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Skeptic's Dictionary
 

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Einführung

Solange Autorität Furcht einflößt, verstärken Konfusion und Absurdität konservative Tendenzen in einer Gesellschaft. Erstens führt klares und logisches Denken zu einer Anhäufung von Wissen (wofür der Fortschritt in den Naturwissenschaften das beste Beispiel bietet), und die Vervollkommnung des Wissens unterminiert früher oder später die traditionelle Ordnung. Verworrenes Denken führt andererseits nirgendwohin und kann unbegrenzt so weiter getrieben werden, ohne dass es irgendeinen Einfluss auf die Welt hätte. Mit anderen Worten: Es ist grundsätzlich statisch, und dieses Merkmal verbindet sich mit seiner Fähigkeit, für soziale Gruppen den Kitt abzugeben.

Stanislav Andreski, Die Hexenmeister der Sozialwissenschaften

Über den Autor

Robert Todd Carroll arbeitet seit 1977 am Sacramento City College in Sacramento, Kalifornien, wo er Philosophie lehrt. Er machte seinen Doktor der Philosophie 1974 an der Universität von Kalifornien in San Diego.

Carroll ist der Autor mehrerer Werke, darunter des Skeptischen Wörterbuchs (Original: The Skeptic's Dictionary), The Common-Sense Philosophy of Religion of Bishop Edward Stillingfleet (Martinus Nijhoff: Den Haag, 1974) und Becoming a Critical Thinker.

Seine Hauptinteressensgebiete sind Kritisches Denken, Skeptizismus, Rechtsphilosophie, irische Literatur, Folk (besonders aus Irland), Reisen, Golf, Gitarrespielen, Holzarbeiten und mehr.

Eigener Aussage zufolge hatte Carroll mal eine "östliche Mystik-Phase", aber er scheint darüber hinweg gekommen zu sein.

Achtung!

Diese Website enthält Meinungen, die für Nicht-Skeptiker nicht geeignet sein könnten. Das Skeptische Wörterbuch wurde nicht verfasst, um eine "ausgewogene" Darstellung über religiöse, pseudowissenschaftliche oder paranormale Themen zu bieten.

Es gibt weltweit schon reichlich "Argumente" für Religion, Okkultes und Pseudowissenschaftliches. Ich versuche nicht, diese Argumente nachzuerzählen. Sie sprechen für sich und sind leicht zu finden. Was schwerer zu finden ist, sind skeptisches Denken und Argumente für skeptisch denkende Menschen. Mit dem Skeptischen Wörterbuch möchte ich einen Zugang zu und eine erste Orientierung in diesen Argumenten und der mit ihnen verbundenen Literatur ermöglichen. Nicht mehr und nicht weniger.

Vorwort des Autors

Das Skeptische Wörterbuch liefert Definitionen, Argumente und Essays über Themen aus dem Bereich des Übernatürlichen, Okkulten, Paranormalen und Pseudowissenschaftlichen. Ich verwende den Begriff „okkult", wenn ich mich auf eines oder alle dieser Themen beziehe. Der Leser sei gewarnt, dass sich das Skeptische Wörterbuch nicht um eine „ausgewogene" Darstellung okkulter Themen bemüht. Wenn überhaupt, ist es ein Raketenwerfer der David-Klasse gegen die Goliath-Divisionen der okkulten Literatur. Ich hoffe, dass einige Geschosse treffen. Anders als David allerdings bin ich nicht sehr gläubig und denke nicht, dass Goliath vernichtet werden kann. Skeptische Einheiten können das eine oder andere Scharmützel gewinnen, aber niemals den Krieg. Goliath kann nicht durch Argumente und Beweise geschlagen werden; viele der Zuschauer könnten jedoch durch die Darstellung gewonnen werden und Goliath als das erkennen, was er ist: ein falscher Messias. Besonders jüngere Leser sind angesprochen. Ich hoffe, Goliaths Schwachstellen aufzeigen zu können, so dass die Leser seine Stärke in Frage stellen und seine Versprechen in Zweifel ziehen.

Ein weiteres Ziel des Skeptischen Wörterbuchs ist es, Referenzmaterial und bibliographische Angaben über die besten skeptischen Werke zum jeweiligen Thema zu liefern. Wenn also etwa Ihr nerviger Psychologiedozent nicht aufhört, von Auren als unerklärlichen okkulten Phänomenen zu reden, schlagen Sie im Skeptischen Wörterbuch nach und werden Sie selber nervig, indem Sie mehr aufbieten als nur generelle Skepsis gegenüber okkulten Dingen.

Das Skeptische Wörterbuch wurde für vier unterschiedliche Publikumsgruppen verfasst: den aufgeschlossenen Suchenden, der noch keine Stellung zu okkulten Behauptungen bezogen hat; den weichen Skeptiker , der eher zweifelt als glaubt; den harten Skeptiker, der ausgesprochen starke Zweifel an allem Okkulten hat; und den gläubigen Zweifler, der eher zum Glauben neigt, aber einige Bedenken hat. Die Gruppe, die nicht angesprochen ist, ist diejenige der wahren Gläubigen an das Okkulte. Wenn Sie keinen Funken Skeptizismus in sich haben, ist dieses Buch nichts für Sie.

Der aufgeschlossene Suchende hat nicht viel Erfahrung mit okkulten Dingen außerhalb der Religion, lehnt aber nicht sofort alle Berichte von Auralesungen, UFO-Entführungen, ESP, Wünschelruten, Channeling, Geistern usw. ab. Der weiche Skeptiker urteilt nicht über Okkultes und beruft sich auf mangelnde Kenntnis sowie auf epistemologischen Skeptizismus, um dies zu begründen. Der harte Skeptiker glaubt an gar keine oder nur sehr wenige okkulte Behauptungen. Der gläubige Zweifler fühlt sich vom Okkulten angezogen und glaubt ernsthaft an einen oder mehrere (meist mehrere) okkulte Bereiche, hat aber doch noch so manchen Zweifel an okkulten Behauptungen.

Meine eigene Überzeugung ist eindeutig die eines harten Skeptikers. Ich gebe nicht vor, keine Erfahrung mit oder Wissen über diese Angelegenheiten zu haben. Was mich betrifft, so ist die Beweislage erdrückend, und es ist außerordentlich wahrscheinlich, dass jede okkulte Behauptung entweder ein Irrtum oder ein bewusst inszenierter Schwindel ist. Früher war ich ein Suchender; in der Rückschau wünsche ich mir, ich hätte ein Buch wie das Skeptische Wörterbuch gehabt. Es wird dem Suchenden Argumente liefern und ein Nachschlagewerk mit Literaturtips über die beste skeptische Literatur sein. Obgleich ich ganz klar hoffe, dass der Suchende ein Skeptiker wird, so hoffe ich nicht, dass er es nur auf mein Wort – oder das Wort eines anderen – hin wird. Er sollte nachforschen und über diese Dinge nachdenken, bevor er eine Entscheidung fällt.

Das Skeptische Wörterbuch wird dem weichen Skeptiker ebenfalls Beweise und Argumente liefern, wie auch Tips zum Auffinden weiterer Beweise und Argumente. Meiner Meinung nach liegen ausreichende Beweise vor, um die meisten vernünftigen weichen Skeptiker davon zu überzeugen, dass die große Mehrzahl der okkulten Behauptungen eher falsch als wahr ist. Der weiche Skeptiker erkennt jedoch, dass  aus dieser Tatsache (wenn es denn eine ist) nicht folgt, dass man sich der Sache verschreiben sollte, die dem rationalen Verstand als die wahrscheinlichste erscheint. In den Augen des weichen Skeptikers ist die Rationalität ein Wert, und die Vorstellung, dass ein rationales Leben das beste für menschliche Wesen ist, kann weder logisch noch wissenschaftlich oder sonstwie bewiesen werden. In der Argumentation kann man lediglich auf die Konsequenzen hinweisen, die ein rationales Leben im Unterschied zu einem irrationalen Leben mit sich bringt. Und es erscheint zutreffend, dass der Glaube an das Irrationale ebenso attraktiv für den wahren Gläubigen ist wie der Glaube an das Rationale für den harten Skeptiker. Den weichen Skeptikern zufolge ist die Entscheidung, ein rationales oder irrationales Leben zu führen, vor allem eine Sache des Glaubens. Für eine recht lange Phase meines erwachsenen Lebens war ich ein weicher Skeptiker, der überzeugt davon war, seine Hingabe an die Ratio sei ebenso ein Akt des Glaubens, wie es meine Hingabe an den Katholizismus zuvor gewesen war. Mehrere Jahre lang blieb ich aufgeschlossen für die Existenz aller Arten okkulter Phänomene. Meine Studien und Überlegungen in den letzten Jahren haben mich zu der Schlussfolgerung gebracht, dass es einen Überfluss an Beweisen gegen die Sinnhaftigkeit des Glaubens an Okkultes gibt. Ich bin außerdem zu dem Schluss gekommen, dass die Bevorzugung der Rationalität vor der Irrationalität ganz und gar kein Akt des Glaubens ist. Schon die Fragestellung – die Nachdenken verlangt, um sie zu beantworten – demonstriert die Nutzlosigkeit der These, dass alles auf Glauben reduziert werden kann, denn man muss denken, um für den Glauben zu argumentieren. Und obwohl ich nicht leugne, dass die Auswirkungen des Glaubens an okkulte Dinge oft vorteilhaft sein können, so leugne ich entschieden, dass diese Auswirkungen irgendetwas mit dem Nachweis der Existenz okkulter Phänomene zu tun haben. Auch ein weicher Skeptiker müsste zustimmen, dass es einen riesigen Unterschied zwischen einem Ding gibt, an das man glaubt, und einem, das existiert. Ich würde ihm beipflichten, wenn er sagt, dass es unmöglich ist, irgendetwas Empirisches mit absoluter Gewissheit festzustellen. Ich denke jedoch, dass Wahrscheinlichkeiten uns in diesem Leben gute Dienste leisten. Wir kennen reichlich Methoden, um in sehr, sehr vielen Fällen zwischen empirischen Behauptungen zu unterscheiden, die verschiedene Grade der Wahrscheinlichkeit aufweisen. Für mich ist es Unsinn, mit Charles Peirce und William James zu behaupten, die Konsequenzen eines Glaubens belegten seine Echtheit und alles, das reale Konsequenzen habe, sei auch real. Wenn ich eine Verkäuferin dazu bringe, an meine illusionären 100-Euro-Scheine zu glauben, so dass ich nach Belieben einkaufen kann, solange sie von der Echtheit meines Geistergeldes überzeugt ist, glaubt dann ein vernünftiger Mensch daran, dass es wirklich echt ist? Versuchen Sie diesen Trick mal in einem Laden, in dem die Verkäuferin nicht Wahnvorstellungen unterliegt und nicht an unsichtbare Scheine glaubt.

Der harte Skeptiker braucht nicht mehr viel an Beweisen oder Argumenten, um davon überzeugt zu sein, dass alle okkulten Behauptungen wahrscheinlich auf einem Fehler oder einem Schwindel beruhen. Und doch bietet Das Skeptische Wörterbuch auch hier etwas: Es liefert Munition gegen die endlosen Argumente der wahren Gläubigen. Die meisten harten Skeptiker haben nicht das Gefühl, dass sich Zeit und Aufwand lohnen, um jeder blödsinnigen Idee nachzugehen, die ihnen begegnet. Sie tun sie einfach ab. Der folgende Brief ist von einer Engländerin, die in einem Büro in Österreich arbeitet, in dem offenbar ein Mangel an Skeptizismus vorherrscht:

    "Ich arbeite in einem Büro, in dem die meisten Kollegen daran glauben, dass man sein Leben gemäß irgendeiner idiotischen Theorie leben sollte. Wenn ich meine ziemlich üppig wuchernden Pflanzen beschneide, werde ich informiert, dass der Mond dafür nicht richtig steht, obwohl meine Pflanzen dank gutem Kompost und Düngemittel fantastisch wachsen. Sage ich, ich gehe mal eben zum Friseur, dann wirft irgendjemand einen Blick in seinen Mondkalender und ermittelt, ob der Tag auch „passt". Die Kollegen mit Rückenschmerzen laufen alle zum Wunderheiler, ein Schulmediziner, der nebenbei noch die Hand auflegt (ich habe ihnen vorgeschlagen, abzunehmen und mit dem Schwimmen anzufangen), oder sie schlucken andauernd irgendwelche Kräuterpillen, die sie zu Wucherpreisen in einem Spezialladen gekauft haben. Eine Kollegin von mir besucht mich niemals zu Hause, weil ich unter dem Dach wohne und die Spitze „schädliche Energiewellen" konzentriert; sie ist davon überzeugt, dass meine Gesundheit darunter leiden muss (ich habe eine Rossnatur), und sie hat eine „Feng Shui"-Theorie, an der sie nicht zweifelt. Ich hatte kürzlich Probleme mit Mundabszessen, und eine andere Kollegin sagte mir, ich solle eine Mundspülung mit kaltgepresstem Sonnenblumenöl durchführen. Nun scheint mir das sogar bei meinen rudimentären Biologiekenntnissen eine dämliche Idee zu sein, die tatsächlich mehr Bakterien dazu auffordern könnte, sich in meinem Mund häuslich niederzulassen. Jemand anderes erzählte mir (in sehr strengem Tonfall), ich solle meinen Gaumen mit Zitronenschalen einreiben, um Vitamin C in meine Membranen zu kriegen, und ich informierte sie darüber, dass meines Wissens mein Mund keine durchlässige Membran sei! Ich bin von all diesem Nonsens umzingelt, und alle werden sehr ärgerlich, wenn ich über ihre Theorien diskutiere und mich skeptisch zeige (aber was kann man von einer Skorpionin schon erwarten?)."

Unter den meisten Bedingungen ist die glatte Ablehnung von Quacksalberei intelligent und gerechtfertigt. Oft ist es jedoch besser, die Suchenden, die weichen Skeptiker und die zweifelnden Gläubigen mit spezifischen wie allgemeinen Argumenten zu versorgen. Falls die Gegner allerdings wahre Gläubige sind wie etwa die Kolleginnen unserer Skeptikerin hier, dann ist es wahrscheinlich Zeitverschwendung, mit Beweisen und Argumenten zu kommen.

Schließlich und endlich ist es die Absicht des Skeptischen Wörterbuchs , den zweifelnden Gläubigen mit Informationen und Quellen zu versehen, die, wenn kein ausgewogenes, dann zumindest ein vielfältiges Bild bezüglich der Kraft der Kristalle, der Farbtherapie oder der Levitation vermitteln werden. Es wird dem Zweifler dabei helfen, seine Zweifel zu beheben. Obwohl einige wenige Skeptiker, die sich durch all diese Literatur hindurchkämpfen, durchaus als Pyrrhonisten (alles bezweifelnde Skeptiker) enden könnten, denke ich doch, dass die überwältigende Mehrheit sich zu harten Skeptikern entwickeln wird.

Wie schon erwähnt, die eine Gruppe, für die dieses Buch nicht gedacht ist, ist diejenige der wahren Gläubigen. Meine Studien haben mich davon überzeugt, dass ihrem Glauben kritisch gegenüberstehende Argumente oder Daten von ihnen als unbedeutend, unwichtig, manipulativ, irreführend, unglaubwürdig, unwissenschaftlich, unfair, voreingenommen, abgeschottet, irrational und/oder des Satans erachtet werden (es ist vielleicht ganz interessant, festzustellen, dass dies exakt die Begriffe sind, die ein harter Skeptiker in Bezug auf die Studien und Beweise der wahren Gläubigen verwendet – wenn man von Satan absieht). Daher bin ich sicher, dass das einzige Interesse, das ein wahrer Gläubiger am Skeptischen Wörterbuch haben könnte, sich auf seine Verdammung und Verbrennung ohne vorherige Lektüre beziehen würde.

„Skeptizismus" kann sich auf die grundsätzliche Einstellung oder geistige Haltung eines Menschen beziehen, konkret die des Zweifelns und Nachfragens. Oft bezieht sich „Skeptizismus" jedoch speziell auf den Zweifel oder Unglauben an übernatürlichen oder paranormalen Behauptungen. Darüber hinaus kann er außerdem die philosophische Doktrin bezeichnen, derzufolge absolute Erkenntnis unmöglich ist und Nachforschung ein Prozess des Zweifelns sein muss, um annähernde oder relative Gewissheit zu erhalten.

Das Skeptische Wörterbuch befasst sich mit allen drei Bedeutungen des Wortes, aber die Motivation für das Buch war eindeutig die zweifelnde und ungläubige Haltung des Autors im Hinblick auf okkulte, paranormale, hellseherische und religiöse Phänomene. Um mit Nietzsche zu sprechen, ich teile Skeptiker in zwei Gruppen ein: Apollonier und Dionysier.

Der apollonische Skeptiker ist der Klarheit und der Rationalität verpflichtet. Ihm erscheinen alle übernatürlichen Dinge schwammig und irrational. Der dionysische Skeptiker fühlt sich seinerseits der Leidenschaft und dem Instinkt zugeneigt und kann sich tatsächlich der Religion zuwenden, sei es wegen ihrer Unbestimmtheit (Charles Peirce) oder ihrer Irrationalität (Tertullian, Kierkegaard). Der Apollonier betrachtet den Glauben an Gott gleichrangig mit dem Glauben an den Osterhasen und den Glauben an Unsterblichkeit als äquivalent zu dem Glauben an astrale Projektion. Er lehnt das Übernatürliche ab, nicht weil er weiß, dass diese Dinge falsch sind, sondern weil sie ihm gegen den Strich gehen. Der Dionysier hingegen glaubt an das Übernatürliche - nicht, weil er es für wahr hält, sondern weil es seinen Gefühlen und Instinkten entspricht. So sieht der Apollonier keinen Grund, an metaphysische Dinge zu glauben; der Dionysier sieht keinen Grund, nicht an sie zu glauben. Der Apollonier betrachtet alle Argumente und Belege, die religiöse oder okkulte Behauptungen stützen, als albern, betrügerisch, irreführend, schwach, gegenstandslos oder lächerlich. Der Dionysier sieht im Apollonier einen sturen Bock, der nicht bereit ist, einen Fehler zu riskieren, um eine mögliche erhabene Wahrheit zu erfassen.

Wer hat recht? In psychologischer Hinsicht würde ich vermuten, wir müssten ihnen beiden recht geben. Es ist nicht gesund, sich gegen die eigene Natur zu wenden. Ist es jedoch vernünftig, von beiden Seiten zu erwarten, dass sie sich gegenseitig tolerieren? William James, der Gläubige und Ungläubige entlang ähnlicher Grenzen trennte, hielt es für vernünftig. Ich kann ihm nicht zustimmen. Beide Arten von Skeptiker halten den anderen für einen Trottel und nicht für jemanden, der einfach nur falsch liegt. Wie kann es gut sein, Menschen zu tolerieren, die man für Trottel hält? Ich gestehe ein, dass wir in Gesellschaft selten unsere wahren Gefühle füreinander ausdrücken, und Skeptiker sind hier keine Ausnahme. Sie sind dafür berüchtigt, ihre Position mit Argumenten zu untermauern. Pascals Wette bringt den apollonischen Skeptiker auf die Palme; Bertrand Russells „Warum ich kein Christ bin" erscheint dem wahren Gläubigen als Wahnsinn. Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem ein Apollonier aufgrund von Argumenten begann, an das Übernatürliche zu glauben, noch kenne ich einen Dionysier, der aufgrund eines einschneidenden Erlebnisses Atheist wurde.

In Wirklichkeit sind die meisten Atheisten und die meisten Gläubigen keine Skeptiker – aber sie sollten es sein. Sie tolerieren sich gegenseitig oder diskutieren miteinander, weil sie glauben, dass die Beweislage zu ihren Gunsten spricht und dass letztendlich jeder vernünftige Mensch ihnen zustimmen müsste, wenn er die Dinge nur richtig sähe. Sie halten diejenigen, die anders denken, nicht einfach für Trottel; sie halten sie für unwissend, dumm oder irregeleitet. Nach meiner Erfahrung haben Intelligenz, Wissen und Bildung nicht unbedingt etwas mit der Neigung zu tun, an das Übernatürliche oder das Okkulte zu glauben. Wie William James es ausdrückte, unser Charakter bestimmt diese Neigungen für uns. Der Wert beider Arten von Glaube zeigt sich an seinen Früchten, meinte er. Und, wie Nietzsche es formulierte, „unsere Werte brechen aus uns hervor wie Früchte am Baum; was schert es den Philosophen, wenn die Früchte verfault sind." Das Problem ist nur, dass von meinem Standpunkt aus die Früchte anderer Leute verfault erscheinen, während meine eigenen mir frisch und lecker vorkommen; von einem anderen Standpunkt aus ist es vielleicht umgekehrt. Schade, dass wir unsere Früchte nicht gegenseitig probieren können.

Dieses Buch ist daher nicht als Argumentationshilfe für den apollonischen Skeptiker gegen den Gläubigen gedacht. Es zielt vor allem auf diejenigen ab, die von Natur aus Apollonier sind, die aber aus irgendeinem Grund dieser Neigung nicht folgen. Wir leben in einer Gesellschaft, die dem Okkultgläubigen wesentlich mehr bietet als dem Skeptiker. Die Angst vor Strafe, Ausstoßung und Verspottung sind mächtige Hindernisse, wenn man seinen eigenen Weg sucht. Aber Unzufriedenheit erwartet garantiert denjenigen, der seine Überzeugungen und Werte von anderen für sich aussuchen lässt. Man könnte dieses Buch daher ein Gegenstück zu dem mittelalterlich-scholastischen Verständnis suchenden Glauben bezeichnen. Sind Sie allerdings bereits ohnehin ein apollonischer Skeptiker, dann wird das hier präsentierte Material Ihnen dabei helfen, das zu verstehen, was Sie ohnehin vernünftigerweise schon glauben.


Vorwort des Übersetzers

Das Skeptische Wörterbuch ist mir zum ersten Mal 1996 begegnet, als ich mich mit dem Medium Internet vertraut machte und mehr oder weniger alle Begriffe in die Suchmaschinen eingab, die mir so einfielen. Darunter war auch der Begriff "Martin Gardner", da ich zwei Jahre zuvor Gardners berühmte Essay-Sammlung Science - Good, Bad, and Bogus während meines Aufenthaltes in Harlech, Wales, gelesen hatte. Vor dieser Lektüre - die ich jedem nur empfehlen kann - hatte ich bereits vage skeptische Überzeugungen, die aber ohne feste Form blieben.

Ich erinnere mich zum Beispiel sehr gut daran, dass Anfang der Neunziger die "Erdstrahlen"-Manie über Deutschland hinwegging und viele Menschen damit begannen, ungemahlenen Kaffee aufzustellen, Stecker herumzudrehen oder Plastik- bzw. Aluminiumfolie unter ihr Hochbett zu spannen, um "schädliche Strahlung" abzublocken. Ich hatte schon damals das Gefühl, dabei handele es sich um eine höchst zweifelhafte Sache, aber ich hätte niemals wissenschaftlich darüber diskutieren können, da mir das Wissen dazu fehlte - und so gehörte das Feld denjenigen, deren Onkel oder Großmutter von einem Wünschelrutengänger "geheilt" worden war. Gardner und nach ihm andere haben diese losen Überzeugungen sozusagen in konkrete Formen gegossen; in Carrolls Terminologie war ich wohl so etwas wie ein weicher Skeptiker.

Der Suchbegriff "Gardner" brachte mich zum Skeptic's Dictionary, und ich erstarrte vor Ehrfurcht vor jemandem wie Bob Carroll, der sich ohne irgendeine Vergütung so viel Zeit genommen hatte, um ein Werk zu verfassen, dass zumindest Anlass zur Hoffnung gibt, das Internet werde nicht ausschließlich zum Medium für Onlineshopping und Pornographie.

Damals fasste ich spontan den Entschluss, das SD ins Deutsche zu übersetzen, schrieb eine Mail an Bob Carroll (der sein OK gab) und machte mich mit Feuereifer an die Arbeit. Leider hielt dieser Eifer nicht sehr lange an, und andere Sachen begannen, dazwischen zu kommen; außerdem fehlte es mir an einer Möglichkeit, meine übersetzten Beiträge zu veröffentlichen.

Nun, seit Anfang 2000 habe ich die Möglichkeit und will sie endlich nutzen. Zur Zeit sind etwa 100 Einträge (von über 400) bearbeitet; einige davon wurden von Frau Larissa Wagner übersetzt, die für das Online-Magazin arbeitet, für das auch ich mehrere Einträge übertragen habe (MorgenWelt).

Bei vielen Stichwörtern habe ich versucht, eine "deutsche" Perspektive einzubringen und häufig eigene Anmerkungen gemacht, die immer als solche zu erkennen sind. Andere Einträge wiederum stammen nicht von Bob Carroll, sondern vollständig von mir; auch dies ist immer klar zu erkennen. Bob Carrolls Texte sehen im Inhaltsverzeichnis so aus (Abrakadabra ), während meine eigenen farblich etwas anders gestaltet sind (Cthulhu-Mythos). Diese Texte finden sich bislang nur in der deutschen Fassung des Skeptischen Wörterbuchs.

Die Skeptische Ecke und mit ihr das Skeptische Wörterbuch sollen als Diskussionsforum und Informationsmöglichkeit für all jene dienen, die gerne mehr über die enthaltenen Themen wissen möchten. Fragen und Anmerkungen auf Deutsch sollten direkt an mich gerichtet werden , ebenso alle Kommentare zu Aufbau, Gestaltung und zu den von mir selber verfassten Artikeln.

Anmerkungen auf Englisch zum eigentlichen Inhalt des SD können auch direkt an Bob Carroll gerichtet werden. Ich stehe grundsätzlich zu dem Inhalt der veröffentlichten Artikel, auch wenn ich nicht in allen Details mit Bob Carroll übereinstimme (allerdings in den meisten).

Der Tonfall des SD ist oft polemisch, satirisch und bissig; ich hoffe, dass die Übersetzung dies vermitteln kann. Ich denke nicht, dass sich jemand durch den Inhalt des Wörterbuchs persönlich angegriffen fühlen sollte, aber falls doch, bitte ich um Nachricht.

Nachsicht werde ich allerdings keine gegenüber persönlichen Angriffen, Schmähungen etc. haben. Die Natur der Diskussion und die im Wörterbuch enthaltenen Angriffe auf religiöse (Wahn-)Vorstellungen, postmodernistische Luftballons und inhaltsleere Pseudo-Psychologie führt leider häufig dazu, dass die Gegner versuchen, sich bevorzugt unter der Gürtellinie zu treffen. Ich denke nicht, dass man im Wörterbuch Angriffe ad hominem finden wird; ich würde sagen, es wird hart, aber fair gespielt. An mich gerichtete e-mail-Fouls werden weder gepfiffen noch verwarnt, sondern ignoriert.

Das Skeptische Wörterbuch ist permanent im Aufbau begriffen. Es ist schwierig, mit Bob Carroll mitzuhalten, und im Moment bin ich ganz und gar mit Aufholen beschäftigt. Ich hoffe, dass ich bis Ende 2001 mehr oder weniger fertig sein werde, aber sicher bin ich mir da nicht. Falls irgend jemand da draußen selbst für sich oder Freunde/Familie schon Artikel ins Deutsche übersetzt haben sollte, sollte er/sie nicht zögern, sich bei mir zu melden.

Sobald ich Zeit habe, werde ich die eingereichten Übersetzungen durchlesen, falls nötig überarbeiten und schließlich veröffentlichen. Selbstverständlich werden der Name der Übersetzerin und auf Wunsch auch ihre e-mail-Adresse, Homepage etc. genannt. Sollten Ihnen zufällig interessante skeptische Links unterkommen, freue ich mich über jede Info.

Zum Inhalt: Das Einzige, in dem ich vollkommen bin, ist Unvollkommenheit, also unterlaufen mir Fehler. Wenn es sich um Übersetzungsfehler handelt, bin ich für Hinweise dankbar und werde sie so schnell wie möglich beseitigen; bei inhaltlichen Fehlern halte ich den Kopf hin, wenn sie von mir stammen, kann aber nur auf Bob Carroll veweisen, wenn sie im Original zu finden sind. In Zweifelsfällen setze ich mich mit dem Autor in Verbindung.

Es ist leider unmöglich, alle von Bob Carroll angeführten Quellenverweise zu checken, aber bei meinen eigenen bin ich mir ihrer Richtigkeit ziemlich sicher; ebenso unmöglich ist, wie jede Homepage-Besitzerin weiß, sämtliche Links auf ihre ständige Verfügbarkeit zu prüfen. Wie üblich bitte ich um Info, falls ihr ein totes Link findet.

Zur Sprache: Ich verwende männliche und weibliche Pronomina einigermaßen wild durcheinander, gebrauche aber nur selten "er/sie" oder "seine/ihre", da ich dies hässlich finde. Ob Frau oder Mann, wenn jemand als Beispiel für etwas Bestimmtes herhalten muss, ist das Geschlecht vollkommen belanglos. Bezeichnungen wie "AstrologInnen" werden Sie hier nicht finden. Die neue deutsche Rechtschreibung ist aktiv im Skeptischen Wörterbuch.

Einige komplizierte Ausdrücke, insbesondere aus der Psychologie und der Philosophie wurden von mir nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt; sollte ich etwas übersehen oder einen allgemein akzeptierten Begriff fälschlich verwendet oder nicht verwendet haben, dann bitte ich um Nachricht.

Die Übersetzung des Skeptic's Dictionary habe ich angefertigt, weil es mir Spaß macht und weil ich glaube, damit etwas bewegen zu können. Ich verbinde damit keine finanziellen oder beruflichen Interessen und mache keine Werbung für irgendein kommerzielles Unternehmen.

Eine Ausnahme hiervon bilden eventuell Bob Carrolls Literatur-Links, die gelegentlich in dieser Form ($ 10.22) erscheinen. Diese beziehen sich auf den Kaufpreis eines Buches bei einem großen Internet-Buchversand; es ist durchaus möglich, dass man die entsprechenden Bücher woanders billiger und schneller bekommen kann. Ich würde dies allerdings nicht wirklich als Werbung bezeichnen.

"Werbung", die ich gerne mache, ist solche für skeptische Organisationen, interessante Homepages, wissenschaftliche Institute etc. Es versteht sich von selber, dass ich nicht für die "Links von den Links" verantwortlich bin.

Der Inhalt des Skeptischen Wörterbuchs ist nicht altersbeschränkt und sollte es auch nicht sein. Manche Einträge sind sicherlich schwer zu verstehen und erfordern einiges an Vorbildung, aber andere wiederum dürften jeder intelligenten 12jährigen verständlich sein. Weder das Skeptische Wörterbuch noch meine anderen Internetseiten enthalten Darstellungen, die für Jugendliche nicht geeignet sind.
 

Warum Skeptisches "Wörterbuch"?

Ich habe mehrere Kommentare wie diesen hier von Gregg Delso erhalten:

    "Sollte das Skeptische Wörterbuch nicht 'Skeptische Enzyklopädie' genannt werden? Ein Wörterbuch versucht, einem Thema oder Wort eine kurze Bedeutung zuzuordnen und nicht eine Meinung oder einen Standpunkt."

Ich finde nicht, daß das Skeptische Wörterbuch als Enzyklopädie bezeichnet werden sollte, da es keinen Überblick über ein Wissensgebiet oder einen Teilbereich gibt. Es könnte eine Enzyklopädie des Skeptizismus geben, aber das war es nicht, was ich zu schreiben versucht habe.

Jedenfalls sind nicht alle Wörterbücher gleich Lexika. Mein Wörterbuch wurde im Geiste von Pierre Bayles Historischem und Kritischem Wörterbuch verfasst und enthält Einträge von A bis Z zu okkulten, übernatürlichen, paranormalen und pseudowissenschaftlichen Themen, die von einer skeptischen Perspektive aus betrachtet werden.

Man kann sich darüber streiten, aber ich glaube, ich habe ein Nachschlagewerk geschrieben, in dem Wörter nachgesehen werden können, um ihre Bedeutung herauszufinden.

Es stimmt, dass ich keine Hinweise auf korrekte Aussprache oder Betonung gebe; das überlasse ich den lexikalischen Wörterbüchern. Auch tue ich - anders als lexikalische Wörterbücher - meine parteiische Meinung kund und gebe nur unausgewogene Literatur an. Beides wäre in einer Enzyklopädie nicht akzeptabel.

Also habe ich mich entschlossen, den Titel zu ändern, um genauer wiederzugeben, worum es bei diesem Werk geht. Ich hätte es ein enchiridion oder Handbuch genannt, aber es wurde nicht geschrieben, um herumgetragen zu werden - außer für die wenigen Erwählten, die Laptops und große Festplatten haben.

 

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