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Bremerhaven vermodert und vergammelt

- es stinkt zum Himmel! -

Januar 1999

Bremerhaven, dieses schmucke Städtchen - es war einmal. Wer heute durch die Stadt geht, den sieht die kaum noch röchelnde Sieche mit großen, schwarzen Augen an: leere Fenster, wo einmal Geschäfte waren. Ganze Straßenzüge zerfallen.

Welchen Reiz löst eine Geschäfts- und Vergnügungsstraße aus, in der in jedem 3. Haus anstatt eines Ladens gähnende Leere herrscht? Den des Ekels...

Der Verfall nagt. Er nagt nicht nur am Rand, wo die Läden schon lange sterben, er nagt auch mitten im Kern der Stadt, im Haupteinkaufsgebiet. Machen wir einen kleinen Spaziergang und gehen durch die Alte Bürger, in der 1. Januarwoche, anno domini 1999.

Es stehen leer die Geschäftsräume im Erdgeschoß:

Alter Bürger 128, rechts
Alter Bürger 130, links
Alter Bürger 130, rechts
Alter Bürger 123, rechts
Alter Bürger 129
Alter Bürger 144, links
Alter Bürger 146, links
Alter Bürger 152
Alter Bürger 156, links
Alter Bürger 176, rechts
Alter Bürger 137, links
Alter Bürger 153
Alter Bürger 208
Alter Bürger 161

Macht Stücker 14, nicht gerechnet die als Büroräume umgewandelten Nutzungsflächen.

Und das Papier auf dem Boden des Hausflurs in der Alten Bürger 202 verströmt den anheimelden Charme eines stillgelegten U-Bahn-Schachts.

Wer mag da noch einkaufen gehen!? So gibt ein Geschäft nach dem anderen auf, in anderen Straßen ebenso wie in der alten Bürger. Was ist aus der Langen Straße geworden, was aus der Rickmersstraße, früher Mittelpunkt betriebsamen Lebens?

Und das sind nur 3 Namen von vielen...

Aber es soll ja alles anders werden. Heißt es. Große Plakate sind schon da:

"Bremerhaven wird schöner, neuer, besser
1999 kommen wir nach oben
"

Große blaue Plakate. Vielleicht hätte man die gleich auf die leeren Schaufenster kleben sollen, damit man das Elend dahinter nicht sieht...

Jahr für Jahr wurden die Discountmärkte mächtiger. Jahr für Jahr sind in Bremerhaven die kleinen Läden gestorben. Nun sind die großen dran. Der Kernfraß reicht voll ins Herz der Stadt. Das "KaFu" gab vor kurzem auf, die Lebensmittelabteilung im Horten, ein Kernstück der Bürgermeister-Smidt-Straße, zählt seine letzten Stunden. Und Horten, Eckpfeiler im Bollwerk des Handels in Bremerhaven, ist von der Metro wegen "schlechter Ertragslage" zu den Akten gelegt worden. Allein, die Leiche röchelt noch... ein paar Tage. Und dann???

Aber, es soll ja alles besser werden. Vielleicht durch die großzügige Morgengabe an einen Unternehmer, der 3 Millionen aus dem Stadtsäckel bekommt als Dank dafür, daß er das Herz des Lebensraums in Geestemünde vernichtet und einen neuen Großmarkt hineinknallt?

Und doch, es soll ja alles besser werden. Vielleicht durch die Ocean-Park-Betonwüste, die von einem großen maritimen und Vergnügungszentrum für Millionen Besucher durch fortwährende Annäherung an die Wahrheit der betriebswirtschaftlichen Fakten zu einer lächerlichen Ansammlung von Einkaufsflächen mit Gastronomie schrumpfte, nichtsdestotrotz aber eine wahnwitzige Vernichtungsschlacht von Steuergeld geblieben ist?

Dummheit und Korruption, Korruption und Dummheit...

Und doch, es soll alles besser werden. Bremerhaven kommt nach oben, in der Arbeitslosenhilfe zum Beispiel. Laut Fernsehen sind wir damit in Deutschland sogar schon an der Spitze, stückmäßig...

Plakatemäßig sind wir es auch:

"Bremerhaven wird schöner, neuer, besser
1999 kommen wir nach oben
"

Parolen wie in der DDR - der gleiche überzeugende Charme, der gleiche Kleister, der gleiche Wahrheitsgehalt. Doch in der DDR, das darf der Betrachter nicht verschweigen, gab es eine Abstimmung mit den Füßen.

Aber wohin sollen wir gehen?

Armes Deutschland

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