Datum: 21.07.2001 00:41:18 Autor: Udo Teichmann ©
G8-Gipfel, die Maske fällt
Luise
Liebe Luise,
ich habe auch Ihre leidenschaftlichen Beiträge in dem anderen Thread gelesen, und sie sind mir nahe gegangen, ebenso wie die ohnmächtige Wut von Marco.
Und damit wir uns gleich richtig verstehen: Ich habe jahrelang fast an jeder Demonstration in Köln teilgenommen, und zwar auf der Seite des Gewaltmonopols. Und ich habe in Berlin als friedlicher Demonstrant auch vor den Wasserwerfern gesessen und bin unter CS und CN Gas gekommen, und wir Demonstranten haben uns gegenseitig die Augen ausgespült. Ich habe als friedlicher Demonstrant mit einer Kerze auf der Potsdamer Straße gesessen, nachdem dort ein junger Demonstrant von einem BVG-Bus umgefahren und getötet worden war. Und ich mußte fluchtend den besinnlichen Ort der Trauer fluchtartig verlassen, als Polizeifahrzeuge dicht an dicht über die ganze Breite der Straße mit Vollgas auf die sitzenden Demonstranten losrasten. Und neben mir half ich einem hohen Gewerkschafter über den Zaun, damit er sich in einen Innenhof retten konnte. Und dem mußte ich sogar einen Stein aus der Hand nehmen, den er in spontaner Empörung den verbrecherisch handelnden Polizeibeamten nachwerfen wollte. Wir haben statt dessen die lokale Befehlsstelle der Polizei ausfindig gemacht und Maßnahmen gegen die Beamten gefordert, die mit ausdrücklicher Billigung des damaligen Innensenators Lummer unter in Kaufnahme von schwersten Verletzungen auf die am Boden sitzenden Trauernden losgerast waren. Bei den Verhandlungen über die Personalienfeststellung der beteiligten Beamten und die Strafanzeige kamen wir tatsächlich auch nur knapp an Grobheiten und Beschimpfungen durch unbeherrschte Polizeibeamte vorbei. Ich weiß, daß Polizeibeamte bei unruhigen Demonstrationen oft unverhältnismäßig draufhauen und manchmal auch feindselig auf friedliche Demonstranten losgehen, wenn aus deren Richtung Gewalttaten begangen werden. Und ich weiß ebenso, daß bei der großen Mehrheit der Demonstrationen, z.B. in Berlin etwa 600 im Jahr, die Polizei klug und behutsam vorgeht und sich vorbildlich demokratisch verhält.
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re.:Udo Teichmann-und das, was die USA und ihre 7 Adlati betrieben und
weiter betreiben, das ist keine Gewalt?
....das ist nicht tödlich?
....das bringt keine unschuldigen Menschen um?
....das vernichtet oder saugt die Lebensgrundlagen 80% der Weltbevölkerung aus?
---tatiZ---
Ja, wir müssen uns für strukturelle Ursachen von Not und Tod in der dritten Welt verantwortlich machen lassen. Nur, verantwortlich sind nicht acht Politiker sondern wir alle, als Gesellschaft, als Staatsbürger, als Konsumenten, als Menschen mit unverschämten Lebensstandardansprüchen. So leicht kommen wir nicht davon, ein paar Politziker oder Polizisten verprügeln, und dann ist alles im Lot? Nein, wir müssen unsere Ansprüche zurückschraiben, müssen bereit sein, zu teilen, spürbare Einhußen hinnehmen für die Menschen in der dritten Welt.
Sie können den Bush prügeln so lange Sie wollen, die Amerikaner insgesamt müssen zu ihrer Verantwortung finden, so wie wir Europäer auch, ihr einsichtiger Nachbar ebenso, wie der uneinsichtige Hinterwäldler, der die Not in der Welt höhnisch auf unmäßiges Schnackseln zurückführt. Und der Weg dahin, der qualvolle Weg dorthin, ist der demokratische Prozeß, keine Latten, die man Leuten auf den Kopf haut und keine Feuerlöscher, die man auf Polizisten wirft.
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Ihre "Anständigkeit", lieber Udo Teichmann, die "ehrt" sie ja, vor allem bringt´s Punkte auch bei den Blinden und Hörigen, aber ich denke, es wird auch hier Zeit zu lernen, wann man darauf verzichtet, eine "Bahnsteigkarten" zu lösen, um in einen Zug einsteigen zu dürfen!
....und noch eines, "Latschdemos" sind nur dann effektiv, wenn andere, um der Sache willen, ihre eigene Unversehrtheit, ihre Freiheit oder ihre weitere Zukunft in Frage stellen!!!!!
---tatiZ---
Hier, liebe Luise, rufen Sie nun also die Revolution aus. Demokratie dauert zu lange, ist nicht beweglich genug, da werden wir dem Bewußtsein mal mit Gewalt auf die Sprünge helfen?
Und damit schlagen Sie einen verhängnisvollen Irrweg ein. Ihre Motive teile ich, das Mittel der Gewaltanwendung zur Erreichung politischer Ziele lehne ich ohne jede Einschränkung ab. Wenn wir unsere Mitbürger nicht dazu bringen können, auf demokratischem Wege das Nötige zu tun, dann würde Gewalt nur die Probleme vervielfachen. Ich bestehe darauf, daß Sie gefälligst eine Bahnsteigkarte kaufen!
Nur die Rechtsordnung und die Selbstverpflichtung auf die Schranken des demokratischen Prozesses sind der Weg, um Mißstände in dieser Welt anzugehen. Viele freilich haben den Glauben an die Demokratie aufgegeben, wer aber daraufhin seine Hoffnung auf die Gewalt setzt, hat verloren, bevor er begonnen hat.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann