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Wir leben alle von der Sonne!

Ich meine es vollkommen ernst: Wir leben alle von der Sonne. Mit allen Konsequenzen.

Die fossilen Brennstoffe sind entstanden aus frühen biologischen Vorgängen. Holz, Pflanzenöl, aber auch Biogas und ähnliche biologische Produkte, die uns Energie liefern, sind heute durch die Wärme und das Licht der Sonne entstanden. Sie haben gar nicht mehr die Gelegenheit, alt zu werden wie die fossilen Brennstoffe.

Unser Essen entsteht durch Pflanzen, die wir essen können oder durch Nahrungsketten, an deren Anfang Pflanzen oder Bakterien stehen und an deren Ende wir sitzen, mit der Hühnerkeule in der Hand, Ende minus 1 das Huhn, das Pflanzen oder Fischmehl gefressen hat. Und so weiter.

Gut, wir wissen heute, daß die Evolution nicht sprunghaft war, sondern ständig abläuft und daß die schwarzen Schlote nicht vom Sonnenlicht abhängen. Angesichts ihrer kleinen Zahl und der Andersartigkeit der Metabolismen denke ich aber, daß wir ohne Verlust der Allgemeinheit solche Sonderfälle ausklammern können.

Nun zum Problem. Der Mensch hat im Lauf der Geschichte sich immer weiter von der Natur entfernt. Der Anfang der Nahrungskette ist noch der gleiche, nur sitzt der Mensch nicht mehr direkt an der Quelle. Er ist eingepfercht in kleine Höhlen und beschäftigt sich mit irgendwelchem Zeug, das er für Andere erledigt. Dienstleistungsgesellschaft nennt man das. Seine Nahrung erhält er über Hunderte von Umwegen als Lohn für seine Tätigkeit. Oder Untätigkeit, je nachdem...

Welchen Unterschied macht es, ob der Mensch in einem Hochhaus eingekerkert ist oder in einer selbstgehauenen Spalte in einem Felsen oder in einer ausgehobenen Grube in der Erde? Keinen. In Australien leben die Opalsucher in Coober Peedy tief in der Erde. Auf einer gewissen, heißgeliebten spanischen Urlaubsinsel sind die Wohnräume in den Felsen geschlagen. In Deutschland werden immer wieder Arbeitslose gefunden, die in Erdlöchern hausen.

Das Wichtigste ist und bleibt das Essen. Ein Bauer sitzt an der Quelle. Er hat die Pflanzen, die man direkt essen kann wie Gemüse oder Kartoffeln. Und die Pflanzen, die man verarbeiten kann wie Getreide, deren verklumpte Mischgemenge mit Wasser und Blähungsmitteln vom Feuer genießbar gemacht werden. Ein Bauer hat auch die Tiere, die ihm unpersönlich Eier liefern oder persönlich das Fleisch, seien es Hühner, Gänse, Enten, Puten. Ziegen und Rinder liefern Milch. Fleisch auch, aber nur ein Mal. Schweine haben weniger Auswahl...

Im zweiten Weltkrieg ist das Problem in Deutschland sichtbar geworden, aber die Lektion daraus hat fast keiner gelernt. Die Frage ist nämlich, was geschieht, wenn ein politisches oder wirtschaftliches System zusammenbricht oder - wie wir heute hinzufügen müssen - die Natur zugrunde geht? Im Krieg und den Jahren danach war aller weltliche Besitz wertvoll, falls ausnahmsweise jemand im Besitz von Eßbarem geruhte, ihm einen Wert zuzumessen. Bauern bekamen Berge von Orientteppichen oder Schmuck oder Gold angeboten, Statuen, Kunstwerke.... Aber wer will schon solche Staubfänger?

Überleben konnte damals am besten, wer möglichst direkt an der Quelle saß. Und die Quelle, das ist da, wo aus Sonnenenergie Eßbares entsteht.

Sonnenenergie hat nämlich eine bemerkenswerte Eigenschaft: Der Mensch muß nichts dafür zahlen. Aber ab da, wo es um Eßbares geht, hat alles seinen Preis. Je weiter der Mensch in der Transportkette der menschlichen sozialen Systeme von der Quelle entfernt ist, desto verletzlicher wird er. Jedes kleine Problemchen irgendwo in der Kette kann für ihn schwere, wenn nicht gar tödliche Probleme haben. Ein Thermometer in der Kühlkette versagt: Salmonellen. Eine Fehldosierung in der Mischanlage: Vergiftung. Ein Unfall auf der Autobahn: Warten auf Nachschub, mitunter wochenlang. Eine Schnittwunde an der Hand des Metzgers: ...

Eine defekte Weiche bei der Eisenbahn, ein Streik der Fernfahrer, ... übel, übel, übel!

Dabei sind das noch die leichten Fälle. Größere Änderungen wie Fluten, Unruhen oder das sich schon bemerkbar machende Problem der elektronischen Uhrwerke mit dem Jahr 2000 legen innerhalb von Stunden ganze Landstriche lahm, in Amerika oder Asien leicht Mehrfaches der Fläche der Bundesrepublik.

Meine Frage an Sie, ganz persönlich: Was haben Sie zu essen? Wie weit weg sind Sie von der Quelle, falls es knallt?

Armes Deutschland

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