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Dieser Text ist erschienen als Anzeige im Sonntagsjournal Bremerhaven, 30.5.99, Seite 24, und wurde uns von Herrn Harms freundlicherweise zur Veröffentlichung freigegeben


IN EIGENER SACHE

Kommentar zu der vom Senat beschlossenen Ansiedlung der Firma Daewoo auf dem ehemaligen Vulkan-Gelände

Vorweg möchte ich erklären, daß die Firma Harms zu keinem Zeitpunkt aus bestimmten Gründen Ambitionen hatte oder hat, Daewoo als Kunden in Bremerhaven zu gewinnen. Wir haben Rücksicht zu nehmen auf langjährige alte Kunden, die uns, und damit auch Bremerhaven, auch in schwierigen Zeiten die Stange gehalten haben, und damit die Arbeitsplätze gesichert werden konnten, und das im Laufe der letzten 20 Jahre und darüber hinaus.

Was uns beunruhigt, ist die Tatsache, daß man mit dieser Aktion den in aller Welt als gut funktionierenden Auto-Terminal in Frage stellt. Uns wurde mehrfach bestätigt, daß die Abwicklung in Bremerhaven, und dazu zählen auch die Partner wie BLG oder Schiffsmakler, und die Vertretungen großer Reedereien gut zusammenarbeiten und somit Bremerhaven z.B. von einem Kunden zum schnellsten Hafen weltweit ernannt wurde.

Weiter möchte ich hiermit zum Ausdruck bringen, daß im Import die Aufträge von anderen Häfen, wie z.B. von Antwerpen oder Rotterdam, nach Bremerhaven verlegt werden konnten, nachdem diese bereits über Jahre in den eben genannten Häfen ansässig waren. Hier war das gesamte logistische Konzept, nämlich direkt vom Schiff zum Handel Fahrzeuge zu verbringen und somit die Transitzeiten zu verkürzen und den Kapitaldienst zu reduzieren, ausschlaggebend.

Dazu gehören auch die Inland-Terminals, wo ein Teil der Lkw stationiert ist, um im Schichtverkehr ständig den Hafen wieder anlaufen zu können, um die angelandeten Mengen so schnell wie möglich abzufahren. Hier spielen auch die Vorschriften über Lenkzeiten eine wesentliche Rolle, und in Zukunft wird dieses Thema noch problematischer.

De Gesamtinvestition, die die Firma Harms seit Aufnahme des Toyota-Verkehrs im Jahre 1978 getätigt hat, beläuft sich auf über 500 Mio. DM. Die Gesamtsubvention, von der immer Herr Senator Beckmeyer spricht, beläuft sich auf ca. 1,5 Mio. DM, und das war vor 20 Jahren einmalig für beide Terminals Kaiserhafen und Fischereihafen, und das nur auf die technischen Einrichtungen. Das sind 0,33% von der von Harms investierten Summe.

Diese technischen Einrichtungen waren erforderlich durch gesetzliche Vorschriften wie Entwachsungsstraßen mit Wasseraufbereitungsanlagen oder aber bei den Lackieranlagen die Entsorgung der Luft, sogenannte thermische Nachverbrennung. Hier können wir mit stolz behaupten, daß wir die ersten in unserer Branche und damit in Bremerhaven waren, und das hat manchen Kunden bewogen, sich hier anzusiedeln. Ebenso wichtig ist die Unterhaltung des Fuhrparks von nunmehr 400 Einheiten und dazu die entsprechenden Lkw-Werkstätten.

In der Zwischenzeit von 1978 bis heute hat die Firm Harms an Miet- und Erbpachtzinsen, Hafengebühren, Grundsteuern etc. ein Vielfaches zurückgezahlt und nebenbei die Zahl der Arbeitsplätze von 50 auf 600 erhöht, und hier handelt es sich um hochwertige Arbeitsplätze wie Autoelektriker, Automechaniker, Lackierer, Kfz-Meister, Karosseriebauer etc.

In diesem Zusammenhang mußte die BLG durch den Strukturwandel (z.B. Containerbrücke) Arbeitsplätze abbauen. Am Autoumschlag sind inkl. unserer Kollegen und der BLG mindestens 1500 Menschen beschäftigt. In etwa ist diese Anzahl auch von der BLG freigesetzt worden. Hier ist also etwas geschaffen worden als Ausgleich zur Reduzierung der BLG.

Und nun zu Daewoo:

Im Zuge der Abwicklung von Rückladungen nach Bremerhaven, um die ausgehenden Preise konkurrenzfähig gegen die Westhäfen zu halten, mußten wir uns nach neuen Aufträgen umsehen und kamen so auf die Exporte nach Skandinavien. Da damals noch keine eigene Flotte bestand, mußten wir Schiffe chartern, und zwar aus dem Papierverkehr. Diese wiederum hatten eine festen Terminplan und konnten die Ladung nur als Wayport an Bord nehmen.

Aus diesem Grunde waren wir gezwungen, im Amerika-Hafen in Cuxhaven, was damals noch Hamburger Hoheitsgebiet war, eine Zwangsehe mit der Hamburger Hafen- und Lagerhausgesellschaft (HHLA) einzugehen. Da zufällig der Hamburger Hafen auch weltweit tätig ist und auch vor Ort in Seoul ein Büro unterhält, hat die Firma Daewoo auch die Hamburger Vertretung angesprochen, und die HHLAer waren in erster Linie daran interessiert, Container aus Korea mit Teilen für das neue Werk in Warschau zu akquirieren.

Da wir in unserer Branche zwangsläufig international tätig sind, werden wir auch mit Anfragen über andere Standorte und Häfen konfrontiert. Das ist nicht nur auf Bremerhaven und Hamburg bezogen, sondern auch auf die Westhäfen und südeuropäischen Häfen. Wo immer es möglich war, haben wir Bremerhaven den Vorzug gegeben., und das läßt sich anhand der von uns über Bremerhaven importierten Fahrzeuge leicht beweisen, nämlich ca. 350.000 p.a.

Wenn Herr Beckmeyer jetzt von einem positiven Trend des Hafens Bremerhaven spricht, so vergißt er zu erwähnen, daß dies in erster Linie der Firma Harms zu verdanken ist, denn wir haben den Fischereihafen mit zwei neuen Kunden ins Leben gerufen mit ca. 70.00 Einheiten in diesem Jahr, und wir konnten die sogenannten Transshipments von Bremerhaven nach Skandinavien und Polen akquirieren. Dazu war der Neubau von 4 Schiffen notwendig mit einem Investitionsvolumen von 150 Mio. DM.

Was uns stört, ist, daß man uns nicht zu Rate gezogen hat, nachdem wir dieses Geschäft seit 40 Jahren vor Ort betreiben. Unsere Kontakte auch im Fernen Osten und insbesondere in Japan sind langjährig, eng und täglich. Durch unsere Kooperation mit einem führenden japanischen Reeder, der 250 Seeschiffe, davon 70 Automobiltransporter, bereedert und somit auch täglich mit den logistischen Abteilungen zusammenarbeitet, wird dieses noch vertieft.

Bei Planungen von neuen Werken sind diese japanischen Reeder und somit auch wir von vornherein informiert, daß die Grundausstattung für die Werke zunächst einmal von Japan nach Europa verschifft wird. Gleichzeitig werden wir aufgefordert, entsprechende Verteilerkonzepte europaweit auszuarbeiten. Ich erinnere hier an die gute Zusammenarbeit mit Karl Willms und Heinz Brandt, als Nissan damals einen Standort suchte. Das Angebot wurde gemeinsam mit dem Magistrat Bremerhaven und Harms erarbeitet und vorgelegt. Leider war uns Frau Thatcher mit ihren zig Millionen Subvention um eine Nasenlänge voraus.

Was bringt der Besuche eines, wenn auch mit Titeln versehenen, Mitarbeiters der BBI in Japan, um etwas in Bewegung zu bringen? Die Kosten kann man sich sparen. Das beste Beispiel in dieser Angelegenheit ist die im Bau befindliche Fabrik von Toyota in Valenciennes.

Was Senator Beckmeyer oder Herrn Töpfer betrifft, so wiederhole ich hiermit die Aussage, daß ich diese beiden Herren bitte, sich mit Herrn Wilfried Adam in Wilhelmshaven oder Dr. Froboese im Bonner Verkehrsministerium, seinerzeit Abteilungsdirektor der niedersächsischen Regierung, in Verbindung zu setzen, um meine Darstellung bestätigt zu bekommen, daß ich im Land Niedersachsen eben durch diese beiden Herren gewarnt habe, Gelder für den Ausbau des eventuell geplanten Auto-Terminals in Cuxhaven herauszurücken.

Vielleicht ist aber auch noch erwähnenswert, daß mich Bürgermeister Scherf dreimal und Senator Beckmeyer zweimal angesprochen haben, ob ich nicht bereit wäre, die Firma Harms an die BLG zu verkaufen, und das sogar teilweise im Beisein meiner Söhne, die immerhin schon seit 20 und 10 Jahren in der Firma arbeiten - also mit dem geschenkten Geld aus Bonn einen mittelständischen Betrieb aufzukaufen, um den speziellen Autoumschlag zu beherrschen, und das unter dem Motto "Privatisierung der neuen BLG", während die Großmutter dieser Gesellschaft immer noch fest in den Händen des Staates ist und verbleibt. Also ein weiterhin staatseigener Betrieb mit privatem Außenanstrich. Man kann von den Sozis wirklich noch etwas lernen!

Zum Schluß bleibt also die Tatsache, daß in der Sache Vulkan/Daewoo die Bürgerschaftsabgeordneten der Koalitionspartner, die SPD und die CDU, pro Vulkan-Terminal gestimmt haben und ebenfalls die Umfallerpartei AfB. Nur die Grünen und die außerparlamentarische FDP haben sich für die Sache Bremerhaven Auto-Terminal stark gemacht und eingesetzt. Ihnen gebührt eigentlich unser Dank, und den kann man ja mal bei der anstehenden Wahl am 6. Juni 1999 zum Ausdruck bringen.

Egon Herbert Harms


 

Armes Deutschland

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