrheumatismus" bezeichnete schmerz/krankhafte
Vorgänge an Muskeln und bindegewebsreichen Strukturen der
Skelettweichteile, d. Übers.) und Periostitis,
- degenerative Veränderungen in
mehreren Fingergelenken und einigen Kostochondro- (Rippenknorpel-, d.
Übers.) Gelenken, und
- fibrose Mastopathie.
- (Mastopathie = Vermehrung des intra- und interlobulären
Bindegewebes der weiblichen Brust mit Sklerosierung und Hyalinisierung des
interstitiellen Bindegewebes,
- Sklerose = Verhärtung des Gewebes, d.
Übers.)
- Keine Enzephalopathie!
Die Laborbefunde bestanden in:
- Lyme ELISA IgG = 1.4 (+) (ELISA = Enzyme Linked
Immunosorbent Assay, d. Übers.)
- Lyme IgM = 320 (++),
- Lyme LgM durch IFA = 640 (+++),
- ein NEGATIVER Western Blot (nur 41 KDA) und
- IgG durch IFA für Lyme-Borreliose,
- positive Lyme-IgG-Antikörper in Synovia
(Gelenkflüssigkeit, d. Übers.), (Klasse-II-Exudat) gewonnen am
rechten Knie = 1.94,
- DS-DNA = 5120 (weniger als 10 ist normal),
- ANA = 2560 (+++),
- positive Sjogren-Antikörper (SSB = 33),
- positive Antikardiolipin-Antikörper (IgG = 66, IgM = 44.9),
- Leukozytopenie (Verringerung der Leukozytenzahl, d. Übers.) (wbc =
2800), und
- Anämie (Verringerung des Hämoglobin, d. Übers.) (Hgb =
11.4), 10 Stabkernige und 1736 Segmentkernige im Diff-BB
(Differentialblutbild), BSG = 32, geringfügig verringerte
Komplementfaktoren: C3 = 55, C4 = 14.
- Lyme PCR (ein Test auf DNA von Bb) in
Synovia war negativ.
- eine damalige Vaginalblutung hinderte uns daran, zur gleichen Zeit die
U/A (Urinanalyse, d. Übers.) durchzuführen.
- Weitere Laborbefunde:
- Fe = 34,
- Ferritin = 64,
- Transferrin-Sättigung = 9.36%,
- Harnstoff = 18,
- Kreatinin = 0.9,
- Rheumatoid-Faktor und SSA negativ;
- Schilddrüsen- und Koagulationsprofile, TSH und PTH, normal;
- CH50 = 222,
- CT (Computertomographie) und EKG ohne Beitrag (noncontributory).
Nach selbst-entschiedener Einnahme von Motrin anstelle des verschriebenen
Percocet zum Lindern der Gelenkschmerzen, im Verlaufe der Behandlung,
entwickelte die Patientin
- akute Leukopenie (wbc = 1700),
- Neutropenie (PMN's = 1074), und eine
- akute Hepatitis mit anomalen Leberenzymen (LFT's) :
- Gesamt-Bilirubin = 1.58,
- alkaline Phosphatase = 328,
- LDH = 344,
- GGTP = 113,
- SGOT = 246,
- SGPT = 285.
Innerhalb von 72 Stunden nach dem Absetzen von Motrin stieg wbc auf 4700 an,
aber zu diesem Zeitpunkt entwickelte die Patientin
Die Patientin lehnte zu verschiedenen Zeiten ab: Kernspinresonanz-Tomographie
des Gehirns, Knochenmark-Aspiration, Liquor
(cerebrospinalis)-Entnahme, EEG (Elektroenzephalogramm, d. Übers.)
und EMG (Elektromyographie, d. Übers.)
Nach der Einweisung ins Krankenhaus wurde IV Claforan verabreicht. Zur 41.
Stunde erreichte eine sich steigernde J-H-Reaktion
(Jarisch-Herxheimer-Reaktion, d. Übers.) ein Fiebermaximum von 39.4 C,
aber wbc fiel wieder auf ein Niedrigstand von 1800 mit Neutropenie (67.2% =
1200 PMN's). Als die Patientin allmählich wieder fieberfrei wurde
(Temperatur 37.8 C) stieg wbc langsam auf 2700 (PMN's = 2100) trotz
fortgesetzter Eingabe von
Claforan. Die Lähmung ging während der ersten 48 Stunden
zurück. Damit einher ging:
- eine rapide LFT-Normalisierung,
- ein Verschwinden der Sjogren-Manifestationen und der kranialen
Neuropathien,
- der Blutdruck wurde 120/70,
- die Muskel-Empfindlichkeit war reduziert, und
- die Urinanalyse zeigte keinerlei Abweichungen vom Normalen.
Bei der Entlassung nach Hause, am 6. Krankenhaustag,
- hatte sich die Polyarthritis in 75% der betroffenen
Gelenke aufgelöst (nach der Gelenk-Schwellung zu schließen) und
im Rest der Gelenke gebessert.
- Das Fieber war bei 37.6 C.
- Aber die Knie schmerzten noch, die Patientin hinkte infolgedessen, und
der Bewegungsbereich der Kniee, Schultern und Hüften war noch
eingeschränkt.
- Vom 8. bis zum 9. Tag verursachte Biaxin, angefangen am 6. Tag, einen
vorübergehenden Gedächtnisverlust ohne Fieber.
Eigenschaften, die die SLE-Diagnose unterstützen,
sind:
- Leukopenie,
- positive ANA,
- ein hoher DS-DNA-Titer,
- Arthritis (R/O Erosionen).
Während des Krankenhausaufenthalts widerrief ein gewissenhafterer
Krankenversicherungsdirektor ein früher ausgesprochenes Verbot von
intravenösen Antibiotika. Hätte der erste "Prüfer" meinem
anfänglichen Behandlungsplan zugestimmt, hätte die Lähmung
und die daraus resultierende Krankenhauseinweisung vermieden werden
können. Die Behandlung macht Fortschritte. Erneute
DS-DNA-, ESR-,
ANA (antinukleärer Antikörper, d. Übers.)-, CPK
(Kreatin-Phospho-Kinase, d. Übers.)-, C3-, CH50-, und Röntgen-
und Kernspintomographie-Auswertung der Gelenke ist beabsichtigt. Die
Anämie wird untersucht.
21. Rheumatische Syndrome
Die Liste von rheumatischen Syndromen, entweder verursacht durch Lyme-Borreliose oder in
Verbindung mit ihr, wächst.
- Dr. Weber und Dr. Schwartzberg haben rheumatische
Poly-Myalgie berichtet, die
offenbar durch Lyme-Borreliose hervorgerufen wurde.
- Wie im oben beschriebenen Fall ist Sjogren's
Syndrom mit Lyme-Borreliose publiziert worden.
- Antikörper gegen Bb im Kontext von
- mit Psoriasis einhergehender Arthritis,
- systemischer Sklerose und
- Reiter Syndrom (urethro-konjunktivo-
synoviales Syndrom, urethro = die Harnröhre
betreffend, d. Übers.)
finden sich auch in der Literatur.
Eine wachsende Anhängerzahl von Patienten in meiner Praxis haben
anscheinend lange bestehende Lyme-Borreliose, die bis in ihre "Wachstums-"Jahre
zurückdatiert,
- und ihre Krankheitsgeschichte enthält die vorhergegangene
Entwicklung von Osgood-Schlatter-Syndrom (Wasser auf dem Knie) in ihren
Teens. Eine Beziehung zu Lyme-Borreliose kann nicht ausgeschlossen werden.
- Arthralgien und Knochenschmerzen bei Lyme-Borreliose können quälend sein.
Es ist der unvorsichtige Kliniker oder Elternteil, der diese Symptome mit
Sorglosigkeit den "Wachstumsschmerzen" oder dem Älterwerden zuordnet.
21.1. Ein Beispiel
Ein anderer meiner Patienten erinnert sich seit seinem 18. Lebensjahr (1966)
an wiederkehrende, wandernde Polyarthritis. Monatliche
Medrol-Dose-Packungen (Steroide) schafften es nicht, das klinische Bild zu
verändern.
- 1987 wurde er mit akuter exudativer Synovitis
des Knies ins Krankenhaus eingewiesen, wonach Ohrläppchen-Biopsie die
klassische histologische Erscheinung der rezidivierenden
Polychondritis demonstrierte, einer sehr seltenen
Störung mit Manifestationsgipfel im 5. Lebensjahrzehnt.
- Trotz kontinuierlicher Behandlung mit hoher Dosen von Steroiden (und
später mit Methotrexat mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern)
entwickelte sich schließlich eine deformierende Arthropathie
(Gelenkerkrankung, arthron = Gelenk, Pathia = Leiden, d. Übers.) in
seinen Händen, die langsam zwischen Juni 1990 bis Dezember 1992
voranschritt. Früher zu Rate gezogene Ärzte maßen der
positiven Lyme ELISA = 1.09 im April 1991 als "niedrigem
Titer" keine Bedeutung bei.
- Im Januar 1991 zeigte sich eine unerwartete Enzephalopathie in Form von
Gedächtnis- und Konzentrationsbeeinträchtigung.
- Der Patient erschien zur Lyme-Evaluation im Januar 1993. Laborwerte
schlossen ein:
- IgG über ELISA = 14.7,
- IgM durch IFA = 80 und
- der Western Blot hatte Banden bei 31 und 41 KDA.
- Die Polysynovitis und die
Enzephalopathie zeigten rapiden Respons auf Antibiotika gegen Lyme-Borreliose.
- Der Patient wurde schnell von den anderen Medikamenten befreit, obwohl
Steroide langsam vermindert werden mußten und nun bei einer
irrelevanten Dosis angelangt sind, ohne daß rhematologische
Komplikationen aufgetreten wären. Der Patient hat bleibende
verkrüppelnde Deformationen an den Händen, ist aber während
der Antibiotika-Behandlung symptomfrei.
22. Herz
Herzkomplikationen treten in 8 - 12% der Lyme-Borreliose-Fälle auf. Leitungsdefekte
und Herzblock, von dem der ersten Grades am häufigsten ist, können
im EKG erkannt werden. Ein langer Rythmus-Streifen sollte verwendet werde,
um damit sporadisch auftretende Blocks zu entdecken. Höhergradige
Herzblocks können zu Schwächeanfällen oder Tod führen und
Herzschrittmacher nötig machen.
Plötzlicher Tod kann auch aus Arrythmien entstehen. Schneller und
langsamer Herzschlag tritt
- gewöhnlich zur Zeit der Ausbrüche (flares) der Symptome auf
und
- manchmal in der Art des Sinusknotensyndroms (Brady/Tachykardie).
- Ventrikuläre Tachykardie wurde als Begleiterscheinung einer
Lyme-Borreliose-Infektion des Herzens dokumentiert und nach Herzbiopsie
bestätigt.
- Die Kardiomyopathie kann durch Stauungsinsuffizienz
(CHF, congestive heart failure) kompliziert werden, wie der folgende Fall
zeigen mag.
22.1. Ein Beispiel
Ein weißer Patient war in seinen sechziger Lebensjahren bei mir in
Lyme-Borreliose-Behandlung mit oralen (anfänglich intravenösen)
Antibiotika, und im Großen und Ganzen waren seine Symptome unter
Kontrolle.
- Trotzdem beschwerte er sich gelegentlich über "wandernde Schmerzen"
(Arthralgien).
- Ich hatte den Eindruck einer milden Enzephalopathie (Verwirrung), und
- er hatte eine kurzzeitige, monoartikuläre (nur ein Gelenk
betreffende) Arthritis des rechten Knies.
In Übereinstimmung mit zahlreichen Beratern entdeckte unsere
Aufarbeitung im Zeitraum einiger Jahre:
- Diabetes mellitus (nicht Insulin-abhängig),
- COPD;
- hypertensive (mit hohem Blutdruck einhergehende, d. Übers.),
ischämische (mit Druchblutungsstörungen einhergehende, d.
Übers.) und dilative Kardiomyopathie (vergrößertes Herz),
- sowohl Diabetes- als auch Hepatitis-C-bezogene Leber-Beteiligung wurden
bei Leber-Biopsie bestätigt (nicht erleichtert durch frühere
Vorliebe für Alkohol),
- Dickdarm-Karzinom, weshalb er sich einer transversen (im Original:
transverse)
Kolektomie (Teilentfernung des Dickdarms) unterzog,
- Kolonpolype (Dickdarm-Polypen) und
- Barrett's Ösophagus.
- Infolge eines Sturzes bei der Arbeit erlitt ein LINKS liegender Blinddarm
einen Riß (Ruptur) (er sprach daüber in einer Kurve gestürzt
zu sein?!, im Original: talk about being thrown a curve?!).
Am bedeutsamsten war, daß er Schwierigkeiten mit
- wiederkehrender nicht-anhaltender (im Original: non sustained)
ventrikulärer Tachykardie (Herzjagen, d. Übers.),
- atrialer Fibrillation (den Herzvorhof betreffenden irregulären und
asynchronen Herzmuskel-Kontraktionen, d. Übers.) und
- episodischem CHF
hatte, von denen sich alle in steigendem Maße der therapeutischen
Kontrolle mit den üblichen Mitteln entzogen. Das führte zu
häufigen Krankenhausaufenthalten.
- Er hatte in der Vergangenheit einen kleinen Myokardininfarkt
(Herzmuskelinfarkt, d. Übers.) des diagonalen Zweiges (im Original:
diagonal branch) gehabt.
- Ein MUGA-Scan (Multiple Gated Data Aquisition,
quantitative Sequenzszintigraphie, d. Übers.) zeigte einen
Ejektionsanteil (ein Maß für die Herzleistungs- und
-Punmpenfunktion) von nur 21%, was ziemlich niedrig ist. Seine
Belastunsgintoleranz infolge von Kurzatmigkeit schwankte,
beeinträchtigte aber seine Lebensqualität beträchtlich.
Während eines Krankenhausaufenthalts wegen akuter
CHF mit ventrikulären Arrhythmien im Jahr 1993 fanden
wir, daß sich diese Probleme den rein medikamentösen
Korrekturversuchen widersetzten. In der Vergangenheit hatte ich bemerkt,
daß sich sein Herzzustand verschlimmerte, wenn seine Lyme-Borreliose aufflammte.
Da sich der Patient pulmonare Fibrose (letztendlich reversibel) zugezogen
hatte, als Nebenwirkung eines Anti-Arrhythmie-Medikaments, hielten wir ihn
nicht für eine Herzbiopsie geeignet.
Intravenöse Gaben von Claforan wurde auf empirischer Basis begonnen,
und zu unserem Erstaunen erholte er sich binnen kurzer Zeit von seinem
CHF. Ein wiederholter MUGA-Scan am 5.
Tag des IV Claforan zeigte einen NORMALEN Ejektionsbruchteil von 51%. Diese
willkommene und segensreiche Veränderung seines Zustands wurde durch
weiter ausgedehnte IV-Therapie aufrechterhalten. In einem Programm von
anschließenden oralen Antibiotika wurde sein CHF
zu solch gutem Ausmaß kontrolliert, daß er mitten im Winter ohne
Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen 7.5 km zu meiner Praxis laufen konnte.
Nach meiner Meinung
- war einer der bemerkenswerteren Aspekte dieses Falls
die zu den anderen Lyme-Borreliose-Symptomen disproportionale Art, in der
Herzkomplikationen den klinischen Verlauf bestimmten und dennoch
glücklicherweise auf IV-Antibiotika reagierten. Eine Behandlung tilgt
also Symptome vielleicht nicht gleichzeitig aus.
- Die andere zentrale Lektion hier ist, daß er wahrscheinlich
CHRONISCHE Lyme-Borreliose hat, eine Diagnose die rein auf klinischem Grund steht, da die
Serologie immer negativ war.
Lyme-Kardiomyopathie von einer reinen Verschlimmerung einer Kardiomyopathie
(anderen Ursprungs) durch Lyme-Borreliose zu unterscheiden, bleibt eine ungelöste
Aufgabe. Intuitiv könnten wir annehmen, daß die anderen
Krankheitsteilursachen, die zu seiner Kardiomyopathie beitrugen, nicht so
stark auf Antibiotika ansprechen sollten, außer es gab da eine noch
ungeklärte Beziehung zu Lyme-Borreliose. Seine Herz- und Blutdruck-Medikamente dienen
ihm jetzt in vorhersagbarer Weise. Nachdem er nun wieder allein auf orale
Therapie gesetzt ist, tritt milde Kurzatmigkeit beim Treppensteigen erneut
mit der Zeit auf. Weitere Evaluierung steht bevor.
22.2. Weitere Herzprobleme
Mitralklappenprolaps (MVP) findet man nicht unüblicherweise bei
Lyme-Borreliose. MVP kann assoziiert sein mit irreführenden
Brustschmerzen und ventrikulären Arrhythmie. Er ist oft begleitet von
Mg++-Mangel, und Lyme-Borreliose kann selbst der Grund sein
für niedrige Mg++-Konzentrationen. Bei einigen wenigen meiner
Patienten entwickelte sich MVP nur nach dem Beginn der Lyme-Borreliose und
löste sich mit der Lyme-Borreliose-Behandlung wieder auf. Brustschmerzen
auf Grund von Lyme-Borreliose kann auf mehreren Ursachen beruhen:
- Myokarditis (parenchymatöse (das eigentliche Muskelgewebe
betreffende) oder interstitielle (das dazwischenliegende Gewebe betreffende)
Entzündung des Herzmuskels, d. Übers.),
- Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels, d. Übers.),
- Angina,
- Asthma,
- Bronchitis,
- Periostitis der Rippen,
- Myositis des Brustkorbs und
- Tendinitis (Entzündung des eigentlichen Sehnengewebes, d.
Übers.),
- sternoklavikulare (Brust- und Schlüsselbein betreffend, d.
Übers.) und kostochondrale (den Rippenknorpel betreffend, d.
Übers.) Arthritis,
- Ösophagitis (Entzündung der Speiseröhre, d. Übers.)
und
Ösophagokrampf,
- Gastroösophagealer Reflux (Magensäureübertritt in die
Speiseröhre, d. Übers.), und
- Gastritis (Magenschleimhautentzündung, d. Übers.).
Auch erhöhte ACE-Konzentrationen (ACE = angiotensin converting enzyme)
wurden bei Lyme-Borreliose entdeckt (Liegner, 1990). Die Beziehung zwischen hohen
ACE-Konzentratonen und Herzkrankheit kann uns mit einem Mechanismus versehen,
die anekdotisch vermutete Tendenz von Lyme-Borreliose zu erklären, die koronare
Herzkrankheit zu beschleunigen und Bluthochdruck hervorzurufen. Mö
glicherweise ist Syndrom X (Angina mit normalen Koronararterien bei
Katheterisierung) auf durch Lyme-Borreliose induzierten arteriellen Krampf
zurückzuführen, ein Vorgang, der durch direkte Perivaskulitis
und/oder Mg++-Mangel verstärkt werden könnte (siehe
Grisold, M. Abstract No. 55F, V Int'l Lyme Symposium).
23. Kalium- und Magnesium-Mangel, Bluthochdruck
Kalium-Mangel ohne eine offensichtliche Ursache entwickelt sich gelegentlich
bei Lyme-Borreliose. In seltenen Fällen sind die K+-Verluste
tiefgreifend. Das könnte auf Mg++-Mangel
zurückzuführen sein. Ein Neubeginn oder schwierig zu
kontrollierender Bluthochdruck wird eher beobachtet. Lyme-Borreliose sollte
Teil der Evaluation von Bluthochdruck sein. Lyme-Borreliose-Behandlung hat
bei einigen Patienten auf einfache Weise die Kontrolle des Blutdrucks
erreicht, einige konnten auf die Verwendung von traditionellen
Bluthochdruck-Mitteln verzichten.
24. Schilddrüse, Nebenniere, Diabetes
In steigendem Maße treffe ich Schilddrüsenerkrankung bei
Lyme-Borreliose an. Ein Endokrinologe in meiner Gegend bemerkte mir
gegenüber in einem Gespräch, daß die Schilddrüse bei
Lyme-Borreliose-Kranken häufiger in Mitleidenschaft gezogen ist, als
ausgehend von der Normalbevölkerung zu erwarten wäre. Ein
endgültiges Urteil muß bis nach einer rigorosen statistischen
Auswertung warten. In vielen dieser Patienten wurde beobachtet, daß die
Schilddrüsenfehlfunktion von der Hypophyse oder dem Hypothalamus
ausging. Man muß weiterhin aufmerksam die Möglichkeit einer
Schilddrüsenerkrankung einbeziehen, weil beträchtlicher klinischer
Überlapp mit Lyme-Borreliose besteht. Subakute Thyroiditis ist das
vorwiegende Schilddrüsenphänomen, das ich bei Lyme-Borreliose sehe.
Hypoadrenalismus (Nebenniereninsuffizienz, d. Übers.) kann sich in
Einzelfällen entwickeln. Nicht korrigierte hormonelle Aberrationen
können eine ansonsten wirksame Lyme-Borreliose-Therapie in Frage
stellen. Wie jede Infektion kann Lyme-Borreliose den Beginn einer
Hyperglykämie provozieren und die Möglichkeiten der
Diabetes-Behandlung beeinflussen.
25. Geschlechtsspezifische Organe
Beeinträchtigte Fruchtbarkeit und Libido-Verlust ist nicht selten bei
Lyme-Borreliose. Eine reversible Ursache der Unfruchtbarkeit sollte gesucht
und Lyme-Borreliose einbezogen werden. Verringertes sexuelles Interesse ohne
offensichtliche Berechtigung wird gewöhnlich vom Partner mit
vorhersagbarer sozialer und psychologischer Unruhe fehlinterpretiert.
Lyme-Borreliose-Infektion im ZNS oder in den Geschlechtsdrüsen
könnte der Grund sein.
Bei einigen Patientinnen mit Lyme-Borreliose wurden
- gestörte Östrogen- und Progesteron-Konzentrationen gefunden.
- Eine früh eintretende "Menopause",
- ausbleibende Regelblutungen und
- starker Menstruationsfluß repräsentieren einige wenige
Störungen bei Lyme-Borreliose.
Frauen mit symptomatischer Lyme-Borreliose können
- den Neubeginn oder verstärkte BMS (ballistic mood swings -spontane
extreme Stimmungsschwankungen, d. Übers.- und Irritierbarkeit),
- perimentruelle (die Menstruation begleitende, d. Übers.)
Kopfschmerzen oder Krämpfe
erfahren.
Letztere könnten theoretisch auch auf eine Lyme-Borreliose-Infektion des Beckens:
- Ooperitis oder Salpingitis (Eierstock- oder Eileiterentzündung, d.
Übers.) und/oder
- erhöhte PGE-2 (Prostaglandine E-2) - Konzentrationen beruhen, wobei
diese bei Lyme-Borreliose angetroffen und dokumentiert wurde.
Zu einer Neigung (Stimulierung oder Prädisposition) für Onkogenese
(Krebsentstehung) durch Lyme-Borreliose können
- ein Übermaß an PGE-2,
- freie Radikale,
- veränderter Fettmetabolismus und
- allgemeine Immunsuppression
beitragen. Karzinome sind bei Lyme-Borreliose nicht unbekannt:
- Melanome,
- Schilddrüsenkrebs und
- Lymphome
sind publiziert worden.
Freie Radikale könnten, über hervorgerufenes
Bindegewebe-Cross-Linking, verantwortlich sein dafür, daß
- sich intra-abdominale Adhäsionen bilden,
- einige Lyme-Borreliose-Patientinnen älter aussehen, als ihrem tatsächlichem
Alter entspricht,
- oder einen hageren Gesichtsausdruck haben.
Von einigen Patienten sind
- Brustschmerzen wegen Mastitis (Entzündung der weiblichen
Brustdrüse, d. Übers.) und
- Schmerzen in den Hoden wegen Orchitis (Hodenentzündung, d.
Übers.) beschrieben worden.
Bis heute gibt es drei Männer in unseren Unterlagen, deren
Hauptbeschwerden bei Lyme-Borreliose Beckenschmerzen wegen chronischer Prostatitis sind.
Die Therapiewege für Lyme-Borreliose führten zu besserer Linderung, während
der Gebrauch von Cipro oder Doxycyclin allein partielle oder zeitlich
begrenzte Besserung brachte.
Fehlerbehaftete Studien haben den Eindruck erweckt, daß die Entwicklung
der Schwangerschaft nicht von Lyme-Borreliose beeinflußt wird. Es gibt
beträchtliches Dokumentationsmaterial, das eine ursächliche
Beziehung zwischen Lyme-Borreliose und
- Totgeburten,
- Geburtsfehlern,
- spontaner Fehlgeburt,
- niedrigem Geburtsgewicht der Babies,
- Frühgeburt und
- intra-uteriner Fötusinfektion durch die Mutter
nahelegt. Eine Entwicklungsfolge von unbehandelter Lyme-Borreliose infolge
Mg++-Mangels könnte Präeklampsie (Hypertonie,
Bedeutung von hyper) oder Eklampsie (Hypertonie mit Anfällen) sein. Bei
der Behandlung dieser Probleme verläßt man sich oft auf Magnesium.
Frauen mit Lyme-Borreliose in der Schwangerschaft können
- schwere Übelkeit am Morgen,
- Schwangerschaft-Diabetes mellitus und
- beträchtliche Ausbrüche (flares) von lymebezogenen Symptomen
haben.
Beides, Lyme-Borreliose und das Syndrom des plötzlichen unerwarteten Kindstods (SIDS),
ist von Apnoe (Atemstillstand, d. Übers.) im Schlaf begleitet. Das
sollte weitere Forschung dazu bewegen, zu bestimmen, ob einige Babies mit
SIDS in Wirklichkeit an Lyme-Borreliose leiden. Borrelia burgdorferi können in der
Brustmilch auftreten.
26. Fuß und Arm, Muskeln
- Lyme-Patienten beschweren sich sehr häufig über
Fersenschmerzen. Das kann
- auf einer zugrundeliegenden Fasziitis (Entzündung des
Fasziengewebes, d. Übers.) der Fußsohle beruhen, mit oder ohne
Hackensporn (Kalkaneussporn, d. Übers.), oder
- Periostitis des Hackens.
- Epikondylitis (Tennisarm) ist eine weitere Komplikation.
- Das Karpaltunnelsyndrom kann sich auch bei Lyme-Borreliose entwickeln, wenn sie nicht
behandelt wird.
Lyme-Patienten tendieren dazu, langsam zu heilen, und sind für
Verletzungen am Muskel- und Skelettsystem prädestiniert, häufig
ohne die dabei üblichen Vorläufererscheinungen. Ein Patient erfuhr
eine Verlagerung seiner Wirbelsäulen-Facette beim Rasieren
(üblicherweise im Zusammenhang mit Sport). Sogar beim gut trainierten
Athleten kann es eine unerwartete Flut von
- Muskelkrämpfen,
- Verstauchungen,
- Tendinitis (Entzündung des eigentlichen Sehnengewebes, d.
Übers.) und
- Knochen- oder Gelenkschmerzen an lastabtragenden Stellen
geben.
Muskelschwäche tritt bei einigen Lyme-Borreliose-Patienten auf. Aber häufiger
ist die Leistungsfähigkeit bei sportlicher Anstrengung begrenzt durch
- Kurzatmigkeit,
- schlechte Koordination,
- muskuloskeletales Unwohlsein oder
- Erschöpfung.
Sportliche Betätigung ohne oder zu Beginn einer Lyme-Borreliose-Behandlung kann
einen Ausbruch (flare) von Erschöpfung auslösen, besonders am
darauffolgenden Tag.
Schmerzen im unteren Rückenteil können entstehen von
- Sakroilitis (sacroilitis, Entzündung des Kreuzbeins ?, d.
Übers.),
- paravertebrale, lumbosakrale Muskelzerrung/Krämpfe
(paravertebral = neben der Wirbelsäule liegend,
para = neben, vertebra = Wirbelsäule,
lumbosakral = Lendenwirbelsäule betreffend,
lumbus = Lende, d. Übers.), und
- Bandscheibenvorfall.
Bei einigen wenigen Patienten trifft man spinale
Stenose an (Stenose = Einengung eines Kanals, d. Übers.).
Entzündung der Bauchdeckenmuskeln, insbesondere des Rectus
abdominus, ist ein nicht seltenes Problem. Gewöhnlich sind die wunden
Stellen fokal und beziehen eher öfter als selten die seitlichen
Ränder des Rektus abdominus Muskels ein. Brechreiz ist oft auch
vorhanden. Die Stellen werden am besten eingegrenzt, wenn der Patient ein
Valsalva-Manöver (Preßdruck-Versuch mit der Bauchdecke, d.
Übers.) macht oder sich halb aufsetzt. Erkennt man die
Bauchdecken-Myositis nicht, wird man
möglicherweise zu einer überflüssigen umfassenden
Magen-Darmtrakt - Untersuchung geführt.
Ein sehr hilfreiches diagnostisches Anzeichen ist ein Wundheitsgefühl,
das beim Betasten des medialen Corpus tibiae (Schienbeinschafts, d.
Übers.) infolge von Periostitis
(Entzündung des Gewebes um den Knochen, wenn nicht des Knochens selbst)
auftritt.
(Periostitis "Knochenhautentzündung",
peri = um ... herumliegend, os = Knochen, d. Übers.)
Periostitis tritt auch für gewöhnlich bei einer weiteren
Spirochäten-Erkrankung, der Syphilis, auf (Textbook of Medicine, Kelley
(ed.), 1989, Seite 1587), und ist verantwortlich für die
Knochenschmerzen, die sowohl Syphilis- als auch Lyme-Patienten erfahren.
Wundheit ist leicht aufzeigbar in 95 % oder mehr der Lyme-Patienten, einfach
indem man die knochige Oberfläche des Daumengelenks in einer Höhe
von etwa 7 - 15 Zentimeter oberhalb des Fußknöchels gegen die
mediale Oberfläche des Schienbeins drückt. Die Stärke der
Schmerzempfindung beim Patienten kann variieren, ist aber oft intensiv genug,
daß das Bein abrupt zurückzuckt. Der Schmerz dauert oft nach
dieser Prozedur noch an. In einer geringen Anzahl von Lyme-Borreliose-Fällen hat sich
die Periostitis im Körper ausgebreitet, und ich habe einige wenige Male
eine Beeinflußung des Schädels festgestellt. Nur ein geringer
Bruchteil der Lyme-Borreliose-Patienten haben Periostitis.
Ist es bei Fibrositis,
Myositis, Periostitis verwunderlich, daß der
kranke Lyme-Borreliose-Patient Umarmungen als potentielle Folter auffaßt? Die
Gefühle der Peinlichkeit bei dadurch verwirrten Familienmitgliedern ist
verständlich. Periostitis pubis (des Schambeins) kann Blasenschmerzen
vortäuschen oder der Ursprung von Schmerzen im unteren mittleren
Unterleib sein, besonders bei Kindern.
Lyme (und Brucella) sollten in die Differentialdiagnose des Desert-
Storm-Syndroms einbezogen werden, mit dem Lyme-Borreliose viele Eigenschaften teilt.
Allen sollte klar sein, daß hier reichlich Gelegenheit zur Forschung
gegeben ist. Es ist nicht nötig, der Lyme-Borreliose die
"Galileo"-Behandlung zu verpassen. Ich möchte Ihnen für Ihr
Interesse danken. Kommentare und Kritik würde ich begrüßen.
Zukünftiger Abschnitt:
Lyme-Borreliose - Eine nach Ländern geordnete Punkte-Bewertung
Jeder Besucher dieser Seite mit Lyme-Diagnose kann einen Punkt für
sich eintragen.
Hier planen wir ein länderspezifisches Punkte-System zu erstellen
für Besucher dieser Seite. Das sollte eine gute Vorstellung davon
geben, wo Lyme-Borreliose gefunden wurde. Eine zweite Liste wird offen sein
für Leute, die glauben, sie müßten auf Grund der
Checkliste oder des Essays als
Lyme-Kranke diagnostiziert werden. Ein Vergleich beider Listen würde
deutlich zeigen, wo Lyme nicht ausreichend diagnostiziert wird.
Candidiasis ist bei den Menschen, die mit Lyme kämpfen, ein
häufiger Begleiter (der ebenso häufig nicht erkannt wird). Sie
kann zu Zuständen wie Erschöpfung (besonders nach den Mahlzeiten),
Gedächtnis-Problemen, Depression usw. beitragen.
Wegen ihrer Länge wurde diese Checkliste auf eine eigene Seite
((http://cassia.org/candida.html)
gelegt.
Index verwendeter Stichworte
- im wesentlichen in der Reihenfolge der Erscheinung im Text-
- Infektion, Lyme-Borreliose
- Erythema migrans, Exanthem, vesikulär, urticarial, Wanderröte,
Akrodermatitis chronica atrophicans (Pick-Herxheimer), acrodermatitis
- Autoimmunreaktion
- erkältungsähnliche Symptome, flu-like
- Meningitis
- zentrales Nervensystem, limbisches System
- neurologisch
- Neuritis
- Arthritis
- Fazialisparese, Gesichtslähmung, facial palsy
- Augennerventzündung, opticus neuritis
- nervus facialis, V. Hirnnerv, VII. Hirnnerv, V Hirnnerv, VII Hirnnerv,
Unsymetrische (Asymetrie) der Gesichtsfalten, Bell's Palsy,
Gesichtslähmung, Gesichtsfeldausfall
- Enzephalopathie, encephalopathia
- VII. Hirnnerv, Lichtempfindlichkeit der Augen
- Nebel im Gehirn
- Beeinträchtigung von schöpferisch-produktiver Intelligenz und
Denkinitiative, Einfalls-, Wort- und Begriffsarmut, Gefühl geistiger
Leere, Konzentrations- und Merkschwäche, Reizbarkeit, explosive
Nervosität, oberflächlicher Schlaf, Müdigkeit,
Erschöpfung, Chronisches Erschöpfungssydrom, chronic fatigue
syndrom (CFS), Hypersomnolenz, Hypersomnie
- Empfindlichkeit gegen laute Geräusche, grelles Licht und hohe
Temperatur,
- Multiple Sklerose, multiple sclerosis (MS), Enzephalomyelitis
disseminata, disseminated encephalomyelitis
- Fibromyalgie, Fibromyalgia
- Lupus
- Candidiasis
- chronische Mononukleose, Chronic mononucleosis
- Hypoglykämie, Hypoglycemia
- Stress-related illness
- Hyperkinetik, Geschwinds Syndrom
- Rötungen der Haut
- Jarisch-Herxheimer-Reaktion, Jarisch-Herxheimer reaction,
Serumkrankheitsreaktion, Lymphozytom der Ohrläppchen
- Raynaud-Krankheit, akrale Durchblutungsstörungen, kalte Hände,
kalte Füße, akrales Ischämiesyndrom, vasospastisches Syndrom,
Gefäßverengung, kapillarer Sphinkter
- limbisch, Hypothalamus
- Hypothyroidismus
- Psoriasis
- Fehlempfindungen, Jucken, Parästhesien der Haut
- Muskelzucken, Tremor, myoklonisches Zucken
- Schwitzen, Anhydrosis, Unfähigkeit zum Schwitzen
- Benommenheit, Gleichgewichtsstörung, Vergiftungsgefühl,
Vergeßlichkeit
- Angst, Stimmungsschwankungen, Depression
- Disorientierung, beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis, kognitive
Störungen,
- Unaufmerksamkeit, Aprosexia, Hyperaktivität
- Tourette, Obsessive Compulsive Disorder, Shaken Baby Syndrom
- Klaustophobie, Agoraphobie, Selbstmord-Gedanken
- Anorexie, Bulimie, Unzinatus-Anfälle
- Perivaskulitis
- Enzephalitis
- metabolische Aberrationen, intrazelluläre Azidose
- Demyelinisierung, Läsionen, Plaques
- Gehirn, Neuronen, neurologische Komplikationen, kranial Neuritis,
psychiatrisch, intrapontine Läsionen
- oligoklonale Banden, IgM, IgG, Myelin-basiertes Protein, MRI, Magnetic
Resonance Imaging, SPECT, Single Photon Emission Computer Tomography
- Mononeuritis, Polyneuritis, Radikuloneuritis, Neuropathie,
Guillain-Barre, nervus trigeminus
- Parkinson
- Sinusitis, Nasennebenhöhlenentzündung, Asthma, Bronchitis,
Otitis, Ohrenentzündung
- Mastoiditis
- Konjunktivitis, Bindehautentzündung, okulare Myalgie,
Augenmuskelschmerz, Keratitis, Augenhornhaut-Entzündung, Episkleritis,
Optikusneuritis, Entzündung des Sehnervs, Pars Planitis, Uveitis,
Arteritis temporalis, Vitritis, Augenglaskörper-Entzündung,
Ödem in der Periorbita, Augenhöhle, Horner's Syndrom,
Argyll-Robertson-Phänomen
- Häpatitis
- Zysten
- Harnverzögerung, Blasenbewußtsein, Inkontinenz,
Urinrückhaltung, Harnwegeinfektion
Pyelonephritis, Entzündung des Nebennierenbeckens
- Verstopfung, Colitis ulcerosa, Kolitis, Gastritis, Duodenum,
Zwölffingerdarm
- Arthritis, SLE, Synovia, rheumatisch, Arthralgie, Gelenkschmerz,
Knochenschmerz
- Arrythmie, Herzblock, Bradykarde, Tachykardie, Kardiomyopathie,
congestive heart failure (CFH), Angina, Perikarditis
- Periostitis, Tendinitis, Entzündung des Sehnengewebes,
Ösophagitis
- Entzündung der Speiseröhre, Magenschleimhautentzündung,
- ACE-Konzentrationen, Bluthochdruck, Hypophyse
- Östrogen, Menopause, ausbleibende Menstruation,
Menstruationsfluß, Ooperitis, Eierstockentzündung, Salpingitis,
Eierstockentzündung, PGE-2, Protaglandine E-2, Orchitis,
Hodenentzündung, Präeklampsie, Hypertonie, Eklampsie,
Schwangerschaftsdiabetes
- Apnoe, Atemstillstand im Schlaf, sudden infant death syndrom (SIDS),
plötzlicher unerwarteter Kindstod
- Karpaltunnelsyndrom, Kurzatmigkeit, Sakroilitis, Muskelzerrung,
Muskelkrampf
- spinale Stenose
- Burrascano JJ, Jaqueline MS, Miklossy, Marshall V, Coyle, Liegner KB
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