Das Milliardengrab in Bremerhaven


Einkaufszentrum mit Aquarium


 

Leserbrief IV (Sonntagsjournal) vom 10.5.1998

Endlich ist die Katze aus dem Sack: der großartig verkündete weltweit einmalige Oceanpark entpuppt sich als schlichtes Einkaufszentrum mit angeschlossenem Aquarium. Denn: Nach den Vorgaben des Landeswirtschaftsausschusses in Bremen soll sich die Verkaufsfläche innerhalb des Oceanparks auf rund 25000 qm mehr als verzehnfachen. Angesichts der großen öffentlichen Subventionierung von rund 60% der Investitionssumme ist die neue wirtschaftliche Weichenstellung durchaus realistisch, denn welcher Einzelhandelskonzern möchte sich eine solch großzügige Bezuschussung einer innerstädtischen Ladensituation entgehen lassen. Nachdem in den letzten Jahren überall im Stadtgebiet neue Supermärkte entstanden und entstehen, nimmt man städtebaulich nun die innerstädtische Deich- und Hafenlandschaft Bremerhavens ins Visier und entwickelt sie zum großen hochglanzpolierten Glitzersupermarkt mit angeschlossenen Freizeitelementen. Was anderswo an Autobahnen verborgen bleibt, haben wir dann mitten im Herzen der Stadt.

Die städtebaulichen und arbeitsmarktpolitischen Folgen zeichnen sich deutlich ab. Im neuen Einkaufszentrum "Oceanpark" werden sich die finanziell potenten Laden-, Freizeit- und Restaurantketten ansiedeln, bzw. umsiedeln. Die innerstädtische Einkaufszone verlagert sich von der "Bürger" zur Weser hin. Die Bürgermeister-Smidt-Straße wird nach Vorbild der Hafen- und Georgstraße und der "Alten Bürger" zur weiteren Billig- und Schmuddelmeile, zum Hinterhof des Oceanparks. Die Bremerhavener Einzelhandelsgeschäfte, die es sich leisten können und die die zweijährige Großbaustellenzeit wirtschaftlich überleben konnten, müssen mitumziehen und zusammmen mit den Ladenketten ihr Angebot an den Deich verlegen. Die rund 200 neuen Läden des Oceanparks bringen neue Arbeitsplätzen - aber gleichzeitig fallen weit mehr alte Arbeitsplätze in den traditionellen Bremerhavener Geschäften weg. Neu hinzu kommen allerdings die 88 Arbeitsplätze in der wundersamen Scheinwelt des "Blauen Planeten". Dafür hat man nun allerdings die Verkehrssituation der Innenstadt chaotisiert, das letzte Tafelsilber Bremerhavens verkauft und sich seine städtebauliche und arbeitsmarktpolitische Zukunft auf Jahrzehnte verbaut. Aber: Es wurden Zeichen gesetzt und es ging voran in welche Richtung auch immer! So mag man denn den Oceanpark zurecht als Jahrhundertprojekt bezeichnen.

Prof. Dr. Jürgen Milchert, Bremerhaven
 

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