Das Milliardengrab in Bremerhaven


Nein zum Oceanpark


 

Antwort auf den Leserbrief von Dr.Lüneburg (durfte im Sonntagsjournal nicht erscheinen)

Endlich scheint es im Umweg über die Leserbriefspalten zu einer Diskussion über den tatsächlichen arbeitsmarktpolitischen Nutzen des Oceanparks zu kommen. Bisher ist die Jubelkampagne der Ozeanparkbefürworter so gewaltig wie inhaltsleer: "Der Oceanpark muß her, weil er unsere letzte Chance ist. Genaues wissen wir auch nicht". Wahrscheinlich ist die unsachliche Polemik der Erwiderung des Geschäftsführers der Oceanparkentwicklungsgesellschaft Dr. Lüneburg darauf zurückzuführen, wie sehr meine kritischen Argumente eigentlich ins Schwarze getroffen haben.

1. Erstaunlich viele Argumente, die ich gegen den Oceanpark anführte, bleiben in der ausführlichen Erwiderung von Dr. Lüneburg unwidersprochen: Unwidersprochen bleibt, daß es sich bei den durch den Oceanpark gewonnenen Arbeitsplätzen vor allem um 620-Jobs handelt, daß das Entstehen eines großen neuen Einkaufszentrums zu Arbeitsplatzverlusten und neuem Leerstand im mittelständischen Bremerhavener Einzelhandel führt und daß es durch den Verkauf des sogenannten Tafelsilbers bei den dort Beschäftigten (Stäwog, Entsorgungsbetriebe, Stadtwerke, Müllverbrennungsanlage usw) zum Stellenabbau kommt. Zieht man die verlorenen Arbeitsplätze von den im Rahmen des Oceanparks neu entstehenden ab, so dürfte sich ein teures Nullsummenspiel ergeben.

2. Herr Dr. Lüneburg schreibt, das jeder hinzugewonnene Arbeitsplatz "nur" mit 423 300 DM öffentlich subventioniert wird. Dabei geht er von 1500 neuen Arbeitsplätzen aus. Ich wäre ihm sehr dankbar, wenn er diese Zahl einmal ausführlich aufschlüsselt, betriebswirtschaftlich konkretisiert und mit einer Kosten/Nutzen/Analyse versieht. Da scheinen mir die bisherigen Angaben der Köllmanngruppe von 680 Arbeitsplätzen realitätsnäher. Herr Dr. Lüneburg geht von 635 Millionen an öffentlichen Subventionen aus. Dies bedeutet daß jeder Arbeitsplatz mit knapp 1 Million DM subventioniert wird. Rechnet man zu diesen Kosten noch andere direkte und indirekte Subventionsleistungen hinzu, wie beispielsweise die kostenlose Überlassung des Grundstückes, notwendige Bodensanierungskosten, Verlustabschreibungen, Planungskosten der Stadtverwaltung und die Unterhaltungskosten im öffentlichen Bereich, so ergeben sich weitere Subventionen in dreistelliger Millionenhöhe sowie jährlich anfallende Unterhaltungs- und Erneuerungskosten in zweistelliger Millionenhöhe. Jeder neue Arbeitsplatz wird damit bald mit rund 1,5 Millionen DM Steuergeldern subventioniert, d.h. der Schuldendienst übertrifft die Lohnsummen um ein Vielfaches.

3. Meine Sorge, daß das Image der Stadt sich als Kitschtown weiter verschlechtert und damit Bremerhaven als Wohn- und Investitionsstandort "verbrannt" ist, tut Herr Dr. Lüneburg mit "ewiges Genörgel" und dem Verweis ab, auf "welcher Wolke ich eigentlich lebe". Mir gefällt es ganz gut auf der Wolke Bremerhaven, während Herr Dr. Lüneburg weit ab vom Oceanparkrummel in Bremen wohnt. Aus der Bremer Ferne mag man vielleicht guten Gewissens uns Bremerhavenern die Kitschwelt des Oceanparks verordnen.

Leider muß ich bei meiner Einschätzung bleiben, daß der Oceanpark eine gigantische Fehlentscheidung ist, weil ein wirtschaftlicher Erfolg des Projektes eine städtebauliche Katastrophe wäre und ein Scheitern des Projektes den finanziellen Ruin für diese Stadt bedeutet. Da unsere Entscheidungsträger schon nicht den eigenen Bürgern glauben, sollten sie vielleicht die seriöse überregionale Presse zu Rate ziehen: Die bisher erschienenen Artikel in der ZEIT, der WELT, der FAZ und der SÜDDEUTSCHEN und die darin zitierten unabhängigen Experten beurteilen den Oceanpark allesamt skeptisch bis ablehnend. Die konkreten Erfahrungen, die man bei ähnlichen Projekten in Frankfurt und Berlin gemacht hat, sind ebenfalls negativ: Nachdem Köllmann zunächst mit vollmundig verkündeten Besucherströmen den mittelständischen Handel zu überteuerten Mietpreisen in seine neuen Wunderwelten gelockt hat, sind hier heutzutage nun Pleiten, Leerstand und Besuchermangel zu beobachten. Deshalb werden wir Bremerhavener Bürgerinnen und Bürger in dem von uns durchgesetzten Bürgerentscheid am 7. März den Oceanpark ablehnen.

Prof. Dr. Jürgen Milchert, Bremerhaven
 

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