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Goethe

von Tobias Budke

Goethe war gut
Mann, der konnte reimen ...

Es besteht kein Zweifel daran, dass Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) einer der bedeutendsten Dichter und Literaten überhaupt war. Sein Einfluss auf die deutsche Sprache und Literatur kann nicht überschätzt werden, und seine Dramen
Faust I und Faust II gehören zu den ganz großen Klassikern der Weltgeschichte, auf einer Stufe mit Geoffrey Chaucers Canterbury Tales oder Dante Alighieris Divina Commedia.

Goethe war jedoch nicht nur Künstler, sondern betätigte sich auch als Wissenschaftler, und in diesem Bereich war sein Talent erheblich dünner gesät. Sein magnum opus , die dreiteilige Farbenlehre, stellt eine Theorie der Farben dar, die schlichtweg falsch ist, was schon zu Goethes Zeit jedem Informierten bekannt war. Folgendes Zitat vermittelt Goethes Sichtweise zur Evolution der Farbwahrnehmung:

    "Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken. Aus gleichgültigen tierischen Hülfsorganen ruft sich das Licht ein Organ hervor, das seines gleichen werde; und so bildet sich das Auge am Lichte fürs Licht, damit das innere Licht dem äußeren entgegentrete."

Man kann mit viel gutem Willen darin etwas Evolutionsbiologie erkennen (Augen haben sich mindestens vierzig Mal in der Evolutionsgeschichte unabhängig voneinander aus lichtempfindlichen Stellen entwickelt), aber Licht und Auge sind nun alles andere als gleich, und der metaphysisch-mystische Aspekt des Ganzen hat mit Wissenschaft nichts zu tun.

Licht war für Goethe unteilbar, und er lernte niemals, mit einem Prisma umzugehen; Newton (zu diesem Zeitpunkt schon lange tot) gehörte zu Goethes Lieblingsfeinden, ebenso wie seine Mathematik, die er kaum begriff.

Goethes Untersuchungen zu Pflanzen und seine vergebliche Suche nach der "Urpflanze" waren ebenfalls mehr oder weniger Zeitverschwendung, auch wenn heutzutage im Zuge der "ganzheitlichen" Betrachtung der Umwelt einige Esoteriker daraus noch Kapital schlagen wollen. Es ist nicht verblüffend, Goethes "Wissenschaft" in diesem Umfeld wiederzufinden. Seine Liebe zur Natur war deutlich größer als seine Begabung, sie sinnvoll zu interpretieren. Man muss sie im Rahmen der deutschen und romantischen "Naturphilosophie" verstehen, für die die wissenschaftliche Methode nichts als Schrecken bereithielt und in der Urstoffe, Dinge An Sich und Fundamentalphänomene sich die Klinke in die Hand gaben.

Die modernen Goethes sprechen auch am Beginn des 21. Jahrhunderts noch von Ganzheit, sanften Wegen des Verstehens und intuitiver Erkenntnis der uns alle liebenden Mutter Natur. Und wie der alte Goethe liegen sie vollkommen daneben. Nur schreiben können sie nicht so schön.

Literaturtips

Sherrington, Sir Charles: Goethe on Nature and on Science. Cambridge University Press 1949.

 

 

 

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