Datum: 04.04.2000 01:28:11 Autor: Udo Teichmann ©
Papst Johannes Paul II. für mich ein Heuchler...


Amadeus, katholischer Papst gesucht?
   
Lieber Amadeus,

---Zitat---
Kennst du einen deutschen katholischen Bischof oder gar Papst, der in den Jahren 1933-1945 die
Judenverfolgung in vergleichbarer Weise vor dem In- oder Ausland geleugnet oder gerechtfertigt hat??
---tatiZ---

Nein, ich kenne keinen deutschen katholischen Papst, der in den Jahren 1933-1945 die Judenverfolgung vor dem In- und Ausland geleugnet hat.

Und was beweist das jetzt? -
Was kann ich dafür, daß in dieser Zeit alle Päpste Italiener waren:

Pius XI von 1922 bis 1939,
als Ambrogio Damiano Achille Ratti am 31. Mai 1857 in Desio (Italien) geboren

Pius XII von 1939 bis 1958,
am 2. März 1876 als Eugenio Pacelli in Rom (Italien) geboren.

VOR der Machtergreifung, auf eine Anfrage der Gauleitung Hessen der NSDAP, antwortete das bischöfliche Ordinariat Mainz Ende September 1930, "kein Katholik darf eingeschriebenes Mitglied der NSDAP sein und sich zu ihren Grundsätzen bekennen." Und der ganze deutsche Episkopat erklärte noch in einer Stellungahme zur NSDAP von Mitte August 1932: "Die Zugehörigkeit zur NSDAP ist für Katholiken unerlaubt", weil sie "Irrlehren" verkünde und die Kundgebungen zahlreicher führender Vertreter und Publizisten der Partei "glaubensfeindlichen Charakter" hätten, "namentlich feindliche Stellung zu grundsätzlichen Lehren und Forderungen der katholischen Kirche."

Wenige Monate später, NACH der Machtergreifung, notierte Kardinal Faulhaber über das Verhältnis des Vatikan gegenüber Hitler: "öffentliches Lob für Hitler". Folglich mußte sich der Kardinal selbst "nach dem, was ich an höchsten Stellen in Rom erlebt habe, hier aber nicht mitteilen kann, vorbehalten, trotz allem mehr Toleranz gegen die neue Regierung zu üben." - Und er sprach das aus, was den Vatikan bewegte: "In Rom beurteilt man den Nationalsozialismus wie den Faschismus als die einzige Rettung vor dem Kommunismus und Bolschewismus. Der Heilige Vater sieht das aus weiter Ferne, sieht nicht die Begleiterscheinung, sondern nur das große Ziel." - Und die "Begleiterscheinunge" war der nazistzische Terror, der vom ersten Tag des Dritten reichs an immer deutlicher zu toben begann.

Am 12. April 1933 schreibt Kardinal Faulhaber an den bayerischen Episkopat: "Täglich erhalte ich und wohl alle Hochwürdigsten Herren mündlich und brieflich Vorstellungen, wie denn die Kirche zu allem schweigen könne. Auch dazu, daß solche Männer, die seit zehn und zwanzig Jahren aus dem Judentum konvertierten, heute ebenso in die Judenverfolgung einbezogen werden." Denn so war es tatsächlich, unmittelbar nach der Machtergriefung begann auch schon die Judenverfolgung durch die NAZIs, richtete sich vom März 1933 an gegen jüdische Advokaten, Richter, Staatsanwälte. Noch Ende März erfolgte unter Julius Streicher im Gau Nürnberg ein genereller Boykottbefehl, der alle Juden und jüdischen Betriebe betraf.

Am 10. April 1933 erscheinen Papen und Göring im Vatikan, werden mit großen Ehren empfangen. Pius XI. war von ihnen angetan und glücklich, wie er sagte, "an der Spitze der deutschen Regierung eine Persönlichkeit zu sehen, die kompromißlos gegen Kommunismus und russischen Nihilismus in allen seinen Formen kämpft" - und "glücklich, weil das neue Deutschland eine entscheidende Schlacht gegen den Bolschewismus" schlage.

Am 24. April 1933 berichtete der bayerische Ministerpräsident vor dem Ministerrat, Kardinal Faulhaber habe seinen Geistlichen befohlen, das neue Regime, dem er vertraue, zu unterstützen.

Am gleichen Tag erinnert Faulhaber "Exzellenz Hitler daran, daß unsere katholischen Jugendorganisationen" zu den "besten und treuesten Stützen" des neuen Deutschland zähle.

Am 5. Mai 1933 appelieren die bayerischen Bischöfe zur "Klärung und Beruhiguing" sowie zur Förderung des Regierungsprogramms einer "geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Erneuerung" ihre Katholiken: "Niemand darf jetzt aus Entmutigung oder Verbitterung sich auf die Seite stellen und grollen; niemand, der zur Mitarbeit ehrlich bereit ist, darf aus Einseitigkeit und Engherzigkeit auf die Seite gestellt werden. ... Niemand soll sich der großen Aufbauarbeit entziehen..."

Dann das Konkrodat!

And alle deutschen Bischöhöfe schreiben am 3. Juni 1933, in einem Monat, da fast 2000 Anhänger und Funktionäre allein der katholischen Bayerischen Volkspartei, einschließlich ihres Vorsitzenden, Fritz Schäffer, im Gefängnis der NAZIs schmoren: "Wir deutschen Bischöfe sind weit davon entfernt, dieses nationale Erwachen zu unterschätzen oder gar zu verhindern... Auch die Ziele, die die neue Staatsautorität für die Freiheit unseres Volkes erhebt, müssen wir Katholiken begrüßen... Wir wollen dem Staat um keinen Preis die Kräfte der Kirche entziehen ... Ein abwartendes Beiseitestehen oder gar eine Feindseligkeit der Kirche dem Staate gegenüber müßte Kirche und Staat verhängnisvoll treffen..."

Und während die Juden verfolgt und umgebracht werden, jubelt das deutsche katholische Episkopat im Einklang mit dem Vatikan Hitler zu und versichert ihm Gefolgschaft. Der Emigrierte Jesuit Friedrich Muckermann erinnert sich: "Wer jetzt (nach dem Konkordat) noch gegen den Nationalsozialismus wie gegen den Todfeind der Kirche kämpfte, der geriet in den Verdacht, ein Pessimist zu sein, gegen die höchste kirchliche Autorität aufzutreten, er wurde als Fanatiker verschrien..."

Johannes Fleischer schreibt: "Das Konkrodat hat nach Zeitpunkt, Inhalt und offizieller bischöflicher Interpretation Verbrechen und Verbrechern Vorschub geleistet; jede entschiedene Opposition moralisch diffamiert, dem Naziregime die Legitimation verliehen, sich zu den "auf der Seite der Ordnung stehenden staatlichen Gewalten zu zählen" - wie übrigens Kardinal Pacelli bevor er Papst wurde am 30. April 1937 bekundete, trotz der laufenden Judenverfolgung.

Und so weiter und so fort. Wer ein Regime, daß brutal alle politischen Gegner unterdrückt und systematische Judenverfolgung propapgiert und betreibt, als "auf Seiten der Ordnung stehende staatlich Gewalt" beschreibt, macht sich zum Unterstützer und Sympathisanten des NAZI- Terrors. Ebenso, wenn zur Unterstützung solch eines Regimes kirchenamtlich aufgerufen wird.

Du wolltest ja so gern einen deutschen katholischen Kirchenfürsten oder Papst kennenlernen, der "in den Jahren 1933-1945 die Judenverfolgung in vergleichbarer Weise vor dem In- oder Ausland geleugnet oder gerechtfertigt hat". Nun also: Kardinal Faulhaber und Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII.

Aber ich verstehe schon, das sind für Dich zwar nicht MickeyMaus oder Onkel Dagobert, aber da habe ich sie sicherlich völlig falsch verstanden, wenn sie Hitler zujubeln und seiner Gewaltherrschaft mit dem Konkordat für In- und Ausland den Siegel der Ehrbarheit aufprägen und der Nazi-Diktatur öffentlich feierlich bestätigen, "auf der Seite der Ordnung stehende staatlichen Gewalt" zu sein.

Ich halte mein Urteil hier vorsichtig zurück. Ich berücksichtige, unter welch komplizierten Zwangslagen sich auch die katholische Kirche in dieser Terrorsituation befand. Sauber kam niemand aus dieser Zeit heraus. Deshalb Finger weg von billiger Konfessionshetze auf dem Hintergrund eines populären Terrorregimes.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann