Datum: 31.03.2000 01:22:55 Autor: Udo Teichmann ©
Papst Johannes Paul II. für mich ein Heuchler...


Fairness für Johannes Paul II
   
Grüß Gott, allerseits,

ich finde es verfehlt, Antijudaismus und Antisemitismus als private Fehlhaltung eines einzelnen Mannes, Luther, zu verharmlosen. Das ganze Christentum ist bis ins Mark verdorben durch diesen üblen Geist des Hasses und der Niedertracht, gespeist aus entsetzlich fehlgeleiteter Liebe zu Gott, zu Jesus. Luther war zwar ein wortgewaltiger Mann, seine Stimme schallte laut, aber in seinem Antijudaismus war er Durchschnitt, so übel haben die meisten Dominikaner seiner Zeit geredet und gepredigt! Das, was uns heute wie Gülle klingt, ergoß sich Sonntag für Sonntag mit kirchenamtlicher Autorität von goldfunkelnden katholischen Kanzeln und kargen protestantischen. Der Ungeist war der selbe, stammte aus den selben Quellen. Und zu Mord und Totschlag haben Katholiken ebenso wie Luther aufgerufen. Also, Schluß mit der blödsinnigen historisch abwegigen Konfessionshetze!

Die Katholische Kirche hat jedenfalls 1.500 Jahre mehr Grund, sich wegen ihres Judenhasses zu besinnen. Und wenn der Papst sich gar "entschuldigt" - dann tut er es im Korsett der Unfehlbarkeit: er darf gar keinen schwerwiegenden Fehler der Kirche, des Lehramtes, des Papstes bekennen - wo dieses Amt doch unfehlbar ist. Deshalb ist das Papsttum bei allem "mea culpa" eigentlich die ungeeignetste Institution, um Verzeihung zu bitten: Wofür denn,. wenn man unfehlbar ist? - Dann eben nur für die Irrtümer von einzelnen Abweichlern, unter Wahrung der Heiligkeit und Unversehrtheit des Amtes selbst. Bei der Geschichte, die diese Institution hat, bei den Gebirgen von Schuld und Verbrechen, die diese Kirche im Laufe der Jahrhunderte aufgetürmt hat, sollte man sich aber nicht so vage entschuldigen. Wer bei einer solchen Geschichte sagt, im Grunde sei alles OK gewesen, aber einzelne Abweichler hätten den guten Weg der Kirche hin und wieder verlassen und dabei gefehlt - dann ist das in der Tat Heuchelei: Nicht einzelne Zufallspassanten des Christentums, sondern gerade die geweihten Würdenträger und die amtlichen Repräsentanten dieser Kirche, bis in die höchsten Etagen hinein, haben im Laufe der Geschichte schwerste, abstoßendste Verbrechen begangen und schändliche Irrlehren - wie den Antijudaismus - über viele Jahrhunderte höchst amtlich verkündigt und oft genug mit buchstäblichem Feuereifer ins Werk gesetzt..

Ich glaube aber nicht, daß dieser Papst persönlich ein Heuchler ist, wenn er sich so umständlich und verklausuliert "entschuldigt" - und zwar selbst vor Gott nur so verklausuliert, daß Gott schon ein ausgefuchster Theologe sein muß, um das überhaupt mitzubekommen. Ich fürchte, diese unecht klingende Sprache wird diesem Papst durch das unselige Dogma der Unfehlbarkeit aufgenötigt - und es ist aller Ehren wert, daß er im äußersten Rahmen seiner institutionellen Möglichkeiten den persönlich-priesterlichen Drang verspürt und durchgesetzt hat, zu diesem Milleniumswechsel das große "mea culpa" der Kirche zu sagen. Man ist nicht gezwungen, ihn in dieser Absicht mißzuverstehen, und man ist wohlberechtigt, ihm in diesem Anliegen spirituelle Redlichkeit zu unterstellen...

Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann