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Bremerhaven, 27.3.98: Per Email erhielten wir einen Leserbrief:
Bremerhaven, nahe der Cherbourger Straße. Ein harter Knall zerschlägt die Luft. Eine Explosion. Blick auf die Uhr: 11.11 Uhr. Weitergehen. Unter der Eisenbahnbrücke Cherbourger Straße / Langener Landstraße ist Rauch. Ein Sattelschlepper mit einem 40-Fuß-Container steht gleich hinter der Kreuzung, in Richtung Häfen. Unter dem Container quillt Rauch hervor. Ein Mann löscht mit einem Handfeuerlöscher. Es nützt nichts: Nun sind bei den linken Hinterrädern Flammen zu sehen. Der Mann hat einen anderen Feuerlöscher. Die Flammen gehen zurück. Der Feuerlöscher ist leer. Die Flammen kommen wieder, werden stärker. Die Ampel zeigt grün. Nun ist die andere Richtung dran. Der Verkehr rollt weiter.
Drei Minuten sind vergangen. Ein Passant ruft per Handy den Notruf.
Von der Autobahn gekommen, stehen mehrere LKW vor
der Ampel. Ein Passant wendet sich an die Fahrer:
"Hast du Funk?"
"Nein."
"Hast du einen Feuerlöscher?"
"Nein."
Mehrere Fahrzeuge, jedesmal das Gleiche. In
dieser Situation nicht zu helfen, ist unterlassene
Hilfeleistung. Strafbar. Ohne Feuerlöscher zu
fahren - und das auch noch gewerblich!- ebenfalls
strafbar. Aber das kümmert niemanden. Der
Passant gibt auf.
Ein Mann kommt mit mehreren Feuerlöschern angerannt, aus einer Firma auf der anderen Seite der Kreuzung. Hauslöscher. Die sind größer. Die Löschwirkung hält trotzdem nicht lange an. Die Flammen schlagen höher. Der Rauch nebelt die Kreuzung ein. Es sieht nicht gut aus. Niemand hält an. Alle fahren vorbei. Einzig der PKW-Fahrer, der im Moment der Reifenexplosion neben dem LKW fuhr, ist mit einem Feuerlöscher da. Aber auch der ist inzwischen leer.
Ein Streifenwagen der Polizei trifft ein. Ein Glück. Man hat einen kleinen Handlöscher dabei. Auch der verpufft in Sekunden. Der Mann aus der Firma hat noch große Handlöscher. Aber auch ihre Löschwirkung ist nur von kurzer Dauer. Die Polizisten lenken den Verkehr um. Weitere Streifenwagen kommen.
Wo bleibt die Feuerwehr!? Die Flammen schlagen hinauf bis zur Decke des Containers.
Ein Löschwagen der Feuerwehr trifft ein, wird quer in die zweite Spur gestellt, so daß niemand mehr in diese Straße hineinfahren kann. Die Feuerwehr beginnt zu löschen.
Die Bremsen des Aufliegers waren heißgelaufen und hatten einen Reifen entzündet. Ein Handlöscher kann da nicht viel ausrichten, weil er die Flammen ersticken, aber nicht das heiße Metall kühlen kann. Sobald der Löschstrahl weg ist, entzündet das glühende Metall das Gummi erneut. Erst der Wasserstrahl der Feuerwehr kühlt das Metall ab. Dennoch dauert auch dies etliche Zeit. Selbst nach zehn Minuten dampft das Wasser, das auf dem Asphalt entlangrinnt. Von der anderen Seite, quer unter dem Auflieger hindurch, wird die Rückseite des Rades mit Löschwasser besprüht. Das kühlt die Bremsen endlich ab.
Ohne die Hilfe des Mannes aus der Firma wären Auflieger und Ladung verloren gewesen. Nur drei Mann haben geholfen.
11.55 Uhr: Der LKW rollt aus der Kreuzung; die
Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr fahren an den
Straßenrand; die linke Fahrbahn in Richtung
Häfen wird wieder freigegeben. Der Verkehr
rollt. Business as usual. Bis zum nächsten
Brand.
"Hast du Funk?"
"Nein."
"Hast du einen Feuerlöscher?"
"Nein."
Anonym
e-Mail: sfb@ariplex.com
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