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Elektrosmog

Elektromagnetische Felder (EMF) sind Bereiche, in denen Kräfte wirken, die von fließenden elektrischen Ladungen verursacht werden.

Viele Menschen befürchten, dass die elektromagnetischen Felder - im deutschsprachigen Raum häufig als "Elektrosmog" bezeichnet - Krebs verursachen. Eine ursächliche Verbindung zwischen diesen Feldern und Krebs ist bislang jedoch nicht nachgewiesen worden. Das National Research Council (NRC, US-Forschungsbehörde, Anm.d.Übers.) hat mehr als drei Jahre lang mehr als 500 wissenschaftliche Studien überprüft, die über einen Zeitraum von 20 Jahren erstellt worden sind. Es hat "keine schlüssigen und zuverlässigen Beweise" dafür gefunden, dass elektromagnetische Felder den Menschen schaden. Der Vorsitzende des NRC-Komitees, der Neurobiologie Dr. Charles F. Stevens, sagte: "Nachforschungen haben nicht in überzeugender Weise gezeigt, dass die in Haushalten üblichen elektromagnetischen Felder gesundheitliche Probleme verursachen, und ausführliche Labortests haben nicht ergeben, dass elektromagnetische Felder die Körperzellen auf eine Art schädigen können, die der Gesundheit des Menschen abträglich wäre."

Das New England Journal of Medicine veröffentlichte im Jahre 1997 die Ergebnisse der umfangreichsten und detailliertesten Studie über elektromagnetische Felder und Krebs, die jemals durchgeführt wurde. Dr. Martha S. Linet, die Leiterin der Studie, erklärt dazu: "Wir haben keine Beweise dafür gefunden, dass magnetische Felder in Haushaltsstärke das Risiko für Kinderleukämie erhöhen." Die Studie umfasste einen Zeitraum von acht Jahren. Gemessen wurde die Wirkung von Magnetfeldern, die von nahegelegenen Starkstromleitungen erzeugt wurden, auf den Menschen. Eine Gruppe von 638 Kindern unter 15 Jahren mit akuter lymphoplastischer Leukämie wurde mit einer anderen Gruppe von 620 gesunden Kindern verglichen. "Die Forscher stellten Messungen über die Magnetfelder in allen Häusern an, in denen die Kinder in den fünf Jahren vor der Entdeckung ihrer Krankheit gelebt hatten, ebenso in den Häusern, in denen die Mütter während der Schwangerschaft wohnten."

Die Studie wurde kritisiert, weil es unmöglich sei, die genaue Stärke der elektromagnetischen Felder im fraglichen Zeitraum zu ermitteln: Sämtliche Messungen wurden nach dieser Zeitspanne durchgeführt, wobei stillschweigend angenommen wurde, die Feldstärken seien in der Vergangenheit nicht wesentlich anders gewesen als zur Zeit der Untersuchung. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass irgendjemand jemals eine Kontrollstudie an Menschen durchführen wird, in welcher die Einwirkung elektromagnetische Felder systematisch vom Zeitpunkt der Empfängnis an, bis zum Ende der frühen Kindheit dokumentiert wird.

Trotz dieser Studien glauben viele Menschen, dass Krebserkrankungen durch den Gebrauch von Handys verursacht werden, oder auch dann, wenn man in der Nähe von Stromleitungen wohnt. Und warum glauben sie das? Geschäftstüchtige Anwälte, die Massenmedien und der allgemeine Mangel an wissenschaftlicher Bildung sind die Gründe für diesen Glauben.

Robert Pool schrieb im Jahre 1990 im Fachblatt Nature, dass die öffentliche Meinung durch unwissenschaftliche Quellen, wie etwa das The New Yorker Magazine, gegen elektromagnetische Felder mobilisiert wurde. Ähnliches wurde Talkmastern wie Larry King vorgeworfen, der dem Publikum einen Witwer präsentierte, der den tödlichen Gehirntumor seiner Frau der Strahlung ihres Handys zuschrieb. Es kam zu einem Prozess, in dem der Beweis darin bestand, dass sich der Tumor in der Nähe ihres Ohres befand, an das sie normalerweise ihr Handy hielt. Die Fernsehanstalten berichteten über die Angelegenheit und interviewten Wissenschaftler, um der Sache mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit zu geben. Da es jedoch keinen Wissenschaftler gibt, der jemals einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und Krebserkrankungen entdeckt hat, wurde jemand interviewt, der bereits existierende Tumore solchen Feldern aussetzte. Dieser Forscher erklärte, seine Untersuchungen wiesen darauf hin, dass Tumore schneller wüchsen, wenn man sie elektromagnetischen Feldern aussetzte. Die Folge: die Zahl der Handyverkäufe ging zurück und die Aktien der Herstellerfirmen fielen.

Der Umstand, dass Tumore unter der Einwirkung von elektromagnetischen Feldern schneller wachsen, bedeutet freilich nicht, dass diese Felder Tumore - ob gut- oder bösartig - verursachen.

Es ist zwar durchaus denkbar, dass Handys Gehirntumore verursachen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie es tun, ist gering. Mobiltelefone strahlen Felder von sehr geringer Intensität aus - und diese Intensität ist weit geringer, als jene der Felder, die in dem erwähnten Versuch verwendet wurden. Außerdem ist der Handy-Benutzer diesen Feldern - wiederum im Gegensatz zum genannten Versuch -, nicht permanent, sondern nur zeitweise ausgesetzt. Es besteht durchaus also die Möglichkeit, dass ein Mensch mit einem Gehirntumor bei der Benutzung eines Handys ein gewisses Risiko eingeht, dass sein Tumor schneller wächst, als dies normalerweise der Fall wäre - doch es gibt keine Beweise dafür, dass dieses Risiko wirklich existiert oder gar signifikant ist.

Rechtsanwälte, die Klienten vertreten, welche ihre Krebserkrankungen auf Starkstromleitungen zurückführen, zitieren häufig aus einer schwedischen Studie, die eine Zunahme von 400 Prozent an Leukämiefällen bei Kindern feststellte, die in der Nähe solcher Leitungen lebten. Eine weitere Studie - von der University of Southern California - ermittelte ebenfalls erhöhte Leukämieraten bei Kindern, die in ähnlicher Lage wohnten. Robert Pool meint dazu:

"In der Studie wurden 232 Leukämiepatienten unter 10 Jahren, sowie eine Kontrollgruppe untersucht, die in Bezug auf Alter, Geschlecht und Ethnie der ersen Gruppe ähnlich war. Die Stärke der elektromagnetischen Felder, denen jedes Kind ausgesetzt war, wurde auf unterschiedlichen Wegen ermittelt. Es gab keine Korrelation zwischen dem Auftreten von Leukämie und der Feldstärke bei Einzelmessungen. Eine nicht signifikante Korrelation ergab sich zwischen dem Auftreten von Leukämie und der Stärke der magnetischen Felder, kontinuierlich gemessen über 24 Stunden. Eine signifikante Korrelation sah man allerdings zwischen der Feldstärke, die mit Hilfe eines speziellen Klassifikationsschemas für elektrische Leitungen ("wire coding") ermittelt wurde, und dem Leukämierisiko. Die Gruppe mit der [nach diesem Schema bestimmten; Anm.d.Red.] höchsten Feldstärke hatte dabei ein 2,5faches Leukämierisiko. Man weiß nicht, inwieweit diese Unterschiede in den Korrelationen auf die Unterschiede in den Methoden zurückzuführen sind. Es ist möglich, dass einige Arten von elektromagnetischen Feldern zu einem erhöhten Leukämierisiko führen können. Allerdings wäre auch denkbar, dass die Methode des "wire coding" einfach sensibler in der Messung ist. Bis man darüber besser Bescheid weiß, ist unklar, ob hohe elektromagnetische Feldstärken zu einem gesteigerten Leukämierisiko in Beziehung stehen."
(Robert Pool, "EMF-Cancer Link Still Murky", Nature, Bd. 349, Heft 6310 (14. Feb. 1991) )

Im Jahre 1992 wurden mehr als 200 Anklagen gegen Energieversorgungsunternehmen erhoben, in denen der vermeintliche "Elektrosmog" eine Rolle spielte. Unter den Stromlieferanten breitete sich Panik aus, investierten sie doch bereits Milliarden von Dollars in etliche Bemühungen, die Abstrahlung ihrer Leitungen abzuschirmen. Dr. Robert Adair, ein Physiker an der Universität Yale, bezeichnet diese Reaktion als "Elektrophobie" und ist der Meinung, es bedürfe Feldstärken von mindestens dem 150fachen der in Schweden gemessenen, damit überhaupt ein Risiko entstünde.

Doch die Anwälte werden weiterhin vor Gericht ziehen - auch ohne wissenschaftlich eindeutige Beweise, denn die Standards bei der Beweiserhebung vor Gericht sind mit denen der Wissenschaft nicht zu vergleichen. So wurde etwa Judith Richardson Haimes aus Philadelphia vor einigen Jahren eine Million Dollar von einer Jury zugesprochen, die sich offenbar davon überzeugen ließ, dass Ms. Haimes ihre übersinnlichen Kräfte nach einer Computer-Tomographie verloren habe. Ein Richter reduzierte den Betrag später auf einen Dollar. Und das waren vermutlich immer noch 98 Cents mehr, als ihre Kräfte wert waren. "Man braucht nur ein oder zwei Treffer, und die Haie beginnen zu kreisen," meint Tom Ward, ein Anwalt aus Baltimore, der die Northeast Utilities Co. und ihren Ableger Connecticut Light & Power Co. wegen eines angeblichen EMF-Krebsfalles verklagt.

Es war schon bislang schwer genug, ein Haus in der Nähe von Leitungsmasten zu verkaufen, weil sich die Leute an dem hässlichen Ausblick stießen. Doch all das ist nichts gegen das Problem, dieses Haus loszuwerden, wenn die potenziellen Käufer Angst davor haben, von den hässlichen Masten Krebs zu bekommen!

Zur Zeit gibt es in den Vereinigten Staaten Bestrebungen, alle Hochspannungsleitungen unterirdisch zu verlegen. Bedeutet das etwa mehr Sicherheit? Die Kosten sind zwar zwanzigmal höher, doch die Leitungen müssten eigentlich tiefer im Erdreich vergraben werden, als die Höhe der Masten beträgt, wenn ein merklicher Unterschied in der EMF-Abschirmung erzielt werden soll.

Der Normalbürger wird sich wegen der Hochspannungsleitungen wahrscheinlich keine Sorgen machen müssen. Die meisten von uns kommen niemals nahe genug an sie heran, um von ihren Feldern in irgendeiner Weise beeinflusst zu werden. Und selbst, wenn sie sich in der Nähe befinden, sind wir ihnen nicht direkt, unmittelbar und kontinuierlich ausgesetzt. Vermutlich ist die Gefahr - wenn es sie überhaupt gibt - durch die Verkabelung unserer Häuser und unserer elektrischen Geräte viel größer, als durch die Leitungsmasten.

Da die Energieversorgungsunternehmen jedoch gerichtliche Klagen fürchten, werden wir alle in Bälde vermutlich höhere Strompreise bezahlen müssen, um die Milliarden zu finanzieren, die das Vergraben der Leitungen kostet. Wenn die Unternehmen Prozesse verlieren, verlieren die Aktionäre Geld, und das gefällt denen gar nicht. Man sollte sich also nicht in die Irre führen lassen: Wenn die Leitungen wirklich unter die Erde verlegt werden, dann nicht etwa deshalb, weil die Stromversorgungsunternehmen daran glauben, dass elektromagnetische Felder gefährlich sind - sondern allein deshalb, weil diese Unternehmen Klagen und kostspielige Prozesse vermeiden wollen.
 

Anmerkungen des Übersetzers:

Im Grunde genommen unterscheidet sich die Diskussion um den Elektrosmog nur unwesentlich von derjenigen um die sogenannten "Erdstrahlen". Indes wird in diesem Fall ein Phänomen nicht ganz und gar erfunden, sondern nur vollkommen übertrieben als bedrohlich dargestellt.

Insbesondere der Mobilfunk macht zahlreichen Menschen Angst; anders als Radio- und Fernseh-Sendestationen, sind die Mobilfunk-Basisstationen einfach überall. Die hochfrequente Handy-Strahlung (zwischen 450 und 1900 MHz, je nach Netz) kann - bei älteren Handy-Modellen - zur Beeinträchtigung von Herzschrittmachern führen. Solche Beeinträchtigungen sind aber schon ab 25 cm Abstand zwischen Brust und Handy nicht mehr möglich. Handys neueren Datums (ab 1998) sind unbedenklich. Für Niederfrequenzquellen (etwa Stromleitungen) wurde bei einer Untersuchung auf Leukämieerkrankung im Kindesalter ein statistisch auffälliges Risiko in der Nähe von Hochspannungsleitungen ermittelt, dessen Wert aber immer noch unter dem Risikowert lag, der sich aus starker Verkehrsbelastung oder niedrigem Sozialstatus ergab (da in den USA die Hochspannungsleitungen häufig mit den Verkehrswegen einhergehen, sind die Ursachen hier schwer zu isolieren). Einige Experimente an Ratten und Mäusen deuteten ebenfalls auf ein erhöhtes Risiko hin, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. (Details dazu im Skeptiker , Heft 3/98, S. 89-96, www.gwup.org).

Die von manchen Menschen in Anspruch genommene "Elektrosensibilität" ist ebenfalls ein Mythos, der sich vermutlich aus der Mediendarstellung des Themas speist; dieser Mythos hat immerhin ein paar Arbeitsplätze geschaffen: Sogenannte "Baubiologen" betätigen sich als High-Tech-Wünschelrutengänger. Prof. Dr. Peter Kröling von der Universität München führt die Elektrosmog-Hysterie auf mehrere Gründe zurück: Falsche positive Ergebnisse wohlmeinender, aber schlecht informierter Wissenschaftler, die sofort ihren Weg in die Medien finden, während negative Ergebnisse langweilig sind; Experten, die ihr Aufgabenfeld sichern wollen; den ungeschickten Umgang mit der Bevölkerung durch Vertreter der Energie- und Telekommunikationsunternehmen; Pseudoexperten, die aus der Umweltangst Kapital schlagen; die Medien; und Bürgerinitiativen, deren Mitglieder sich in ihrer Rolle des David gegen Goliath gefallen.

Außerdem weist Prof. Kröling zu Recht darauf hin, dass selbst bei Vorhandensein eines minimalen Gesundheitsrisikos der Nutzen etwa von Handys dieses Risiko immer noch tausendfach übersteigen würde. Kröling: "Täglich gehen derzeit über die Notruffunktion allein in Deutschland mehrere tausend Anrufe ein. Ich möchte es angesichts von weltweit 200 Millionen Handybesitzern der Phantasie des Lesers überlassen, wieviele Menschen dieser Technologie bereits Gesundheit und Leben zu verdanken haben."

Weiterführende Literatur (deutsch)

Schäfer, Hans: Gefährdet Elektrosmog die Gesundheit? Stuttgart 1995.

Dank an Rainer Kayser von der MorgenWelt für die Bearbeitung.

 

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