Datum: 03.08.2001 18:55:44 Autor: aaa ©
Hakenkreuz-Mahnmal


«Ich kann aus Hakenkreuz keinen Davidsstern machen»
Stolberg. Eine Woche Urlaub im Schwarzwald, das sollte erholsam werden für Matthias Peters. Doch das mobile Zeitalter hat seine Tücken und das Handy wollte einfach nicht still stehen. Still halten will nun auch der Stolberger Kunstschmied nicht länger.

Enttäuscht und empört angesichts der aktuellen Diskussion über eine mögliche Änderung seines Mahnmals vor dem Zinkhütter Hof, hat er im Gespräch mit unserem Redakteur Michael Grobusch gestern angekündigt, dass er von der Gestaltung des Kunstwerkes nicht im Geringsten abweichen will.

Sie waren im Urlaub, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, war in Stolberg. Das Resultat ist die Abmachung, dass Ihr Mahnmal geändert werden soll.

Peters: Ich war lediglich eine Woche auf Reisen und finde es sehr unglücklich, dass das Gespräch ausgerechnet in diesem Zeitraum stattgefunden hat. Zu der Abmachung stelle ich klar: Dieses Mahnmal wird auf keinen Fall modifiziert, daran wird auch Herr Spiegel nichts ändern können.

Warum diese Verweigerungshaltung?

Peters: Hinter dem Mahnmal steckt eine Gesamtkonzeption. Das verzerrte Hakenkreuz prangert die Nazis an, die Menschen nach Stolberg deportiert haben, und der Stacheldraht steht für diese Menschen, die in dem Lager eingesperrt waren. So ist es gedacht, und so wird es bleiben. Ich kann aus dem Hakenkreuz keinen Davidsstern machen.

Herr Spiegel hat gefordert, das Mahnmal entweder abzuändern oder zu entfernen.

Peters: Zur Änderung habe ich mich ja gerade schon geäußert. Und zum Entfernen sage ich nur: Das ist mein Kunstwerk, das bewusst geschaffen und ebenso bewusst an eben dieser Stelle aufgestellt worden ist. Dort wird es stehen bleiben, und wenn ich dies mit Hilfe eines Anwalts durchsetzen muss.

Können Sie die Beweggründe Spiegels denn nachvollziehen?

Peters: Nach seinem Besuch in Stolberg hat er gesagt, das Mahnmal habe ihn bedrückt. Das war im Grunde eine Anerkennung der Wirkung, die erzielt werden soll. Herr Spiegel darf jedoch nicht vergessen: Das Mahnmal erinnert an die Opfer, die im Stolberger Arbeitslager gelitten haben oder umgekommen sind. Unter ihnen befand sich kein einziger Jude.

Der Schriftzug «Mahnmal in Entwicklung» ist wieder vom Sockel entfernt worden.

Peters: Da ist mir jemand zuvor gekommen. Es ist eine Frechheit, so etwas ohne Absprache mit mir anzubringen. Das ist eine Beleidigung des Künstlers und nicht zuletzt auch eine Verletzung des Urheberrechtes.

Dennoch sind Sie zu einem Kompromiss bereit.

Peters: Aber nur was den Schriftzug betrifft. Mit dem Hinweis «Den Opfern des Nationalsozialismus» bin ich absolut einverstanden. Auch eine Tafel, die an die Herkunft der deportierten Zwangsarbeiter erinnert oder auch auf die Namen der 34 Toten verweist, finde ich gut.

Haben Sie inzwischen persönlich mit Herrn Spiegel gesprochen?

Peters: Bislang leider noch nicht, aber ich werde das Gespräch suchen. Allerdings nicht, um über Änderungen zu diskutieren, sondern allein mit dem Ziel, ihm zu verdeutlichen, was hinter dem Mahnmal steckt.

Gesprächstermin

«Wir haben gesagt, dass das Mahnmal weiterentwickelt wird, aber immer unter dem Vorbehalt, dass der Künstler mit einbezogen wird», stellte Hans-Josef Siebertz am Dienstag auf Anfrage der SZ klar. «Die Änderung der Inschrift bedeutet eine klare Verstärkung und ist schon eine Weiterentwicklung», so der Bürgermeister. Ob es bei diesem Schritt bleibt, soll Ende August entschieden werden. Dann haben sich Siebertz, Matthias Peters und Initiator Matthias J. Breuer zu einem weiteren Gespräch verabredet.