Datum: 12.07.2001 02:53:07 Autor: Udo Teichmann ©
Aufforderung an die Redaktion, rechtliche Schritte einzuleiten.
Keine Gaskammern im KZ Ravensbrück?
Liebe Mitdiskutanten,
Gaskammern waren jedenfalls nicht das typische Symbol des Leidens und Sterbens im Frauen-KZ Ravensbrück. Die Mahn- und Gedenkstätte des KZs Ravensbrück erwähnt die Tötung durch Gas nur als Randerscheinung für wenige Tausend Opfer ab 1944. Das ist auch nicht aufsehenerregend, denn dieses Lager war nicht als Massenvernichtungslager sondern als Zwangsarbeitslager mit weitverzweigten Außenstellen konzipiert. Gelitten und gestorben wurde gleichwohl erbärmlich in diesem KZ, aber das Töten war nicht das Ziel der Torturen, sondern Ziel und Zweck dieses KZs war das Ausbeuten zur Sklavenarbeit für kriegswichtige Projekte und Firmen.
In dieser Diskussion hat man sich ohne Not eine Scheindebatte um den Nebenaspekt der Gaskammern aufdrängen lassen. Sie sind erst im Laufe des Jahres 1944 in Betrieb gegangen und in ihnen dürften kaum mehr als 6.000 Menschen von der SS umgebracht worden sein. Viel wichtiger sind für Lager dieser Art, also neben Ravensbrück auch etwa für Sachsenhausen, die beklemmenden Erlebnisberichte von überlebenden Insassen, die teilweise in sehr provisorischer Form in den Mahn- und Gedenkstätten dieser KZs ausgelegt sind. Vor diesen Erfahrungen der Entwürdigung, Entrechtung und Versklavung, der Quälerei und dem Hunger, der Menschenverachtung und der Beiläufigkeit des Tötens verblassen alle aufgeblähten Fragestellungen zu den Gaskammern. Hier wurden nicht industriell Tote produziert, wie in den Vernichtungslagern im Osten, sondern hier wurden Menschen zu Sklaven für kriegswichtige Industrien gemacht und unmenschlich, oft bis zum Tod, ausgebeutet. Das ist die Schande dieser Typen von KZs.
Man entlastet das völkermörderische Nazi-Regiment in diesem KZ Ravensbrück nicht, wenn es dort keine Gaskammern gegeben hätte, weil Gastkammern überhaupt nicht auf die Linie des Konzepts solcher Zwangsarbeits-KZs lagen. Es ist daher unerheblich, ob es in Ravensbrück Gaskammern gegeben hat. Es ändert ja nichts daran,. wie schrecklich die Menschen selbst noch in solchen nicht zur massenhaften Vernichtung konzipierten KZs leiden mußten, und wie viele gewissermaßen als Kollateralschäden brutaler Erzwingung von Sklavenarbeit einfach so nebenbei erbärmlich sterben mußten.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann