Datum: 27.07.2001 18:23:37 Autor: Udo Teichmann ©
G8-Gipfel, die Maske fällt


Riker: Überforderte Polizisten
Hallo Riker,

---Zitat---
Und wenn man diese ernüchternde Erkenntnis eines „Erfinders“ der Psychoanalyse auf die Gesellschaft umlegt, dann frage ich mich, wer die überforderten Polizisten therapieren bzw. präventiv auf den Wahnsinn der Straßen vorbereiten soll. Man könnte es fast so auf den Nenner bringen: Wer den Wahnsinn bzw. das Chaos kontrollieren will, wird früher oder später selber verrückt.
---tatiZ---

Diese Einsicht gehört zum Alltag der Polizei, auch der Polizeiausbildung. In der Führungsakademie der Polizei in Münster-Hiltrup gibt es dazu umfangreiche wissenschaftliche Studien. In der Ausbildung, dabei insbesondere in dem Fach "Berufsethik" werden diese Fragen von Philosophen, Psychologen und Theologen aufgegriffen und an Alltags- und Krisenherausforderungen von Polizisten durchgespielt und ausgelotet.

Kriminalitätserscheinungen, auch abstoßende und blutige, sind für Polizeibeamte in ihrem jeweiligen Aufgabengebiet keine nervenzerrüttenden Sensationen sondern berufliches Alltagsbrot, mit denen routiniert, systematisch und planvoll umgegangen wird.

Auch Situationen, in denen der einzelne Beamte oder ganze Einheiten selbst in bedrohliche Lagen geraten, oder in denen sie Störern gegenüberstehen, die ihnen an Zahl oder Einsatzmitteln überlegen sind, gehören zu den "normalen" Übungsszenarien, in denen bis in solche Krisensituationen hinein geübt wird, mit Stress und Gefahr vernünftig und gesetzestreu umzugehen.

Es bleibt trotzdem immer die Gefahr, daß einzelne Beamte oder Einheiten von einer besonders aufwühlenden Situation mitgerissen werden und dabei Übergriffe begehen. Dann gehören solche Übergriffe aufgeklärt und vor Gericht. Dort nämlich, vor Gericht, kann und muß man dann alle die Gründe berücksichtigen, die das Ausrasten aufgrund der Gesamtkonstellation gegebenenfalls in einem milderen Licht erscheinen läßt.
Mit einem Bein, so weiß jeder Polizeibeamte, steht er immer im Gefängnis, weil er eben in Situationen geraten kann, die ihn in diesem Moment überfordern, sodaß er sich selbst strafbar macht.

Das darf aber kein Grund sein, entweder die Polizei abzuschaffen, weil der Beruf Überforderungen mit sich bringen kann, oder Übergriffe nicht zu verfolgen, weil der Beruf tatsächlich riskant ist. Nein, auch dieser heikle Beruf ist voll eingebettet in unseren Rechtsstaat, und weil er sogar ein Grundstein des Rechtsstaats ist, darf es in der Ausübung dieses Berufs keine rechtsfreien Zonen für Willkür und Übergriffe geben.

Aber all das hat ja mit den Verdachtsmomenten wegen der Polizeiverbrechen in genua wenig zu tun. Wenn sich dieser Verdacht auch nur in einigen Details erhärten sollte, muß man für die betreffenden Einheiten befrüchten, daß in ihnen ein rechtsstaatsfeindliocher Willkürgeist herrscht, der womöglich auch noch politisch gefärbt ist. Hier geht es nicht mehr um entschudlbare Übergriffe in der Hitze des Gefechts, sondern um systematische staatliche Angriffe auf Menschen- und Grundrechte, also um Regierungskriminalität. Und die ist immer auch ein politischer Skandal erster Güte.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann