Liebe Mitdiskutanten,
die provokante Titelanrede ignoriere ich und denke einfach mal nach:
Wenn über "höchstqualifizierte IT-Experten" gesprochen wird, geht es um Leute, die für IT-Probleme eine besonders hohe Befähigung und Eignung haben. Qualifikation betrifft immer die Befähigung "zu etwas" - während Bildung ungerichtet den gesamten geistigen Horizont eines Menschen bezeichnet.
Die beiden Ebenen stehen daher gar nicht in Konkurrenz zueinander. Man kann höchstqualifizierter Langstreckenläufer sein, wenn man sich für den Endlauf des 10.000 Meter-Laufs bei einer Olympiade !"qualifiziert" hat, also den Befähigungsnachweis dafür durch entsprechende Ergebnisse in den Vorläufen erbracht hat. Ob dieser Läufer dann auch noch ein gebildeter Mensch ist, spielt für die Teilnahme am Endlauf keine Rolle - und soll auch keine Rolle spielen, weil es bei einem Wettlauf um eine spezialisierte Auslese nach nur auf Wettläufe ausgerichteten Erfolgskriterien geht.
"Qualifikation" ist immer eng zu fassen als "Befähigung für etwas ganz bestimmtes", mit der Qualifikation wird ein ganz bestimmter Befähigungsausschnitt eines Menschen gemessen. In Einzelfällen mag zu dieser Qualifikation auch das gehören, was hier so schmollend als "Bildung" - gar als "humanistische Bildung" in Erinnerung gerufen wird. Aber im allgemeinen wird die Bildung (nur) den allgemeinen geistigen Hintergrund ausmachen, auf dem heraus sich Spezialfähigkeiten entfalten. Und es zeigt sich, daß bestimmte Spezialbefähigungen aus durchaus unterschiedlichen Bildungshintergründen hervorkommen können, und manchmal sogar auch ganz ohne Bildung.:-))
Und das bringt uns zu der tröstlichen Erkenntnis, daß Bildung weitgehend "Privatsache" ist, daß dieser geistige Hintergrund nicht auch noch als Instrument "für etwas" in Dienst genommen wird. Bildung steht für die fundamentale geistige Lebensqualität des Menschen als Kulturwesen, Qualifikation für Spezialbefähigungen im Dienste bestimmter Zivilisationsleistungen. -
Also, nur keinen Neid der "Gebildeten" gegen die "Befähigten", das wäre doch ziemlich "ungebildet" - oder eingebildet?
Mit freundlichen Grüßen Udo Teichmann
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