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B O Y C O T T !

14.6.2001

Der Kampf gegen Krankheiten ist ein Kampf gegen die Unwissenheit

Hunderttausende Forscher weltweit sitzen in ihren Labors und forschen, jahrzehntelang. Doch ihre Ergebnisse verschwinden in Firmenbunkern und in dicken Bänden von medizinischen Fachzeitschriften - wo sie unerreichbar sind.

Wie viel könnte man doch erreichen, wenn man mehr wüßte, wenn man aus dem Reichtum des Wissens in den Fachzeitschriften schöpfen könnte!?

Literatur-Recherchen verlaufen - sieht man von Glücksfällen ab - immer nach dem gleichen Muster:

Falls man die abstracts überhaupt lesen konnte... Denn auch diese sind zum Teil nur gegen Geld zu erhalten.

Um an einige wenige brauchbare Quellen heranzukommen, muß man sich durch Berge von unbrauchbaren hindurchlesen. Lesen heißt: den Volltext lesen. Also zahlen...

Wissen ist eine Frage des Geldes. Wer kann es sich schon leisten, Tausende oder Zehntausende von Mark pro Jahr für Zeitschriften auszugeben? Glücklich, wer in der Nähe einer Universitäts-Bibliothek ist!

Beträfe es Architektur oder Mechanik oder Elektrotechnik, so wären die Folgen der Unwissenheit nur finanziell, doch bei Medizin geht es um Menschenleben.

Darf das Leben von Menschen auf's Spiel gesetzt werden für die Profite von Verlagen?

 

Nehmen wir das Beispiel der FASEB:

http://www.faseb.org

Federation of American Societies for Experimental Biology
9650 Rockville Pike
Bethesda, Maryland 20814
USA

Im Rahmen der FASEB veröffentlichen Wissenschaftler Fachartikel über ihre brandneuen Forschungsergebnisse. Doch mit der Genehmigung zur Veröffentlichung im FASEB Journal müssen sie GLEICHZEITIG die Erlaubnis zur wirtschaftlichen Ausbeutung dieser Artikel geben. Die Wissenschaftler selbst dürfen, so wurde mir erklärt, diese Texte nicht mehr anderweitig zur Veröffentlichung freigeben.

Die Wissenschaftler sind gezwungen, im FASEB Journal zu veröffentlichen, weil diese Zeitschrift eine Art inoffizielles offizielles Organ ist. Wissenschaftler leben von ihrem Ruf, und der beruht auf Veröffentlichungen in angesehenen Fachzeitschriften.

Den Umfang - und damit auch die Macht der FASEB - erkennt man an ihren Mitgliedsgesellschaften:

Schreiben kann jeder, aber gute Fachzeitschriften drucken nicht nur, sie lassen die Artikel gegenprüfen.

Im FASEB-Journal

http://www.fasebj.org

sind zum Beispiel die Artikel über die bahnbrechenden Ergebnisse der Amalgam-Forschung an der University of Calgary veröffentlicht. Wer sie lesen will, muß zahlen...

 

Der Boycott-Aufruf

Wenn sie wüßten, daß dieses oder jenes wichtig ist, würden ein Kranker oder seine Ärzte sich vielleicht dazu aufraffen können, diesen oder jenen Artikel zu kaufen. Doch wie sollen sie das im voraus wissen, wo sie diesen Artikel doch noch gar nicht kennen!? Sollen sie Hunderte von Artikeln kaufen, Stückpreis 5 US-Dollar oder vielleicht sogar 10 US-Dollar? - einmal abgesehen davon, daß Kranke infolge ihrer Krankheit meist wenig Geld haben, und davon, daß man von der Existenz eines Artikels erst einmal wissen muß.

Die Frage, wer den Ärzten all diese Kosten erstattet, ist bis heute auch noch nicht geklärt.

ENDLICH bewegte dieser Mißstand den Zorn der Wissenschaftler dermaßen, daß sie zu einem Boycott aufriefen.

Beteiligt an dem Boycott sind auch und gerade Bibliotheken. Sie fordern die Freigabe der Fachzeitschriften und haben dazu einen offenen Brief verfaßt:

Die "American Society for Microbiology" erklärt jetzt in

Das heißt: Die Artikel werden nach wie vor in gedruckter Form und auch im Internet verkauft. Artikel im Internet werden aber nach 6 bzw 12 Monaten freigegeben. Also KEINE sofortige Freigabe. Also nach wie vor wirtschaftliche Nutzung durch Verleger. Doch der Damm ist gebrochen. Es wird sich zeigen, ob eine Standesorganisation es schafft, eine eigene international anerkannte Redaktion einer rein digitalen Zeitschft durchzusetzen - und dabei gleichzeitig Verlage vollständig auszuschließen, auch die Standesorganisations- oder Gesellschafts/Vereins-eigene...

Die FASEB wäre eine gute Idee gewesen, doch ausgerechnet sie hat total versagt...

Auch alte Artikel im FASEB-Journal sind nach wie vor nur gegen Geld zu haben. Prüfen Sie es nach!

 

Bei den Physikern sieht es seit Jahren anders aus. So hat zB das IOP "Institute of Physics" als eine der ersten Institutionen seine Zeitschriften vollständig ins WWW verlagert.

http://www.iop.org

 

Zurück zur "American Society for Microbiology":

http://journals.asm.org:80/

Sie publiziert 10 Zeitschriften: "The Society's 10 journals cover the spectrum of microbiology, from molecular and cellular biology to biomedical research and technology."

 
http://aac.asm.org    Antimicrobial Agents and Chemotherapy
http://aem.asm.org    Applied and Environmental Microbiology
http://cdli.asm.org   Clinical and Diagnostic Laboratory Immunology
http://cmr.asm.org    Clinical Microbiology Reviews (*)
http://iai.asm.org    Infection and Immunity
http://jb.asm.org     Journal of Bacteriology
http://jcm.asm.org    Journal of Clinical Microbiology
http://jvi.asm.org    Journal of Virology
http://mmbr.asm.org   Microbiology and Molecular Biology Reviews (*)
http://mcb.asm.org    Molecular and Cellular Biology

http://journals.asm.org:80/minireviews.shtml 
Minireview Collection

In diesen Zeitschriften befindet sich eine erfreuliche Menge an Wissen, auch über Infektionen, die von Zecken übertragen werden. Nach 6 Monaten (bzw * 12 Monaten) sind diese Artikel frei erhältlich!

 

Unterstützung der Boycott-Aktion

Zur Unterstützung der Boycott-Aktion gibt es eine Unterschriftenliste im WWW:

http://www.publiclibraryofscience.org/cgi-bin/plosSign.pl

Unterschrieben lautet der Text:

Als Bestätigung erhält man eine Email:

 

Das "NEJM New England Journal of Medicine" hat in seiner aktuellen Ausgabe vom 12. Juni 2001 einen Sonderteil über Lyme-Disease.

Bemerkenswert dieser Hinweis:

Wegen der möglichen Wichtigkeit für die Behandlung von Lyme-Disease werden diese Artikel nicht nur einen Monat früher ins WWW gestellt, (die endgültigen Versionen werden im Juli 2001 veröffentlicht), sondern auch schon jetzt als Jedermann zugänglichem Volltext.

Im folgenden die Titel und URLs dieser Vorabversionen:


The New England Journal of Medicine

http://content.nejm.org/

is owned, published, and copyrighted 2001
Massachusetts Medical Society.

- - - * - - -
Prophylaxis with Single-Dose Doxycycline for the Prevention of Lyme Disease after an Ixodes scapularis Tick Bite

Robert B. Nadelman, M.D., John Nowakowski, M.D., Durland Fish, Ph.D., Richard C. Falco, Ph.D., Katherine Freeman, Dr.P.H., Donna McKenna, R.N., Peter Welch, M.D., Robert Marcus, M.D., Maria E. Agüero-Rosenfeld, M.D., David T. Dennis, M.D., and Gary P. Wormser, M.D., for the Tick Bite Study Group

http://www.nejm.org/earlyrelease/feature.asp?strxmlfilename=20010712/01071201

- - - * - - -
Two Controlled Trials of Antibiotic Treatment in Patients with Persistent Symptoms and a History of Lyme Disease

Mark S. Klempner, M.D., Linden T. Hu, M.D., Janine Evans, M.D., Christopher H. Schmid, Ph.D., Gary M. Johnson, Richard P. Trevino, B.S., DeLona Norton, M.P.H., Lois Levy, M.S.W., Diane Wall, R.N., John McCall, Mark Kosinski, M.A., and Arthur Weinstein, M.D.

http://www.nejm.org/earlyrelease/feature.asp?strxmlfilename=20010712/01071202

- - - * - - -
Lyme Disease

Allen C. Steere, M.D.

http://www.nejm.org/earlyrelease/feature.asp?strxmlfilename=20010712/01071207

- - - * - - -
Doxycycline for Tick Bites - Not for Everyone
Editorial
Eugene D. Shapiro, M.D.
Yale University School of Medicine
New Haven, CT 06520-8064

http://www.nejm.org/earlyrelease/feature.asp?strxmlfilename=20010712/01071209


Ein Zeichen der Güte oder der Einsicht oder des Nachgebens? Wer weiß? Wichtig ist, daß die Artikel für Jedermann SOFORT in voller Länge völlig frei zur Verfügung stehen. DAS zählt.

 

Feudalstaat Deutschland

Ein Blick dorthin, wo in Deutschland die Fäden zusammenlaufen: bei den staatlichen Institutionen wie zB dem BGVV, dem "Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin" in Berlin.

BGVV und andere Institute geben das "Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz" heraus. Die Herausgeberinstitute sind laut

Also staatliche Institutionen!

Dennoch findet man in

Greifen wir uns einen Artikel heraus, zum Beispiel diesen über Zecken etc:

Überzeugen Sie sich selbst: Der Abstract ist frei verfügbar, doch der Volltext ist gesperrt.

Das "Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz" ist ein amtliches Blatt. Wie jedoch

http://link.springer.de/link/service/journals/00103/bibs/1044002/10440181.htm

beweist: Selbst Amtliche Mitteilungen sind gesperrt!:

Mit staatlichen Mitteln - auf Kosten und im Namen der Bürger - wird Grundlagenforschung betrieben, deren Ergebnisse den Bürgern jedoch vorenthalten. Es sei denn, er zahlt NOCH EINMAL - an eine Privatfirma.

Der Staat ist keine Privatfirma und er darf auch nicht dazu verkommen.

Der Staat hat nicht das Recht, aus öffentlichen Mitteln (also vom Geld der Bürger) bezahlte Leistungen an private Firmen zur gewerblichen Nutzung dieser Leistungen zu verschenken und dabei gleichzeitig die Bürger auszuschließen.

Allein schon das gezeigte Beispiel der Amtlichen Mitteilungen spricht Bände...

Im Forum des Gesundheitsministeriums wurde am 28.2.2001 von einer engagierten Teilnehmerin auf diesen Mißstand hingewiesen. Doch es kam weder eine Antwort des Ministeriums noch hat sich an diesem unglaublichen Versagen des Ministeriums auch nur das geringste geändert.

 

Im Interesse der Kranken MUSS hier etwas geändert werden.

Bitte helfen Sie mit: Bitte unterschreiben Sie den Offenen Brief und geben ihn weiter.

Bitte helfen Sie mit, auch in Deutschland die defakto-Leibeigenschaft zu beenden. Es hieß vor noch gar nicht langer Zeit: "Wir sind das Volk!"

Es wäre schön, wenn dies endlich wahr würde...

Aribert Deckers

- - -
 


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