Datum: 25.08.2000 07:02:52 Autor: Hans-Joachim Heinrich ©
Forums-Umfrage
Registrierung
Lieber Udo Teichmann,
ich habe mich mit 2 Diskussionbeitragen im Thread “Handlungsbedarf” zu Wort gemeldet, alle Beitraege dort, im Thread “Buendnis fuer Anstand” sowie die Beitrage im “Umfrageforum” gelesen. Danach komme ich (fuer mich) zu folgenden Ergebnissen:
Es besteht mit Sicherheit ein Handlungsbedarf. Ob es eine Registrierung sein sollte, in der sich der Handlungsbedarf schlussendlich wiederspiegeln soll, wage ich zu bezweifeln.
Eine Registrierung kann positive wie auch negative Folgen haben. Bevor ich sage, ob ich fuer oder gegen eine Registrierung stimme, sollte klar sein, was denn die Konsequenzen einer Registrierung sein sollen.
Konsequenzen KOENNTEN sein:
a. Es werden nur noch Beitraege von Diskussionsteilnehmern zugelassen, die sich zuvor angemeldet und einen Zugangscode per Post erhalten haben.
Dafuer spricht sicherlich, dass sich die Qualitaet der Beitraege schon dadurch erhoeht, dass viele Poebeleien wegfallen, weil sich jeder registrierte User natuerlich schon ueberlegt, ob und wenn ja, in welcher Form er nun lospoebelt. Aber dieser angefuehrte Grund fuer eine Registrierung erweist sich, pardon, als nicht zu Ende durchdacht, denn:
Dagegen spricht, dass eine Ueberpruefung der Angaben, die von jemand gemacht werden, der mitdiskutieren will, schlicht nicht moeglich ist oder aber, wenn sie denn vorgenommen wird, einen unuebersehbaren Aufwand erfordert, den die Redaktion aufgrund der personellen Besetzung mit Sicherheit nicht betreiben kann, ganz abgesehen von den damit verbundenen Kosten. Ich kann mich, wenn ich es denn moechte (ich fuehrte dies bereits aus) aufgrund dynamischer IP Adressen, 3 vorhandener Telefonnummern, mehrerer e-mail-Adressen und auch der Moeglichkeit, 3 verschiedene “Residence-Adressen” angeben zu koennen, mit mindestens “ drei echten Namen” anmelden, wovon zwei natuerlich “virtuell” sind. Will ich also lospoebeln, kann ich eine der beiden “virtuellen” Namen benutzen. Wird dann einer der virtuellen Namen gesperrt, melde ich einen neuen an, erneut mit neuer (vierter) Telefonnummer, neuer Adresse, einem weiteren E-Mail account.
Dies bedeutet aber letztendlich, dass der gewuenschte Effekt, die “berufsmaessigen” Poebler rauszuhalten, nur bedingt funktioniert. Was mit absoluter Sicherheit nicht funktioniert, sind “braune Netzwerke”, vielleicht aber auch “linke Netzwerke” herauszuhalten, denn diese werden sich, schon aufgrund ihrer Strategie, der Muehe unterziehen, “ihre Diskutanten” vielfach korrekt anzumelden, waehrend derjenige, der “nur mitdiskutieren” moechte, sich dieser Muehe wohl kaum unterzieht. Das Endergebnis koennte dann sogar sein, dass weniger “normale Diskutanten” hier erscheinen, weil diese sich aus diversen Gruenden eben nicht registrieren lassen wollen, das Forum aber “fremdbesetzt” wird und zwar von Leuten, denen man gerade keine Plattform fuer ihre Selbstdarstellung und die Darstellung ihrer politischen Ziele geben moechte.
Ein weiterer Grund, der m.E. gegen eine Registrierung spricht, ist der, dass es in Zukunft durchaus Themen geben kann, bei denen sich Betroffene oder Fachkundige bewusst nicht zu Wort melden, obwohl sie solche Themen zweifelsohne bereichern koennten, weil sie naemlich befuerchten muessten, dass die Aufdeckung ihrer wahren Identitaet erhebliche, fuer sie negative Konsequenzen haben koennte. Ich denke dabei an zwei Bereiche, die mir dazu gerade einfallen und die waeren:
Diskussionen ueber das Insolvenzrecht. Ich habe mich nun viel mit diesem Thema befasst und auch mit Personen, die davon betroffen waren, sprich: insolvent geworden sind. Diese Leute, von denen gerade Ausfuehrungen ueber psychologische Hintergruende bei diversen Verhaltensweisen in einem Insolvenzverfahren sehr nuetzlich sein koennten, um die Abaenderung bestimmter gesetzlicher Vorschriften in die Wege zu leiten bzw. anzuregen, duerften weitestgehend entfallen, da solche Leute, oftmals auch ohne groesseres eigenes Verschulden, immer am “Strafrecht entlangschrabben”. Waere ich ein solcher Betroffener, KOENNTE ich mir durchaus vorstellen, in Diskussionsforen darueber zu sprechen, wuerde dies aber niemals tun, wenn ich mich vorher registrieren muesste.
Diskussionen ueber das Strafrecht. Hier gilt aehnliches wie das Vorgesagte, wobei hier die Hemmschwelle fuer Leute, die moeglicherweise vorbestraft sind oder einer Strafe bzw. einem Strafverfahren entgegensehen, mit Sicherheit bei einer Registrierung voellig entfallen wuerden. Aber gerade solche Leute koennten sehr Vieles und auch sehr Nuetzliches und Diskussionswuerdiges aus dem Blickwinkel von Betroffenen vortragen.
Ergebnis a.: Die Registrierung, aufgrund der dann spaeter gepostet werden darf, hat fuer mich mehr negative als positive Konsequenzen, so dass ich einer Registrierung, wie unter a. beschrieben, nicht zustimmen moechte. Persoenlich moechte ich anmerken, dass ich unter meinem vollen Namen hier auftrete, meine e-Mail-Adresse allen, die sie haben moechten, bekannt ist und ich durchaus auch bereit waere, nicht nur der Redaktion meine komplette Adresse anzugeben, sondern diese auch ins Netz zu stellen, denn ich stehe hinter meinen Beitraegen und zwar ohne Abstriche. Gegen eine Erteilung von Zuganscodes per Post bin ich schon deshalb, weil Post in Laendern wie Thailand oftmals nicht ankommt und wenn sie ankommt, dann mit erheblicher Zeitverzoegerung. Bei einem solchen Verfahren wuerde zumindest ich mal fuer 2-4 Wochen als Mitdiskutant ausfallen.
b. Es werden Diskussionsteilnehmer registriert, die sich zuvor angemeldet und einen Zugangscode per Post erhalten haben. Diese haben “gewisse Vorrechte” wie z.B. die Eroeffnung eines Thread, das Forum bleibt aber trotzdem auch offen fuer nicht-registrierte User.
Eine solche Registrierung macht m.E. ziemlich wenig Sinn, zumindest kann ich ihn nicht erkennen, denn das, was man will, ist doch, die Qualitaet des Forums zu erhoehen. Dies duerfte durch eine Registrierung mit den genannten Konsequenzen wohl kaum zu erreichen sein.
Schlussfolgerung:
Wer wissen moechte, “wer ich bin”, kann dies jederzeit von mir erfahren. Ich selbst wuerde mich sofort registrieren lassen (Einschraenkung: Zugangscode sollte in meinem Falle NICHT per Post zugesandt werden, da unpraktikabel.) Ich bin allerdings gegen eine Registrierung mit den Folgen gemaess a. wie auch b., da ich eher negative als positive Konsequenzen befuerchte.
Auf die Gefahr hin, dass ich nun “nerve”, erlaube ich mir, erneut meinen Vorschlag zu wiederholen, der dem Forum insgesamt ein anderes Gesicht verleihen koennte, es attraktiver auch – und gerade – fuer “Nur-Leser” zu machen geeignet waere. Ich sehe, um dies vorab zu sagen, ueberhaupt keine negativen Konsequenzen in dem von mir vorgeschlagenen Verfahren, einen vielleicht etwas steigenden administrativen Aufwand, der sich aber sehr in Genzen halten duerfte. Insgesamt wuerde nach meiner Auffassung das Forum durch ein solches Verfahren erheblich gewinnen. Sollte sich mein Vorschlag als etwas herausstellen, was – entgegen meiner Ansicht – dennoch negative Konsequenzen zeitigt, koennte das Forum ohne Schwierigkeiten wieder auf den bisherigen Verfahrensstand zurueckgefuehrt werden. Mein Vorschlag ist der:
Die Redaktion liest jeden Beitrag. Und sie entscheidet, ob sie ihn loescht oder nicht. Warum richtet sie dann nicht 2Foren ein ?Dabei koennte in einem Forum der Zugang so bleiben wie bisher. Damit bliebe der Vorteil einer “real-time-discussion” erhalten. Und all’ die Beitraege, von denen die Redaktion glaubt, sie nicht loeschen zu sollen oder zu muessen, werden dann, nach der jeweiligen Ueberpruefung des Thread, jeweils in ein 2. Forum uebernommen unter eben diesem Thema, waehrend der Thread im 1. Forum bis auf den allerersten Beitrag zeitgleich komplett geloescht wird. Zu diesem 2. Forum haben aber nur Leser Zugang, in diesem kann nichts Neues gepostet werden, das geht nur in Forum 1. (und dieser redaktionelle Vorgang wird eben periodisch wiederholt, nicht zu loeschende Beitraege werden dem Thread im 2. Forum hinzugefuegt usw.)
So wuerden Sie erreichen, dass Personen, die sich fuer ein Thema interessieren, nur Diskussionsbeitraege in Forum 2nachlesen koennen und sich nicht durch hunderte von Mails “quaelen” muessen, um nach der 25. Mail schliesslich festzustellen, dass Herr Maier sich nun doch nicht mit Herrn Mueller auf dem Oktoberfest treffen kann, weil dieser naemlich genau um eben diese Zeit seinen Hund “Gassi” fuehren muss.
Im uebrigen duerften die Poebeleien dann auch in dem Forum “2” nicht mehr vorhanden sein und die geistige Arbeit, von der Udo Teichmann sprach, bliebe “konserviert”.
Das zweigeteilte Forum” behielte also nach wie vor seinen Diskussionscharakter, wuerde aber auch gute Beitraege nicht der kompletten Loeschung eines Thread anheimfallen lassen, da diese ja in Forum 2“konserviert” waeren.
Es tut mir leid, aber auch nach laengeren Ueberlegungen komme ich zu keinem anderen Ergebnis.
Mit freundlichen Gruessen
Hans-Joachim Heinrich