Datum: 20.07.2001 23:03:16 Autor: Udo Teichmann ©
G8-Gipfel, die Maske fällt
Trauer ohne Vorwurf
Liebe Mitdiskutanten,
der Corriere zeigt die Bildfolge eines Reuters-Fotografen, aus der sich das Geschehen rekonstruieren läßt.
In die Enge getrieben, frontal vor einer Häuserwand, steht ein Polizeijeep.
Er wird von rechts und von hinten von mindestens 4 Personen massiv angegriffen, Bretter werden durch die Scheiben geschlagen, Steine fliegen, von hinten läuft ein Mann auf die Rückseite des Jeeps zu und schleudert ein Rohr, das wie ein Feuerlöscher aussieht aber auch eine Rohrbombe sein könnte, gegen das Fahrzeug. Die Insassen sind nicht mehr geschützt, weil die Scheiben inzwischen offenbar heraus sind.
Der Angreifer mit dem "Feuerlöscher" geht ohne das rote Rohr zu Boden, angeblich von einer Polizeikugel in den Kopf niedergestreckt. Er liegt quer hinter dem eingekeilten Jeep, dicht hinter dem linken Hinterrad.
Der Jeep setzt zurück, offensichtlich um sich aus der prekären Lage zu befreien. Dabei überrollt er den hinten liegenden Körper des Angreifers. Der Jeep flüchtet in die links gelegene Seitenstraße, wobei er vermutlich den Körper des Angreifers erneut überrollt.
Eine schreckliche Szene!
Zunächst muß man neutral feststellen, daß sich die Carabinieri in akuter Lebensgefahr befanden. Man muß ihnen gegenüber den Angreifern ein unzweideutiges Notwehrrecht zubilligen. Aus der Gefahrenlage, insbesondere aus der Gefahr, die durch das feuerlöscherähnliche Objekt, das auch eine Rohrbombe sein konnte, ausgelöst wurde, war sehr wahrscheinlich auch der Einsatz der Schußwaffe gerechtfertigt. Ein milderes Mittel, um die Überzahl der brutalen Angreifer abzuwehren, stand ihnen, in die Enge getrieben, sehr wahrscheinlich nicht zu Gebote.
Auch das Überrollen des am Boden liegenden Angreifers, so anstößig das Bild auf einen auch wirkt, war vermutlich aus der Sicht der lebensgefährlich bedrängten Carabinieri unvermeidlich, weil sie anders nicht aus der Gefahrenzone flüchten konnten.
Der junge Mann mit dem "Feuerlöscher" ist dabei zu Tode gekommen, als er andere Menschen lebensgefährlich angegriffen hat. Er trägt die mit seinen Kumpanen die Hauptschuld daran, daß sich die Situation so scheußlöich zuspitzte. Man kann nicht wissen, was für edle oder niederträchtige Motive ihn zu seinen Angriffen getrieben haben. In die Trauer um einen jungen Menschen mischt sich Zorn, daß es so weit kommen mußte.
Wenn man sieht, wie schwer es schon vielen hier wird, besonnen zu bleiben, wie blank liegen die Nerven da erst bei den Betroffenen mitten im Getümmel.
Kein Vorwurf an die Carabinieri, eine erneute, scharfe Verurteilung jeder Gewaltanwendung zur Durchsetzung politischer Zwecke.
Udo Teichmann