Datum: 27.07.2001 17:47:38 Autor: Udo Teichmann ©
G8-Gipfel, die Maske fällt


Johann Bornschlegl
Hallo Johann,

es ist natürlich ein ziemliche Zumutung, mehr als 600 Beiträge in Erinnerung zu halten. Umso riskanter sind dann aber solche Feststellungen:

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Wenn Du Dich in allererster Linie auf das Vorgehen der Polizei und nicht der Randalieren kaprizierst, somit auf die Folge und nicht auf die Ursache, haben die gewalttätigen Krawallmacher bei Dir ihr Ziel erreicht, mehr noch, Du machst Dich implizit zu ihrem Bundesgenossen. Ob Dir das gefällt oder nicht. Und dafür wirst Du bei mir wenig Verständnis finden.
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Tatsache ist, daß ich mir weiter unten die Finger wund geschrieben habe mit Beiträgen, die sich massiv gegen Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele ausgesprochen und um Verständnis und Zustimmung für die rechtmäßige Polizeiarbeit geworben haben.

Es ist nicht mein Verschulden, daß die italienische Polizei anschließend, völlig unabhängig von den konkreten Gewaltaktionen auf der Straße, etwa nächstens in der bekannten Schule oder in den Gefangenensammelstellen verbrecherische Aktionen austobt, die man als Demokrat nur aufs schärfste verurteilen muß.

Im übrigen habe ich den von Dir aufgegriffenen Beitrag ausschließlich mit Blick auf die Todesschüsse gegen Carlo Guiliano geschrieben. Nur auf diesen 23 Jahre jungen Mann bezogen sich meine Bemerkungen, und ich erhob keineswegs den Anspruch, in diesem Einzelschicksal Lebensumstände und Gesinnung aller Gewalttäter umschrieben zu haben. Es war ein behutsamer Denkanstoß und keine abschließende Analyse.

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Das ist ja schön und gut, solange da daraus resultierende "verstehen" mit nachvollziehen zu bersetzen ist, nicht mit billigen.
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Wie wäre es denn, wenn Sie einfach zur Kenntnis nähmen, daß ich in dem selben Beitrag anschließend diesem "Verstehen" eine ausführliche und nachdrückliche Mißbilligung an die Seite gestellt habe. Wozu dann diese Fragestellung, ob ich wohl per "Verstehen" Gewaltakte "billigen" wollte?

Es ist offenbar schwer, auch bei gutem Willen das Thema intellektuell und emotional im Griff zu behalten. Trotzdem sind solche Diskussionen unausweichlich. Es muß in einer demokratischen Gesellschaft immer wieder um den demokratischen Prozeß gerungen werden, der sich eindeutig für ein Gewaltmonopol der Staatsmacht ausspricht. Umso fairer und gesetzmäßiger muß dieses Gewaltmonopol dann aber auch gegen jedermann eingesetzt werden und darf unter keinen Umständen selbst die anvertraute Gewalt zu politischen Zwecken mißbrauchen. Das ist die Gewissensfrage, der sich ein Innenminister, ein Polizeiführer und jeder einzelne Polizeibeamte bei jedem Einsatz immer wieder redlich stellen muß. Sie müssen jedes mal wieder neu das Vertrauen rechtfertigen, das dem Gewaltmonpolisten eingeräumt wird.

Wo aber mit gewichtigen Gründen der überwältigende Verdacht entsteht, daß die dem Gewaltmonopol anvertraute Macht willkürlich mißbraucht wurde, vielleicht sogar in der systematischen Behandlung der Gefangenen einen allen rechtsstaatlichen Maßstäben hohnsprechenden Ungeist in der Truppe verrät, dann ist die Gesellschaft insgesamt gefordert, solchen Verdacht aufzuklären und gegebenenfalls dafür zu sorgen, daß in der Polizei demokratische und rechtsstaatliche Kultur besser zum Zuge kommt. Und das gilt europaweit.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann