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Skeptic's Dictionary
 

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Außerirdische Entführungen

"... ungeachtet der Tatsache, daß wir Menschen begeisterte Sammler von Souvenirs sind, hat nicht einer von ihnen [von denen, die behaupten, an Bord einer Fliegenden Untertasse gewesen zu sein] auch nur ein außerirdisches Gerät oder Artefakt mitgebracht, das ein für alle Mal das UFO-Rätsel klären könnte." Philip Klass, amerikanischer UFO-Skeptiker

 

Es gibt einen weitverbreiteten Irrglauben, dass außerirdische Wesen von einem anderen Planeten zur Erde gekommen sind und nun Fortpflanzungsexperimente mit einigen wenigen Auserwählten betreiben. Obgleich diese Behauptung fantastisch anmutet und es absolut keine überzeugenden Belege für sie gibt, ist doch ein Kult um den Glauben an Besuche von und Entführungen durch Außerirdische entstanden.

Den Überzeugungen dieser Leute zufolge kam es 1947 in Roswell, New Mexico, zu einem UFO-Absturz. Die US-Regierung konnte das Raumschiff und seine Besatzung bergen und trifft sich seitdem im Geheimen mit den Außerirdischen an einem Ort, der als Area 51 bekannt wurde. Der steile Anstieg von UFO -Sichtungen ist auf die erhöhte außerirdische Aktivität auf der Erde zurückzuführen. Die Extraterrestrier entführen Menschen in großer Zahl, hinterlassen als Spuren die sogenannten Kornkreise, befassen sich mit Viehverstümmelungen und offenbaren auserwählten Propheten gelegentlich Weisheiten wie das Buch Urantia. Belege für diesen Glauben an UFOs und Außerirdische bestehen größtenteils aus Spekulation, Einbildung, Betrug und aus ungerechtfertigten Schlüssen, die aus fragwürdigen Beweisen und Zeugenaussagen gezogen werden. UFO-Anhänger sind darüber hinaus überzeugt, es gebe eine Verschwörung seitens der Regierung und der Massenmedien zur Verschleierung der außerirdischen Aktivitäten, was es für sie schwer mache, die Landung der Aliens zu beweisen.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß es noch Leben in anderen Teilen des Universums gibt und daß manche Lebensformen hochintelligent sind. Es besteht eine hohe mathematische Wahrscheinlichkeit, daß sich inmitten von Billionen von Sternen in Milliarden von Galaxien Planeten in Millionenzahl befinden, die unserer Erde in Alter und Sonnenumlaufbahn ähneln. Die Chancen stehen hervorragend, daß sich auf einigen dieser Planeten Leben entwickelt hat. Es stimmt zwar, daß bis heute [Januar 1996] noch kein einziger Planet außerhalb unseres Sonnensystems direkt beobachtet wurde; trotzdem erscheint es unvorstellbar, daß unser Teil des Universums auf ganz und gar einzigartige Weise entstand. Falls nicht, so müßte es Planeten, Monde, Asteroiden etc. in allen Galaxien und im Umkreis sehr vieler Sterne in diesen Galaxien geben. Die Wahrscheinlichkeit ist daher vermutlich hoch anzusetzen, daß es noch anderes intelligentes Leben im Universum gibt, obwohl es möglich ist, daß wir einzigartig sind.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß der am nächsten liegende Stern (neben der Sonne) so weit von der Erde entfernt ist, daß die Reise dorthin länger als die Lebensspanne eines Menschen dauern würde. Der Umstand, daß unsere Sonne etwa 200 Millionen Jahre benötigt, um die Milchstraße einmal zu umlaufen, vermittelt einen Eindruck der Perspektive, die wir einnehmen müssen, wenn wir von interstellarer Reise sprechen. Wir befinden uns in 500 Lichtsekunden Abstand von der Sonne; der nächste Stern ist 4,3 Lichtjahre entfernt. Das hört sich vielleicht nah an, aber das sind immer noch 37 Billionen km. Selbst bei einer Reisegeschwindigkeit von 1 Million km/h würde die Reise mehr als 4.200 Jahre dauern. Um in, sagen wir, 50 Jahren dorthin zu gelangen, müßte man eine Geschwindigkeit von fast 93 Millionen km/h erzielen. Trotz der hohen Wahrscheinlichkeit für intelligentes Leben auf anderen Planeten ist es doch sehr unwahrscheinlich, daß ein Signal, das von einem beliebigen Planeten in irgendeine Richtung ausgesandt wird, dabei einen anderen bewohnten Planeten erreicht. Es wäre töricht, den Weltraum nach intelligentem Leben abzusuchen, ohne genau zu wissen, wo man suchen muß. Doch das Warten auf ein Signal könnte sehr viel länger dauern als die Zeitspanne, die es Leben auf dem Planeten gibt. Und schließlich: Selbst wenn wir ein Signal erhalten sollten, so sind die Signalwellen Hunderte oder Tausende von Jahren unterwegs gewesen, und der Planet könnte nicht mehr bewohnbar sein oder überhaupt nicht mehr existieren.

Daher - obwohl es sehr gut möglich ist, daß es intelligentes Leben im Universum gibt - stehen der Reise zwischen Sonnensystemen und der Suche nach Intelligenzen hohe Hürden im Weg. Diese Reisenden wären sehr lange unterwegs; wir müßten eine Lösung finden, um ihre Lebenserwartung auf Jahrhunderte oder Jahrtausende auszudehnen. Wir müßten Geräte und Technologien entwickeln, die ebenso lange halten und im All repariert werden können. Diese Bedingungen sind nicht unerfüllbar, aber sie scheinen doch so große Probleme aufzuwerfen, daß interstellare oder gar intergalaktische Reisen sehr, sehr unwahrscheinlich werden. Eine leicht zu erfüllende Bedingung wären die Freiwilligen: Es wäre nicht schwierig, genug Leute aufzutreiben, die glauben, man könne sie in hundert- oder tausendjährigen Schlaf versetzen, nach dem sie aufwachen und einen fremden Planeten sehen würden. Möglicherweise würden sie sogar glauben, sie könnten Informationen sammeln und diese zur Erde zurückbringen, wo man sie mit einer Parade erwarten würde - in den Straßen von dem, was dann von Berlin noch übrig ist.

Trotz alledem sind interstellare Reisen nicht unmöglich. Möglicherweise gibt es Lebewesen, die sehr schnell reisen können und die die Technologie und die Rohstoffe haben, die man braucht, um Schiffe zu bauen, die sehr nah an der Lichtgrenze fliegen. Würden solche Lebewesen die Erde aufsuchen, um Menschen zu entführen, zu vergewaltigen und in Experimenten zu mißbrauchen? Es liegen zahlreiche Berichte von Entführungen und Vergewaltigungen durch Kreaturen vor, die klein und glatzköpfig, weiß, grün oder grau sind, übergroße Schädel, ein kleines Kinn, große mandelförmige Augen und spitze oder gar keine Ohren haben. Wie ist diese große Zahl von Behauptungen und ihre Ähnlichkeit zu erklären? Die vernünftigste Erklärung dafür, daß die Berichte so gleichartig sind, liegt wohl darin, daß sie als Grundlage dieselben Filme, Geschichten, Fernsehprogramme und Comics haben.

Die ursprüngliche Geschichte über außerirdische Entführung und der Beginn des Kultes um außerirdische Besucher und Experimente scheint diejenige von Betty und Barney Hill zu sein. Das Hill-Ehepaar behauptet, am 19. September 1961 von Außerirdischen gekidnapt worden zu sein. Barney gibt an, die Außerirdischen hätten eine Probe seines Samens genommen; Betty behauptet, sie hätten eine Nadel in ihren Bauchnabel gestochen. Sie hat danach andere Menschen zu einem Landeplatz der UFOs geführt, aber nur sie konnte die Extraterrestrier und ihr Schiff sehen. Die Hills erinnerten sich an den größten Teil ihrer Geschichte Jahre später unter Hypnose. Barney Hill berichtete, die Aliens hätten "vollständig um den Kopf laufende Augen" gehabt, ein eher ungewöhnliches Merkmal. Und doch tauchte genau so ein Außerirdischer zwölf Jahre später in einer Episode von "The Outer Limits" [US-Fernsehserie über mysteriöse Zwischenfälle, AdÜ] auf (Kottemeyer). Robert Schaeffer zufolge "können wir alle wichtigen Elemente heutiger UFO-Entführungen in einem Comic von 1930 finden, und zwar Buck Rogers."

Die Geschichte des Ehepaars Hill hat sich oft wiederholt. Nach der Begegnung kommt es zu einer Phase des Gedächtnisschwunds. Darauf folgt gewöhnlich eine Hypnose-, Beratungs- oder Psychotherapie-Sitzung, in der die Erinnerung an die Entführung und die Experimente zurückkehrt. Die einzige Variation in diesen Geschichten ist, daß einige Opfer behaupten, man habe ihnen Implantate eingepflanzt; viele geben an, sie hätten Narben und Male davongetragen, die ihnen von den Außerirdischen beigebracht worden seien. Alle beschreiben die Aliens mehr oder wenig in identischer Weise.

Whitley Strieber, der mehrere Bücher über seine angeblichen Entführungen geschrieben hat, kam zu der Erkenntnis, er sei entführt worden, nachdem er Psychotherapie und Hypnose erhalten hatte. Strieber behauptet, er habe Außerirdische gesehen, die sein Hausdach angezündet hätten. Er gibt an, er sei nachts zu entfernten Planeten hin und zurück gereist. Er will uns glauben machen, nur er und seine Familie könnten die Außerirdischen und ihr Raumschiff sehen, während andere nichts mitbekommen. Strieber erweckt den Eindruck einer sehr gestörten Persönlichkeit, die aber aufrichtig glaubt, Außerirdische zu sehen und von ihnen belästigt zu werden. Er beschreibt seine Gefühle präzise genug, daß die Annahme gerechtfertigt ist, er sei vor seiner unheimlichen Begegnung in einer psychisch sehr labilen Verfassung gewesen. Ein derart aufgeregter und angstvoller Mensch ist nahe an der Hysterie und besonders anfällig für radikale Änderungen seiner Verhaltens- oder Überzeugungsmuster. Während einer Panikattacke zog er seinen Analytiker, Robert Klein, und einen UFO-Entführungsforscher, Budd Hopkins, zu Rate; danach begann er, sich unter Hypnose an die schrecklichen Aliens und ihre Besuche zu erinnern.

Hopkins demonstrierte sowohl Aufrichtigkeit als auch forscherische Inkompetenz in der Sendung Nova ("Außerirdische Entführungen", 27.2.96 Erstausstrahlung). Die Kamera begleitete Hopkins durch mehrere Sitzungen hindurch mit einem sehr angespannten und aufgeregten "Patienten". Dann zog Nova mit Hopkins nach Florida, wo er frohgemut eine ganz offensichtlich labile Mutter darin bestärkte, ihren Kindern einzutrichtern, sie seien von Außerirdischen entführt worden. Zwischen weiteren Sitzungen mit anderen "Patienten" vernahm man, wie Hopkins wiederholt seine Bücher anpries und Gründe nannte, warum er nicht die geringste Skepsis zeigte, ungeachtet der höchst bizarren Behauptungen, die er seinen "Patienten" entlockte. Nova bat Dr Elizabeth Loftus, Hopkins' Methode bei der "Beratung" von Kindern zu beurteilen, deren Mutter sie darin bestärkte, an Entführungen durch Außerirdische zu glauben. Aus dem Wenigen, was Nova uns von Hopkins' Arbeit zeigte, ging hervor, daß Mr Hopkins die Einbildung von Erinnerungen förderte, doch Hopkins meint, er decke unterdrückte Erinnerungen auf. Dr Loftus merkte dazu an, Hopkins bestärke seine "Patienten" darin, sich an mehr Einzelheiten zu erinnern und gebe deutliche verbale "Belohnungen" für sie. Dr Loftus beschrieb diese Vorgehensweise als "riskant", da man nicht wissen könne, welche Auswirkung diese "Beratung" auf die Kinder haben wird. Ich denke, man kann eine Auswirkung jetzt schon sicher voraussagen: Sie werden aufwachsen in dem Glauben, Außerirdische hätten sie entführt. Diese Überzeugung wird sich so tief in ihr Gedächtnis eingraben, daß es schwer sein wird, sie dazu zu bringen, die Möglichkeit zu erwägen, daß diese "Erfahrungen" von ihrer Mutter mit freundlicher Unterstützung eines Außerirdischen-Fans wie Hopkins suggeriert wurden.

Ein weiterer Fan ist der Harvard-Psychiater Dr John Mack, der Bücher verfaßt hat über seine Patienten, die von sich behaupten, von Aliens entführt worden zu sein. Viele von Macks Patienten sind ihm von Hopkins vermittelt worden. Dr Mack behauptet, seine Psychiatriepatienten seien nicht krank (warum behandelt er sie dann?) und daß er sich keine andere Erklärung für ihre Geschichten vorstellen könne als diejenige, daß sie wahr sind. Bis der Herr Doktor oder einer seiner Patienten klare Beweise für Entführungen vorlegen kann, scheint es jedoch logischer, anzunehmen, er oder seine Patienten litten unter Wahnvorstellungen oder seien Betrüger. Selbstverständlich kann sich Dr Mack hinter dem Arztgeheimnis und der Freiheit der Forschung verschanzen. Er kann alle Behauptungen in der Welt aufstellen und braucht keine von ihnen zu beweisen, da er damit die Rechte seiner Patienten verletzen würde. Er kann in der Folgezeit seine Geschichten veröffentlichen und jeden herausfordern, die Freiheit der Forschung in Frage zu stellen. Dr Mack ist somit in einer Position, um die ihn jeder Schwindler beneiden würde: Er kann lügen, ohne Angst haben zu müssen, daß man ihn ertappt.

Auch Dr Mack trat in der Nova-Sendung über außerirdische Entführer auf. Er gab an, seine Patienten seien ansonsten ganz normale Menschen - worüber man sich sicherlich streiten kann, wenn seine Patienten so ähnlich sind wie diejenigen von Budd Hopkins, die in der Sendung zu sehen waren. Mack behauptete außerdem, seine Patienten hätten nichts zu gewinnen durch das Erfinden von unglaublichen Geschichten. Aus irgendwelchen Gründen denken viele intelligente Menschen, nur Schwachköpfe können irregeführt werden oder unter Wahnvorstellungen leiden und daß man der Aussage eines Menschen glauben kann, wenn seine Motive nur lauter sind. Mithin ist es zwar zutreffend, daß man einem Menschen, der Profit (ideeller oder materieller Natur) aus seiner Aussage schlagen kann, mit Skepsis begegnen sollte, aber der Umkehrschluß ist deswegen noch lange nicht wahr: Man sollte nicht jeder Aussage Glauben schenken, nur weil die betreffende Person nichts dabei zu gewinnen hat; man sollte keinem unfähigen, betrunkenen, unter Drogen stehenden, irregeleiteten oder unter Wahnideen leidenden Zeugen trauen, auch wenn seine Seele so rein ist wie frisch gefallener Schnee früher einmal war. Der Umstand, daß ein Mensch nett und anständig ist und überhaupt keinen Vorteil davon hat, zu lügen, macht ihn nicht immun gegen fehlerhafte Deutung seiner Wahrnehmung.

Eine Sache, die Dr Mack nicht auffiel, ist, daß seine Patienten eine Menge Aufmerksamkeit durch ihren Status als Entführungsopfer bekommen. Des weiteren fiel unter den Tisch, welche Profite er und Hopkins daraus schlagen können, die Patienten zu weiteren Einzelheiten ihrer "Entführung" zu ermutigen. Mack erhielt einen Vorschuß von $ 200.000 [etwa DM 350.000, AdÜ] für sein erstes Buch für außerirdische Entführer. Er profitiert außerdem durch die Publicity und die Mittelbeschaffung für sein "Zentrum für Psychologie und Gesellschaftlichen Wandel" und sein "Programm für die Erforschung Außerordentlicher Erfahrungen". Dr Mack ist übrigens stark beeindruckt von dem Umstand, daß die Geschichten seiner Patienten so gleichartig sind. Darüber hinaus glaubt er an Auren und hat angedeutet, er halte es für möglich, daß einige der gynäkologischen Probleme seiner Frau auf Außerirdische zurückzuführen sind. Im Namen der akademischen Freiheit wird Harvard ihn weiter beschäftigen.

Beigetragen zu der Mythologie um die Alien-Entführer hat auch Robert Bigelow, ein reicher Geschäftsmann aus Las Vegas, der sein Geld bevorzugt dafür einsetzt, die parawissenschaftliche Forschung zu unterstützen und der eine Roper-Umfrage über außerirdische Entführungen teilweise bezahlte. Die 5.947 Personen, die antworteten, wurde nicht direkt danach gefragt, ob sie von Außerirdischen entführt worden seien. Stattdessen fragte man sie danach, ob sie eine der folgenden Erfahrungen gemacht hätten:

    - Wie gelähmt aufwachen mit dem sicheren Gefühl, ein Fremder oder etwas Fremdes befinde sich im Zimmer.

    - Eine Zeitspanne von einer Stunde oder mehr erleben, in der man offenbar abwesend war, sich aber danach nicht mehr erinnern können, wo man und warum man dort gewesen sei.

    - Sehen von ungewöhnlichen Lichtern oder Lichtkugeln in einem Zimmer, ohne zu wissen, woher sie kamen oder was sie auslöste.

    - Entdecken von rätselhaften Narben am Körper, an deren Entstehung weder Sie noch jemand anderes sich erinnern kann.

    - Das Gefühl des tatsächlichen Fliegens, ohne zu wissen, warum oder wie.

Wenn man auf 4 von diesen 5 "Symptomen" mit "Ja" antwortete, wurde dies als Beleg für außerirdische Entführung gewertet. Ein 62 Seiten starker Bericht mit einer Einleitung von John Mack wurde an etwa 100.000 Psychiater, Psychologen und ähnliche Experten versandt; der Bericht vermittelte, etwa vier Millionen Amerikaner oder weltweit 100 Millionen Menschen seien von UFOs entführt worden. Wie Carl Sagen trocken anmerkte: "Man wundert sich, daß die Nachbarn nichts mitbekommen haben." Das Timing des Berichts war perfekt - direkt vor der CBS-Miniserie nach Whitley Striebers Intruders.

Einige von denen, die angeben, sie seien von Außerirdischen entführt worden, sind vermutlich Betrüger, andere stehen unter starkem Druck, und wieder andere leiden wahrscheinlich an einer ernsten psychischen Störung, aber die Mehrzahl scheint aus ziemlich gewöhnlichen Menschen zu bestehen, die nur besonders anfällig für Einbildungen sind. Die meisten sind offenbar nicht auf Geld aus und benutzen ihre seltsamen Erlebnisse nicht als eine Möglichkeit, ins Fernsehen zu kommen und einen Film nach ihrem Leben drehen zu lassen. Mit anderen Worten, die Zeugenaussagen werden oft, wenn nicht meistens, von ganz normalen Menschen ohne bekannte Hintergedanken gemacht. Wären ihre Behauptungen nicht so bizarr, wäre es unfair, ihnen nicht zu trauen. Verteidiger des Glaubens an außerirdische Entführungen weisen gerne darauf hin, daß nicht alle Geschichten durch Konfabulation erklärt werden können. Andererseits ist es so, daß Hypnose und andere Suggestionsmittel oft verwendet werden, um Erinnerungen an Entführungen freizulegen. Hypnose ist nicht nur unzuverlässig, wenn es um den Zugriff auf akkurate Erinnerungen geht, sie kann auch sehr leicht dazu verwendet werden, um falsche Erinnerungen zu plazieren. Des weiteren ist bekannt, daß Menschen, die an Alien-Entführungen glauben, eine sehr lebhafte Fantasie haben. Eine lebhafte Fantasie ist keine Abnormalität in dem Sinne, daß sie das Merkmal einer kleinen Minderheit wäre. Die überwältigende Mehrheit aller Menschen hat eine lebhafte Fantasie, ansonsten würden sie nicht an Gott, Engel, Geister, Unsterblichkeit, Teufel, ASW, Yetis etc. glauben. Ein Mensch kann in jeder Hinsicht normal "funktionieren" und trotzdem die irrationalsten Überzeugungen haben, solange es sich bei diesen um kulturell akzeptierte Wahnvorstellungen handelt. Wenige Forscher machen sich zum Beispiel die Mühe, herauszufinden, warum Menschen an die etablierten religiösen Überlieferungen glauben, aber sobald jemand eine Ansicht hat, die aus dem akzeptierten kulturellen Spektrum an Wahnideen herausfällt, scheint es sofort "Erklärungsbedarf" zu geben.

Die "UFO-Entführten" sind vielleicht weder verrückt noch sagen sie die Wahrheit. Man kann sie eventuell besser verstehen, wenn man sie als Personen ansieht, die eine kulturelle Wahnvorstellung teilen. In dieser Hinsicht ähneln sie den Leuten, die nahe dem Tod einen dunklen Tunnel entlang auf ein helles Licht zugehen oder Jesus sehen, wie er ihnen zuwinkt. Diese "gemeinsamen" Erfahrungen beweisen nicht, daß es sich bei ihnen nicht um Einbildungen handelt. Sie lassen sich höchstwahrscheinlich auf ähnliche neurochemische Zustände kurz vor dem Tode und auf gleiche Lebenserfahrungen und Todeserwartungen zurückführen. Die Alternative besteht nicht aus den Extremen "total verrückt" und "gestorben, in eine andere Welt gereist und zurückgekehrt". Es gibt eine natürliche Erklärung im Rahmen von Gehirnfunktionen und gemeinsamer kultureller Sozialisation.

Entführungsopfer von Außerirdischen ähneln auch Mystikern. Beide Gruppen glauben, sie hätten etwas erlebt, was uns anderen verschlossen bleibt. Die einzigen Beweise für ihre Erlebnisse sind ihr Glaube daran und die Geschichten, die sie darüber erzählen - nichts anderes. Der Vergleich Entführte-Mystiker ist nicht so weit hergeholt, wie man vielleicht glauben möchte. Mystische "Erfahrungsberichte" fallen in zwei Hauptkategorien: ekstatisch und kontemplativ. Jede Art von Mystizismus hat eine lange Geschichte von Anekdoten und Erzählungen. Wie bei den UFO-Opfern ähneln sich die mystischen Geschichten sehr stark. Ekstatiker beschreiben ihre unbeschreiblichen Erfahrungen in Begriffen, die eine deutliche Analogie zu sexuellen Erlebnissen aufweisen. Der Weg vom Dunkel ins Licht erinnert an die Geburt. Kontemplative Mystiker beschreiben ihre Erlebnisse des vollkommenen Friedens und der Seligkeit auf eine Art, die stark an einen gesunden Tiefschlaf erinnert. In den weiter fortgeschrittenen Stadien tritt eine klare Parallele zum Tod auf: Ein Zustand der totalen Einheit, also keine Abwechslung, kein Wechsel, kein gar nichts. Kurz, die Tatsache, daß mystische Erfahrungen von Menschen aus verschiedenen Länden und Zeiten in ähnlichen Begriffen beschrieben werden, beweist nicht, daß die Erfahrungen echt sind. Die Ähnlichkeit hängt eher mit der Einheitlichkeit der menschlichen Erfahrung zusammen: Jede Kultur kennt Geburt, Sex und Tod.

Entführungsfälle weisen starke Übereinstimmungen nicht nur mit Mystikern auf, sondern auch mit mittelalterlichen Nonnen, die glaubten, von Teufeln verführt worden zu sein, mit Frauen im antiken Griechenland, die an Sex mit Tieren glaubten, und mit Frauen, die überzeugt davon waren, Hexen zu sein. Ihre Berater und Therapeuten ähneln insofern den Priestern vergangener Tage, die die Wahnvorstellungen nicht in Frage stellen, sondern ermutigen und fördern. Sie tun alles, was sie können, um ihre Geschichten so "passend" wie möglich zu gestalten. Es ist schwer, einen Entführten zu finden, der in seiner Überzeugung nicht von Geschichten über Außerirdische oder von Büchern wie Striebers Communion oder Intruders beeinflußt wurde. Es ist noch schwerer, ein Opfer zu finden, das keine massive Ermunterung und Unterstützung der Wahnideen durch Berater wie Hopkins oder Therapeuten wie Mack erhalten hat. Wenn man diese überwältigende Unterstützung durch eine gläubige Gruppe in Rechnung stellt - noch verstärkt durch die Hohepriester des Alien-Entführungs-Kultes - versteht man leicht, warum es heutzutage so viele Menschen gibt, die tatsächlich glauben, von Außerirdischen gekidnapt worden zu sein.

Falls es allerdings in heutiger Zeit Lebewesen gibt, die intelligent genug sind, im Universum herumzureisen, dann hat es vergleichbar intelligente Lebewesen wahrscheinlich schon in der Antike oder im Mittelalter gegeben. Die Wahnvorstellungen dieser Epochen kleiden sich nicht in Begriffe wie "Aliens" oder "Raumschiffe", weil diese unserem Jahrhundert entstammen. Wir amüsieren uns über die Vorstellung, daß ein Gott die Form eines Schwans annimmt, um schöne Frauen zu verführen, und lachen über Teufel, die es mit Nonnen treiben, weil diese Ideen mit unseren eigenen kulturellen Vorurteilen und Wahnvorstellungen kollidieren. Die Menschen in Antike und Mittelalter hätten sich vermutlich köstlich über jeden amüsiert, der behauptet hätte, er sei von Kreaturen von fremden Planeten aufgelesen worden, damit sie Sex mit ihm haben oder Operationen an ihm durchführen konnten. Der einzige Grund, daß überhaupt jemand die UFO-Entführten ernst nimmt, ist, daß ihre Wahnideen nicht im offenen Konflikt mit unserer kulturell geprägten Überzeugung stehen, daß intergalaktische Reisen tatsächlich möglich sind und daß wir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die einzigen Lebewesen im Universum sind. Zu anderen Zeiten hätte niemand diese Behauptungen ernst genommen.

Natürlich sollte man hier Wunschdenken nicht völlig als Ursache ausschließen, obwohl es leichter zu verstehen ist, warum jemand eine mystische Erfahrung machen möchte als warum jemand unbedingt von Außerirdischen entführt werden will. Doch dieses Verständnis wird erleichtert durch den Umstand, daß unsere kulturelle Sozialisation den Glauben an Gott und den Wunsch nach einer unio mystica leichter akzeptieren kann. Das Verlangen danach, dieses Leben zu transzendieren, auf eine höhere Ebene zu gelangen, diesen Körper zu verlassen, von einem höheren Wesen für eine spezielle Aufgabe erwählt zu werden ... all dies kann man auch in dem Verlangen erkennen, von Außerirdischen entführt zu werden, ebenso wie in dem Wunsch, eins mit Gott zu werden oder eine außerkörperliche Erfahrung zu haben.

Es ist auch möglich, wie Michael Persinger meint, daß Entführte gleiche Halluzinationen aufgrund gleicher geistiger Zustände haben. Auf dieselbe Weise könnten sich ekstatische und kontemplative Berichte von Mystikern auf ähnliche neurochemische Funktionen reduzieren lassen, die mit dem Gefühl der Körperlosigkeit und der Transzendenz zusammenhängen. Unter Verwendung von Elektroden zur Stimulierung bestimmter Teile des Gehirns hat Persinger Gefühle der "göttlichen Schau" und anderer Erfahrungen dupliziert (so etwa Nahtoderlebnissen, Außerkörperliche Erlebnisse, mystische und UFO-Erfahrungen). Sprache und Symbole in Bezug auf Geburt, Sex und Tod könnten nichts anderes sein als Metaphern für verschiedene mentale Zustände. Gemeinsame Erinnerungen an Erlebnisse beweisen nicht, daß sie real waren; auch die Erlebnisse, die UFO-Entführte als wirklich ansehen, lassen sich vielleicht auf verschiedene Gehirnzustände zurückführen. Diese Zustände kann man möglicherweise mit Schlaflähmung oder anderen Formen der Schlafstörung in Verbindung bringen, bis hin zu leichten epileptischen Anfällen. Schlaflähmung ist ein Zustand, der in zwei Phasen eintritt: kurz vor dem Einschlafen (hypnagogischer Zustand) und kurz vor dem vollständigen Aufwachen (hypnopompischer Zustand). In beiden Phasen kann der Schläfer weder sprechen noch sich bewegen. Viele verbinden diesen Zustand mit dem Gefühl, jemand anderes sei anwesend; dieses Gefühl löst Angst aus, aber es ist unmöglich, zu rufen oder zu schreien. Diese Lähmung kann wenige Sekunden oder länger anhalten. Die Symptome der Schlaflähmung sind denjenigen sehr ähnlich, von denen Entführungsopfer in ihren Erzählungen berichten. Manche machen diese Form der Paralyse verantwortlich nicht nur für UFO-Entführungen, sondern auch für andere paranormale oder religiöse Erlebnisse.

Es gibt selbstverständlich auch bestimmte psychische Störungen, die durch Wahnvorstellungen charakterisiert werden. Viele dieser Patienten werden mit Medikamenten behandelt, die die Herstellung oder Wirkung von Neurotransmittern beeinflussen. Diese Behandlungen bringen Wahnideen sehr erfolgreich zum Verschwinden. Persinger hat zumindest eine Patientin mit Anfallmedikamenten behandelt, die ihre wiederholten Erführungserlebnisse und Schlaflähmungen beendeten. Unzählige Schizophreniepatienten und Manisch-Depressive haben bei angemessener Medikation keine weiteren Wahnvorstellungen über Gott, Satan, das FBI, den BND oder Außerirdische.

Obwohl die Entführungsgeschichten nicht plausibel scheinen, müßten auch die abgebrühtesten Skeptiker aufhorchen, wenn es konkrete Beweise gäbe. Leider sind die einzigen konkreten Beweise unbestätigt, so zum Beispiel die sogenannten "Bodennarben" - angeblich auf UFO-Landungen zurückzuführen - werden als Beweise angeboten; Wissenschaftler, die diese Stellen untersuchten, kamen jedoch zu dem Schluß, daß sie völlig normal sind und die "Narben" nichts weiter sind als Pilze und andere natürliche Phänomene.

Viele Entführte weisen auf zahlreiche Narben und Kratzer auf ihrem Körper als Beleg für die Entführung und die Experimente hin. Diese Kratzer sind in keiner Weise ungewöhnlich und können leicht durch normale Verletzungen erklärt werden.

Die sensationellste Art von Beweis wären sicherlich die "Implantate", von denen viele Opfer berichten, man habe sie in ihre Nase und in andere Teile ihrer Anatomie eingepflanzt. Budd Hopkins gibt an, er habe ein solches Implantat untersucht und habe Magnetbilder, um zahlreiche dieser Behauptungen zu verifizieren. Als Nova jedoch den Entführten das Angebot machte, sich ihre Implantate von Wissenschaftlern untersuchen zu lassen, trat nicht ein einziger Freiwilliger vor, damit die mysteriösen Geräte untersucht werden konnten. Von allen Belegen für Entführungen durch Außerirdische scheinen die "handfesten Beweise" auf den schwächsten Beinen zu stehen.

 

Weiterführende Literatur (englisch)

 

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