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Reiki: Leserkommentare

Olaf Weber, selber Reiki-Praktizierender, hat folgendes zu diesem Thema anzumerken:

Hallo, liebe SkeptikerInnen.

Ich finde Teile des Eintrages zum Thema Reiki sehr interessant. Die enthaltene Kritik ist nicht in allen Punkten von der Hand zu weisen, auch wenn ich sie in der Hauptsache nicht unterstützen würde.
Allerdings enthält der Artikel auch viele Aussagen, die so im Reiki nicht akzeptiert werden.

Der Reihe nach:

Reiki ist eine inzwischen auch in Europa weit verbreitete Methode der Energiearbeit. Deswegen kann ich nicht ausschließen, dass es sehr viele Menschen gibt, die tatsächlich meinen, Krankheiten entstünden durch Blockaden im Energiesystem. M.E. haben Krankheiten sehr verschiedenen Ursachen. Die Schulmedizin geht davon aus, dass es für die meisten Krankheiten eine Reihe von Voraussetzungen geben muss. Nicht alle Leute, die rauchen, bekommen auch Lungenkrebs, dazu sind weitere Faktoren, z.B. genetische
Dispositionen, Schädigungen durch vorangegangene Krankheiten etc., nötig. Reiki geht davon aus, dass Menschen nicht nur aus einem festen Körper und einer Psyche, sondern u.a. auch einer energetischen Komponente bestehen. Ähnlich wie Psyche und Körper einander bedingen, wird auch dieses Energiesystem von allen Vorgängen im Menschen betroffen bzw. wirkt sich auf die anderen Bereiche aus. Reiki versucht, durch Unterstützung dieses Energiesystems eine Rückwirkung
auch auf die anderen Komponenten der Menschen zu erzielen.
Reiki ist dadurch vorwiegend dazu angelegt, langfristig und/oder
begleitend zu anderen Therapien eingesetzt zu werden. Die weitaus meisten Behandlungen nehmen die Reiki-Praktizierenden übrigens an sich selbst vor, in der Regel eher nicht um akute Probleme zu behandeln sondern langfristig die eigenen Gesundheit zu stabilisieren und zu verbessern.

Es gibt leider immer noch viele Menschen, die sich, weil sie eine
oder mehrerer Reiki-Einweihung erhielten, für etwas besonderes
halten. Mit Reiki läßt sich möglicherweise bei einigen Menschen
Eindruck erzielen oder eventuell die eigenen wirtschaftliche
Situation verbessern. Letzteres Argument fällt in Deutschland
allerings zunehmend weg, da laut entsprechenden Gerichtsurteilen Reiki nur noch von ÄrztInnen und HeilpraktikerInnen ausgeübt werden darf.
Reiki scheint bei diesen Leuten zumindest nicht dazu geführt zu
haben, den Stellenwert der eigenen Person richtig einschätzen zu können. Es ist das übliche Phänomen von Menschen, die zum Ausgleich empfundener persönlicher Defizite externe Hilfsmittel benötigen.

Das System hat seinen Ursprung in Japan und ist folglich mit
Elementen japanischer Kultur beladen. Deshalb gibt es ähnlich wie bei Kampfsportarten die Einteilung in Grade entsprechend dem Entwicklungs-/Einweihungsstand. Tatsächlich machen sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Stufen auch deutlich bemerkbar. Das klassische Usui-System kennt 3 Grade und einen LehrerInnengrad, der jedoch nur wenig Einfluss auf die Qualität einer Reiki-Sitzung hat. Nicht nur Reiki-MeisterInnen (3. Grad) sind zur Übertragung der Energie fähig, sondern alle Praktizierenden ab dem 1. Grad.
Welchen Einfluss Reiki auf New Age hat, weiß ich nicht, es greift
jedoch weit über diese Szene hinaus. Wer heute in Deutschland das Äquivalent für 10.000$ zahlt um letztlich Reiki-MeisterIn zu werden, ist selbst schuld. Derartige Zahlen sind seit mindestens zehn Jahren nicht mehr aktuell. Der 1. Grad sollte bei einem Seminar in kleiner Gruppe (bis zu 3 TeilnehmerInnen) kaum mehr als 150 Euro kosten, der zweite nicht mehr als 250, der 3. (Meister-) Grad nicht mehr als 500. Etwa gleich teuer ist auch der LehrerInnengrad. (Stand 2001) Tendenz weiterhin fallend. Reiki-Einweihungen sind längst kein lohnendes Geschäft mehr.
Ich habe die Einweihung den 1. Grad geschenkt bekommen und für den 2. Grad 300 DM bezahlt. Dabei gibt es keine Bindung an meine Lehrerin und keine Verpflichtung zu weiteren Zahlungen oder Einweihungen.
Lediglich für weitere Fragen, die sich aus meiner Praxis ergeben,
steht sie mir kostenlos zur Verfügung.

Das Wort „Heiler" trifft nur sehr begrenzt zu. Entsprechend der
„Theorie" verstehen sich die Praktizierenden lediglich als Kanal für die von außen aufgenommene und weitergeleitete Energie. „Heiler" ist nicht der Reiki-Kanal sondern der Mensch der Reiki empfängt. Dessen Energiesystem kann Reiki annehmen und verwenden bzw. es komplett ablehnen. Die Einflussmöglichkeit der Reiki-Praktizierenden darauf sind gering. Wenn sich jemand als „Heiler" bezeichnet, hat sie oder er dieses Prinzip nicht verstanden oder ist nicht gewillt, die eigene Rolle realistisch darzustellen.

Die Geschichte des Reiki muss als unklar angesehen werden. Über den im Text erwähnten Dr. Usui gibt es sehr unterschiedliche und extrem widersprüchliche Aussagen, die VerteterInnen verschiedener Interessengruppen je nach eigenem Bedarf verwenden. TraditionalistInnen verschiedener Organisationen verbreiten im Westen eine sehr christliche Variante. Daneben gibt es auch buddhistische oder religionsunabhängige Interpretationen, so dass es ohne eingehende Forschungen nicht mehr möglich ist, den Wahrheitsgehalt der einzelnen Legenden zu prüfen.
Zumindest in Mitteleuropa nimmt der Zahl der Menschen zu, die keiner Organisation angehören. Viele von Ihnen akzeptieren auch die Legenden um Dr. Usui und seine NachfolgerInnen eher nicht. Ihrer Ansicht nach funktioniert Reiki auch ohne diesen oder einen andere historischen Background.

Neben dem klassischen System des sogenannten Usui-Reiki haben sich weitere ergänzende oder benachbarte Systeme entwickelt, die teilweise wiederum an Organisationen und Hierarchien gebunden sind. Allerdings gibt es auch dabei oft ebenso unabhängige Praktizierende.

Auch in Reiki-Seminaren werden Lerninhalte mittels der gängigen Methoden des Unterrichtens weitergegeben. Alles, was rational verstanden werden muss – also z.B. der normale Ablauf einer Reiki-Sitzung - wird über Sprache, Schrift, Visualisierung und Übung vermittelt. Allerdings setzt die Fähigkeit, Energie aufnehmen und weiterleiten zu
können voraus, dass die entsprechenden Energiebahnen im Körper der zukünftigen Praktizierenden dazu befähigt werden. Dieszwecks sind mehrere Energieübertragungen nötig, die tatsächlich zu einem erheblichen Teil während Berührungen durch die/den LehrerIn erfolgt.

Das Nicht-Abdrucken von Reiki-Symbolen basiert auf der eher
traditionellen Meinung, Reiki wäre eine Art Geheimlehre oder Menschen könnten mit diesen Symbolen Unfug betreiben. Dieses Argumentation ist sehr umstritten und längst nicht mehr einhellige Meinung. In den erwähnten Büchern von Distel/Wellmann ist lediglich das sogenannte Meistersymbol Dai Komio abgedruckt. Allerdings ist es kein Problem, im Internet oder auch in der Literatur eine Reihe von Veröffentlichungen verschiedener Formen der Symbole zu finden.

Eine Reiki-Standard-Behandlung hat tatsächlich einiges mit Chakren zu tun. Allerdings gibt es eine Reihe weiterer Behandlungen, die nicht oder nur teilweise mit den Chakren arbeiten.

Da inzwischen eine sechsstellige Zahl von Menschen im
deutschsprachigen Raum Reiki-Einweihungen erhalten hat und - wie bereits gesagt - Reiki nicht mehr ohne Approbation als Arzt/Ärztin oder Zulassung als HeilpraktikerIn an andere Menschen weitergegeben werden darf, ist der Faktor Geld-aus-der-Tasche-ziehen nicht mehr wirklich aktuell. Ich habe noch für keine Behandlung Geld genommen.

Leider darf ich die/den Autoren dieses Beitrages nicht mehr zu einer Reiki-Sitzung einladen . . .

Grundsätzlich sehe ich eine skeptische Haltung gegenüber Erscheinungen in der Gesellschaft positiv. Fundierte Kritik kann
letztlich einer Methode und vor allem auch den Menschen, die diese Methode praktizieren kaum schaden. Problematisch ist lediglich, wenn sich KritikerInnen auf den Ich-habe-Recht-Standpunkt stellen und andere Meinungen nicht sachlich beurteilen. Dass etwas im Sinne der aufgeklärten Wissenschaft nicht bewiesen ist, kann nicht als Beleg für die Nichtexistenz angesehen werden – das wäre unwissenschaftlich und letztlich ideologiegesteuert. Insofern scheint es mir sinnvoll, wenn sich die GegnerInnen welcher Methode auch immer sowohl fundiert mit dieser Methode auseinandersetzen – das scheint mir im Falle des/der AutorIn des Reiki-Beitrages nicht gegeben zu sein, wie sonst kommen die vielen Fehlinformationen dorthin - als auch die nicht der Denkweise eben dieses wissenschaftlichen Systems zu Grunde liegenden Philosophie zu akzeptieren. Alles andere scheint mir Selbstbetrug, weil bewusste Verengung des eigenen Blickfeldes zu sein.
Generell kann ich mich der Forderung nach wissenschaftlicher
Erforschung, auch mittels empirischer Studien, anschließen. Wenn Reiki als Energie tatsächlich vorhanden ist, wird es einen Weg geben, diese Energie nachzuweisen. Allerdings haben die derzeit Reiki-Praktizierenden in aller Regel nicht die Kapazitäten und finanziellen Mittel, eine solche Forschung zu betreiben. Es wäre also wünschenswert, wenn die üblichen Träger von Grundlagenforschungen auch derartige Forschungen finanzieren.

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