Datum: 09.07.2001 19:33:12 Autor: holzhey ©
Schröders peinliche Aussage zum Wegsperren von Kinderschändern


Schröders peinliche Aussage zum Wegsperren von Kinderschändern
Es ist schon interessant, daß diese Aussage Schröders hier im Forum keinen Widerhall findet. Wahrscheinlich mögen die meisten nicht widersprechen, weil sie Schröder klammheimlich zustimmen, loben möchte man ihn aber auch nicht, da der politische Gegner aufgewertet werden könnte. Also nehme ich mal unseren Kanzler aufs Korn.

Für mich ist es hochgradig peinlich, wenn ein Kanzler mal eben die flockige Aussage losläßt, daß Männer, die sich an jungen Mädchen vergriffen, weggesperrt gehörten, da sie "seiner Auffassung nach nicht therapierbar seien". Angemessen wäre wohl der Akt der Selbstbescheidung, dies auch als Kanzler so pauschal nicht beurteilen zu können. Grundlage politischen Handelns sollten keine ad hoc-Meinungen sein, ohne daß der Rat von Experten hinzugezogen wird.

Die Gretchenfrage ist, ob ein Mensch trotz übelster Vergehen ein Recht auf Umkehr und Besserung haben darf. Natürlich gilt dies nur unter der Prämisse, daß seine Lernfähigkeit belegbar ist, weil die Gesellschaft ein Recht hat, vor Kriminellen geschützt zu werden. Nachweislich SIND solche Täter therapierbar, gleichwohl die Rückfallquote hoch ist. Was folgt daraus? M.E. nicht das simple Wegsperren, sondern die Mühsal der Überlegung, wie man die Sicherheit erhöhen kann. Damit sei keineswegs abgestritten, daß der Status quo unbefriedigend ist, jedenfalls wenn man den Berichten Glauben schenken darf, nach denen manche Handhabe des psycholog. Gutachtens und des Freigangs zu lax sein könnte. Ein Restrisiko ist aber ex definitione nicht auszuschließen, sofern die Lösung nicht Wegsperren heißt.

Es ist bezeichnend, daß gerade die Kinderschutzbünde eher konsterniert die Worte des Kanzlers aufnahmen, erzeugen sie doch eine Scheinsicherheit. Im Original:

Von fachlicher Seite regte sich Widerspruch an der Schröder-
Forderung. "Wegschließen bringt nichts, es ist erheblich sinnvoller,
diese Straftäter zu behandeln", sagte der Psychologe und
Geschäftsführer des Stuttgarter "Bewährungshilfe"-Vereins,
Siegfried Bayer, am Montag in einem dpa-Gespräch. Der Verein hat
zum Ziel, Sexualstraftäter zu betreuen und zu therapieren.

Der Kinderschutzbund hat die Forderung von Kanzler Gerhard
Schröder nach deutlich härteren Strafen für Sexualstraftätern als
«ein Stück weit populistisch» kritisiert. Schröder denke nur an die
spektakulären Fälle und habe nicht die «gesamte Komplexität des
Problems» erfasst, sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers. Bei der
Mehrheit der Fälle von Kindesmissbrauchs komme der Täter aus
der Familie oder aus deren direkten Umfeld. In diesen Fällen sei
Hilfe wesentlich effektiver als Strafe.

Sollte Schröder rein zufällig diese Äußerung gestreut haben, will ich sie ihm als Dummheit verzeihen. Ist sie vom Timing gezielt, kotzt sie mich an. Merkwürdig ist zudem, daß gleiches Ansinnen der CDU (das damit nicht besser ist) vor wenigen Monaten im Bundesrat noch abgelehnt wurde.

MfG

MHy