Grüß Gott, ihr Kinder Gottes,
da haut ihr aber prächtig auf den Luther ein, und stellt ihn in Relation zu Graf von Galen womöglich, den Löwen von Münster, statt zeitgemäß den Vergleich zu setzen zu dem Papst, der damals Luthers Gegenspieler in vielem war, aber sein Herzensbruder im Haß gegen die Juden.
Judenhaß und offener Antisemitismus sind tief verwurzelt im Christentum in all seinen Erscheinungsformen, und die Heilige Römisch-Katholische Kirche hat mehr Juden umgebracht als Hitler und Himmler und Eichmann, die freilich nur 12 verblendete Jahre Zeit hatten, während die Heilige Kirche Christi viele Jahrhunderte hindurch höchst offiziell antijüdisch verblendet war.
Das geht schon los im Frühchristentum, und vielleicht war der Judenhaß unter den frühen Christen noch hitziger und mordgieriger als zu anderen Zeiten. Der bedeutenste christliche Apologet seiner Zeit,. Justin (100-165), überlieferte stolz seinen "Dialog mit dem Juden Tryphon", und der wurde zum Stichwortgeber für Luther, wie für zahllose Päpste, wie für Goebbels. Die Juden nennt er schlimme Menschen, seelisch krank, Götzendiener, verschmitzt, verschlagen, blind und lahm, ungerecht, unvernünftig, sündhaft, vollständig hartherzig und verständnislos. Er behauptete, sie hurten, sie seien voll jeder Schlechtigkeit, ihre Sündhaftigkeit steige bis ins Maßlose, alle Wasser des Meeres würden nicht reichen, um sie zu reinigen. Nach Justin haben die Juden das Gesetz entehrt, den neuen Bund verachtet, die Propheten getötete und Jesu Anhänger ermordet, so oft sie Macht dazu erhielten. Sie hetzten die anderen Völker gegen die Christen auf und seien nicht nur schuld an dem Unrecht, das sie selber tun, sondern auch an dem, das alle anderen Menschen überhaupt begehen..
Und so geht es weiter durch das dritte, vierte, fünfte Jahrhundert, und alle Kirchenväter schienen die fixe Idee zu haben, unbedingt eine Kampfschrift mit dem ewig selben Titel "Gegen die Juden" schreiben zu müssen: so Tertuillian, Pseudocyprian, Augustinus, Johannes Chrysostomos, etc., etc.... Und Bischof Cypiran betete selbst das Vater Unser antijüdisch, indem er beim "Vater unser" betonte, die Juden hätten "nicht Gott, sondern den Teufel zum Vater." Und das Cyprian-Wort: "Der Teufel ist des Juden Vater!" - prangte bekanntlich in der Hitlerzeit über den Schaukästen des "Stürmer".
Und der Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos, der ein hohes soziales Ethos mit einem rabiaten Antijudaismus unter einen Hut bringen konnte, attakierte vom Jahre 386 an in acht Predigten die Juden, die nach ihm "nicht besser als Schweine und Böcke sind". Deren Synagoge nannte er - zum Teil die Bibel zitierend - ein "Theater, ein Hurenhaus, eine Mördergrube, eine Herberge wilder Tiere und des Teufels". Herbergen des Teufels seien ander auch die Seelen der Juden. Mit ihnen dürfe man so wenig verklehren wie mut dem Teufel, denn wie er den Menschen an Leib und Seele runiere, so auch die Juden. Töten sie doch nach Kirchenlehrer Chrysostomos sogar ihre Kinder mit eigener Hand. Und da ihm dies anscheinend selbst seine Christen nicht glaubten, verbesserte er sich in einer Folgepredigt: "Auch wenn sie nicht mehr länger (!) ihre eigenen Kinder töten, so haben sie doch Christus getötet, was schlimmer ist:"
Selbst der edle Basilius schließt sein "Hexaemeron" - sicher das Wertvollste seines bedeutenden literarischen Nachlasses - mit dem frommen Wunsch: "Zu Schanden werde der Jude!"
Auch Origines eifert: "Die Juden haben ihn ans Kreus genagelt!" Mit Jesu Verfolgung begingen sie "den allerverruchtesten Frevel". Daher sei Jerusalem mit Recht bis auf den Grund zerstört und das jüdische Volk seines Wohnsitzes beraubt worden.
Keine Fanatiker, sondern ruhige und vornehme Menschen wie Clemens von Alexandreia, Origines und Chrysostomos schreiben: "Es kann keinen Kompromiß zwischen Juden und Christen geben. Die Juden dürfen aber den Christen Sklavendienste leisten."
Und es waren nicht die Nürnberger Gesetze Hitlers vom 15. September 1935, sondern schon zu Beginn des 4. Jahrhunderts die Bischöfe der Synode von Elvira, die als erste Mischehen zwischen Christen und Juden unter Strafe stellten und Klerikern wie Laien den Umgang mit Juden unter Androhung des Ausschlusses von der Kommunion verboten hatten.
Und es war nicht die Reichskristallnacht vom 10. November 1938, in der zuerst jüdische Synagogen niedergebrannt wurden, sondern die erste Niederbrennung einer Synagoge erfolgte im Jahr 388 am Euphrat auf Befehl des Bischofs von Kallinikon. Als daraufhin Kaiser Theodosius die Bestrafung der Brandtsifter und den Wiederaufbau des Gebäudes durch den Ortsbischof forderte, verteidigte der Heilige Bischof Ambrosius die christlichen Synagogenzündler und leugnete auf höchstem theologischen Niveau, daß an ihrer Tat irgendetwas Verbrecherisches sei. - Er erklärte sich sogar ausdrücjklich mit dem Bischof von Kallinikon solidarisch: "Ich erkläre", schreibt der Heilige und Kirchenlehrer, "daß ich die Synagoge in Brand gesteckt, ja, daß ich ihnen den Auftrag gegeben habe, damit es keinen Ort mehr gäbe, wo Christus geleugnet wird."
Um das Jahr 415 beschlagnahmte in Ägypten Erzbischof Kyrill sämtliche Synagogen und machte daraus christliche Kirchen.
Im ausgehenden Altertum und im Mittelalter wurde mit der wachsenden Macht des Katholizismus die Judenhetze immer schlimmer. Da half es den Juden wenig, wenn einige Herrscher, wie Karl der Große, Ludwig der Fromme, Heinrich IV, Freidrich III. u.a. sie begünstigten. Die Wohlwollenden Absichten einiger Päpste, wie vor allem Gregors des Großen, gingen ebenfalls in den hochwogenden Wellen des allgemeinen christlichen Antijudaismus unter. Und selbst der große Gregor hat den Bau neuer Synagogen strikt untersagt. Schon seit 435 durfte keine Synagoge mehr ohne kirchliche Erlaubnis gebaut werden, und mit ähnlichen Anordnungen behinderte man die Juden während des ganzen Mittelalters.
Die katholische Synode von Agde (506) verbot unter Androhung der Exkommunikation das "Essen mit Juden". Die 3. Synode von Orléans (538) untersagte Juden in der zweiten Hälfte der Karwoche das Betreten der Straße. Die Synode von Macon (581) verlangte von den Juden u.a., die Priester devot zu grüßen und vor ihnen strammzustehen.
Wieder war es nicht Goebbels, sondern ein Heiliger der Katholischen Kirche, der den Slogan aufbrachte: "Kauft nicht bei Juden!" - der Heilige Erzbischof Agobard von Lyon (gestorben 840).
Im Jahre 1010 ließ der Bischhof von Limoges den Juden vier Wochen lang Jesu Messianität aus dem Alten Testatment "beweisen". Als dennoch die allermeisten jüdisch blieben, wurden sie teils verjagt, teils auf der Stelle getötet.
Das 6. Konzil von Toledo befahl 638 die Zwangstaufe aller in Spanien lebenden Juden. Und der König Rekkeswinth verkündete das Gebot des 8. Konzils von Toledo (653): "Niemandem ist selbst in seinem Innersten der leiseste Zweifel am katholischen Glauben gestattet. Wer zweifelt, wird verbannt, bis er sich anders besinnt."
Das 17. Konzil von Toledo erklärte 694 alle Juden "wegen staatsfeindlicher Umtriebe und Beleidigung des Kreuzes Christi" zu Sklaven. Ihr Vermögen wurde konfisziert, ihre Kinder wurden ihnen vom siebten Jahr an fortgenommen und später an Christen verheiratet.
Die Judenmißhandlung nahm in Spanien immer schlimmere Formen an. Das Konzil von Zamora befahl 1313 die Verknechtung aller Juden. Die antijüdischen Grundsätze mußten alljährlich in der Kirche verlesen werden. Etwa seit 1378 stachelte der stellvertretende Erzbischof Martinez zur Judenverfolgung auf, und im Jahr 1391 wurden unter seiner Führung in Sevilla viertausend Juden getötet und etwa fünundzwanzigtausend als Sklaven verkauft. Nach diesem "Sieg" befahl der stellvertredende Erzbischof von Sevilla: "Die Juden, die nicht Christen werden wollen, sind totzuschlagen."
1492 hat man alle ungetauften Juden aus Spanien und 1497 auch aus Portugal brutal vertrieben. Dabei sind Tausende J7uden in kirchlichem Auftrag zu Tode geprügelt worden.
In Deutschland schloß sich die christliche Judenverfolgung nahtlos an die Kreuzzüge an. "Was nützt es, in entfernten Gegenden die Feinde des Christentums aufzusuchen, wenn die gotteslästerlichen Juden, weit schlechter als die Sarazenen, in unserer Mitte ungestraft Christum und die Sakramente schmähen dürfen!" So argumentierten die Kreuzfahrer und brachten in Metz, Trier, Worms, Mainz, Regensburg, Prag und vielen anderen Städten Tausende von Juden um.
Am Rhein stachelte der Mönch Raduld im 12. Jahrhundert sogar zu einem "Kreuzzug gegen die Juden" auf.
Die Juden von Röttingen in Bayern beschuldigte man 1298 einer Hostienschändung. Ein "von Gott beauftragter katholischer Edelmann" namens Rindfleisch (wirklich!) sammelte daraufhin unter bischöflichem Segen Gelichgesinnte und tötete nicht nur alle Juden Röttingens, sondern vernichtete bis zum Herbst desselben Jahres mit kirchlichem Segen beinahe 140 jüdische Siedlungen.
Im Jahre 1337 ermordeten die Katholiken von Deggendorf in Niederbayern unter dem Vorwurfs des "Hostienfrevels" sämtliche Juden der Stadt.
Im Jahre 1349 wurden allein in Strafburg zweitausend Juden verbrannt und ihr Vermögen unter den Christen geteilt. Im selben Jahr töteten die Katholiken unter aufputschenden Predigten der Heiligen Katholischen Kirche, im "furchtbarsten Jahr für die Juden Deutschlands vor Hitler", in mehr als dreitausend deutschen Gemeinden nahezu sämtliche Juden, meist durch Verbrennen bei lebendigem Leib. Sehr viele hätten durch Taufe dem Tod entgehen können, sie zogen aber fast stets das Martyrium einem christlichen Leben vor.
1426 vertreib man die Juden aus Köln - "zu Ehren Gottes und der Heiligen Jungfrau".
In Erfurt vertreib man die Juden 1458.
In Regenburg rottete man die Judengemeinde 1519 aus, nachdem die Geistlichen, besonders die Dominikaner, deren Kloster wegen sittlicher Verwilderung wiederholt "reformiert" werden mußte, jahrzehntelang gegen die Juden gehetzt hatten. Die antijüdische Predigt galt nicht nur in Regensburg "zu den Amtsfunktionen des Dompredigers". Beschwerden des Kaisers und Bitten der Judem beim Bischof waren vergeblich.
In Frankffurt am Main vertrieb man die Juden 1614. Doch bestand dort für Juden noch Ende des 18. Jahrhunderts ein Grußzwang: Sobald ein Christ einem Juden auf der Straße zurief: "Mach Mores, Jud!" - hatte dieser den Hut zu ziehen.
So ging es quer durch Europa, nur die polnischen Bischöfe machten eine Ausnahme. Sie ermutigten die Juden sogar zur Einwanderung, und zwar gegen den Widerstand der Geistlichkeit. Aber im Jahre 1648 wurden in Polen unter dem Triumph der Geistlichkeit bei einer antisemitischen Welle etwa 200.000 Juden umgebracht.
Dies ist das christlich-katholische Umfeld, in das Luther (1483-1546) hineinkommt. Sein in der Tat widerlicher Judenhaß stammt aber nicht von Luther und seiner reformierten Lehre, sondern ist sein katholisches Dominikaner-Erbe. Es ist tatsächlich so, daß 400 Jahre später Hitler noch maßvoller über die Juden geredet hat als Luther in seinen üblen antisemitischen Pamphleten: "Brief wieder die Sabbather an einen guten Freund." - "Von den Juden und ihren Lügen" - "Vom Schem Hamphoras" - und er empfiehlt "scharfe Barmherzigkeit" und tischt mit verführerischer Beredsamkeit fast alle überkommenen katholischen Lügen und Greuelmärchen auf, die Brunnenvergiftung ebenso wie den Ritualmord.
Im Judenhaß ist Luther noch durch und durch Katholik, da gibt es zwischen ihm und der Kriche von Rom keinen Streit. Es ist schon ein Stück aus dem Tollhaus, Lurther ausgerechnet wegen der Überzeugungen die religiöse Glaubwürdigkeit abzusprechen, in der er noch am treuesten der katholischen Kirche folgt. Mit den Katholiken seiner Zeit, mit dem antijüdischen Erbe der Catholica muß man ihn vergleichen, will man fair vergleichen. -
Diese knappe Skizze durch die Jahrhunderte christlicher Judenverfolgung sollte eigentlich davor bewahren, mit dem elenden Reflex des unverbesserlichen Sünders bei jedem Sündenbekenntnis lautstark immer nur über die Sünden anderer zu rechten.
Mit freundlichen Grüßen Udo Teichmann
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