nichts ist ohne folgen - the techno-logical society frontier

by Petra

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Petra
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Antares Real-Estate
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Die Deutschen hat man gefragt,
warum sie Hitler nicht verhindert haben.

Euch wird man fragen,
warum Ihr Java(script) nicht verhindert habt.


Die folgenden Meldungen stammen aus der Zeit vor dem 01.10.1996. 
Ergänzt: 20.8.97

P-001
Ein sehr wichtiger Punkt, der aber von allen Testern von Monitoren prinzipiell vergessen wird, ist die Tatsache, daß die Benutzer nicht starr vor dem Monitor sitzen wie bei einem Fernseher, wo man 1000 Personen mit dem gleichen Programm identisch berieseln kann, sondern daß die Benutzer arbeiten und auf dem Bildschirm Antworten des Programms erhalten. Ich behaupte, daß die meisten Anwender nicht durch die Computer bzw. die Monitore geschädigt werden, sondern durch die Software. Will man sinnvolle Werte bekommen, so muß man an allen Arbeitsplätzen das exakt gleiche Programm und die exakt gleichen Arbeitsaufgaben hinstellen. Genau das tut aber niemand, weil ein derartiger Test viel zu teuer wäre. Bei den hochqualitativen Monitoren ist die Software sogar eminent wichtig: Textverarbeitung ist etwas vollkommen anderes als zB. Bildbearbeitung. Bei Bildbearbeitung stellen die Anwender die Helligkeit und den Kontrast meist sehr hoch ein - und sitzen dann auch noch 8 Stunden lang davor. Das kann natürlich nichts werden. Billigere Monitore, die fast immer kein so hochweißes Bild liefern (weil sie unscharf würden), werden eben nicht so hell eingestellt. Auch das muß bei den Tests bedacht werden. Ich behaupte, daß bis heute niemand die tatsächlichen Helligkeitswerte und Kontrastwerte bei den Tests gemessen hat und erst recht nicht, wie oft diese Werte vom Anwender geändert werden. Jemand, der seinen Monitor ständig nachregelt, geht mit dem Gerät wesentlich besser um als jemand, der ihn einstellt und den ganzen Tag mit den ewig gleichen Werten arbeitet. Das halten nämlich auch die besten Augen nicht aus!

P-002
Das Fotokopieren in Schulen ist nicht kostenlos, sondern der Staat (das heißt: wir!) zahlt dafür. Dafür erhielt die VG WORT (ist für Bücher und so weiter das, was die GEMA für Musik ist) z.B. 1994 3,39 Mio DM. Dabei geht man von einem durchschnittlichen Aufkommen von 13,4 Kopien pro Schüler und Jahr aus, für die jeweils 2 Pfennig bezahlt werden. Die Schülerzahl entscheidet, wie hoch jedes Jahr der Endbetrag ist (1993 waren es 3,35 Mio DM). Die VG WORT schüttet das Geld dann an die Autoren und Verlage aus, wobei das Verfahren ein fauler Kompromiß ist, so daß nicht jeder, der tatsächlich kopiert wurde, etwas bekommt. Da eine exakte Überprüfung der Kopien aber aus Gründen des zu hohen Aufwandes nicht möglich ist, gibt es zur Zeit noch keine andere Lösung für die Erfassung. Es wurden jedoch im Herbst 1994 an rund 3% aller Schulen (ein sehr hoher Aufwand!) neue Untersuchungen durchgeführt, um festzustellen, wieviel Kopien denn jetzt tatsächlich pro Schüler und Jahr gemacht werden. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt - man ist immer noch noch mit der Auszählung beschäftigt. Die Zahl von 13,4 Kopien ist übrigens schon lange überholt und der Betrag von 2 Pfennig pro Kopie ist ebenfalls schon seit Jahren viel zu gering. Das wird sogar in Bonn zugegeben. (Nur: Getan wird nichts.) Der Betrag von 2 Pfennig ist nämlich per Gesetz festgelegt! Die Frage der Verteilung des eingenommenen Geldes ist schon immer ein heißes Thema gewesen, weil vielverkaufte Autoren wie Simmel, Konsalik usw. mehr Geld bekommen - und wer würde ausgerechnet Belletristik-Bestseller kopieren!? Die Opfer sind die technischen und wissenschaftlichen Autoren und Verlage, die sehr hohen Aufwand treiben für ein Buch - und ausgerechnet die werden dann am meisten kopiert. Und noch etwas Neues: So wie für Kopier-Geräte und Fax-Geräte gibt es jetzt auch eine Kopierabgabe für Scanner. Diese wird rückwirkend auch für 1994 erhoben. Jetzt müssen einige Importeure ganz tief in die Tasche greifen...

Nachtrag:
Die oben genannte Erhebung wurde vor mehr als einem Jahr ausgewertet und auf Grund der Ergebnisse wurden der VG WORT neue Berechnungsgrundlagen zugestanden. Sobald ich die neuesten Zahlen habe, werde ich sie hier veröffentlichen.

Nachtrag, 20.8.97
Außer VG Wort und VG Bildkunst wird auch die VG Musikedition an den Zahlungen der Länder für Fotokopien in Schulen beteiligt. Die VG Wort erhielt 1996 5,9 Millionen DM.


P-003
schrieb ich vor einigen Tagen für eine Tagung. Justament an diesem Tag stellt sich dann heraus, daß auch die VIAG gräbt und ganz intensiv im Telekommunikationsgeschäft mitmischt! Muß ich noch sagen sagen, daß die VIAG Interkom gegründet wurde von Klöckner, Bayernwerk und TB&D , sowie BT (einst "Britisch Telecom")? Muß ich noch sagen, daß das Bayernwerk bereits 4000 km Glasfaserkabel vergraben hat? Muß ich noch sagen, daß der größte europäische Händler für Computerperipherie, die Computer 2000 AG, zu 51% Klöckner gehört seit dem 1.1.1995? Außerdem hatte BT bereits vor dem Deal einen 20%-igen Anteil an MCI, dem zweitgrößten US-Carrier.

P-004
Die schlechte Meinung der Anwender über die Benutzerführung (hochtrabend "GUI" genannt) ist verständlich. So war vor einigen Monaten zu lesen, daß den Anwendern durchschnittlich (!) 43% der Arbeitszeit dadurch verlorengehen, bis sie es endlich geschafft haben, das Programm dazu zu bringen, daß es endlich tut, was sie wollen. Da sind in den Konzernen ganze Abteilungen ("Controlling") damit auschließlich beschäftigt, Einsparungen von "3 Prozent hier" und "2 Prozent da" durchzuführen - und dann gehen satte 43% durch Software verloren. Bestätigt auch die alte EDV-Regel: "Je mehr EDV es hier gibt, desto mehr schreibe ich von Hand"...

P-005
Zu Fragen des Kaufs bzw. des Verkauf von gebundle-ter Software 

Das Problem bei Lotus war, daß einige ihrer Ansichten mit geltendem Recht kollidierten. So verfügten sie, daß der Käufer eines Rechners, dem Lotus-Software beigegeben war, diese Software nur auf eben diesem Rechner nutzen durfte, nicht einmal auf einem anderen Rechner, den der Käufer auch besaß - obwohl der Käufer diese Software ausschließlich auf dem 2. Rechner angewendet hätte, also keine Raubkopie gemacht hätte.

Die Übergabe der Programme an den Käufer muß nicht an Disketten gebunden sein. Weil Lotus auf dem erstgenannten Punkt beharrte, war es nur folgerichtig, die Programme auf der Festplatte des Rechners auszuliefern. Handbücher waren nach Herrn Lotus Meinung auch nicht unbedingt notwendig. Das Leistungspaket, das der Käufer erworben hat, ist eine Frage der Preisgestaltung, die im übrigen auch keine Originaldisketten vorsah. Wer Disketten wollte, mußte diese durch ein Aufgeld extra kaufen und bekam vom Händler kopierte Disketten. Dem entspricht auch, daß die Hotline-Funktion auf den Händler übertragen wurde. Sinngemäß fortgeführt, kann sich Lotus auf den Standpunkt stellen, daß mit dem Verkauf oder Tod des Computers auch die Nutzungsmöglichkeit des Programms endet. Hiergegen vorgehen zu wollen, würde notfalls einen Rechtsstreit bedeuten, den ich sehr gerne riskieren würde. Der einzige Beweis für den korrekten Erwerb eines der Lotus-Programme dürfte in der Auflistung der Programme in einem Werbeprospekt oder einer Zeitungsanzeige des Händler bestehen - aber wer bewahrt so etwas schon jahrelang auf!?

Da Lotus inzwischen durch IBM aufgekauft wurde, wird sich das Geschäftsgebahren hoffentlich wieder zivilisierten Gepflogenheiten zuwenden.

Vielleicht sollte IBM auch noch ein paar andere Firmen aufkaufen, allein aus diesem Grund... In "PC-Online", 8/95 ist auf Seite 141 aus einer brandneuen (!) Lizenzvereinbarung abgedruckt: "Der Lizenznehmer darf das Handbuch, sowie die Programme und die sie enthaltenden Datenträger nicht veräußern, vermieten, verleihen oder sonstwie Dritten überlassen." Gemeint ist: Nicht einmal bei einem Verkauf der teuren ISDN-Video-Konferenz-Karte, um die es hier geht, dürfte er dem Käufer der Karte die Programme mitgeben, die aber zum Betrieb der Karte notwendig sind, und die er im Paket mit der Karte erworben hatte! Schlimmer noch: Nach 3-maligem Installationsversuch ist die Karte von der Control-Software absichtlich als "tot" eingestellt und funktioniert nicht mehr! (Kann erst nach Anruf beim Hersteller "wiedererweckt" werden.)


P-006
Microsoft hat sich weit aus dem Fenster gelehnt: So werden die von den US-Behörden inkriminierten automatischen Netz-Anbindungen an das Microsoft-Netz trotz der Entscheidung der Behörden bei Windows95 ausliefert. Das braucht niemanden zu wundern, denn dies ist nur eine Frage der Kostenrechnung: Wieviel Millionen kann notfalls eine Verurteilung durch die Behörde kosten - und wieviel verdient Microsoft durch die Netzgebühren durch all jene, die ahnungslos auf den Betrug hereingefallen sind? Und welchen Wettbewerbsvorsprung (in Millionen $) verschafft sich Microsoft durch seine Verachtung der US-Behörde für seinen Netzservice? Ist das nicht eine Verlachung der Justiz und der Gerechtigkeit!? Herr Staatsanwalt, hier ist eine Aufgabe für Sie!

P-007
Microsoft gibt jetzt (!) zu, daß mehrere hundert Applikationen, die unter Windows 3.x noch liefen, unter Windows95 nicht mehr funktionieren. Das zeigt, was für ein gigantischer Bluff die Sache mit der Beta-Version war, denn diese Dinge sind spätestens beim Testen zutage getreten, hätten also schon seit Monaten korrigiert werden können. Nicht nur, daß man für die Beta-Version zahlen mußte - nein - sie ist auch noch zeitlich terminiert und versagt ab Tag X. Und man korrigiert offensichtlich auch nicht die gemeldeten Fehler! Das riecht ein bißchen zu stark nach Kalkül, denn die betroffenen Hersteller sind jetzt gezwungen, ihre Programme anzupassen, was den Kauf von Entwicklungsumgebungen für Windows95 erfordert und hohe Kosten durch die Microsoft Developers Hotline (einige Zigtausend Dollar pro Person) - und den betroffenen Herstellern außerdem einen empfindlichen Wettbewerbsnachteil bringt, denn über mehrere Monate sind ihre Verkäufe empfindlich betroffen und jene Anwender, die ahnungslos auf Windows95 umrüsten, werden die Hotlines ihrer Softwarehersteller lähmen, der Ruf dieser Firmen wird durch die Pressemeldungen über die Inkompatibilitäten geschädigt. Microsoft hat es mal wieder geschafft...

P-008
"So wird aus Ihrem Geschäft eine Goldgrube" "Das goldene Zeitalter beginnt am 1. Juli" Wo das steht? Bei Microsoft natürlich, im "Monatsspiegel, Information für den PC-Fachhandel", Ausgabe Juli/95, auf der Titelseite. Und es wird erzählt, was man so alles verdienen kann. Schaut man genauer hin, entdeckt man folgendes Juwel: Von Windows95 gibt es bis zur Verfügbarkeit des kommerziellen Produkts Windows95 die Testversion gratis, 5 Stück pro Geschäfsstelle, damit "wird Microsoft auch End- und Heimanwender einbeziehen". Was bedeutet das in realiter? Der Händler wird dem Kunden auf einem PC die Testversion Windows95 installieren und darauf kommen (durch Händler oder Käufer) die Anwendungsprogramme. Kurze Zeit später endet dann die Nutzungszeit der Testversion und der Kunde, der auf dem Rechner arbeitet, Buchungen gemacht hat und vieles anderes mehr, sitzt mit einem Haufen Datenschrott da, den er nur dadurch wieder zum Leben erwecken kann, daß er 200 DM auf den Tisch legt für das Update auf die Vollversion von Windows95. Ich meine, ein Fall für den Staatsanwalt.

P-009
Ein Zitat:

Was sagt uns das? Hier steht nichts anderes, als daß Microsoft genau das tut, was IBM schon vor Jahren richterlich verboten wurde, nämlich eine Kopplung von Hard- und Softwaregeschäft. Hier versucht eine Firma, das Urheberrecht, das ja die Autoren der Software schützen soll, auszuhebeln, um sich durch eine Hintertür unerlaubte Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Der Fall OS/2 kontra Windows bei vorinstallierten PCs dürfte noch jedem im Ohr klingen.

Was kann man dagegen tun?

Und jetzt die Frage nach dem Schaden: Wer ist tatsächlich durch die Praktiken Microsofts geschädigt?

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PS: Da war ich leider etwas zu hoffnungsfroh, denn am 24.10.1996 meldet die CZ [p5, "kurz notiert"], daß das Berliner Landgericht ein Urteil gegen einen Berliner Händler bestätigt habe (offensichtlich in einer Revision), der Microsoft-OEM-SOftware ohne Hardware verkauft hatte.

Da werden wir also der Justiz noch eine Weile Bedenkzeit geben müssen...

Na denn, die Katholische Kirche hat bei Galileo Galilei auch a bisserl gebraucht...


P-010
Schon wieder ein unglaubliches Werbegetöse für Freischalt-CDs. Diese werden für einen Straßenpreis von 6,-- - 10,-- DM verkauft. Dem Handel geht der eigentliche Gewinn verloren, weil die Software-Hersteller die Groß- und die Einzelhandels-Gewinnspanne für sich einstreichen können, da sie beim Freischalten im Direktvertrieb arbeiten. Der Fachhandel wird nur noch mißbraucht als Verteiler einer minderwertigen Ware (der CD), deren Handlingkosten für ihn wesentlich größer sind als die Gewinnspanne.

Die angeblichen Verluste durch Raubkopierer werden lächelnd weggesteckt. Im Gegenteil: Sinken die Verkaufszahlen gar zu arg, dann kann man ja mal eben nachhelfen und die Codes in irgendwelche Mailboxen lancieren...

Es gibt bereits Angebote an den Fachhandel, in denen explizit (als Werbe- und Verkaufsargument!) gedruckt steht: "...nach Angaben des Herstellers sind die meisten Codes bereits in Mailboxen verfügbar."


P-011
Es wird eine neue Einheit geben, die "Informationsrate". Sie gibt den Zuwachs der Datenmenge pro Zeiteinheit ein, zB. 4 GigaByte/Monat. Folglich wird es auch eine Größe für die Beschleunigung dieser Meßgröße geben, so wie die Inflationsrate. Mit beidem wird man die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und der Netzwerke insgesamt messen, ebenso einzelnen Unternehmen oder Bereiche. Es wird eine Korrelation zum Aktienmarkt folgen. Vielleicht finden wir sie neben dem Nikkei-Index in der Börse...

P-012
Wer sich bei Mailboxen einloggt, muß jetzt damit rechnen, daß ihm das Programm die Platte plündert und seine Daten in die Mailbox funkt. Damit dies nicht auffällt, natürlich immer nur portionsweise.

Der berüchtigte Fall jener Firma, die auf Disketten ein Ausspähungsprogramm verschickte, worauf man beim Zurücksenden der Diskette angeblich ein Anwendungs-Programm erhielt, tatsächlich aber Briefe vom Anwalt, wird damit wieder Realität. Nur spart man sich diesmal die teuren Disketten und das Porto, denn das Opfer ruft ja auf seine eigenen Kosten an...

Glaube bitte keiner, daß ihm das bei seiner Mailbox nicht passieren kann, denn es ist ohne weiteres möglich, die Daten als Mails zu versenden, so daß nicht einmal der betreffende Mailboxbetreiber selbst etwas davon weiß.

Und wer weiß schon, ob vielleicht nicht doch die angewählte Mailbox selbst ein großes Interesse an den Daten hat, die bei so mancher Firma etc. in den Rechnern liegen? Wer kann mit Bestimmtheit sagen, daß das Frontend-Programm nicht modifiziert ist oder bereits so programmiert wurde, daß (wie bei einem Virus) nach einem bestimmten Datum oder Ereignis diese Aktivitäten beginnen?

Der Fall, daß sich bei der Installation einer ISDN-Karte die Software ungefragt und ohne jede Ankündigung ganz ungeniert beim Hersteller anwählt und Daten durchgibt, ist bereits Realität! Und der Fall des E-Mail- und News-Programms DICS (Dialup Internet Connection Services) ist genauso Realität!

Was als nächstes kommt, sind Mailboxen bzw. Internet-Services, die ihre eigenen Datenformate haben - es sind bereits einige angekündigt! Weil es keine Reader für diese Datenformate gibt, muß man die von eben diesem Anbieter zur Verfügung gestellten Reader downloaden. Sobald man diese startet, wird die heimische Platte gescannt und Programme und private Dinge werden auf Kosten des Anrufers dem Datenschnüffler frei Haus geliefert. Da hilft nicht einmal eine laufende Kontrolle der ausgehenden Messages, denn diese sind kodiert, also nicht lesbar.

Wie lange schon ist die Industrie-Spionage mit dieser Methode aktiv, um weltweit Firmen-Rechner und private Rechner auszuplündern?


P-013
Der Herr von Gravenreuth liegt einigen im Magen...

Die Funktion von Herrn von Gravenreuth besteht darin, alle kleinen Kopierer abzuschrecken. Die Kosten dafür muß jeder zahlen, der erwischt wurde. Raubkopieren an sich hat nichts mit der Stückzahl zu tun, sondern mit dem Faktum des Herstellens einer Kopie. Das betrifft kleine Raubkopierer und große (wie Microsoft, siehe Fall STAC). Um die großen Kopierer kümmern sich die Hersteller höchstpersönlich, die "Drecksarbeit" (so schrieb TINA so treffend) bei den Endusern jedoch überläßt man jenen, die sich damit begnügen wollen - oder läßt sie ganz, weil man sich zu vornehm ist. Die BSA Business Software Alliance übt zwar einen tiefen Bass, ist aber nichts anderes als ein Riesenbluff. Wenn jemandem wirklich die Ehre gebührt, etwas für das Urheberrecht in Deutschland getan zu haben, dann zweifelsohne Herrn von Gravenreuth. Um es deutlich zu zeigen: Es gibt Programmierer in Deutschland, deren Programme auf Zigtausenden von Rechnern benutzt werden, die aber für ihre Arbeit keinen Pfennig bekommen haben. Von irgendetwas muß man seine Miete zahlen - aber wovon, wenn einem der Arbeitslohn gestohlen wird!? Da spielt es keine Rolle, wer denn nun der Dieb war.


P-014
Telefonieren ist nicht nur teuer, es ist auch gefährlich. Durch die neuen Sprachanalyse-Verfahren kann mit sehr schnellen Rechnern in Echtzeit nach "kritischen" Wörtern gesucht werden. Werden diese Wörter entdeckt, so wird das Gespräch vollautomatisch mitgeschnitten. Damit ist nicht nur die Realtime-Überwachung jedes Datenverkehrs, sondern jede Kommunikation überwachbar.

P-015
Grundsätzliches zu Angaben in Zoll und Zentimeter: Wenn jemand gewerblich Disketten anbietet, und dies mit Zoll-Angaben (3,5 Zoll oder 5,25 Zoll) tut, dann ist das korrekt und ist kein unlauterer Wettbewerb, denn bei diesen Bezeichungen handelt es sich um "eingespielte Fachterminologie, die hilft, Verständigungsfehler zu vermeiden."

Obwohl die meisten Menschen das gleiche für Bildschirme empfinden würden, ist eine alleinige Zoll-Angabe bei Bildschirmen riskant (und daher dringendst zu vermeiden!), weil es widersprüchliche Urteile hierzu gibt. Bei Bildschirmen handelt es sich bei ihrer Größenangabe um eine Meßgröße, die auf den Wert einen Einfluß hat - und eine Maßangabe in Zentimetern ist in Deutschland angeblich für jeden leicht und einfach nachvollziehbar.

Die Meinung von Gerichten, wonach die Kunden sich eher nach den für sie verständlicheren Zentimeter-Angaben richten und Angebote mit Zoll-Angaben weniger beachten würden oder gar ganz unbeachtet ließen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich ignoriere prinzipiell alle Angebote mit Zentimeter-Angaben. Um die Leistung eines Gerätes im Verhältnis zu seinem Preis einschätzen zu können, muß ich mich auf das seit langen Jahren etablierte Einordnungssystem beziehen - und das basiert auf den Zoll-Angaben!


P-016
Die "Intel outside"-Aufkleber 

Es gab vor kurzem den Fall eines Apothekers, der "den Scheiß des Monats" in seinem Schaufenster angeprangert hat: nutzlose oder gefährliche Pharmaka. Dieser Mann wurde verurteilt, weil er das Ansehen der Hersteller eben dieser Pharmaka herabgesetzt hat. Ein solches Gerichts-Verfahren ist extrem teuer, weil es nach dem UWG (Gesetz wider unlauteren Wettbewerb) abgehandelt wird, wobei erstens 2 Verfahren entstehen, also 2x alle Kosten und zweitens die Kosten nach dem Umsatz (!) berechnet werden, was die Kosten ganz gewaltig emporschleudert!

Da bei einem Aufkleber mit "Intel outside" der Name "Intel" erwähnt ist, ist die Verurteilung 100%-ig sicher!

Beispiel 2: Ein kleines ostdeutsches Taxiunternehmen ist von der Firma 4711 verklagt worden, weil das Taxiunternehmen mit seiner Telefonnummer geworben hatte ("7441" oder so ähnlich, also eben nicht diese "4711"). Diese Nummer hatte das Taxi-Unternehmen schon lange vor der Wende durch die Post der DDR zugewiesen bekommen und sie in den folgenden Jahren benutzt. Dennoch wurde das Taxiunternehmen vor einigen Wochen in einem UWG-Verfahren "verknackt" (anders kann man es wohl nicht nennen) und muß nun eine Strafe zahlen - und obendrein die Kosten der Verfahren tragen (einige Zigtausend Mark). Man darf sicher sein, daß sich die Mitarbeiter unter "Wiedervereinigung" etwas anderes vorgestellt hatten...


P-017
Jemand behauptet, der Autor eines Programms würde sein Urheberrecht 
verlieren.

Werter Herr! Sie unterliegen einem Irrglauben, denn der Autor eines Programms kann die Urheberrechte gar nicht verlieren oder abgeben. Die Urheberrechte sind unveräußerlich! So kann der Maler eines Bildes, dessen Preis plötzlich sehr stark gestiegen ist, eine Nachforderung geltend machen, weil ihm vom Käufer ein viel zu geringer Betrag gezahlt wurde. Dies gilt trotz Kaufvertrag, denn das Urheberrecht ist hier der entscheidende Teil!

Worum es gerade im Bereich der Software geht, sind die Nutzungsrechte. Ein Autor von "Public Domain" hat nach wie vor alle Urheberrechte (das wissen Sie inzwischen), aber er erlaubt die kostenfreie Nutzung seines Programms unter entsprechenden Bedingungen. Siehe Paragraph 12 des Urheberrechtsgesetzes: "Veröffentlichgungsrecht: (1) Der Urheber hat das Recht, zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist." So kann er ohne weiteres das kommerzielle Kopieren untersagen. Die Aussage eines kommerziellen Kopierers, daß er nur die Selbstkosten berechnet habe, ist völlig sinnlos und unzureichend, da die Selbstkosten durch die Kostenrechnung der Firma manipulierbar sind. Außerdem gibt es eine ganze Menge Firmen, die sogar hervorragend davon leben, daß sie ausschließlich "PD" kopieren. Dieses Kopieren aber ist ein ganz eklatanter Rechtsbruch! Exakt nach den Bestimmungen fast aller PD-Autoren dürfen PD-Programme ausschließlich von Privatpersonen kopiert werden. (Auch die Anwendung der Programme ist nur zu privaten Zwecken gestattet.) Wenn endlich noch mehr Autoren die Kopier-Firmen verklagen würden, so wäre das für mich Weihnachten, Neujahr und Ostern an einem Tag...

Ihre Aussage "Jeder in dieser Zeitung wird Ihnen bestätigen..." ist - oh, oh! - juristisch falsch. Recht ist nicht durch ein Mehrheitsverhältnis von Aussagen von Zeitungslesern bestimmbar, sondern ausschließlich durch staatliche Organe. Dazu zählen die Leser einer Zeitung sicherlich nicht.


P-018
Sun und ein paar andere planen einen neuen Rechner, der um die 200 US$ kosten soll, keine eigene Platte hat, dafür aber einen Internet-Anschluß (vulgo: ein Modem). Die Sache ist gar nicht so dumm, wie sie aussieht, denn sie hat natürlich einen Haken: Wo bekommt der Rechner die Programme her und wo schreibt er seine Daten hin? Antwort: Die Programme werden aus dem Internet geladen und die Daten werden dort auf Servern deponiert. Weil beides natürlich nicht kostenlos sein kann (sonst würde es ja keine von den Firmen in den Markt bringen wollen...), muß man natürlich den Serverplatz mieten - und die Softwarenutzung pro Zugriff oder pro Zeiteinheit bezahlen. Oder beides...

Auch die Herren vom ehrenwerten Gewerbe werden mitmischen: Dank der neuerlichen Geld-Schröpf-Methode werden auch die Telefongebühren besser fließen als die Wasser des Rheins.

Es sei denn, es gäbe private Netze. Um Netze zu haben, gibt es 3 Möglichkeiten:

Eine einzelne Person kann ein solches Netzwerk natürlich nicht aufbauen, aber ein Verein mit ausreichender Finanzkraft durchaus. Beispiel: Der ADAC hat bekanntlich nicht wenig Geld. Die notwendige Mitgliederzahl läßt sich leicht erreichen: Es müssen nur genug mitmachen. Als Basis kann die bestehende Infrastruktur aus privaten Mailbox-Betreiber-Vereinen hochgefahren werden.

Doch zurück zu den "Internet-PCs": Die besagten Firmen wollen ihre Idee als Konkurrenz zu Microsoft haben, denn "...Betriebssysteme werden ..." dann "...nicht mehr als nationales Kulturgut vermarktet, sondern am Tag ihres Erscheinens geladen." Aber selbstverständlich, meine Herren! Man gestatte mir nur eine kleine Frage: Wozu hat Microsoft wohl MSN hochgezogen???


P-019
Ich habe bereits vor Microsofts neuen Vertriebsstrukturen gewarnt. Nun ist auch anderen Leuten ein Licht aufgegangen und sie fragen sich, was es denn dem Fachhandel wohl bringen wird, wenn Microsoft seine Software über das Internet verkauft, also direkt dem Kunden gibt - unter vollständiger Umgehung aller bisherigen Handelswege. Jedoch (ich zitiere einen Bericht): Mit Verlaub, Erlebnisse der dritten Art gibt es für die Kunden genug, sowohl mit den Händlern als auch mit Microsoft. Beim Einkauf über das Internet würden dann jene mit dem Händler wegfallen, dafür aber würde man sich auf Gedeih und Verderb Microsoft vollends in die Hände legen.

Zu Zeiten der alten Inkas gingen die Jungfrauen voll Stolz für ihre Götter freiwillig in den Tod.


P-020
Zu Zeiten der alten Inkas gingen die Jungfrauen voll Stolz für ihre Götter freiwillig in den Tod.
Heute ist es nicht mehr ganz so, wie ehedem. Nach Berichten sind Menschen, die ihren Arbeitsplatz durch neue Technologien verlieren, nicht so friedlich und greifen ihre ehemaligen Arbeitskollegen und Vorgesetzte an - dies jedoch nicht wahllos, auch wenn die Handlungen im Affekt geschehen. Ich vermute, daß nicht irgendwelche Personen, sondern gezielt die vermeintlichen Verursacher für den Arbeitsplatzverlust oder die Schwierigkeiten in der Firma angegriffen werden, oft mit Todesfolgen, so daß wir dies in in den USA in der Liste der gewaltsamen Todesfälle als dritthäufigste Ursache finden. Die Rehabilitationskosten für die Verletzten belaufen sich denn auch auf 4,2 Milliarden Dollar. Das ist mehr als APPLE wert ist laut Aktienkurs.

Wären die Versicherungen intelligent, so würden sie die hauptverantwortlichen Hersteller aufkaufen und die Einführung der Produkte zwangsweise ändern. Das käme sie billiger. Aber rechnen muß man halt können...


P-021
Vorsicht bei "Data Warehouse"! Die Idee eines Data Warehouse ist, Daten, die in Unternehmen anfallen, nicht einfach "verschwinden" zu lassen, sondern sie weiter zu nutzen. Das geschieht aber nicht in dieser Firma, sondern beim Dienstleister, eben dem Data Warehouse. Das hört sich alles wunderbar an. Es ist ja auch soo ökonomisch, wenn man etwas nicht einfach wegwirft, sondern sogar mit Gewinn wieder einsetzen kann. Aber, man denke nach: Das können nicht nur Kundendaten sein, es sind auch Kundendaten!

P-022
Genialer Kopf, dieser Philipp Leibfried. Er sagt, daß durch die Verlagerung von Informationen in Datenbanken diese Information ständig geändert werden kann. Also, sagt er, kann man nie nachprüfen, was reale Fakten sind. Bücher, sagt er, kann man archivieren und als Mensch immer wieder und sofort als Beleg überprüfen. Recht hat er, sag' ich. 1984, here we come...

P-023
Novell hat WordPerfect gekauft, sich verkalkuliert - und will nun das schlechte Stück wieder loswerden. 1,4 Milliarden Dollar hatte Novell auf den Tisch gelegt. Nun mal ernsthaft: Wieviele Programmierer braucht man, um ein gutes Programmpaket zu schreiben? Gäben wir einem guten Programmierer 1 Million pro Jahr (da würde er nicht lästern...), so würden wir 1400 Programmierer 1 ganzes Jahr lang "unter Dampf" halten können. Gönnten wir den Leuten 2 Jahre Zeit, so hätten wir immer noch 700 bei der Arbeit. Es gibt aber Firmen, die haben mit weniger als einer Handvoll Programmierer die Welt auf den Kopf gestellt! Und jetzt also dies. Natürlich ist mein Beispiel nicht realistisch, denn es gibt nur wenige Programmierer, die pro Jahr 1.000.000 Dollar bekommen - selbst bei 100.000 Dollar (sind rund 130.000 DM) würden fast alle himmelhoch jauchzen - und dafür bekäme man 2 Jahre lang 7.000 Programmierer! Was für eine Welt, in der ein indischer Programmierer bei 70-Stunden-Woche für ein ganzes Jahr Arbeit nur rund 5.500 DM bekommt und es dann solche Zahlen gibt.

P-024
Die Telekomm-Firmen kriegen das "Fracksausen", denn die Internet-Applikationen, die ein Telefonieren über die Datenleitungen ermöglichen, schmälern ihren Nepp beim Telefonieren, besonders dem ins Ausland. Was wird die Folge sein?

P-025
Die Dinge, wie "Video on Demand" und all die anderen, die uns mit den interaktiven Dingen ins Haus kommen, haben einen Sinn. Nun, nicht den, den unsereiner gerne hätte. Denn siehe, es gibt da zum Beispiel einen Sender namens "Hot", hinter dem Europas größtes Versandhaus, die Quelle, und der Private Sender "Pro 7" stehen. Das Wissen, daß die Deutschen die weltweit höchsten Umsätze im Versandhandel bringen (439 DM pro Person bei ca 80 Millionen Einwohnern!), verleiht den Hintermännern Flügel: Sie wollen innerhalb von 5 Jahren 500 Millionen DM Umsatz einfahren und dabei 10 Millionen Haushalte in ihren Griff bekommen. Man beachte auch, was uns da ins Haus schneien wird: "Respekt vor den US-Verkaufsprofis, die per Fernsehen Edelsteine mit nur 0,1 Karat verkaufen, das kann nicht jeder." So eine Aussage vom Mai diesen Jahres. Heute sind die Aussagen weniger drastisch, die Hoffnungen allerdings wohl kaum...

Wann kommt "Pro 7" übers Internet...?


P-026
Microsoft Deutschland hat von den Abmahnern einen Scheitel gezogen bekommen. Leider ist es nur Microsoft Deutschland und leider ist es auch nur ein Scheitel, nicht mehr, denn die Richter haben sich letztendlich mal wieder ganz ahnungslos und samtpfotig gestellt. Von einer Courage und von einer Vertretungspflicht sind sie, wie üblich bei vielen Beamten, höchst weit entfernt. Christian Wedell, vielen hinlänglich bekannt (auch mit mir "durfte" er Bekanntschaft schließen - danach ging vieles ganz plötzlich viel einfacher...) kam die Erleuchtung, daß er Unrechtes tut, auch nicht von selbst: Microsoft Amerika mußte ihm erst die Leviten lesen. Die Verpackung für Windows 95 bekommt jetzt einen Kleber, der den alten Aufkleber mit seinen unwahren Behauptungen überdeckt.

Warum werden nicht auch die Datenspuren überklebt bzw. bekommen ein neues Format...?


P-027

"Peng! Zack! Bumm! Sssst! Dengel! Quietsch! Ooops!
Haben wir noch etwas vergessen ...?

Ach, ja: klingelingeling!"

Was das ist??? Ist doch ganz einfach: Reklame für Computer - jedenfalls, wenn die Firma "Maxdata" heißt und Werbebriefe an ihre Händler verschickt.

Da fällt mir der Satz von Theo Lieven ein: "Computer sind etwas für Intelligente. Deswegen ist der Markt begrenzt."


P-028
SOFTRAM

Wer mit seinem SOFTRAM nicht zufrieden ist, soll dafür sein Geld zurückerhalten - sagt Rainer Poertner, einer der Drei, die das Ding verbrochen haben, fast ist man versucht, zu sagen: "die das Ding gedreht haben...". Wie auch immer: das Geld zurückzuerhalten ist kein vollständiger Schadensersatz, denn viele Arbeitsstunden und auch finanzielle Aufwendungen (durch Porto und Telefon) sind Leistungen, die man als Käufer erbracht hat, und die nicht erstattet werden. Ein - sogar beträchtlicher - Schaden bleibt also doch!

Und noch etwas: In jenen finsteren Zeiten, als die Disketten das Laufen lernten, gab es Zeitgenossen, die sich minderwertige Ware billig einkauften und dann (als Defekte bei Disketten ruchbar wurden) großzügig "Geld zurück!" anboten. So konnten sie bei Disketten, bei denen die Hälfte defekt waren, für 50 Pfennig kaufen und für 1 DM verkaufen. Selbst bei einer Rückgabe aller 50% mit Defekten hätten sie keinen Verlust gemacht. Wobei sie einer Tatsache sicher sein konnten: Niemand wird sich die Mühe machen, eine Diskette als defekt zurückzusenden, wenn der Aufwand für Porto und Brief mehr kostet als eine neue Schachtel Disketten. Außerdem: Wenn der Fehler nicht sofort bemerkt wird (und nachlassende Magnetisierung bemerkt man eben nicht sofort, sondern vielleicht erst nach Monaten), dann ist es alles andere als trivial, den Fehler auf die mangelnde Qualität der Disketten zurückzuführen, erst recht, dies auch noch zu beweisen.

Rainer Poertner hat es also mal wieder geschafft und wir werden uns noch auf viele Jahre mit SOFTRAM einrichten müssen. Wohlan denn, Helmut Kohl ist ja auch schon mehrere Jahre Kanzler...

Wer mehr über die Hintergründe wissen möchte, kann sich bei Andrew Schoolman aus bester Quelle informieren: http://www.ora.com/www/win

Nachtrag. 10.6.97

Die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat sich des Falles angenommen und Poertner und seine Komplizen verurteilt.

http://www.ftc.gov/opa/9610/petapp60.htm


P-029
Microsoft ist - trotz der laufenden Blamagen - schon wieder auf einen neuen Dreh gekommen: Man hat jetzt "ATEC"s eingeführt. Das sind "Authorized Education Center". Dort gibt es "MCT"s (= "Microsoft Certified Trainer"). Und was kommt dabei heraus, wenn man diese Leute werkeln läßt? Man kann sich zum Beispiel ausbilden lassen zum "Microsoft Certified Product Specialist". Keine Angst! Das sind nicht Leute, die gelernt haben, mit Messer und Gabel zu essen, sondern die haben - sogar mit Examen! - Windows oder Windows für Workgroups oder Windows NT Workstation gelernt. "Optional" kann man auch MS Excel oder MS Word oder MS Project oder MS Mail lernen.

Das ist aber nicht alles! Es gibt schließlich auch "Microsoft Certified Systems Engineer". Die haben Windows oder Windows für Workgroups und Windows NT Server und Networking with Windows oder Networking with Windows for Workgroups gelernt. Dazu braucht man 4 Examen. Und es gibt sogar 2 weitere Examen über Microsoft SQL Server für NT oder Microsoft SNA Server für NT oder Microsoft Systems Management Server oder MS Mail oder MS Lan Manager oder TCP/IP für NT.

Das ist immer noch nicht alles! Denn es gibt noch den "Microsoft Certified Solution Developer". Der hat einen Kurs über "MS Windows Operating Systems and Services Architecture", Teile I und II überlebt. Besonders Hartgesottenene können noch 2 weitere Examen wählen: "MS Visual Basic for Windows Application Development Exam" oder MS Access for Windows Application Exam" oder "MS SQL Server Database Exam" oder "Developing Applications with MS Excel using Visual Bsic for Applications Exam".

Wenn das alles in der bekannten Microsoft-Qualität geht, dann sollten wir uns auf harte Zeiten einrichten. Man hole eiligst wieder den Abakus aus dem Keller. Der funktioniert ohne Strom, also energiesparend. Er ist aus Holz, einem nachwachsenden Rohstoff. Und er hält länger als ein Computer aus Silizium und Blech. Schöner ist er - und billiger ebenfalls. Und er macht - im Gegensatz zum Microsoft-Taschenrechner - keine Fehler!


P-030
Der Markt ist nicht so, wie Microsoft ihn gerne hätte. Es läßt sich eben nicht jeder überteuerte, gepreßte, runde Kunstoffscheiben mit Inhalten unterjubeln, deren Intelligenzquotienten die Bildzeitung Mühe hätte zu erreichen - so weit kann selbst die sich nicht in den Keller begeben...! Microsoft also hat die Lager voll - und das tut weh. Und nun haben sie Angst. Also wird eine neue Marschroute festgelegt:

P-031
Microsoft ist nicht nur mit "500 Nations" auf dem Kriegspfad, sondern auch in Sachen Kundenrecht. So heißt es in einer Zeitung, die Microsoft kürzlich verteilte:
Wahr ist jedoch, daß durch das Bundling (Software wird zusammen mit Hardware verkauft, wobei der Enduser-Preis für die Software nur wenige Mark beträgt) die gesamte Softwarebranche schwerst geschädigt wird, weil es für niemanden einsichtig ist, warum ein-und-dasselbe Produkt einmal 30 DM kosten soll (im Bundle), das andere Mal 500 DM!

Ferner behauptet Microsoft zum Beispiel folgendes:

Ich halte dies für unwahr, denn:
Erstens hat der Käufer, also der Enduser, doch alle Nutzungsrechte wie andere Käufer auch - und zweitens wird es ewig ein Rätsel bleiben, wozu ein Anwender keinen Support durch eine Hotline haben sollte, wenn es diese Hotline de fakto gar nicht gibt, dh. daß der Kunde ohnehin entweder nie eine Antwort erhält oder aber horrende Gebühren zahlen muß - und selbst dann keine brauchbare Antwort erhält...

P-032
Die Telekom klagt gegen die "D-Info"-CD-ROM, denn die paßt ihr nicht ins Konzept. Konkurrenz ist eben unbeliebt. Gegen Zahlung von 85 Mio DM ist man aber bereit, von dieser Klage abzulassen. Während die Post also mit Datenschutz argumentiert (den sie selbst jedoch ganz unverfroren unterläuft! [vor allem mit ihrem neuen "Kundenservice" bei der Auskunft *)] geht es ihr, wie man deutlich sieht, einzig und allein um Geld.

Neben der Klage gibt es einen weiteren Schlag der Telekom: Sie will jetzt ihre eigene CD-ROM für 30 DM anbieten. Kostete sie anfangs rund 3000 DM, so fiel der Preis über 1590 DM im Oktober 1995 auf jetzt 90 DM. Demnächst also sollen es 30 DM sein, weniger als die 49,-- DM der "D-Info": Man will die Käufer über den Preis anlocken. Der Preis wurde auf rund 1/100 gesenkt! Man stelle sich vor: eine Preissenkung um fast 99%. Was uns zeigt, welch wunderbare Gewinnspanne hier geherrscht hat, denn auch bei DM 30 pro CD-ROM macht die Telekom keine Verluste, sondern "satte" Gewinne, weil sie nur die CD-ROM produzieren muß (kostet wesentlich weniger als 2 DM pro Stück). Die Daten hat sie ohnehin in ihren Rechnern.

Jetzt also der ganz offene Kampf, bis aufs Messer. Aber, es gibt einen Unterschied: Die D-Info hat ganz elementare Funktionen, die die CD-ROM der Telekom nicht hat, nicht einmal haben darf, wenn sich die Telekom nicht selbst widersprechen will: Die Telekom behauptet, die "D-Info" verstößt gegen den Datenschutz, weil man die Namen und die Adressen etc. zu einer Telefonnummer per Programm geliefert bekommt. Diese elementare Funktion also hat die "D-Info"-CD-ROM - und die der Telekom nicht. Auch eine bundesweite Suche nach Namen (und Adressen) gibt es nur in der "D-Info". Wenn eine Firma auch nur einen einzigen Schuldner hat, der klammheimlich verzogen ist: Mit der D-Info gibt es eine gute Möglichkeit, ihm (und dem Geld) näher zu kommen. Das ist Firmen und Anwälten nicht nur 100 DM wert, sie würden dafür sogar 1000 DM ausgeben. Solche und sogar weitaus höhere Beträge dürften bisher in vielen Fällen geflossen sein, wenn aus den Datenbanken von Adreßhändlern oder anderen Besitzern von Großrechnern die dort deponierten Datenbanken "über die Bühne gingen", damit die erwähnten und andere Recherchen betrieben werden konnten. Auch die Rechner von Universitäten und Kliniken dürften (unter der Hand) an diesen Dingen beteiligt gewesen sein.

Vor dem, was die Adreßhändler so alles an Daten besitzen und verkaufen (!), warne ich schon seit Jahren. Verglichen mit dem, was die Adreßhändler schon zig Jahren ganz unbehelligt treiben, ist die D-Info vollkommen harmlos. Der einzige Unterschied: Sie ist zum Preis einer großen Pizza zu haben... Das ist der ganze Ärger! Den Adreßhändlern werden durch die "D-Info" ganz erhebliche Einbußen entstehen.

* Die bundesweite Suche nach Namen gibt es auch bei der Telekom: Das heißt jetzt "Komfortservice Auskunft" und kostet mehrere DM pro Anfrage. Also nichts mit Datenschutz! Der schnöde Mammon ist es, dem die Telekom huldigt...


P-033
Die Softwarehersteller klagen, ihnen würden zu wenig Programme abgekauft. Die Anwender würden zu viele Raubkopien auf ihren Rechnern haben, kauften sie Programme, so würden sie mogeln: Original kaufen, installieren, Original verkaufen. Die Originale würden zwar verkauft, aber auf dem Rechner nichts deinstalliert.

Diese Praxis ist seit über 15 Jahren bekannt. Es zeigt sich jedoch, daß die Hersteller an dieser Methode ganz erheblichen Anteil haben. Während bei DOS-Programmen bei der Installation üblicherweise alle Files in eines oder mehrere Verzeichnisse kopiert werden, die spezifisch für das betreffende Programm sind (so daß man leicht deinstallieren kann), ist das ab Windows nicht mehr der Fall: Dort werden die Verzeichnisse WINDOWS, WINDOWS\SYSTEM und einige andere bis zum Überquellen gefüllt. Niemand weiß noch, was wozu gehört. Mindestens 99% der Anwender haben keine Ahnung, wie diese Dinge zusammenhören oder wie sie wohin gekommen sind. Etwas zu deinstallieren, heißt seit Windows auch nicht mehr "löschen", denn es gibt viele Files, die von mehreren Programmen gleichzeitig benutzt werden, auch DLLs. Eine falsche DLL gelöscht und andere Programme laufen nicht mehr. Ganz übel sind Änderungen in den Konfigurations-Files, "INI"-Files, "CFG"-Files und wie sie alle heißen mögen. Hier kann man nicht löschen, sondern muß Parameter manuell ändern, deren Werte jedoch fast nie in den Handbüchern stehen, die zum Teil nicht einmal den Hotlines bekannt sind (was wissen die überhaupt ...!?).

Also hat der Anwender gar nicht mehr die Möglichkeit, die Programme so zu deinstallieren, daß andere Teile seines Systems davon absolut unberührt bleiben. Natürlich könnte man sagen, daß die Fenster im Programm-Manager (oder welchem auch immer) gelöscht werden müssen - und das gelte dann als Deinstallation. Das ist jedoch falsch, denn die Programme können nach wie vor aufgerufen werden, indem man sie über "AUSFÜHREN" startet, wozu man sich entweder den Namen merkt oder sie einfach sucht. Selbst das Löschen des EXE-Files von der Platte nützt nichts, weil man das (in böser Absicht) auch von Diskette starten könnte. Diese Diskette ist irgendwo versteckt und der Rechner sieht (auf den ersten Blick) unverdächtig aus.

Fazit: Es ist für fast alle Anwender von Windows-Programmen nicht mehr möglich, die Programme zu deinstallieren. Der Hinweis auf die "handelsüblichen" Deinstallationsprogramme kann nicht gelten, denn erstens sind diese nicht einwandfrei - und zweitens kann und darf es nicht Sache des Anwenders sein, extra ein Deinstallationsprogramm kaufen zu müssen, nur um ein Programm von seinem Rechner wieder entfernen zu können.

Es ist also die Aufgabe des Softwareherstellers, dafür zu sorgen, daß sein Programm ohne jegliche Störung aller anderen Programme von einem Rechner wieder entfernt werden kann. Solange die Hersteller dies nicht absolut einwandfrei tun, kann es einem Anwender nicht zugemutet werden, auch nur ein einziges Programm von seinem Rechner zu deinstallieren.

Das ist aber ein Widerspruch hinsichtlich der von den Herstellern eingeräumten Nutzungsbedingungen. Das heißt: Die Hersteller setzen ihre eigenen Nutzungsbedingungen außer Kraft. Bei den Automobilherstellern wird es in nicht allzu ferner Zukunft die kostenlose Rückgabe von Altfahrzeugen geben. Bei Software wird es analog dazu eine kostenlose und einwandfreie Deinstallationsmöglichkeit geben müssen.

Diese Ausführungen sind beileibe nicht gedacht als Freibrief für Raubnutzer (ein sehr passendes Wort von TINA), sondern - im Gegenteil!- als massive Anklage an die Hersteller: Es geht nicht nur darum, daß die Programme nicht entfernt werden können, sondern daß die Programme wertvollen Platz auf der Platte beanspruchen. Allein durch die Vielzahl von Files werden die Verzeichnise so gefüllt, daß unter Umständen keine weiteren Einträge mehr möglich sind, also Programme nicht mehr einwandfei arbeiten, Daten nicht mehr richtig gespeichert - und neue Programme erst gar nicht mehr installiert werden können! Diese Probleme sind keineswewgs exotischer Natur, sondern beispielsweise bei "Windows 95" definitiv von Microsoft verursacht, weil bei "Windows 95" nicht mehr als 512 Einträge pro Verzeichnis möglich sind.

Was dieses Problem noch erheblich verschlimmert, ist die Praxis von einigen der größten deutschen PC-Händler, "standardmäßig" (also ausschließlich) "Windows 95" auf den PCs zu installieren, also kein DOS (IBM, Novell, PTS oder Microsoft). Die Kunden haben keine Wahl mehr, müssen also die eindeutig untragbaren Bedingungen hinnehmen - in mindestens 99% der Fälle in völliger Unkenntnis der Lage, in die sich sich damit bringen!

Also: Wer ein Programm herstellt, der muß auch eine ausreichende und jedem Laien verständliche Deinstallationsmethode gleich beim Programm mitliefern. Jede andere Lösung kann heute nicht mehr akzeptiert werden! Notfalls sind rechtliche Schritte einzuleiten.


P-034
Die Praxis der CD-ROM-Hersteller geht dahin, daß man nicht einmal mehr den Inhalt der CD-ROM lesen kann, ohne diese CD-ROM "installiert" zu haben. Diese "Installation" wird durch ein EXE-File gestartet, das in allen mir bekannten Fällen sich "gemütlich" in Windows einrichtet. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, die ihr eigenes Directory benutzen, wird dabei eine Anzahl Files in das Windows-Directory kopiert und auch in den Konfigurations-Files von Windows Änderungen vorgenommen.

Diese Praxis stellt im juristischen Sinn eine Sachbeschädigung dar, weil es für die Anwender kaum noch möglich ist, diese Änderungen wieder zu entfernen. Juristische Schritte sind dringend erforderlich, um diese Praxis ein für allemal zu beenden!

Ich schlage als erstes eine Liste aller CD-ROMs vor, bei denen unsaubere Installationsmethoden benutzt werden.


P-035
Die Telekom hat in ihrem Feldzug gegen die neue D-Info CD-ROM behauptet, Topware habe nicht das Recht, die Einträge aus den Telefonbüchern zu verwenden: Topware solle für die Nutzung 85 Mio DM an die Telekom bzw. deren Tochterfirma (laut Insidern "das Bermuda-Dreieck für Daten") zahlen. Pikant wird die weitere Behauptung, Topware dürfe die Einträge nicht verwenden, wenn nicht vorher jeder einzelne betroffene Besitzer eines Telefonanschlusses persönlich (!) um seine Einwilligung dazu gefragt worden sei. Also müsse Topware jedem Inhaber eines Telefonanschlusses schreiben. Laut Telekom würde das Kosten von 175 Mio DM verursachen.

Wie die 175 Mio DM zustande kommen sollen, verstehe ich nicht. Bei einem Briefporto von 1 DM und 34 Mio Anschlüssen wären das (frankierter Freiumschlag für die Rücksendung vorausgesetzt), nicht mehr als 70 Mio DM, inclusive aller Druckkosten. Wozu will die Telekom den Löwenanteil, weitere 100 Mio DM, in die Kasse der Post befördern!?

Soweit die Einlassungen der Telekom. Diese Einlassungen implizieren, daß die Telekom die Genehmigung eines jeden Inhabers eines Telefonanschlusses habe, seine Nummer plus Adresse auf einer CD-ROM zu veröffentlichen. Dem ist jedoch nicht so!!!

Gehen wir in die Zeit zurück, als es noch keine CD-ROM der Post (oder eines der sogenannten Töchter-Unternehmen) gab. Damals gab es bereits Millionen Telefon-Anschlüsse. Seinerzeit gab es bei einem Antrag (man mußte noch "beantragen", denn die Post war eine Behörde und der Kunde ein Untertan) lediglich den Vermerk: "Ich bin damit einverstanden, daß meine Anschrift und ggf. die Berufsgruppe der Deutschen Postreklame GmbH für Werbezwecke übermittelt wird."

Dieser von mir zitierte Satz ist nicht einmal alt: Er stammt aus dem Jahr 1989, von einem meiner Belegstücke. Das zeigt, daß sogar nach dem Einzug der CD-ROM die Post weiterhin mit dem Begriff "Werbung" operierte, obwohl (nach meinem Wissen) durch die CD-ROM die Daten bereits Jedem öffentlich gemacht wurden.

Von einer CD-ROM kann in den Zeiten vor der CD-ROM natürlich nicht die Rede gewesen sein. Es wäre aber vor (!) Einführung der CD-ROM Aufgabe der Post gewesen, auf die geänderte Nutzung hinzuweisen und sich die Genehmigung der Telefonkunden einzuholen, eben für die geänderte Nutzung. Dies war jedoch (nach meinem Wissen) niemals der Fall!

Also hat die Post Millionen Kunden niemals gefragt, ob sie mit der Speicherung ihrer Daten auf einer CD-ROM einverstanden sind!

Genau diese Forderung einer solchen Anfrage richtet die Telekom (ex Bundespost) an die Firma Topware. Und die Telekom wirft Topware vor (weil Topware die Telefonkunden nicht gefragt hatte), das Datenschutzgesetz zu verletzen.

Wer da in Bonn (und anderswo) derart aus dem Glashaus wirft, der sollte sich auf eine Menge Scherben gefaßt machen! Die Telefonkunden, denen durch die jetzige Einlassung der Telekom ganz offiziell bekanntgemacht wurde, daß ihnen durch die Telekom ihr Recht auf den Schutz ihrer Daten verletzt wurde, haben beste Chancen, einen Prozeß zu gewinnen. Das wird für die Telekom eine vernichtende Niederlage werden...


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Das Bundling von Hardware und Software ist für IBM wieder erlaubt. Dies wurde in den USA beschlossen. IBM hatte durch das Bundling seine unangefochtene Marktposition monopolistisch halten können. Deshalb damals das Verbot. Nun wird das Verbot aufgehoben mit der Begründung, eine neue Monopolstellung sei nicht zu befürchten.

Getreu IBM's Farbe könnte man das blauäugig nennen. Erstens hat IBM immer noch so viel Kapital, um sich durch neue Allianzen (wobei man den Partner notfalls auch mal einkauft, wenn's beliebt) durchaus monopolistisch betätigen zu können. Zweitens gibt es nicht nur IBM, sondern die viel gefährlichere Microsoft, die nicht nur ein Monopol anstrebt, sondern es schon lange besitzt. Und Microsoft verkauft schon seit Jahren Hardware, beginnend bei Mäusen, denen später Joysticks und nun die Windows-95-Tastaturen folgten. Wer garantiert uns, daß nicht MSN-Computer folgen werden, ähnlich den MIPS-Nintendo-Konsolen mit Internet-Anschluß!? Das Betriebssystem ist teilweise im ROM, zum weitaus größten Teil aber auf den MSN-Servern, so daß alleine durch die wunderbar lange Ladezeit die Zähler fröhlich ticken werden. Was SUN sich mit JAVA nur überlegt, kann Microsoft bereits heute in die Tat umsetzen. Ein SUN-Netzwerk als Dienstleistung gibt es nicht, das MSN bekommt aber gerade seinen zweiten Anschub!

Good night, world! God bless you all ...!


P-037
An die Damen und Herren Abmahnvereine! Ich habe eine kleine Frage an Sie: Wenn eine Firma einen Brief schickt an potentielle Endkunden und darin Angaben zu persönlichen Interessen des Adressaten erbittet, dann muß sie doch darauf hinweisen, daß sämtlichen Angaben in ihrem Computer gespeichert werden!? Und sie muß fragen, ob man auch mit der Auswertung einverstanden ist!?

Ich frage dies nur, weil (rein zufällig) die Firma "Das..." - hinlänglich bekannt durch ihre Sweepstakes - zur Zeit wieder eines veranstaltet, dieses Mal für die Zeitschrift "Das...". Da gibt es denn auch einen Fragebogen, wo man außer den Fragen "Welche Buchthemen interessieren Sie?" und "Welche Musikarten interessieren Sie?" noch die Frage nach dem Geburtsdatum beantworten möge. An keiner einzigen Stelle in den ganzen Unterlagen wird nach einer Erlaubnis gefragt, diese Daten per Computer erfassen und weiterverwerten zu dürfen. Nur an einem einzigen Punkt heißt es: "Wir garantieren Ihnen: Ihre Angaben werden absolut vertraulich behandelt!"

An keiner Stelle wird erwähnt, daß mit den Adressen auch gehandelt werden kann, daß sie anderen Firmen zur Verfügung gestellt werden.

Das Datenschutzgesetz: bloße Makulatur...?


P-038
Im Ostblock wurden zur Zeit des kalten Krieges Schreibmaschinen als gefährliche Waffen eingestuft. In manchen Ländern mußte man sich den Besitz einer solchen Maschine amtlicherseits genehmigen lassen. Es geht sogar das Gerücht, es habe sogar einen entsprechenden Vermerk im Paß gegeben.

Nun, wo der eiserne Vorhang gefallen ist, sind Schreibmaschinen nicht mehr so gefährlich. Dafür gibt es jedoch das Internet - und das ist viel schlimmer! So schlimm, daß sich in Rotchina die Internet-Nutzer innerhalb von 30 Tagen bei der Polizei registrieren lassen müssen.

So gefährlich ist das aber doch gar nicht! Man muß doch nur die richtige Technologie kaufen. Schließlich muß doch jeder Internet-Surfer irgendwann über eine Telefonleitung - und die kann man heute ganz bequem überwachen: Schickt jemand Daten auf eine Leitung, so kann das doch sofort erkannt werden. Ein guter Computer würde automatisch eine Meldung ausdrucken, ein guter Vermittlungsrechner automatisch die Verbindung kappen (oder einen Mitschnitt machen), eine gute Polizeiorganisation automatisch Hausbesuche machen. Wo, bitte, ist also das Problem?

Und nicht zu vergessen auch dies: Mit den mittlerweile gut bekannten Schnüffelprogrammen könnte man sich doch die Daten von den Platten der Internet-User online von deren Platten ziehen, wofür der User natürlich noch extra die Telefongebühren zahlt. Was also kann es Schöneres geben, als Geheimpolizist für Datenüberwachung zu sein? Jedes Flugblatt, jedes Buch: Alles landet bereits als Manuskript, schon in den ersten Stadien, auf dem Schreibtisch der politischen Polizei, lange bevor es gedruckt werden könnte.

Im Märchen vom Schlaraffenland flogen den Leuten die gebratenen Tauben direkt in den Mund - im Internet kommen die gerösteten User den Schnüfflern ins Haus geflogen - und sie zahlen auch noch dafür! Märchenhafte Zeiten ...!


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Microsoft ackert ganz eifrig daran, seine bisherigen Vertriebspartner ganz elegant auszubooten. Nach einer Meldung kann man ab sofort 25 Microsoft-Produkte über das Internet beziehen.

Das Verbot, wonach IBM nicht mehr Hardware und Software bundeln durfte, das immer noch gültige Verbot von Trusts: Sie müßten um ein ganz elementares Verbot ergänzt werden, dem Verbot nämlich, gleichzeitig mit Software zu handeln und ein Netzwerk zu betreiben!


P-040
Die ungeheuren Produktionsstückzahlen bei Festplatten haben interessante Nebenwirkungen: Wird demnächst bereits beim Plattenhersteller die Software aufkopiert (im Rahmen der ohnehin notwendigen Tests), so daß der Händler noch weniger Zeit für die Installation braucht, also Zeit (und damit Geld) spart? Wird uns das eine neue Dimension des Bundling bescheren, etwa in der Form: "1-GigaByte-Platte, EIDE, Windows 95 - Hersteller zweitrangig?" Das ist leider nicht so exotisch, wie es klingt! Die urheberrechtlichen Dinge sind dabei leicht zu lösen, denn es könnte ein spezielles Programm geben, mit dem nur der Händler im direkten Dialog mit dem Onboard-Controller der Platte die Programme freischalten könnte.

Das führt zwangsläufig zu weitaus schlimmeren Dingen: Was ist auf den Platten, was wir als Anwender nicht sehen? Wann kommt der Tag, an dem auf der Platte gelagerte Software freigeschaltet wird durch einen Zugriff auf das Internet - von uns unbemerkt ausgelöst durch ein Programm (zB. NetzUmhang), das permanent unsere Aktivitäten mitverfolgt und sie auf für uns nicht zugängliche interne (System-)Bereiche auf der Platte notiert...!?

Es ist nicht 1984 und es ist nicht "fünf Minuten vor Zwölf", denn die Allianz zwischen "latenter Software" und der Hardwareindustrie existiert bereits. Die Frage ist also nicht, ob es diese Dinge gibt, sondern wie weit sie schon fortgeschritten sind!


P-041
Ein Knastgitter, daneben Striche auf der Wand für die Tage. Dazu der Spruch: "So könnte bald IHR Terminkalender aussehen." Das ist Werbung. Werbung für die Softwareindustrie. Die Firmen die hinter diesem Inserat (das ist ein Inserat!) sogar namentlich stehen, sind: Adobe, Autodesk, Bentley, Intergraph, Lotus (also IBM), Microsoft, Novell, SCO, Symantec. Also, mal ganz ehrlich: Ich hätte mich ja nicht getraut, unter dieses Inserat meinen Namen zu schreiben - selbst dann nicht, wenn eine Tarnorganisation namens "BSA" ihre Telefon- (und Fax-"Line") daraufklebt.

Microsoft hat eigens in Berlin eine Podiumsdiskussion veranstaltet, wozu sogar Bundesminister auf dem Podium sprachen. Allerdings sind die Anwender nicht so dumm, heute noch auf diesen Zauber hereinzufallen: Die liebe Softwareindustrie und die Politiker mußten sich nämlich anhören, daß die Preispolitik für die Konsumenten nicht nachvollziehbar sei, weil ihre Waren ... "bei OEM-Paketen deutlich unterpreisig angeboten würden."

Das könnte damit enden, daß, wer OEM-Produkte anbietet, auch damit rechnen muß, daß bei allen Raubkopien nur noch der OEM-Preis berechnet würde. Weil die Justiz durch die furchtbare Last so vieler Verfahren schier zusammenbricht (arme Richter...), und darum das bereits in einigen Orten praktizierte Verfahren der Mindestbestellmenge, wollte sagen, Mindestklausumme anwendet, wird des weiteren nicht verfolgt, wer zum ersten Mal erwischt wird und einen Schaden von 100 DM (oder sind es inzwischen mehr?) nicht überschreitet. Da es sich bei den OEM-Produkten, ganz vornedran die ganz zweifelhaften einiger uns hinlänglich bekannter Bananen-Firmen, um Artikel im Bereich von nur wenigen DM handelt, wird es für diese Firmen ein furchtbares Erwachen geben.

Nachdem die BSA selbst (!) keine Lust hat, "kleine Fische" zu verfolgen, weil das so viel Arbeit macht, kann (und darf) sie die Verfolgung von Klein- und nichtgewerblichen Einzeltätern nicht der staatlichen Justiz überantworten. Lediglich in Ausnahmefällen wird dann von der Softwareindustrie Herr von Gravenreuth als Buhmann losgeschickt. Das gibt dann ein böses Echo, zerbombte Türschilder und ähnlich schlimmes ... alles für Herrn von Gravenreuth. Die ehrenwerte Gesellschaft der Softwarefirmen jedoch hält sich diskret und vornehm zurück - und verziert sich mit einer Galerie von Ministern ihre Podiumsdiskussionen. Ganz entre nous - siehe oben!


P-042
Die Telekom ficht mit schwerem Säbel und drischt mit viel Worten und Finten, vor Gericht und anderswo, laut und heftig, auf die Firma Topware ein. Topware hat bekanntlich eine Telefon-CD produziert und verkauft die auch noch in hohen Stückzahlen. Das geht natürlich nicht! Sogar bis zu Ministern und Ministerien geht der Streit und der Topware werden von einigen Politikern böse Hiebe angekündigt.

Doch hinter all dem Lärm macht sich jemand anders ganz still und leise, klammheimlich daran, all das bei weitem in den Schatten zu stellen. Wie war das noch? Klagte da nicht die Telekom wegen des Datenschutzes, weil Topware die Telefoninhaber nicht gefragt hatte, ob sie in die D-INFO-CD-ROM wollten...?

Ach, was erzählen Sie denn da!? Hörn'se doch auf! Was sind das doch für Kleinigkeiten! Außerdem sind das doch bloß läppische 30, mit Schnickschnack 34 Millionen Adressen bzw. Telefonbucheinträge, was die da haben...!

Die wahre Welt ist Deutschland! Deutschland ist digital, Deutschland ist groß! Hat Deutschland nicht 80 Millionen Einwohner? DAS ist doch ne Zahl!!! 80 Millionen digitale Einwohner - wie das klingt!? Und die könn'se nun haben, alle, jeden einzelnen davon! Wie? Das geht nicht? Robinson-Liste? Tut uns leid, aber was geht uns die an? Bei uns bekommen Sie alle, Stück für Stück - Robinson hin, Robinson her!

Aber das ist nicht noch nicht alles! Wir haben den Super-Service, unübertroffen, kann keiner gegen an, kann keiner besser als wir! Wenn jemand umzieht: Wir ziehen mit! Pro Tag verarbeiten wir bis zu 15.000 Umzugsmeldungen, macht 4 bis 4 1/2 Millionen Umzüge pro Jahr. Machen wir alles mit links: allein 100 Leute sind nur mit dem Eintippen der Änderungen beschäftigt! Nicht mal die Telekom kann da mithalten - das gemeine Volk schon gar nicht. Denken Sie doch mal: Die Leute, die ihr Telefon nicht im Telefonbuch eintragen lassen, wie wollen Sie da ran? Und erst recht alle, die nicht einmal ein Telefon haben... Sehn'se - und das nützt denen überhaupt nix mehr! Wir ham se doch! Uns entgeht eben keiner. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich sage hier nicht, daß wir irgendwann mit der Arbeit anfangen - ach woher denn! Wir sind schon 12 Monate dabei, voll im Geschäft, die Adressen können'se ab sofort sogar online haben!

Wußte ich's doch, daß Ihnen das gefällt. Wer wir sind, wolln'se wissen? Die gute, alte Post natürlich, die Leute, die Ihnen immer die Briefe und die Pakete bringen...

*

Nein, das ist kein Witz, kein Marketing-Gag. Hier nun ganz klar und deutlich zum Mitschreiben, wörtlich zitiert aus den neuen Unterlagen: (Die Deutsche Post Adress GmbH...)

Weil der Text so sanft erscheint, ein paar Anmerkungen: Damit wird ein Bürger, der den Sinn der vielen Fragen auf der Karte nicht versteht, in den meisten Fällen vorsichtshalber allem zustimmen. Ebenso jene, die alles sehr wohl verstehen, aber vorsichtigerweise Werbung nicht ausklammern wollen, weil sie sonst elementare Nachteile befürchten müssen.

Was bleibt, sind die, die nicht verstehen und dennoch "Werbung" streichen und jene, die verstehen und desgleichen tun. Beides dürften nur sehr kleine Gruppen sein. Und nachdem die ersten Male Post, vielleicht so dringend erwartet, nicht bei ihnen ankommt, werden sie sich anders entscheiden. Aus Schaden wird man klug...

Folglich ist auch die Robinson-Liste sinnlos. Daß sich zudem die Firmen bei ihrer Werbung nicht an diese Liste halten, ist inzwischen hinreichend bekannt.

Man könnte einwenden, daß "Werbung" eben nicht heißt, daß Post nicht zugestellt wird, sondern daß die Adresse nicht weitergegeben wird. Wie aber sonst sollte dann die Firma, von der ich Post erwarte (der Nachsendeantrag ist älter als 6 Monate und damit obsolete), von meiner neuen Anschrift erfahren, wenn sie sich diese neue nicht nirgendwo besorgen kann!?

Man könnte einwenden, daß, wenn ich Post erwarte, ich den Firmen meine neue Anschriftt auch gefälligst selbst mitteilen könnte. Selbstverständlich! Wenn man jedoch mehr als 1 Jahr lang Monat für Monat an eine Firma diese Meldung schickt und dennoch die (sehr teuren!) Zeitschriften weiterhin Heft für Heft unbeirrt an die alte Adresse gehen, kommen einem leise Zweifel... Nach jedem Umzug Hunderten, gar Tausenden von Firmen die neue Anschrift mitzuteilen, übersteigt sowohl den finanziellen Rahmen, den man sich für derartige Übungen setzt, als auch jegliches Verständnis, das man dafür aufzubringen noch bereit ist.

Man könnte einwenden, daß es nur um die Adressen von Umzügen geht. Das ist zutreffend. Es ist zwar nicht so, daß alle Menschen umziehen - manche tun es jedes Jahr, manche nie -, aber ich glaube, daß dennoch in sehr wenigen Jahren schon mindestens 70% der Bevölkerung durch die Umzugskarten erfaßt worden sind. Das ist rund das Doppelte dessen, was die Telekom bieten kann. Außerdem sind bei Telefonanschlüssen nur diejenigen Namen eingetragen, die man für eben diese Nummer angibt, also meist nur einer, im Höchstfall noch jenen des Ehemanns dazu. Bei einer Adreßummeldung jedoch sind implizit alle Familienmitglieder betroffen, weil man sinnvollerweise die Namen aller umziehenden Personen angibt, und das mit vollem Namen! Sonst kommt ein Paket an die Uschi Müller an, ein Brief für den Ehemann Udo Müller (auch ein "U. Müller") ginge dagegen ins Leere...

Beim Telefon geben wir in fast allen Fällen den Menschen, die uns anrufen sollen, unsere Nummer. Wir können beim Telefonbuch auf die Nennung des Vornamens, ja sogar auf die Angabe der Straße verzichten (wie schickt man Werbebriefe an eine Telefonnummer?), sogar den ganzen Eintrag streichen - aber nur deshalb, weil wir ja immer noch über die Straßenadresse erreicht werden können! Wollten wir auch die Straßenanschrift geheim machen: bureaucratoeser Suizid. Ein Mensch ohne feste Straßen-Adresse ist in Deutschland (weltweit bekannt durch einen Schuster namens Voigt) nicht existent, ist nicht erreichbar. Eine Telefonnummer gilt nicht als Zustelladresse, nicht als Wohnsitz. - Damit wird der Datenschutz ausgehebelt.

Sollen doch Telekom und Topware sich streiten - der lachende Dritte ist nicht nur schon da, er hat auch bereits haushoch gewonnen. Das weiß bloß noch keiner...


P-043
Einer jener, die unentwegt behaupten, sie dürften kopieren, soviel sie wollten...

Werter Herr! Ihr Hinweis, daß bei Public Domain der Kopierer kein Geld für die Software selbst verlangen darf, muß von mehreren Punkten aus untersucht werden: Erstens, wie kommen Sie auf Ihre Behauptung? Das, was Sie sagen, kann sich moralisch und formaljuristisch nur auf etwas beziehen, was die Autoren selbst gesagt haben, denn nur diese haben das Recht, über ihre Programme zu bestimmen. Wenn Sie sich aber auf Aussagen der Autoren berufen, warum unterschlagen Sie dann all die anderen Bestimmungen eben dieser Autoren? Etwa, weil Ihnen die nicht ins Konzept passen? Damit wären Sie einig mit den Kopierern, für die zweitens zu sagen ist: Auch wenn es noch so viele kommerzielle Kopierer gibt, allein durch die Tatsache, daß sie kopieren, und durch ihre Zahl wird ihr Handeln nicht legalisiert.

Drittens: Ist Ihnen noch nie aufgefallen, daß die Kopierer nicht damit werben, daß sie Kopien machen, sondern vielmehr in großen, sogar mehrfarbigen Inseraten die Vorzüge der Programme anpreisen? Das ist Werbung für das Produkt Programm, das Kopieren davon ist ein Inverkehrbringen, ein Verbreiten - alles Dinge, die ein Hersteller einer Ware tut. Ein kommerzieller Kopierer ist also ein Hersteller. Er nutzt das Ergebnis geistiger Arbeit eines anderen Menschen, ohne dem dafür auch nur in irgendeiner Form einen Lohn zu zahlen.

Wenn Sie Nutznießer solchen Tuns sind, so werden Sie das natürlich gerne verteidigen. Sollten Sie aber in Zukunft auch nur eine einzige Zeile programmieren, sei es auch nur in BASIC, so wette ich, werden Sie darauf sofort Ihr Copyright plus einen Kaufbetrag schreiben und eifersüchtig darüber wachen, daß niemand eine räuberische Kopie davon macht. Diese Änderung des Verhaltens ist typisch und ist seit über 20 Jahren in den Computerclubs genauestens zu beobachten. Die Durchsicht der Zeitschriften auf Softwareangebote bietet genau das gleiche Bild.


P-044
Wenn es stimmt, was Herr Peter Welchering schreibt, dann hat Microsoft Münchener Händler abgemahnt. Diese hatten Windows 95 und Office-Pakete verkauft. Es geht hier, wohlgemerkt, nicht um Raubkopien, denn die Händler hatten ganz originale Microsoft-Ware gekauft und gehandelt. Welch verwerflichen Tuns wurden sie beschuldigt?

In frevelhaftester Weise hatten sie die Programme von einem "relativ unbekannten Distributor" gekauft, nicht bei einem inthronisierten "Servicepartner" Microsofts. Eine Todsünde, fürwahr!

Nach diesem gänzlich unerwarteten Edikt von Sankt Williams Gnaden stehen Händler und Anwender vor einem neuen, schwerwiegenden Problem: Wo darf ich kaufen? Ja, noch viel grundlegender: Darf ich überhaupt kaufen? Bewilligt Microsoft mir armen Sünder vor diesem Herrn die Gnade, diese Produkte benutzen zu dürfen?

Müssen wir demnächst den Gang nach Gateossa antreten und uns die Erlaubnis zur Genehmigung der Bewilligung zum Bezug eines Erwerbsscheins eines der göttlichen Werke erflehen? Auf geweihtem Papier, selbstverständlich mit frankiertem, selbstadressiertem Rückumschlag, plus eine wohlwollenheischende Spende - Euroschecks werden angenommen -...?

Nein. Denn die Münchener Justiz vermochte dem Ansinnen nicht Folge zu leisten, ja, die Staatsgewalt leistete Widerstand gegen die Softwaregewalt! Sind sich die Herren in den Roben denn nicht bewußt, welches Sakrileg sie da begingen!? Wird sie die Strafe, Entzug sämtlicher Microsoft-Produkte auf Lebenszeit, noch läutern können?

Was sind das für Zeiten? Nach dem in unserem Staat immer noch (wie lange noch?) geltenden Recht gibt es keinen Kontrahierungszwang. Also hat jeder Händler das Recht, zu kaufen, wo er will. Das Attentat Micosofts wurde zurückgeschlagen, Microsoft blieb aber ansonsten unbehelligt. Weil das Verfahren ein privatrechtliches und kein Strafverfahren ist, hat der Staat auch nicht die Möglichkeit genutzt, Microsoft wegen falscher Anschuldigung strafrechtlich zu verurteilen. Dies ist ein fundamendaler Fehler! Im Gegensatz zu den barbarischen Zeiten vergangener Jahrhunderte, wo die Räuber mit Keule oder Säbel die Reisenden überfielen, selbst auch einen Hieb abbekommen konnten, ist die Keule heute nicht mehr aus Holz, sondern heißt Abmahnung - und der Täter schlägt nicht persönlich zu, sondern läßt den Staat schlagen, der unangreifbar und unantastbar Gott gleich diese Welt regiert. Laut neuestem Beschluß des Bundesverfassungsgerichts sogar noch gründlicher: Ein Gang zu einer höheren Instanz ist zwar zugelassen, vorher aber ist den ersteren Urteilen unbedingte Folge zu leisten, auch dann, wenn diese später aufgehoben werden. "Erstgehorsam" nennt sich das, nachzulesen in der ZEIT vom 29.3.96. Damit bekommen die Abmahner völlig ungeahnte Möglichkeiten, formalbetriebswirtschaftlich: "Ich habe eine einstweilige Schließung gegen Sie!" - Durchzuführen sofort, Reklamationen haben keine aufschiebende Wirkung. Die Leiche kann sich ja immer noch beschweren...

Wer genug Geld auf dem Konto hat, kann sich somit auf den für ihn ganz bequemen Weg des Abmahn-Mordes begeben. Außer, daß es finanziell vielleicht ein wenig zwickt, falls der Anschlag danebengeht, kann einem nichts passieren. Leichen pflastern den Weg.

Ist das unsere "moderne Gesellschaft", unser "Rechtsstaat"? Politik und Justiz haben einiges aufzuräumen, was sie an Müll ihres Wohlstands vor unsere Haustüren gekippt haben.


P-045
Netscape 2.01 ist sicherer. Es gibt ein neues Release namens Netscape 2.01. Bei dem soll sein: Java-Applets können nur noch Online-Verbindungen aufnehmen zu dem Host, von dem sie stammen. Javascript-Applets erlauben keine unbemerkte Festplattenspionage mehr. E-Mail-Adressen lassen sich nicht mehr unbemerkt an den besuchten Server übermitteln.

So steht es fast wörtlich in der CZ. Was sind die Konsequenzen?

Ergo: Alle Server, die ihre Daten nur gegen Installation eines besonderen Leseprogramms zugänglich machen, das nur von eben diesem Server zu beziehen ist, fallen prinzipiell unter die 2. Regel. Die einzig erlaubte Art, Lese-Programme zu verbreiten, kann nur darin bestehen, deren vollständigen Source-Code zu publizieren, damit ihn jeder sich auf seiner eigenen Maschine kompilieren lassen kann. Ferner muß es ein neutrales Gremium geben, welches die Sicherheit dieses Source-Codes untersucht. Man muß Testprogramme schreiben, die erkennen, ob es sich bei einem vorliegenden EXE-File auch tatsächlich um das vom Gremium untersuchte und für verwendungsfähig, also sicher deklarierte Leseprogramm handelt. Dieses Testprogramm muß von einem Server abrufbar sein, jedoch nicht als EXE-File (!), sondern in Form eines Zeichen-Codes, der nur Daten enthält, also selbst weder direkt ausführbar ist noch interpretiert und damit indirekt ausgeführt werden kann. Beispiele wären dBase-Datenfiles, mit deren Hilfe ein vorhandenes Scan-Programm bestimmte Sequenzen und Adressen überprüft, jedoch selbst nicht schreiben kann. Die Datenfiles müssen im Klartext lesbar sein. Binär-Files sind also verboten. Bei dBase-Files zum Beispiel wären also ausschließlich reine Zeichen-Felder erlaubt, sonst nichts.

P-046
Die Elektrifizierung der Haushalte brachte einen Billionenmarkt ins Rollen. Es gibt fast kein Gerät im Haushalt, das nicht elektrisch funktioniert oder von dem es eine mit Strom arbeitende Version gäbe. Nicht einmal das Lutschen eines Lutschers ist davon ausgenommen: Im Supermarkt gibt es batteriebetriebene Lutschmaschinen...!

Obwohl der Trend schon nicht mehr zum Zweitfernseher geht (also der dritte heranrollt), Video-Recorder und fast alles andere auch an der Marktsättigung dümpeln, versucht die Industrie unentwegt, dem Bewohner einer neuzeitlichen Wohnhöhle die 4 Wände, Boden und Decke mit Elektrika zu verzieren. Lange in Arbeit, aber bisher immer wieder an den Kosten gescheitert, ist die Verbindung der einzelnen Geräte mit einem mehr oder minder zentralen Kontroll-Pult. Selbst Branchenriesen wie die Japaner (man gehe die Namen der Reihe nach durch), die Amerikaner (dito) und hierzulande Siemens und Konsorten haben Millionen investiert - und immer wieder verloren. Überraschend daher die Meldung, eine vollkommen branchenfremde Firme wolle den Installationsmarkt aufrollen: Ein Hobbybastler namens Bill Gates läßt seine Firma dazu sogar einen neuen Computer vorführen, den "Simply Interactive PC". Ich nehme an, daß der Name Opfer eines Schreibfehlers wurde und "Simple Home Interactive PC" heißen sollte, also SHIMP. (Phonetisch lägen wir damit schon mal richtig... )

Weil die Vorstellung auf einer Windows-Hardwarekonferenz erfolgte, ist garantiert, daß dieser Computer ausschließlich Windows beherrscht. OS/2, LINUX und andere Betriebssysteme, womöglich dieses antike .. (wie heißt das noch ...? ) sind damit schlichtweg vom Tisch, deren Hersteller natürlich auch...

Herr Gates führte die Steuerung vor an einer HiFi-Anlage und mit 3D-Grafik.

Das heißt also, daß ich, um eine HiFi-Anlage zu bedienen, eines Computers bedarf, der permanent mindestens 150 Watt elektrischer Leistung zerstört, zusätzlich zur HiFi-Anlage.

Das heißt, daß - um einen Knopf der Hifi-Anlage nicht mehr real, sondern virtuell zu drehen - ich mit der Maus so lange herumkurven muß, bis ich das Menü gefunden habe, in dem der Knopf ist, den ich dann mittels Maus drehen kann - falls ich ihn finden sollte.

Das heißt, daß ich mindestens 1000 DM investieren muß (plus laufender Kosten für Ersatzteile, Wartung und Strom) für etwas, das ich mit einem Handgriff auch selber tun könnte, ja sogar lieber tue, weil es dann auch funktioniert und nicht eine mögliche "Schutzverletzung" eines Prozessors mich daran hindert, ganz schnell eine vielleicht sogar lebenswichtige Taste zu drücken, damit der Feuerlöscher eingeschaltet wird oder ähnliches.

Seit der Antike sind immer wieder Fälle monumentalen Größenwahns bekanntgeworden. Herostratos war Brandstifter und zerstörte einen Tempel. Ohne das von ihm gelegte Feuer wüßte kein Mensch seinen Namen. Der Mann hatte also Erfolg. Nero war kein Freund von Traurigkeit und huldigte Wein, Gesang und Feuer. Er war einer von vielen Kaisern seiner Zeit, trotzdem: Das Feuer hat seinen Namen erhalten. Aber seit damals hat die Menschheit dazugelernt. Heute legt man die Feuer nicht mehr selbst. Man definiert einen neuen PC.


P-047
Hinter den Kulissen räumt Microsoft auf: Nachdem trotz gegenteiliger Äußerungen Microsoft-Produkte über das Internet zu beziehen sein werden, also der bisherige Vertriebsweg über Händler eliminiert wird, fällt jetzt der Support (pardon: Was ist das?) herunter: Ab dem 20.4.1996 sollen Newsgroups im Internet die Foren ablösen, die bisher bei Compuserve liefen. Das behauptet jedenfalls die CZ.

Was heißt das? Erstens ist CompuServe ein Konkurrent für das MSN. Diesem Konkurrenten wird nunmehr eine Einnahmequelle entzogen. Zweitens muß CompuServe sich Ersatz suchen. Dieser Ersatz kann sich drittens aber nicht als offizielle Quelle für Micosoft äußern. CompuServe wird also seinen guten Ruf verlieren, selbst dann, wenn die neuen CompuServe-Foren qualitativ 1000 mal so gut sind wie Microsofts eigene (was aber niemanden wundern würde...).

Viertens ist die Verlagerung des Supports eine raffinierte Strategie, um unbezahlte Kräfte in eine Sache einzubinden, jene Sache, die Microsoft bisher teuer zahlen mußte. Die Klagen über den sogenannten Support von Microsoft füllten bekanntlich immer wieder die Zeitungen.

Fünftens gestattet es eine Verlagerung in eine intelligente Datenverarbeitungsmaschine, die Fragen von einer Maschine automatisch beantworten zu lassen. Nach einer Meldung der ZEIT macht Herr Gates das höchst erfolgreich: Die Mail wird sofort und automatisch beantwortet, alles nach dem Motto: "Vielen Dank für den Hinweis! Wir arbeiten schon daran." Mit anderen Worten: Microsoft hat sich ein WOM installiert..., eine nullstufige Pipeline in den virtuellen Mülleimer.

Für die Kunden, die bereits einen Supportvertrag abgeschlossen haben, wird es jetzt interessant: Müssen sie jetzt einen Internetanschluß installieren, um zu ihren Antworten zu kommen? Zusatzfrage: Welches Browse-Programm muß man installieren, um sich beim Microsoft-Internet-Support-Surrogat anloggen zu können? Da war doch was...!?


P-048
Die Post verliert Stück um Stück ihre bisherigen Monopole. Dafür baut sie höchst vergnügt ein neues nach dem anderen auf: In der Ausgabe 5/96 vom "Post_plus" kommt wieder eine Tatsache ans Licht, die man aufmerksam betrachten sollte. Da wird berichtet, daß der Dienst "ePost" im Jahr 1995 gleich nach seiner Gründung "aus dem Stand 50 Millionen ePost-Sendungen produziert" hat.

"ePost" funktioniert so: "Der Kunde übermittelt der Deutschen Post AG auf elektronischem Wege oder mittels Datenträger seine Briefdaten, die Post übernimmt den Rest: nämlich Druck, Kuvertierung, Freimachung und den Versand über unsere Briefpost." Das ist genau das, was bisher die Adreßhändler als Dienstleistung angeboten haben. Bei denen konnte man an gekaufte oder an eigene Adressen Sendungen schicken lassen. Die gesamte Aufbereitung, sogar einschließlich Layouts und so weiter, konnte man in Auftrag geben. Die Firmen, die seit kurzem im Fax-Bereich arbeiten und die Faxe für die Firmen so billig anbieten, daß die Dienstleistung weniger kostet als das selbständige Fax-Versenden, diese Firmen werden demnächst die Katastrophe pur erleben: Die Post kann auch dies bequem erledigen, dank ihrer schon vorhandenen Infrastruktur und ihrer Insiderkenntnisse über die Netzwege und deren Eigenheiten sogar um einige Potenzen besser als jede andere Firma!

Nur weil die Post ihre alten Monopole verliert, denkt jeder, es würde alles besser, der freie Markt würde helfen. Dabei wird jedoch vergessen, daß die Post eine der größten deutschen Firmen überhaupt ist, die mit den (fast) meisten Mitarbeitern (über 210.000). Dank Entlassungen steigt der Ertrag. Dank Computerisierung steigt der Ertrag. Dank aggressivem Management steigt die Produktivität: Originalton Post: "Bis zum Jahr 2000 wird die Deutsche Post AG die Jahreskapazität der ePost auf 1 Milliarde Sendungen erhöhen."


P-049
Es gibt immer wieder Stimmen, der Staat müsse alle Software zahlen...

Werter Herr! Sie monieren, daß wegen des Monopols von Microsoft andere - angeblich bessere - Konzepte keine Chance haben. Sie behaupten, daß es meist die "Freaks und kleine Firmen" waren, die den Fortschritt in der Informationstechnik brachten. Dem könnte man eventuell zustimmen. Wie Sie aus Ihren beiden Behauptungen aber ableiten wollen, daß Software generell nichts kosten dürfe und von der "Gemeinschaft" zu bezahlen sei, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Beides hat nämlich nicht das mindeste mit der Bezahlung der Software zu tun. Im Gegenteil: Würde man Ihrem Weg folgen, so müßte der Staat eine Software kaufen und sie kostenlos verteilen. Resultat: Ein noch furchtbareres Monopol als durch Microsoft, denn gegen ein kostenloses Programm (für das der Hersteller sehr wohl und gut bezahlt wird) kann niemand konkurrieren, auch der beste Freak und die beste kleine Firma nicht. Weiteres Resultat: Die von Ihnen offensichtlich ungeliebte GMD (als staatlicher Einkäufer) würde eine noch größere Macht ausüben. Da Sie nach Ihren eigenen Worten bereits jetzt ins Ausland verkaufen müssen, weil sie hier in Deutschland nicht am GMD-Kuchen partizipieren können, sollten Sie doch gemerkt haben, daß Ihre Idee Ihnen noch weniger nützt als der gegenwärtige Zustand. Die von Ihnen gelobten Behörden - verweigern Ihnen bisher den Ankauf Ihrer Waren. Das würde in Zukunft nicht besser werden. Zeit, über ein paar Dinge nochmals nachzudenken, meinen Sie nicht auch!?


P-050
Was regen sich die Leute hier eigentlich so auf über die ach so frühen Abgänge in den Arbeitslosenstand!? "Mit 40 wird man ausgemustert!" Pardonnez moi: Wo ist das Problem!? In Japan läuft Fernsehberichten zufolge das "early retirement" bereits mit 30+, werden jetzt bereits 33-jährige mit oder ohne Abfindungen aus der Firma befördert.

Betrachten wir das für Deutschland: Männlich (also das Hauptjammernis), Schulzeit und Abitur ohne Schwierigkeiten, also Studienbeginn mit 19 bzw. rund 20 Jahren. Dann 13 Semester Studium, Ende also bei ca 26 oder 27. Bis zum Ausstieg mit 40 demnach rund 13 Erwerbsjahre. Bei japanischer Rechnung sind es circa 6 Erwerbsjahre...

Überlegungen:

Sagte Adam Riese: Item: Es ist ein Mann mit Arbeit, der arbeit volle 6 Jahr. Wisse: Er beginnet die Arbeit mit 27 Jahr und sterbt mit 77. Wieviel muß er verdienen, auf daß er der Rente bis ins hohe Alter genieße?

P-051
Sozialhilfeempfänger bekommen bei einer Bank kein Konto. Aus diesem Grund kann ihnen die Sozialhilfe nicht überwiesen werden. Eine Stadt, die das Geld bislang per Postanweisung zustellen ließ, wollte die Kosten für die Überweisungen sparen und stellte diese Auszahlungsart ein. Folglich und füglich müssen deshalb die Sozialhilfeempfänger das Geld persönlich abholen, jede einzelne Zahlung. Nach dem vielfältigen Murren soll inzwischen die Kasse der Volkshochschule ebenfalls die Auszahlungen durchführen... Frage: Welchen offizösen Charakter hat in unserem Staat eine Volkshochschule, daß sie einen derart offiziellen Akt wie das Auszahlen von Arbeitslosenhilfe überhaupt durchführen darf!?

Sozialhilfeempfänger bekommen kein Konto, da sie kein regelmäßiges Einkommen haben. Da Chip-Karten ein Konto voraussetzen, gibt es für Sozialhilfeempfänger keine Chip-Karten, werden sie also hiermit von der Benutzung von Bussen, Straßenbahnen, Eisenbahn und öffentlichen Toiletten ausgeschlossen... - vom Einkaufen in Geschäften ganz zu schweigen.

In Indien laufen die Parias sichtbar gekennzeichnet durch die Bemalung im Gesicht herum. In Deutschland muß man die Chip-Karten noch nicht öffentlich zeigen. Die heutigen Judensterne sind eben etwas moderner: rechteckig, elektronisch und aus Kunststoff. Und das Opfer ist nicht der, der einen hat, sondern der, der keinen hat. Eine geniale Lösung! Die Opfer können sich nicht beklagen, weil sie ein Mal tragen, sondern, weil sie einmal nichts tragen. Und dagegen kann man sich nur schwer zur Wehr setzen!

Jedoch: Die Geschichte geht weiter! In den USA ist es verboten, auf Privatgrund zu kampieren. Das ist verständlich. Seit 1995 ist es auch auf staatlichem Besitz verboten. Die inzwischen sogar gestellte Frage, wo denn nun die Obdachlosen bleiben sollen, scheint berechtigt... Die Antwort der Obrigkeit allerdings steht (nach mehr als einem Jahr!) immer noch aus.

Jedoch: Die Geschichte geht weiter! [Nachrichtenagentur Reuter, veröffentlicht im Juni 1996]: "San Francisco (Reuter). Ein Gericht in San Francisco hat den Kalifornier Robert Norse Kahn zu 59 Tagen Haft verurteilt, weil er ohne Erlaubnis Lebensmittel an Obdachlose verteilt hat. Sein Anwalt teilte mit, Kahn sei 1993 festgenommen worden, weil er auf einem öffentlichen Platz mit der Gruppe 'Food not Bombs' (Essen statt Bomben) Suppe und Brötchen an Obdachlose ausgegeben habe."

Wunderbar! Da darf ein Obdachloser inzwischen nicht einmal mehr auf öffentlichem (!) Gelände übernachten, ohne in den Knast zu kommen, und nun darf man die Obdachlosen nicht einmal mehr ohne Genehmigung füttern, sonst gibt's wieder Knast! (Das Tauben-Füttern ist ja auch schon verboten..., nicht wahr, Herr Kreisler!?) Da hat Deutschland wieder ein paar phantastische Vorbilder mehr, denen es nachzueifern gilt...! Die Inder waren uns weit voraus mit ihrer farbigen Kennzeichnung der einzelnen Kasten. Der Judenstern in Deutschland war dagegen nur ein schwacher Abklatsch. Jetzt aber können wir wieder strahlen: Die Chipkarte als soziale Klassenschranke wird unseren Ruf als geniales Volk der Richter und Henker wieder herstellen...


P-052
Ein kleiner Nachsatz: Es ist gar nicht nötig, heute noch Chip-Karten zu verwenden! Durch die Verwendung von Glas-ummantelten Transpondern, wie sie schon seit Jahren in der Tierhaltung eingesetzt werden, kann auch jeder Mensch mit einem Transponder versehen werden (einfach unter die Haut in das Muskelfleisch injiziert). Dabei brauchte man lediglich Art und Größe des Speichers zu verbessern und könnte außer der Krankengeschichte und allen Sozial- und anderen Versicherungsnummern auch alle anderen wesentlichen Daten darin speichern. Die positiven Folgen für die Menschheit wären phänomenal: Volkszählungen würden automatisch in Kontrollstellen in speziellen Toren in der Stadt erfolgen können. Niemand könnte mehr seinen Ausweis verlieren. Nie mehr könnten Portemonaies gestohlen werden. Die Wegfahrsperre im PKW würde nur auf den zugelassenen Transponder reagieren: Kein Wagen könnte mehr gestohlen werden. Nie mehr Probleme beim Telefonieren, weil das Kleingeld fehlt. Pay-TV würde ebenfalls revolutioniert, Software-Lizenzen ebenso. Niemand würde durch ein öffentlich zur Schau getragenes Merkmal bloßgestellt - Judensterne würde es nie wieder geben. - Wozu auch? Braucht man ja nicht mehr... Die Schere im Kopf, diesmal wörtlich.

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Als ich vor dem "Data Warehouse" warnte, da hatte ich nur böse Ahnungen. Sie wurden inzwischen bestätigt: "it Management", eine Zeitschrift für die White-Collars der gehobenen Ebenen, zeigt uns in Heft 9/10 1996 deutlich, wo es lang geht: Das schöne Wort "Data Mining" also als Schwindel-Etikett über der simplen Tatsache der Auswertung des Kauf- (und anderen) Verhaltens von Kunden.

Falls die Auswirkungen nicht klar ersichtlich sind, ein praktisches Beispiel der Anwendung zu dem erwähnten fiktiven Fall:

Ein Sonderangebot (vielleicht ein Dumpingpreis) für Milch würde Käufe in den anderen Sortimentsteilen nach sich ziehen, bei denen die Preise entsprechend hoch bzw. "erhöht" bleiben könnten, da der Kunde sie mitkaufen würde. Nach der Statistik (und nur diese zählt!) kann man hochrechnen, wieviel Umsatz sich mit diesen Methoden erreichen läßt. Anfänglich noch unzureichende Daten lassen sich durch praktische Versuche "im realen Leben" in kurzer Zeit vervollständigen.

Zurück zum Data-Mining: Die Liste derer, die sich hiermit beschäftigen, ist illuster, schließlich erwarten selbst konservative Schätzer für das Data-Warehousing weltweit Aufwendungen von mindestens 4,5 Milliarden DM bis zum Jahr 1999: Aber das Schürfen nach Informationen ist nicht nur auf die Kunden beschränkt. Wie sonst könnte man diese Werbeaussage deuten, die dick neben einem Bild von trällernden Chorknaben prangt: Dazu folgender Untertext: Christian Wedell, bereits bekannt, sagt [laut ZEIT vom 23.8.96, p27, 2. Spalte unten]: So einfach geht das. Herbert Burkert (GMD) bemerkt lakonisch [im gleichen Artikel in der ZEIT]: Gewiß, Burkert bezog sich zwar auf die Kryptologie, doch genau jene kann man doch zum Data-Mining (sollte das alte Wort "schnüffeln" nicht doch passender sein!?), hervorragend einsetzen! Außerdem gilt seine Aussage allgemein.

Den beabsichtigen Rechtsbruch gibt Wedell offen zu. Andere, man sieht es, arbeiten ebenfalls kräftig daran. Mir scheint, daß es nur eine einzige Lösung des Problems gibt: eine Weltregierung, eine Regierung für die gesamte Erde. Denn nur so läßt sich flächendeckend ein Gesetzeswerk über den Globus durchsetzen. Nein, eine EU oder irgendwelche Verträge zwischen den jetzigen Staaten nützen uns gar nichts. Denn immer kann jemand wie der ehrenwerte Herr Ghaddafi oder Saddam Hussein den Gesetzesbrechern computelles Asyl geben - gegen harte Dollars ist alles machbar...

Da wir also ohne unseren lieben Staat sind, vollkommen auf uns allein gestellt, sollten wir sehr ernst nachdenken, wie man die Kriminellen jeder microprozessuraler oder win-diger Couleur in ihre Schranken weisen kann.

Als wichtigster Tip der Hinweis an die Angestellten gewisser Firmen: Sogar bei der Bundeswehr gilt der Grundsatz, niemand dürfe gegen seinen Willen zu einer Handlung gezwungen werden. Für eine Firma, bei der auch Töten auf der Aufgabenliste steht, eine fürwahr großzügige Denkweise. Sollte, was bei einer derart "direkten" Firma möglich ist, nicht auch in anderen, in "kommerziellen" Firmen gelten ? (Wobei ich nicht sagen möchte, daß eine Armee kein kommerzielles Unternehmen ist...) Jeder, der an diesen kriminellen Dingen mitarbeitet, ist um keinen Deut besser als jene, die Bomben und Raketen entwerfen oder zusammenschrauben.

Selbstverständlich kann jeder darauf verweisen, daß er seine Familie ernähren muß (oder wenigstens sich selbst). Und wenn er diese Arbeit nicht machte, so käme gewiß ein anderer. Stimmt. Aber dieses Argument kennen wir ja schon...


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Eine besondere Anwendung von neuronalen Netzen ist seit geraumer Zeit die Überwachung und Auswertung von Vorgängen auf Girokonten. Dabei wird nicht nur die Höhe der ein- und ausgehenden Zahlungen unter die Lupe genommen, sondern auch, wofür das Geld jeweils bestimmt war. Erste Opfer gibt es bereits, wie Artikel in deutschen Tageszeitungen belegen: Jemand, der (im Besitz eines wohlgefüllten Bank-Kontos und einer Scheckkarte) ins Ausland fährt, bekommt dort dank (!) seiner Scheck-Karte kein Geld, denn dem Bank-Rechner ist diese Transaktion nicht geheuer und er erklärt kurzerhand diese Scheck-Karte für gesperrt wegen "mißbräuchlicher Nutzung".

Im Zusammenhang mit "Data-Mining" werden solche Überwachungsprogramme auf Data-Warehouses losgelassen, wobei das Tüpfelchen auf dem i ein "Agent" ist, der von sich aus die Wandertouren in die Datenbanken unternimmt und von sich aus Alarm gibt, wenn ihm etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist.

In den USA wird dies zum Auffinden von Bankrotteuren und Spielern gemacht, weil die Banken befürchten, hier Geld zu verlieren. Während im normalen Gewerbe es zum normalen Geschäftsrisiko gehört, durch einen zahlungsunfähigen oder -willigen Kunden Geld zu verlieren ("Dafür haben Sie ja die Handelspanne und machen ihre Gewinne. Da müssen Sie das mit einkalkulieren!" - so ein Bänker im Originalton), gilt das Gesetz vom Risiko, das nun mal zum Geschäft dazugehört, bei Banken nicht. Schlimmer noch: Banken haben offensichtlich das Recht, unter Umgehung jeder für Normalbürger und Normalfirmen geltenden Gesetze die Privatsphäre von Privatpersonen und Firmen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszuspionieren, so sie danach dürsten: "Die Software prüft auch ab, ob die Familienberatung beansprucht wird, Bewerbungen für neue Jobs zunehmen oder der Alkoholkonsum steigt." [CZ, 17.10.96, p39]

In diesem, unserem Land gilt das Grundgesetz - sofern es nicht die Regeln der Banken tangiert...


P-055
Alles, was es heute an Überwachungstechnik gibt, kann auch dazu genutzt werden, diese Techniken zu umgehen. Wenn also Kryptographie angewendet wird, dann kann jemand, der von kriminellen Dingen erfährt, Meldungen darüber ungefährdet an die Außenwelt senden. Günter Wallraff war zwar nur bei der BILD-Zeitung und er mußte noch nicht einmal encrypten - aber sein Beispiel soll Schule machen! Wo sind die Menschen mit Rückgrat ? Jene, die Mumm in den Knochen haben ? Man muß nicht zur Bundeswehr, um Abenteuer zu erleben...!

Der Einzelne auf der Straße, wie kann der sich schützen ? Eine der schönsten Methoden ist hier immer noch der Boykott. In Amerika ist das eine sehr probate Methode. Was wäre, wenn hier die Leute Stickern trügen mit der Aufschrift: "Kauft nicht bei xxx - die stehlen Eure Daten !" !?

Was wäre, wenn die Firmen, die kriminell sind, gegen Raubkopierer vorgehen wollen ? Heißt es nicht irgendwo, daß es um ein "Rechtsgut" geht. Hier haben wir es mit zwei Rechtsgütern zu tun, jenem des Kunden auf persönliche Unversehrtheit und auf die Geheimhaltung und Unversehrtheit seiner persönlichen Daten - und auf der anderen Seite das Rechtsgut der Firma, die ein Produkt (das vielleicht noch dem kriminellen Tun dient!) verkaufen will, und die auf ihrem Kaufpreis beharrt, der Kunde aber will nur einen Pfennig zahlen... (auf den einen lege ich Wert!). Hier kommt das zum tragen, was man "Güterabwägung" nennt - die Bewertung, was höheren Wert hat, das Rechtsgut des Schutzes des Individuums (einschließlich der Richter) oder das Rechtsgut der Handelsfreiheit (eher "Handlungsfreiheit") einer Firma...!


P-056
Beim Nachdenken über Strategien gegen Firmenspionage bin ich schon vor langem auf eine sehr einfache Idee gekommen. Ich möchte diese aus gegebenem Anlaß detailliert beschreiben:

Bei Netscape und anderen Programmen wird mit "Cookies" oder anderen Datenfiles gespeichert, was man im Internet getan hat. (Ich fasse der Einfachheit halber in diesem Text ab jetzt unter dem Begriff "Cookies" alle derartige Files zusammen, auch wenn sie anders funktionieren sollten.)

Vermeintlich clevere Köpfe sind auf die Idee gekommen, die Cookies bei jedem Start des Rechners automatisch zu löschen. Das hört sich gut an, funktioniert aber nicht, weil man bei dieser Methode nach dem Besuch einer Web-Site jedesmal einen Neustart machen müßte, bevor man zu einer andern Web-Site wechselt. Weil aber der Wechsel durch "Links" erfolgt, bemerkt man das nicht immer rechtzeitig. Und selbst wenn man es täte, so ist doch der jedesmal notwendige Neustart "höchst unkomfortabel"...

Besser also die Idee, die vorhandenen Cookies zu nehmen, mit einem Editor auf ein paar Bytes zu verkürzen und dann mit dem Read-only-Attribut zu versehen. Doch das funktioniert ebensowenig:

Zum einen kann während des Rechnerbetriebs das Cookies-File als virtuelle Kopie existieren - und dafür gibt es kein RO-Attribut! Zum anderen kann der Softwarehersteller auf die glorreiche Idee kommen, sein Programm schlichtweg abstürzen zu lassen, wenn er seine Cookies nicht schreiben darf. Bei Monopolisten (man denke nach!) sind schon ganz andere Sachen passiert.

Nein, wenn man die Kriminellen richtig "aufs Kreuz legen" will, dann muß man schon anders vorgehen. Der einfachste Ansatz dazu ist NICHT, ihnen ganz simpel alle Daten vorzuenthalten. Wie ich eben zeigte, geht das nicht. Außerdem: Wenn es nur wenige Daten über eine Person gibt, wie leicht ist es da, diese Daten zu lesen!? Sind dagegen Megabytes zu wälzen, so werden die Spione derart mit Daten überschüttet, daß sie daran ersticken.

Ein Beispiel: Jemand hat ein persönliches Telefonbuch. Wie bequem für jemanden, der darin schnüffelt. Hat das Opfer aber eine Telefon-CD - mit über 30 Millionen Einträgen - was erführe der Schnüffler daraus!?

Die erfolgreichste Gegenwehr kann also nur darin bestehen, (mit Hilfsprogrammen) die Cookies möglichst groß aufzublähen und den Inhalt ganz gezielt zu manipulieren. Was geschieht wohl, wenn man immer wieder in die internettigen Porno-Schuppen verschwindet? Gibt es dann plötzlich Reklame von den Porno-Läden? Ist das nicht eine gute Idee? Werbung kostet eine Menge Geld. Nutzlos verschwendet an jemanden, der ganz bestimmt keine Pornos kauft, senkt das die "Kampfkraft" der Porno-Firmen... Werbung, die keiner liest, für Spirituosen - senkt die Kampfkraft der Alkohol-Mixer. Werbung für Waffen, flugs dem Kompost zugesellt (Schwerter zu Pflugscharen...) - senken die Kampfkraft. Gezielte Handelsmachtabschöpfung also - so ganz nebenbei...

Jene, die unsere Daten wollen, aber Berge von Chaos erhalten, müssen diese Daten verarbeiten, ihre Rechner vergrößern. Wie jede Statistik, so ist deren Statistik auf die Echtheit der Daten zwingend angewiesen. Sonst ist sie wertlos...

Jene, die unsere Daten wollen, aber nur Chaos bekommen - was sollen sie noch damit ? Also, ganz klare Linie: Nicht Daten verweigern, sondern Daten-Anarchie...: Die "Daten-Backstube" - jedem seine Cookies, frisch aus dem Ofen, ganz individuell nach dem persönlichen Rezept des Küchenchefs, gebraut aus über 300.000 Zutaten. Wohl bekomm's!


P-057
Bei einem Besuch einer der noch vorhandenen Post-Niederlassungen habe ich die neuesten Formulare überprüft. Es hat sich gelohnt. Die Post und die Telekom haben schon wieder Seltsames ausgedacht:


P-058
Der Telekom ist ein gigantischer Deal gelungen: Compuserve wird eine 0190-er Nummer bekommen, mit der man sich bundesweit zum Ortstarif einloggen kann. Dafür verlangt Compuserve 1 Dollar pro Stunde (und die Telekom kassiert zusätzlich die Ortsgebühr...).

Halten wir uns nicht bei Kleinigkeiten auf - AOL oder irgendein anderer Provider hätte dies auch tun können. Der wirklich entscheidende Punkt ist, daß eine Telekommunikationsfirma mit einem Inhalts-Provider einen Vertrag über eine flächendeckende Versorgung abschließt. Das gab es bisher nicht. Entscheidend ist auch, daß der Telekommunist eine kontinuierliche Geldabschöpfung vom Kunden vornimmt. Das ist nicht so trivial, wie es sich anhört: Die Telekom braucht nichts weiter zu tun als die Hand aufzuhalten - und ein steter Strom frischen Geldes wird sich darin ergießen...

Die nächste Stufe der Kommunikations-Technologie wird dies belegen:

Der bisherige Schwachpunkt aller Konkurrenten zur Telekom ist der fehlende Anschluß "die letzten Meter bis zum Haus". Deshalb wird sich zwangsläufig durchsetzen eine Funktechnik, bei der mit Transpondern gearbeitet wird und jeder Endkunde einen kleinen Transponder bei sich haben wird; was letztendlich dazu führt, daß der Endkunde ein Funktelefon besitzt (indem er den Transponder mitnimmt, was zumindest bei Fahrzeugen kein sonderliches Problem darstellen wird - wenigstens nicht im Stadtbereich).

Das ist, jeweils für sich, bereits bekannt. Aber erst im Zusammenhang mit einer festen Kopplung von Kommunikations-Anschluß (Telekom) und Inhalt (Compuserve) nimmt die Sache Form an: Was hindert die Telekom, nicht kurzerhand Compuserve aufzukaufen!? Die Gewinne der Telekom sind so groß, daß so ein Kauf im wahrsten Sinne des Worte "ein Griff in die Portokasse" ist. Was die Telekom mit T-Online nicht geschafft hat, ist ihr mit dem jetzigen Vertrag gelungen. Ja, vielleicht muß die Telekom Compuserve nicht einmal übernehmem? Vielleicht ist die jetzige Lösung noch lukrativer ? Europe Online ist bekanntlich pleite gegangen. Compuserve oder andere wären also ebenfalls für einen Apfel plus ein Ei zu haben. Warum aber sollte man sich den Gefahren aussetzen, für die Inhalte verantwortlich gemacht zu werden!? (- wie es bei Compuserve ständig der Fall ist)

So also wird es aussehen: Die Telekommunikationsfirmen werden zwangsläufig mehr oder weniger direkt die Inhalts-Provider übernehmen - zumindest aber ihr Geld... Und sie werden, eher früher als später, auch auf die Inhalte Einfluß nehmen - aus welchen Gründen auch immer...

Der dezentrale Aufbau des Internets kommt ihnen sehr gelegen: Was heute mit "Proxies" gemacht wird, könnte ebensogut in einem lokalen Knotenrechner der Telekom geschehen. Anstelle eines gigantischen, zentralen Rechners, der sowohl zu teuer wäre, als auch zu hohe Anschlußleistungen bewältigen müßte, werden die Aufgaben auf viele dezentrale Rechner verteilt.

(Nicht nur) das führt zwangsläufig zu einem weiteren Technologie-Sprung: Die lokalen Knotenrechner können auch für andere Aufgaben genutzt werden, zB. für das Backup von Firmen- (oder anderen) -Daten. Letztere Lösung wird heute bereits angeboten, allerdings via Internet. Bei der Telekommunikations-Lösung wäre es effizienter und überschaubarer..

Nachdem die Metro ihr "MetroNet" aufmacht, bleibt die Frage: Mit wem wird demnächst die Metro, eine der mächtigsten Firmen des Kontinents, IHREN Deal abschließen über die flächendeckende Versorgung mit Transpondern? Deutschland als Bestandteil der Metro? Noch dürfen wir die Tage zählen...


P-059
Bei den Auto-ID-Verfahren gibt es eine wichtige Bezeichnung: "EAS" = "electronic article surveillance". Das bedeutet den Einsatz von Ident-Methoden zur Kennzeichnung von Waren, so daß sie überwacht werden können, nicht nur wegen der Logistik und Data-Mining, sondern auch als Diebstahlschutz. Hierzu gehören besonders Methoden, bei denen die Tags oder Labels in der Ware (bereits bei der Produktion!) an immer wechselnden Stellen versteckt untergebracht werden (eingenäht oder eingeklebt), so daß die nachfolgenden Personen nicht den Befestigungsort kennen. Dies richtet sich besonders gegen das Geschäftspersonal, da bekanntlich ein sehr großer Prozentsatz der Ladendiebstähle auf das Konto der eigenen Angestellten geht. Die Markierungen werden an der Kasse elektronisch entschärft, der Ware also nicht entnommen. Interessant bei der Methode also die Möglichkeit, daß ein Dieb zB. ein Kleidungsstück anzieht und dann in ein bestohlenes Geschäft geht. Wegen der noch nicht deaktivierten Markierung würde er Alarm auslösen.

Eine interessante Erweiterung der EAS ist die Methode, die Tags in die Platine (!) eines elektronischen Geräts einzubauen. Damit läßt sich auch später jederzeit verfolgen, ob ein woanders (!) gestohlenes Gerät in einen überwachten Raum (das muß kein Ladengeschäft sein!) mitgebracht wird.

Daraus folgt, daß zB. die Polizei mobile oder nur temporär benutzte Überwachungsanlagen auf Flohmärkten oder anderen freien Plätzen der Stadt postiert. Ein Ansatz dazu ist bereits gemacht, aber in einer ganz anderen Technologie: In den USA hat die Polizei die akustische Überwachung eines Stadtteils erprobt. Dabei wurde mit Mikrophonen die Geräuschkulisse aufgenommen und daraus mittels sehr schneller Filter die "Signaturen" von Schüssen aufgespürt. Das Besondere ist nun nicht, daß man erkennt, ob geschossen wurde, sondern daß man mit Hilfe eines großen Netzes von Mikrophonen den Ort des Schusses sehr präzise lokalisieren kann. Das Ergebnis der Tests war spektakulär: Man prüfte nach und stellte fest, daß es an weitaus mehr Orten Schüsse gegeben hatte, als der Polizei durch die Tests und durch Meldungen von Überfällen bekannt gewesen waren.



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