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Pressespiegel

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Rheinische Post-Online vom 1.2.01

Der Markt in Deutschland boomt

Esoterik-Seiten im Netz:
Heilkräuter und Hexenhumbug

Der Esoterik-Markt in Deutschland boomt. Messen sind gut besucht, und Seminare, auf denen die Teilnehmer angeblich zu sich selbst finden, stets belegt. Das Branchenblatt "Die neue Esotera" hat eigenen Angaben zufolge rund 200.000 Leser und eine Auflage von 75.000 Exemplaren. Auch im Netz nimmt die Zahl der Seiten mit esoterischen Inhalten zu.

Was früher verlacht wurde, ist heute populär. Die Gemeinde wächst. Die Zahl der schwarzen Schafe auch. Dubiose Anbieter verbreiten Irrlehren. Oft sind die Angebote so obskur, dass offenbar nur der Weg ins vermeintlich "rechtsfreie" Internet geblieben ist.

Was boomt, ist das Geschäft mit der Angst. Wer nicht mehr weiter weiß, flüchtet sich allzu oft in die Magie. Kräuter und Salben versprechen Heilung, die der Arzt nicht verschaffen kann, den Schlüssel zur Lösung von Problemen. Motto: "Der Glaube versetzt Berge." Gefährdet ist ein jeder, der Sehnsucht nach spirituellen Erlebnissen sucht oder ganz einfach einsam ist. Lebenshilfe kommt nicht mehr von Freunden oder Verwandten, sondern aus Büchern oder per Mausklick. Das ist nicht schlimm, wenn die Hilfe professionell wäre. Doch das ist sie in diesem Fall nicht.

Besonders skurril sind die Websites selbsternannter Hexen, die Esoterik und Okkultismus verbinden. Das Angebot ist umfassend, der Humbug kennt dabei offenbar keine Grenzen. Fegten sie früher der Sage nach mit Besen durch die Lüfte, hantieren die modernen Hexen mit dem Online-Warenkorb herum. Theresia Baschek, alias "Hexe Theresia", bietet ihre Dienstleistungen von einem Bauernhof in Hamburg an. Wer Schaden von sich abwehren will, muss tief in die Tasche greifen. Die handgearbeitete, schwarze Kerze mit drei Schlangen kostet 79 Mark. Leicht verdientes Geld für die Dame, die auch ihren neuen "Bestseller" anbietet - handsigniert und mit persönlicher Widmung. Die Kundschaft ist begeistert und drückt dies im Gästebuch auch deutlich aus. Wie gesagt: Der Markt boomt.

Wer mit dem Ida Nan Dleau-Ritual den Loa des Donnersteines erweckt, sichert sich dessen Unterstützung ein Leben lang. Das jedenfalls verspricht die "Odenwaldhexe" Andrea Diehm aus Kirchzell. Sicher ist auch das Loch im Geldbeutel. 750 Mark kosten die Dienste des Laos. Mondfrau Suse steht den Hexen-Kolleginen in nichts nach. In ihrem Astrologieshop kann jeder erfahren, ob der Beruf richtig für einen ist. 40 Mark kostet das. Den richtigen Partner empfiehlt sie gleich mit - für weitere 50 Mark.

Die Anbieter nehmen ihre Ideen aus einem schier unerschöpflichen Fundus. Ob Schamanen oder die Winter-Sonnenwende - alles könnte ja irgendeinen ineressieren und in den Warenkorb wandern.

Geradezu kriminell wird es, wenn das Elixier (10 ml) gegen Depressionen und Hoffnungslosigkeit 29,80 Mark kostet. Das ist fahrlässiger Umgang mit einem Leiden, das sich ähnlich den Rückenschmerzen zur Volkskrankheit entwickelt. Doch Esoteriker scheinen neben dem Wissen über Menschen, die sie noch nie gesehen haben, auch die Narrenfreiheit für sich zu proklamieren. Nur so ist es zu erklären, dass selbsternannte "Helfer in der Not" Gesundheitsberatung per Briefverkehr anbieten und nebenbei Kontakte ins Jenseits knüpfen können.

Klein ist die Zahl derer im Netz, die den Dingen zwischen Himmel und Erde skeptisch gegenüber stehen. Tobias Budke versucht den Hokuspokus im Netz mit Fakten ad absurdum zu führen. Roland Ziegler betrachtet die Alternativmedizin und die Esoterik kritisch. Die arbeite mit "der Beseitigung jeglicher Abstraktionen, einer damit einhergehenden Zerstörung der Verständigungs-Fähigkeit und der Postulierung absoluter Wahrheiten", schreibt er auf seiner Homepage. Esoterik sei eine Denkwelt, deren Widersprüche nur von Außenstehenden wahrgenommen werden.

Netzreporter: Frank van der Velden

 

Spektrum der Wissenschaft (Dezember 2001, S. 104):

Nichts ist leichter im WWW zu finden als Unfug. Das gilt auch für - drücken wir es vorsichtig aus - Theorien mit mehr oder eher weniger gerechtfertigtem wissenschaftlichen Anspruch. Die deutsche Ausgabe der handredigierten Suchmaschine Yahoo bietet unter dem einfühlsam gewählten Rubrikennamen "Grenzwissenschaften" stolze 242 Einträge, nur geringfügig weniger als für die gesamte Physik. Von diesen Einträgen verweisen die meisten wieder auf lange Listen von Fundstellen: Horoskope aller Art, darunter eine von Yahoo selbst verantwortete Horoskop-Website, die Weissagungen des Nostradamus, der Bibel-Code, Äußerungen der Zeugen Jehovas zu vergangenen und zukünftigen Sintfluten (unter Vereinnahmung des wissenschaftlich besetzten Begriffs "Katastrophentheorie") - alle diese halbseidenen Geschichten aus weniger seriösen Presseerzeugnissen und Fernsehsendungen finden sich im Web wieder. Warum sollte es auch anders sein? Erschreckend viele Leute glauben an diese Dinge und nutzen, selbstverständlich, das Internet, um ihre Gedanken dazu untereinander auszutauschen.

Und was sagt die Wissenschaft im Internet dazu? Nicht allzuviel. Offensichtlich artet die Auseinandersetzung zwischen Anhängern und Gegnern esoterischer Überzeugungen regelmäßig in einen Grabenkampf aus, bei dem für letztere wenig Ruhm oder Spaß zu holen ist. Das durchzuhalten erfordert schon eine sehr standfeste aufklärerische Grundhaltung. Zudem befinden sich die Aufklärer in der Zwickmühle zwischen den Absichten, einerseits die Auffassungen der anderen Seite als verfehlt zu bekämpfen, sie andererseits zumindest vorläufig gelten zu lassen - man will ja nicht in Dogmatismus verfallen.

In der "Gesellschaft für die wissenschaftliche Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP), die sich solch aufklärerisches Tun auf die Fahnen geschrieben hat, fand vor drei Jahren ein Bruch statt, weil sich die wesentlichen Akteure nicht auf eine gemeinsame Position in diesem Spannungsfeld einigen konnten. Edgar Wunder, Gründungsmitglied der GWUP und zeitweise der aktivste Redakteur der Hauszeitschrift "Skeptiker", verließ den Verein und gründete das "Forum Parawissenschaften", auf dessen Website er nicht nur wortreich seine Sicht der Dinge darlegt, sondern auch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zur Einsicht bereithält. Dagegen ist die GWUP selbst nur mit einer eher durchschnittlichen Site im Web vertreten; Inhalt-liches findet sich im Wesentlichen in Online-Auszügen aus dem "Skeptiker".

Nicht jeder, der gegen Pseudowissenschaft (junk science) zu kämpfen vorgibt, tut dies auch. Ausgerechnet die einprägsame Adresse www.junkscience.com ist von einem Vielschreiber namens Steven J. Milloy besetzt, der auf dieser Website einen Privatkrieg unter anderem gegen "health scares" führt; damit meint er die Leute und Behörden, die in seinen Augen in Bezug auf die Gefahren durch Asbest, radioaktive Strahlung und Umweltchemikalien den Teufel an die Wand malen.

Als einsamer Stern am ansonsten relativ schwarzen Himmel erstrahlt das "Skeptic's Dictionary" von Robert T. Carroll, Professor für Philosophie am Sacramento City College (Kalifornien). Carroll schreibt seit 1994 ein echtes Online-Buch, voller Querverweise und Links auf andere Quellen, darunter auch die, deren Aussagen er kritisiert. Von ursprünglich etwa fünfzig Artikeln ist sein Werk auf über 400 Abhandlungen angewachsen - eine unerschöpfliche Fundgrube an Material, das über verschiedene Suchwege erschließbar ist. Stichproben zeigen, dass Carroll sich in die Gedankenwelt der zahlreichen Esoterik-Vertreter intensiv und mit großem Einfühlungsvermögen eingelesen hat. Die Beschriebenen dürften sich zumindest richtig dargestellt fühlen, wenngleich er aus seiner glasklar skeptischen Grundhaltung kein Hehl macht.

Beispielhaft ist Carrolls Auseinandersetzung mit dem kontroversen Thema "multiple Persönlichkeiten". Mit großer Sorgfalt legt er auseinander, dass viele Persönlichkeiten in ein und demselben Körper durchaus real sein mögen, aber eben trotzdem soziale Konstrukte sind. Sigmund Freud gesteht er immerhin eine Großtat zu: die Erweckung des Wunsches, konventionswidriges Verhalten zu verstehen anstatt es nur zu verdammen oder zu verlachen. Dagegen lässt er an der von Freud begründeten Psychoanalyse kein gutes Haar.

Ein Mensch, der den Besuchern seiner Website www.skeptischeecke.de nur seinen Vornamen Tobias verrät, hat einige von Carrolls Artikeln ins Deutsche übersetzt und mit eigenen und fremden Kommentaren sowie weiteren Links angereichert. Ein Hinweis auf diese Website steht bei Yahoo unter "Grenzwissenschaften" - als einziger Verweis auf Skeptisches. Immerhin.

Christoph Pöppe
Der Autor ist Redakteur bei

Spektrum der Wissenschaft.

 

 

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