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Skeptic's Dictionary
 

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Holocaust (Nationalsozialismus)

Nationalsozialismus ist der Begriff, der für die nationalistischen, antikommunistischen und antisemitischen Doktrinen und politischen Maßnahmen von Adolf Hitler, Hermann Göring, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler und der gesamten Nationasozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) verwendet wird. Die Nationalsozialisten (Nazis) regierten Deutschland von 1933 bis 1945, das Jahr, in dem Deutschland kapitulierte und die Niederlage in einem Krieg zugestand, der als Angriffskrieg geführt den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hatte. Nationalsozialistische Parteien und Gruppierungen sind seitdem in Deutschland verboten.

Die Nazis predigten die Überlegenheit der arischen Herrenrasse, beherrscht von einem unfehlbaren „Führer", der ein großdeutsches Drittes und Tausendjähriges Reich errichten würde, wobei Juden und Kommunisten, die hauptsächlichen Sündenböcke für Deutschlands Probleme, vernichtet würden. Millionen von Juden, Polen, Russen, Zigeunern, Katholiken, Homosexuellen und Behinderten wurden in Konzentrationslagern (KZ) eignesperrt, wo sie meist starben, ermordet wurden oder in sadistischen Experimenten umkamen. Weitere Millionen wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt.

Heutzutage wird der Begriff „Nazi" für jeden verwendet, der barbarische Greueltaten verübt oder anordnet. Er beschreibt diejenigen, die Zwang – einschließlich Mord – gegen eine Reihe von Sündenböcken befürworten, die sie für ihre eigenen Probleme wie auch die Probleme ihres Landes oder der ganzen Welt verantwortlich machen. Auf dieser beliebig erweiterbaren Liste von Sündenböcken finden sich unter anderem Homosexuelle, Schwarze, Liberale, Weiße, Ausländer, Moslems, Christen, Araber, Juden etc. etc.

Als „Nazis" bezeichnen sich mit voller Absicht Gruppen von Menschen, die Trost und Anleitung in den Gedanken und Taten Adolf Hitlers finden. Diese Menschen sind gefährlich nicht weil sie die Bösartigkeit des Nazismus nicht verstehen, sondern eben weil sie es tun. Sie sind Teil einer wachsenden Anzahl von Leuten, die der Überzeugung sind, es gebe überall Verschwörungen, mittels derer man erklären kann, warum ihr Leben so trost- und hoffnungslos ist. Sie sind Teil einer wachsenden Zahl Irregeleiteter, die sich für überlegen halten, weil sie ein paar „besondere" genetische Merkmale aufweisen. Sie haben das Gefühl, sie sollten einen besonderen Platz in der Welt haben, dieser ihnen jedoch verweigert werde durch eine Verschwörung, die sie niederhält und die Schwachen und Unfähigen hochbringt. Einige dieser Neo-Nazis beten Satan an und glauben sehr an das Okkulte. Ich denke jedoch, es wäre ein Fehler, Okkultismus als die Wurzel des Neo-Nazismus zu sehen. Die Verbindung ist nicht sehr stark.

Es trifft allerdings zu, dass der Nazismus von einigen Skeptikern als deutlich von Okkultisten in hohen Positionen beeinflusst dargestellt wurde. Es gab mächtige Okkultisten in Nazideutschland, ebenso wie es mächtige Christen in Nazideutschland gab. Es ist jedoch weit hergeholt, eine Verbindung zwischen okkulten Überzeugungen und Nazismus zu erkennen. Man denke nur an all die Okkultisten, Christen und anderen Gläubigen, die sich in den letzten Jahrzehnten im Weißen Haus aufgehalten haben. War Ronald Reagan ein zweiter Hitler und Nancy eine nächste Eva Braun? Beweist die Zeit- und Geldverschwendung der CIA im Bereich „übersinnlicher Spionage", dass die Demokratie in den USA darnieder liegt? Ich würde sagen, die Geschichte lehrt uns, dass der Glaube an Okkultismus, das Übernatürliche, das Paranormale und die Pseudowissenschaften keine politischen Grenzen kennt – ebensowenig wie der Rassenhass.

Die grauenhafte Behandlung der Juden durch die Nazis wird als „Holocaust" bezeichnet. Er ist in unserer Zeit ein Symbol für das Böse schlechthin geworden. Wie so viele Symbole, ist auch der Holocaust sakrosankt geworden. Für viele Menschen, Juden und Nichtjuden, symbolisiert der Holocaust den Schrecken des Völkermordes an den Juden. Einige neuzeitliche Antisemiten haben herausgefunden, dass Angriffe auf den Holocaust für einige Juden ebenso schmerzhaft sind wie Angriffe auf sie selbst. Diese Angriffe gegen Aspekte der Symbologie oder Mythologie des Holocaust werden meist als „Leugnung des Holocaust" bezeichnet. Diese Leugnung ist offenbar die raison d'être des Institute for Historical Review [Institut für Geschichtskritik, AdÜ] und ihrer Zeitschrift Journal of Historical Review [Zeitschrift für Geschichtskritik, AdÜ], in der seit 1980 zahlreiche Artikel veröffentlicht werden, die den Wahrheitsgehalt der einen oder anderen Behauptung über den Holocaust in Frage stellen – eine „historische" Zeitschrift, die beinahe ausschließlich der Aufgabe gewidmet ist, den Holocaust als Übertreibung voreingenommener Historiker darzustellen. Das Institut wurde 1978 gegründet; seine Macher behaupten, es handele sich um ein „Zentrum für Forschung, Bildung und Veröffentlichung im Hinblick auf geschichtliche Wahrheit und Genauigkeit". Wären Wahrheit und Genauigkeit das einzige Ziel dieser Gruppe, würde sie keinen solchen Aufstand auslösen, vermute ich. Es drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass ihre Förderer sich mehr mit Hass als mit Wahrheit beschäftigen.

Folglich werden auch die Ungenauigkeiten, die sie korrekt erkennen, mit Ablehnung und Verachtung begrüßt. Sie befassen sich nicht einmal mit der Kernfrage des Holocaust. Sie befassen sich mit Zahlen: Waren es sechs Millionen Opfer oder vier Millionen oder wie viele Juden wurden getötet oder starben? Sie befassen sich mit technischen Details: Könnte diese Dusche als Gaskammer benutzt worden sein oder nicht? Hatten die Todesfälle natürliche Ursachen oder nicht? Sie befassen sich mit Nebensächlichkeiten: Ordnete Hitler die Endlösung an oder nicht? Falls ja, wo ist der Befehl? Womit sie sich nicht befassen, sind die Fragen nach Rassengesetzen, der Verhaftung und Einkerkerung von Millionen von Menschen in mehrere Ländern aufgrund von „Rassenverbrechen", dem Zusammentreiben und Einpferchen von Menschen als Tiere und ihr Transport in „Lager", in denen Millionen ermordet wurden oder an Krankheiten und Unterernährung starben. Womit sich die Holocaust-Leugner nicht befassen, ist der Rassenhass. Das wundert micht nicht.

Michael Shermer widmet in seinem Buch Why People Believe Weird Things zwei Kapitel den Argumenten der Holocaust-Leugner. Er nimmt sich diese Argumente vor und widerlegt sie eines nach dem anderen. Ein Steckenpferd der Holocaust-Leugner ist etwa die Forderung nach einem Beweis dafür, dass Hitler den Befehl für die Auslöschung der Juden (oder der Behinderten) gab. Holocaust-Leugner weisen auf Himmlers Telefonnotiz vom 30.11.41 als Beleg dafür hin, dass es nicht zu einer Liquidierung der Juden kommen sollte. Die Notiz sagt wortwörtlich: „Judentransport aus Berlin. Keine Liquidierung." Was auch immer die Notiz bedeutete, es war nicht gemeint, dass Hitler die Juden nicht liquidieren wollte (der fragliche Transport wurde am selben Abend übrigens liquidiert). Jedenfalls, wenn Hitler keine Liquidierung des Berliner Transports extra anordnete, dann fanden bereits Liquidierungen statt, und Hitlers Absichten waren seit seinen frühesten Reden und Mein Kampf bekannt. Schon während der Endphase des Regimes verkündete Hitler: „Gegen die Juden habe ich mit offenen Augen und im Angesicht der ganzen Welt gekämpft ... Ich habe klargestellt, dass sie, dieses parasitäre Ungeziefer in Europa, schlussendlich ausgerottet werden." [Übersetzung aus dem Englischen; Originalzitat wird nachgereicht, AdÜ]. Einmal verglich Hitler die Juden mit Tuberkelbazillen, die Europa befallen hatten. Es war daher nicht grausam, sie zu erschießen, wenn sie nicht arbeiten wollten oder konnten. Hitler sagte: „Es ist nicht grausam, wenn man sich daran erinnert, dass sogar unschuldige Lebewesen in der Natur, etwa Hasen und Hirsche, bei Infektion getötet werden müssen, damit sie anderen nicht schaden. Warum sollten die Tiere, die den Bolschewismus bringen wollten, mehr geschont werden als diese Unschuldigen?"

Meiner Ansicht nach jedoch glauben die Rassisten ihre falschen Ideen über den Holocaust nicht aus den Gründen, die Shermer auflistet. Sie glauben sie, weil ein solcher Glaube Macht verleiht. Sie geben dem Gläubigen ein Gefühl der Überlegenheit und gestatten es, Böses als Gutes zu verkaufen. Letzten Endes sind viele seltsame Überzeugungen die Überzeugungen von Gruppen, nicht von einzelnen Individuen. Die Dynamik der sozialen Gläubigkeit zu verstehen, ist keine Kleinigkeit und geht sicher über Wunschdenken und Faulheit hinaus. Die Holocaust-Leugner nähren sich von ihrem gegenseitigen Antisemitismus. Aber was hat diesem Hass auf Juden zum Leben verholfen? Abneigung und Projektion der eigenen Unzulänglichkeiten auf eine andere Rasse? Vielleicht. So hat Sartre argumentiert, hierbei Nietzsche folgend, in „Antisemit und Jude". Die Leugnung des Holocaust basiert möglicherweise auf dem Wunsch, zu glauben, weil der Glaube sich nahtlos in die Vorurteile des Glaubenden einfügt.

Anmerkung des Übersetzers:

Als skeptischer Mensch kann man aus der Leugnung des Holocaust vor allem eines lernen: Skeptisches Denken muss immer politisch oder ideologisch neutral bleiben. Die Holocaust-Leugner bezeichnen sich zu Recht als "Skeptiker"; sie hinterfragen, kritisieren, versuchen, etablierte Denkschemata zu erschüttern. Aber ihr Versuch wird dadurch zunichte gemacht, dass sie so offensichtlich ein politisches Programm verfolgen und ganz klar persönliche Ressentiments gegen Juden und andere Menschen als Motiv für ihre Forschung benutzen. Das schließt nicht aus, dass ihre Argumente durchaus hin und wieder zutreffen können (so dürfte die Zahl der ermordeten Juden eher bei fünf als bei sechs Millionen gelegen haben), aber es stellt ihre Untersuchungen doch sehr ins Zwielicht.

Auch wenn einem die Leugner nicht sehr sympathisch sind (Michael Shermer beschreibt sie genauer, und man ist erstaunt, wie viele verschiedene Charaktere daran beteiligt sind), so darf man jede wissenschaftliche Fragestellung über den Holocaust trotzdem nicht per se verdammen. Die Toten zählen (wie Burkhard Müller-Ulrich doppeldeutig ausdrückt), und es ist ein Unterschied, ob etwa fünf oder sechs Millionen Menschen umgekommen sind. Es ist kein Unterschied bei der Beurteilung des Nazireiches oder des Leidens der Juden. Aber historische Präzision, soweit möglich, ist unerlässlich. Viele Menschen scheinen zu befürchten, dass, wenn man einmal damit anfängt, alle zehn Jahre sozusagen eine weitere Million gestrichen wird und die Nazis bald voll rehabilitiert sind. Diese Furcht ist vollkommen absurd.

 

Literaturtips (englisch)

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Lipstadt, Deborah. Denying the Holocaust: the Growing Assault on Truth and Memory, (Plumsock MesoAmerican Studies, 1994). Deutsch als: Leugnen des Holocaust. Rechtsextremismus mit Methode. rororo-TB; Reinbek 1996 (1994).

Segel, B. W. A Lie and a Libel: the History of the Protocols of the Elders of Zion, Richard S. Levy, translator & editor, (Lincoln, NE : University of Nebraska Press, 1995).

Shermer, Michael and Alex Grobman. Denying History : Who Says the Holocaust Never Happened and Why Do They Say It?¥ (University of California Press, 2000).

Shermer, Michael. Why People Believe Weird Things: Pseudoscience, Superstition, and Other Confusions of Our Time , chs. 13 and 14¥ (W H Freeman & Co.: 1997).

 

 

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