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Pyramidenspiele - Kettenbriefe

Ein Pyramidenspiel ist ein betrügerisches System zum Geldmachen, das zum Erfolg einen endlosen Strom an Mitspielern benötigt. Teilnehmer geben a) Geld an ihre Anwerber weiter und werben b) neue Teilnehmer an, die ihnen Geld geben sollen.

Ein Pyramidenspiel wird aufgrund der Pyramidengestalt so genannt: die Gestalt eines dreidimensionalen Dreiecks. Beginnt man eine Pyramide etwa mit einem einzigen Menschen an der Spitze, dann zehn Menschen direkt unter ihm, danach 100 Menschen, und unter diesen 1.000 usw., dann würde diese Pyramide die gesamte Erdbevölkerung in nur zehn Schichten erfassen – mit einem Betrüger an der Spitze. Diese menschliche Pyramide wäre etwa 20 Meter hoch; ihre unterste Schicht hätte mehr als 4,5 Milliarden Menschen!

Ein Diagramm verdeutlicht dies:

1

10

100

1,000

10,000

100,000

1,000,000

10,000,000

100,000,000

1,000,000,000

10,000,000,000

Daher würde eine Reihe von 10 Personen, die weitere 10 anwirbt (und so weiter) sehr schnell 10 Milliarden erreichen, deutlich mehr als die aktuelle Erdbevölkerung ( etwa 6 Mrd Menschen, AdÜ). Ausgehend von einer Kopfzahl von 5 Milliarden Menschen, die alle an einem Pyramidenspiel teilnehmen, bestünde die unterste Schicht der Pyramide aus etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung, sprich 4,5 Milliarden Menschen. Somit kommen zwangsläufig auf 500 Millionen GEWINNER 4,5 Milliarden VERLIERER.

In einem Standard-Pyramidenspiel wird ein Teilnehmer aufgefordert, einem Anwerber einen bestimmten Betrag zu übergeben, sagen wir DM 100,-. Dieser neue Teilnehmer wirbt dann seinerseits zum Beispiel 10 weitere Teilnehmer an, die ihm dann jeweils DM 100,- geben. In der einfachsten Form behält der Anwerber das gesamte Geld, das er von seinen Teilnehmern erhält; in unserem Beispiel zahlt er DM 100,- und erhält DM 900,- (DM 100,- von jedem seiner Teilnehmer minus DM 100,-, die er seinem Anwerber geben musste). Damit niemand bei diesem Spiel Geld verliert, muss das Anwerben in alle Ewigkeit weitergehen. Auf einem Planeten mit einer begrenzten Anzahl von Menschen, auch auf einem großen wie der Erde mit beinahe sechs Milliarden potentiellen Teilnehmern, gehen einem die Neuzugänge ziemlich rasch aus.

Daher ist das Ergebnis all dieser Spiele unvermeidlich: Im besten Falle gehen einige Leute mit viel Geld nach Hause, während die meisten Mitspieler verlieren, was sie investiert haben. Tatsächlich ist die einzige Methode, mit der irgend jemand Geld durch ein Pyramidenspiel machen kann, andere Menschen dahingehend zu betrügen, ihr Geld aufgrund des Versprechens herzugeben, für diese Investition etwas zurückzubekommen. Da dies aber unmöglich ist, erfüllen diese Spiele auf gut Deutsch immer den Tatbestand des Betrugs: Täuschung zum Zwecke der Bereicherung. Daher sind sie illegal, nicht, weil sie Menschen anwerben, die andere anwerben, die wiederum andere anwerben. Das ist vollkommen rechtens und wird bis zu einem gewissen Grade in vielen Unternehmen gemacht. Sie sind auch deswegen nicht verboten, weil in ihnen Geld verschenkt wird: Es ist absolut legal, Menschen Geld zu schenken. Sie sind illegal, weil mit ihnen Menschen getäuscht werden, um an ihr Geld zu gelangen – das ist die rechtliche Definition von Betrug.

In der Realität wird jedoch kein Pyramidenspiel auf die obige Art funktionieren, da man niemals die Anzahl an Teilnehmern finden wird, die das Rechenbeispiel erfordert. Alle Pyramidenspiele beginnen zu verdorren, wenn die späteren Teilnehmer nicht kopfstark genug sind, um die vorherigen auszubezahlen. Es wird immer ausreichend Leute geben, die den Braten riechen; es wird weiterhin zu viele Leute geben, die sich sagen: „Wenn sich das zu gut anhört, um wahr zu sein, dann wahrscheinlich, weil es nicht wahr ist." Möglicherweise wird es sogar einige geben, die erkennen, dass, obgleich sich eine Person, die zehn anwirbt, nach nicht viel anhört, sich das Ganze sehr schnell zu unrealistischen und unwahrscheinlichen Zahlen aufaddiert. Außerdem bedarf es nur einer Person, um die ganze Sache zu beenden, und zwar entweder durch beharrliche Überzeugungsarbeit – um den Anwerbern ihre eigene Schwindelei klarzumachen – oder durch einen Besuch bei der Polizei.

Wunschdenken und Gier

Pyramidenspiele sind beliebt, weil Menschen gierig sind; und Gier kann das Denken eines Menschen radikal verändern. In einem Menschen, der den Wunsch verspürt, viel Geld in kurzer Zeit aus einer kleinen Investition herauszuholen, regiert oft das Wunschdenken, wo der kritische Verstand sich einschalten sollte. Wünsche werden zu Tatsachen; Skeptiker werden zu Trotteln, weil sie nicht mitspielen wollen. Sehnsüchte mutieren zu Wirklichkeit; das alles in Frage zu stellen, erscheint grob und unfreundlich. Trickbetrüger wissen, wie Gier funktioniert, und es braucht nur einen von ihnen, um die Sache ans Laufen zu bekommen.

Wenn die Chancen für einen Teilnehmer so schlecht stehen, warum macht man dann in einem Pyramidenspiel mit? Gier ist nur ein Bruchstück der Antwort. Die meisten Spieler sehen sich selber nicht irgendwo am unteren Ende der Pyramide. Selbst der gierigste Mensch der Welt würde vermutlich erkennen, dass es am Fuße der Pyramide sehr schwierig sein dürfte, neue Teilnehmer anzuwerben. Mitspieler müssen die Illusion pflegen, sie befänden sich nahe der Spitze, um sich das Geld erträumen zu können, das sie mit minimalem Aufwand kassieren werden.

Darüber hinaus muss ich als Initiator eines neuen Pyramidenspiels zunächst die Leute davon überzeugen, dass es sich nicht um ein solches handelt. Vielleicht ist ihnen klar, dass Pyramidenspiele verboten sind, oder sie erkennen, dass Pyramidenspiele für mindestens 90 Prozent der Teilnehmer Verlustgeschäfte sind. Also erzähle ich ihnen von einem Klub, dem sie beitreten können. Diesem Klub gebe ich einen netten Namen, etwa European Kings Club (EKC). Danach versichere ich meinen Leuten, der EKC sei OK, habe keine Probleme mit dem BND und werde von einem PR-Experten mit M.A. geführt, der kein L.U.M.P. ist. Wenn ich wirklich gut bin, werden die Leute mir und den Polizeibeamten, Sekretärinnen, Lehrerinnen, Priestern usw. glauben, die ich anheuere. Diese angesehenen, intelligenten, ehrlichen Menschen werden dann in meinem Sinne weitermachen. Bin ich wirklich verdammt gut, überzeuge ich meine Teilnehmer nicht nur davon, dass sie einem anständigen und profitablen Klub beitreten, sondern auch noch von der Steuerfreiheit auf alle Gewinne. Ich würde sie natürlich darauf hinweisen, dass keine Steuern fällig wären, so lange der Gewinn unterhalb der Schenkungsgrenze liegt; außerdem würde ich ihnen klarmachen, dass sie im rechtlichen Sinne Geld verschenken und von anderen Leuten als Geschenk erhalten würden.

Die Polizei, dein Freund und Mitspieler

Zwischen 1995 und 1996 sind nicht weniger als 67 Mitarbeiter des Sacramento Police Departments (darunter 45 Beamte) wegen angeblicher Teilnahme an einem Pyramidenspiel durchleuchtet worden (Sacramento Bee, 28.10. und 1.11.95 sowie 15. und 16.11.96). Das Spiel ähnelte fünf weiteren, die in Südkalifornien ebenfalls unter Beteiligung von Polizeibeamten und –angestellten stattgefunden hatten. Die Hauptverdächtige im Sacramento-Fall war die Frau eines Polizeicaptains. Der Polizeichef teilte mit, er werde nach Möglichkeit mindestens sieben Offiziere entlassen und gegen weitere 60 Mitarbeiter Disziplinarmaßnahmen einleiten. Neun Offiziere wurden beurlaubt und mussten Waffe sowie Dienstmarke abgeben. Der Anklage zufolge waren mehr als 200 Personen in das Spiel verwickelt, von denen jedoch nur drei mit Strafverfolgung rechnen mussten. Berichten zufolge hätten einige der Teilnehmer Zehntausende von Dollars kassiert, während der Mindestverlust derjenigen am Fuße der Pyramide bei 500 Dollar lag.

Diese Polizeipyramidenspiele nennen sich "Investitionsklubs" und haben attraktiv klingende Namen wie "Der Freundschafts-
Investitionsklub" oder "Netzwerk Geschenk". Man bringt sie an den Mann mit der Versicherung, sie seien absolut legal, behördenfest und definitiv keine Pyramidenspiele.

Das Sacramento-Spiel hieß "Klub der Freiheit" oder so ähnlich, und es wurde von einem Polizeibeamten als legal propagiert, da man den Teilnehmern auferlegte, eine Verzichtserklärung zu unterschreiben. In dieser war von einem Geschenk an den Klub die Rede, das an keinerlei Bedingungen geknüpft war. Ein Lokalreporter namens Mike Boyd fragte einen Beamten des IRS (Internal Revenue Service, US-Steuerbehörde, AdÜ), ob diese Erklärung bedeute, bei dem Freiheitsklub handele es sich nicht um ein Pyramidenspiel. Der Beamte erwiderte, da die Teilnehmer, die die Erklärung unterschrieben, sich von dem als Geschenk deklarierten Geld einen Gewinn versprachen, das Geld nicht als Geschenk gelten könne. Ein Staatsanwalt, der ebenfalls von Boyd interviewt wurde, stimmte dem zu und meinte, dass eine simple Erklärung, man mache ein Geschenk ohne Profiterwartung, nicht ausreiche, wenn man sich sehr wohl einen Profit davon verspreche (echte Geschenke sind selbstverständlich legal und bis zu einem gewissen Betrag steuerfrei). Die Polizisten und ihre Mitspieler im Freiheitsklub investierten pro Person mindestens 500 Dollar und erwarteten so um die 4.000 Dollar als Dividende für ihre „Geschenke", so Boyd. Die Bee zitierte Quellen, die davon sprachen, dass einige Angestellte der Polizei mehr als 10.000 Dollar an dem Spiel verdient hätten. Die GEWINNER in diesem Spiel erhielten ihr Geld aus den „Geschenken" an den Freiheitsklub von denjenigen, die später hinzugestoßen waren. Spiele dieser Art laufen weiter – falls die Teilnehmer nicht erwischt werden – bis nicht mehr genügend neue Mitspieler dazukommen, um die vor ihnen stehenden auszuzahlen. Das heißt, sie werden fortgesetzt, bis eine stattliche Anzahl von Mitspielern, die 500 Dollar „verschenkt" haben, nach dem Zusammenbruch nichts mehr bekämen. Ein solcher Zusammenbruch ist unvermeidlich, da es keinen endlosen Zulauf an Teilnehmern geben kann.

Das Sacramento-Polizei-Spiel bediente sich einer Strategie, die man "Pyramidenschoten" nennen könnte. Ein Organisator (Numero Uno) beginnt die Hülse, indem er sechs weitere Personen dazu bringt, ebenfalls als Organisatoren beizutreten, vermutlich mit einer Rangstufenskala abhängig vom Zeitpunkt der Anwerbung. Die Organisatoren zahlen nichts ein, müssen aber insgesamt acht Mitspieler zusammenbekommen, die acht Plätze am Fuße der Pyramide kaufen. Jeder Platz kostet 500 Dollar. Numero Uno sackt die 4.000 Dollar ein, und die Schote teilt sich in zwei Schoten zu je sieben Personen (Plätzen), jede mit einer neuen Numero Uno (und 2 bis 7). Jede Schote rekrutiert weitere Leute für jeweils 500 Dollar pro Platz in der Pyramide; die beiden neuen Numero Unos sahnen ihre 4.000 Dollar pro Kopf ab, und die beiden Schoten teilen sich in vier, diese vier in 16, und so weiter bis in alle Ewigkeit. Um mehr zu verdienen, haben einige Mitspieler an mehreren Schoten teilgenommen.

Wie viele Teilnehmer haben den Neuzugängen wohl erklärt, dass 6.7% der Mitspieler mit einem Profit von 700% rechnen dürfen (3.500 Dollar bei einer Investition von 500 Dollar), so lange 93,3% nichts bekommen? Wie viele mögen wohl den neuen Mitspielern den Tip gegeben haben, so „früh wie möglich einzusteigen"?

Die Beteiligung der Polizei fügt diesem Pyramidenspiel eine weitere Dimension hinzu, denn a) Polizeibeamte haben einen Dienstgrad, der als Druckmittel zur Anwerbung neuer Teilnehmer eingesetzt werden kann; b) aktive und ehemalige Polizeibeamte sind Autoritätspersonen, denen potentielle Mitspieler und vor allem junge Leute Vertrauen entgegenbringen, das sie beeinflussbar macht; c) die Aufgabe der Polizei ist es, Recht und Gesetz zu wahren; wenn Gesetzeshüter Gesetzesbrecher werden und andere dazu anstiften, dasselbe aus Profitgier zu tun, dann vermindert sich der Respekt vor dem Gesetz und vor seinen Hütern.

Kettenbriefe

Bei einem typischen Kettenbrief schickt der Anwerber den Mitspielern einen Brief mit einer Namensliste, an deren Spitze der Name des Anwerbers selber steht. Die Angeschriebenen werden aufgefordert, einen bestimmten Betrag an die Person an der Spitze zu schicken und ihren eigenen Namen ans Ende der Liste zu setzen. Zu Geld kommt man nur dadurch, dass man neue Mitspieler gewinnt, die wiederum ihre Namen ans Ende der Liste setzen und weitere Mitspieler anwerben. Theoretisch sollte jeder Name irgendwann einmal an der Spitze von zahllosen Listen stehen und sein Besitzer haufenweise Geld erhalten; in der Praxis bekommen die meisten Teilnehmer gar nichts. Es steht jedem frei, die Kette zu durchbrechen, womit niemand auf der Liste mehr mit eventuellen „Gewinnen" rechnen kann. Aber selbst wenn das nicht geschieht und niemand die Kette bricht, erhalten 95% derjenigen, die Geld einschicken, nichts zurück.

Wenn Pyramidenspiele schon eine schlechte Investition darstellen, wie steht es dann mit Kettenbriefen? Das Prinzip ist im Grunde dasselbe, nur dass man sich bei Kettenbriefen nicht selber so stark betrügen muss wie bei Pyramiden. Man weiß vermutlich schon von vorneherein, dass die Kette davon abhängt, Freunde dazu zu bringen, Fremden Geld zu schenken im Austausch für zukünftige versprochene Reichtümer, erhalten von anderen Fremden. Man bekommt einen Brief mit einer Namensliste und der Anweisung, der Person an der Spitze der Liste Geld zu schicken, ihren Namen zu löschen und seinen eigenen Namen am Ende hinzuzufügen; schließlich muss man noch fünf oder zehn Leute anwerben und ihnen einen Brief mit dem eigenen Namen am Ende zukommen lassen.

Ponzi-Spiele

Ein Ponzi-Spiel (benannt nach Charles Ponzi, der diese Methode in den Zwanzigern verwendete) besteht darin, Leute durch Versprechungen von hohen Ertragsraten dazu zu bringen, zu investieren; das Geld der später Hinzugekommenen wird dann dazu verwendet, um die Erstinvestoren auszuzahlen. Wer profitiert von einem solchen Spiel? Diejenigen, die ihn beginnen, und die erste Generation der Investoren. Profitiert wirklich jemand davon? Das muss wohl so sein, sonst wäre das System schon längst Geschichte. Aber wie ist das möglich? Wenn ich ein solches Spiel durchführe, kassiere ich nur ganz oben etwas ab und zahle genug Leute aus, damit der Eindruck entsteht, es funktioniere – auch wenn ich mich dazu unten wieder einkaufen muss. Vielleicht bin ich sogar dämlich genug, zu glauben, ich könne das Spiel fortsetzen, wenn der Nachschub ausbleibt. Ich kann versuchen, Geld auf andere Weise zu beschaffen, zum Beispiel durch einen Trip nach Las Vegas, verbunden mit der Hoffnung auf einen Volltreffer. Das passierte einem ehemaligen Sportkameraden von mir aus den Kindertagen. Er brachte das Geld seiner Investoren an den Würfeltisch und re-„investierte" das Kapital. Dummerweise zahlten sich seine „Investitionen" nicht aus, und er wanderte in den Knast.

Ich weiß nicht, wie viele Leute bei meinem alten Kumpel Geld "investiert" (sprich: verloren) haben, aber so schlimm wie 1993 in Rumänien oder 1997 in Albanien wird es nicht gewesen sein. In beiden Fällen wurden Menschen mit wenig Gelegenheit zur Kapitalinvestition von Pyramidenspielern betrogen. Die Zeitungen in Rumänien sprachen davon, dass Millionen von Landsleuten ihre Ersparnisse in einem Spiel namens „Caritas" verloren hätten. In Berichten aus Albanien wird behauptet, Hunderttausende von Albanern hätten „ihre Ersparnisse oder im Ausland verdientes Geld" in eines von mehreren illegalen Pyramidenspielen investiert. „Die Spiele boten sehr hohe Renditen, wobei die ersten Investoren vom Geld der späteren bezahlt wurden. Sie brachen schließlich zusammen, als keine neuen Investoren mehr hinzukamen" („Protest gegen Finanzschwindel führt zu Gewalttätigkeiten in Albanien" von Merita Dhimgjoka, Sacramento Bee vom 6.2.97). Jedes Spiel dieser Art muss scheitern, da die Zahl der „Investoren" nicht unbegrenzt ist. Nur Gier und Selbsttäuschung haben diese Eigenschaft.

Anmerkungen des Übersetzers:

Pyramidenspiele und ähnliche Systeme haben viele Namen: Kettenspiele, Pilotenspiele, Life, Jump, Titan, etc. Das Grundprinzip ist allen gemein: Wenige profitieren von Vielen, die zu den Wenigen gehören möchten. Frank Nordhausen und Liane v. Billerbeck beschreiben in Psycho-Sekten einige Fälle aus dem deutschsprachigen Raum: So wurde 1997 die Leiterin des European Kings Club, Damara Bertges, in Frankfurt zu acht Jahren Haft wegen Anlagebetrugs verurteilt, nachdem ihre Komplizen schon mehrjährige Haftstrafen erhalten hatten. Der EKC war in vierzig Länden aktiv gewesen und hatte ein Volumen von zwei Milliarden DM erschwindelt; etwa 94.000 Menschen waren schließlich daran beteiligt gewesen. Versprochen wurde zum Beispiel eine Rendite von sage und schreibe 71 Prozent.

Bei Versammlungen dieser Klubs oder Gruppen herrscht gewöhnlich eine aufgepeitschte Atmosphäre, in der professionelle Einheizer die Leute dazu bringen, noch mehr und gedankenloser als bisher Geld locker zu machen. „Erfolgreiche" Investoren werden vorgestellt und als Vorbilder angepriesen; das Ambiente ist dem einer Psycho-Sekte wie etwa Scientology nicht unähnlich, und es überrascht nicht, dass Verbindungen bestehen, etwa zwischen Life und Scientology (Nordhausen/v.Billerbeck, S. 413).

Ein ähnliches System fungierte bis 1996 unter dem Namen Kaizen, was auch der Name einer seriösen japanischen Management-Methode ist; die Vertreter des „echten" Kaizen erwirkten 1996 einen Gerichtsbeschluss und untersagten die Verwendung dieser Bezeichnung. Kaizen verwandelte sich in die sogenannte Leadership Academy.

 

Weiterführende Literatur (englisch)

Informationen über die "Fortuna Alliance" und die Anschuldigungen seitens der Finanzbehörden, es handele sich um ein Pyramidenspiel im Internet. (FTC = Federal Trade Commission, US-Kartellbehörde, AdÜ):

Consumer Protection Utah Department of Commerce

"How to Avoid Ponzi and Pyramid Schemes," A Consumer Education Publication by the Securities and Exchange Commission

"Tips on....Multi-Level Marketing (How to Tell a Legitimate Opportunity from a Pyramid Scheme)"

Charles K. Ponzi Website

Bulgatz, Joseph. Ponzi Schemes, Invaders From Mars, and More Extraordinary Popular Delusions (Harmony Books, 1992). out of print

Fitzpatrick, Robert L. and Joyce Reynolds. False Profits - Seeking Financial and Spiritual Deliverance in Multi-Level Marketing and Pyramid Schemes (Charlotte, N.C.: Herald Press, 1997). Meine Rezensionzu diesem Buch.

(deutsch)

Nordhausen, Frank/v.Billerbeck, Liane: Psycho-Sekten. Die Praktiken der Seelenfänger. Frankfurt a.M. 1999. S. 380-420.

 

 

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